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Einführung in den Strawberry-and-Cream-Quiltblock
Dieser fortgeschrittene „Quilt in the Hoop“-(ITH)-Workflow löst ein sehr konkretes Problem: Wie bekommt man ein hochwertiges, leicht „trappunto“-artiges Volumen, ohne dass die Stickmaschine während der empfindlichen Farbflächen bereits durch ein dickes Volumenvlies „kämpfen“ muss.
Die Strategie ist einfach, aber sie verlangt saubere Ausführung: Zuerst sticken wir die komplette Farbstickerei auf einer stabilen, flachen Basis. Erst nachdem die Details sicher fixiert sind, entfernen wir rückseitig das Stickvlies, bringen Volumenvlies von hinten an und sticken dann die finalen Quiltstiche. So stehen die Motive sichtbar „hoch“, während der Hintergrund sauber gequiltet ist – ohne dass die Seide unnötig verzieht.

In dieser Masterclass wird auf pale pink Silk Dupion gestickt – ein Stoff mit wunderschönem Glanz, der aber auch dafür bekannt ist, leicht zu rutschen und an Schnittkanten auszufransen. Stabilisiert wird mit zwei Lagen Stitch-and-Tear; anschließend wird auf ein Sandwich aus Volumenvlies plus Sulky Soft ’n Sheer umgestellt, fixiert mit Odif 505 (temporärer Sprühkleber).

Was du hier lernst
- „Channel Cut“-Technik: Stickvlies von hinten entfernen, ohne die Seide zu verziehen oder die Randstiche zu beschädigen.
- Gezieltes Kürzen: Sprungstiche so reduzieren, dass beim späteren Quilten kein „Zug-und-Kräusel“-Effekt entsteht.
- „Hover Press“ im Rahmen: Sicheres Pressen am eingespannten Teil mit Unterstützung von unten.
- Risikomanagement: Den klassischen Fehler vermeiden: Stoff zu früh aus dem Stickrahmen nehmen, bevor die tragenden Quiltstiche fertig sind.
Silk Dupion und Stickvliese vorbereiten
Silk Dupion ist optisch ein Traum, technisch aber kompromisslos. Im Gegensatz zu Baumwolle „greift“ Seide kaum – sie ist glatt. Wenn die Spannung beim Einspannen ungleichmäßig ist oder du beim Entfernen des Vlieses zu stark ziehst, können sich Fäden verschieben; der Glanz wirkt dann schnell unruhig.
Der Erfolg dieser Methode steht und fällt mit Stabilität am Anfang. Wir arbeiten mit einem Sandwich, das sich mitten im Prozess ändert – deshalb muss die Basis absolut zuverlässig halten.
Materialien aus dem Video (und warum sie wichtig sind)
- Stoff: Pale pink Silk Dupion. Warum: Die leicht unregelmäßige Struktur kaschiert kleine Nadelpunkte, reflektiert aber Licht sehr edel.
- Basis-Stickvlies: Zwei Lagen mittleres Stitch-and-Tear. Warum: Eine Lage reicht bei der Dichte der Fruchtmotive oft nicht, um Konturen sauber zu halten.
- Später ergänzt (Rückseite): Volumenvlies (Felt/Wadding) + Sulky Soft ’n Sheer.
- Kleber: Odif 505 temporärer Sprühkleber. Warum: Hält die Lagen zuverlässig in Position (im Video wird außerdem erwähnt, dass sich Rahmen dadurch verschmutzen können, aber reinigbar sind).
- Werkzeuge: Gebogene Stickschere, Nahttrenner, Pressunterlage (z. B. Woll-Pressmatte).
Versteckte Verbrauchsteile & Vorab-Checks (die diese Methode „still“ gewinnen oder verlieren)
Auch mit perfektem Stoff scheitern viele ITH-Projekte an unsichtbaren Variablen. Vor dem Start prüfen:
- Nadelzustand: Frische Nadel verwenden. Seide reagiert empfindlich auf stumpfe Spitzen; sobald du merkst, dass der Durchstich „zäh“ wird, wechseln.
- Unterfaden-Status: Unterfadenspule so planen, dass du den Quilt-/Abschlussdurchgang möglichst ohne Wechsel durchsticken kannst.
- Rahmen sauber: Innenring abtasten. Kleberreste oder Flusen reduzieren die Haltekraft – Seide kann dann während des Stickens „wandern“.
- Stützmaterial bereit: Ein kleines „Knäuel“ Volumenvlies bereitlegen. Das wird im Video als Unterlage genutzt, um beim Abziehen/Pressen die Satinstiche nicht zu zerdrücken.
Einspann-Stabilität: die „Physik“ der Haltekraft
Diese Technik lebt von kontrollierter Spannung. Der Stoff soll straff sitzen (ohne Fadenlauf zu verziehen), damit beim späteren Entfernen des Vlieses und beim finalen Quilten nichts nachgibt.
Klassische Schraubrahmen arbeiten über Reibung. Auf glatter Seide führt das oft dazu, dass man zu stark anzieht – mit Rahmenspuren (gequetschte Fasern), die sich nicht sauber ausbügeln lassen. Wenn du Seide nicht straff bekommst, ohne Markierungen zu riskieren, ist ein Magnetrahmen für husqvarna viking (oder passend zu deiner Maschinenmarke) in der Praxis häufig die professionellere Lösung: Magnetkraft klemmt von oben, statt den Stoff seitlich „zu ziehen“.
Warnung: Mechanische Sicherheit
Wenn du mit Nahttrenner und gebogener Schere auf der Rückseite am eingespannten Teil arbeitest, bist du nur Millimeter vom fertigen Stoff entfernt. Immer vom Stoff weg schneiden. Nicht „einstechen“, sondern flach parallel zum Vlies arbeiten. Ein Ausrutscher kann die Seide sofort beschädigen.
Prep-Checkliste (erst weiter, wenn alles abgehakt ist)
- Design-Logik: Das Motiv ist für diese Technik aufgebaut (Farbflächen zuerst -> Stopp -> Quiltstiche am Ende).
- Rahmen-Check: Innenring frei von Flusen/Kleber; Schraube so eingestellt, dass Stoff + 2 Vlieslagen ohne Gewalt eingelegt werden können.
- Werkzeug-Station: Gebogene Schere und Nahttrenner griffbereit; Pressunterlage liegt bereit.
- Sprüh-Zone: Separater Bereich/Karton zum Sprühen, mit Abstand zur Maschine.
Schritt 1: Sprungstiche kürzen & Stickvlies korrekt entfernen
Das ist die „Chirurgie“-Phase – hier entstehen die meisten Fehler. Ziel: Das dicke Vlies von hinten weitgehend entfernen, damit später das Volumenvlies die Aufgabe übernimmt und das gewünschte Volumen erzeugt.

1) Sprungstiche kürzen – der „Weg des geringsten Widerstands“
Dreh den Stickrahmen um. Auf der Rückseite sind meist viele Sprungstiche in Clustern. Du musst es nicht perfekt machen. Kürze vor allem dort, wo später Quiltstiche laufen.
- Risiko: Dicke Fadenknubbel können beim finalen Quiltdurchgang eine kurze Zugspitze erzeugen – das kann sich vorne als Kräusel/„Pucker“ zeigen.
- Praxis-Check: Mit dem Finger über die Rückseite fahren. Harte „Hubbel“ flach schneiden; was weich und flach ist, kann bleiben (insbesondere wenn die Rückseite später nicht sichtbar ist – im Video wird genau diese pragmatische Herangehensweise betont).
2) Sichere „Cut Channels“ anlegen (die Schlüsseltechnik)

Nicht einfach eine Ecke greifen und reißen – das verzieht die Randstiche. Stattdessen mit dem Nahttrenner „Kanäle“ bzw. Einschnitte im Vlies innerhalb der Flächen setzen. Du teilst das Vlies in kleine Inseln.
- Fühl-Check: Du hörst/fühlst das „Papier“-Kratzen des Vlieses. Sobald du weichen Stoffwiderstand spürst: Druck reduzieren. Ziel ist Vlies trennen, nicht Stoff verletzen.
3) Stickvlies Lage 1 entfernen (mit Unterstützung)

Lege ein kleines Knäuel Volumenvlies auf den Tisch und setze den Stickrahmen mit der Vorderseite nach unten darauf. So werden die Satinstiche gestützt.
- Zuerst nur die erste Lage Stitch-and-Tear abziehen.
- Richtung Nahtlinie abziehen und mit dem Daumen die Stiche „gegenhalten“, während du das Vlies abreißt.
4) Stickvlies Lage 2 entfernen (die „Gefahrenzone“)

Gleiche Vorgehensweise für die zweite Lage – hier lohnt sich Geduld.
- „0.25 Inch“-Regel: Das Vlies nicht bis ganz an die äußerste Kante entfernen. Einen kleinen Rand (ca. 0.25 inch / 6 mm) rund um die tragenden Randstiche stehen lassen. Das wirkt wie ein stabiler Rahmen und hält den Block „im Quadrat“.
- Wenn ein Stück nicht sauber reißt: mit der Schere schneiden, nicht reißen. Zu starkes Ziehen kann Seide verziehen.
Profi-Hinweis aus dem Workflow: Du musst nicht jedes kleine Detail „freilegen“. Wenn Quiltstiche dort nicht entlanglaufen, kann Vlies in kleinen Bereichen drin bleiben – es stabilisiert zusätzlich.
Schritt 2: Volumenvlies & Backing vorbereiten
Wenn die Rückseite weitgehend frei ist, bauen wir das Quilt-Sandwich auf. Ziel: Die neuen Lagen so plan anzulegen, dass sie sich beim Wiedereinsetzen des Rahmens wie „eine Einheit“ verhalten.
1) „Hover Press“ (Stiche setzen)

Vor dem Volumenvlies wird gepresst – durch das Handling kann sich der Stoff leicht wellen.
- Rahmen mit der Vorderseite nach unten auf die Pressunterlage legen (wieder mit Volumenvlies darunter als Polster).
- Von hinten vorsichtig pressen. Nicht schieben, sondern aufsetzen und abheben („pressen“, nicht „bügeln“).
- Warum? So werden Stiche gesetzt und Falten nicht „eingeschlossen“, bevor die Quiltlinien alles fixieren.
2) Odif 505 aufbringen (sauberer Auftrag)

Volumenvlies und Sulky Soft ’n Sheer in die Sprüh-Zone nehmen.
- Aktion: Auf Volumenvlies und Mesh sprühen – nicht auf den Rahmen und vor allem nicht direkt auf die Seide. Im Video wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Seide Nässe nicht mag.
- Fühl-Check: Es soll „tacky“ sein (wie ein Post-it), nicht nass.
3) Lagen aufbauen


- Lage 1: Volumenvlies (Klebeseite nach unten) auf die Rückseite des Rahmens legen und von der Mitte nach außen glattstreichen.
- Lage 2: Soft ’n Sheer (Klebeseite nach unten) über das Volumenvlies legen.
- Kritisches Detail: Soft ’n Sheer größer zuschneiden als den Rahmen, sodass ein „Schwanz“ übersteht. Dieser Überstand ist dein Sicht-Check: Beim Einsetzen in die Maschine siehst du sofort, ob sich etwas nach innen umgeschlagen hat.
Entscheidungshilfe: Stickvlies & Rahmen passend wählen
Die richtige Wahl vorab spart Zeit und Ausschuss.
| Variable | Wenn dein Projekt... | Dann nimm... |
|---|---|---|
| Stoffart | Robuste Baumwolle / Denim | Standard-Schraubrahmen + Tear-away. |
| Empfindliche Seide / Satin / Samt | Magnetrahmen gegen Rahmenspuren. | |
| Jersey / dehnbare Stoffe | Mesh-/Cut-away-Lösung, um Verzug zu minimieren. | |
| Menge | Einzelstück | Manuelles Einspannen + Sprühkleber ist ok. |
| Serie (10+ Blöcke) | Einspannstation für identische Positionierung. |
Warnung: Magnet-Sicherheit
Magnetrahmen arbeiten mit starken Neodym-Magneten. Finger nicht zwischen die Magnete bringen (Quetschgefahr). Außerdem Abstand zu Herzschrittmachern und empfindlicher Elektronik halten.
Schritt 3: Der finale Quilt-Stickdurchgang
Jetzt kommt der entscheidende Moment: Der Stickrahmen wird wieder an die Maschine gesetzt, damit die Quiltlinien das Sandwich fixieren und die Struktur erzeugen.

1) „Under-Sweep“ beim Wiedereinsetzen
Beim Aufschieben des Rahmens kann die Maschinenauflage die Rückseitenlagen leicht greifen und umklappen.
- Erfolg: Der Rahmen rastet sauber ein und die Rückseite bleibt glatt.
2) Quilt-Durchgang

Maschine starten. Jetzt werden die Quiltlinien (im gezeigten Block vertikale Linien) durch das Sandwich gestickt.
- Beobachtungspunkt: Die ersten Stiche aufmerksam beobachten. Wenn sich der Stoff sichtbar bewegt, sofort stoppen und die Rückseite/Einlage prüfen.
3) Satinkante (optional)
Der letzte Schritt ist häufig eine Satinkante, die die Kanten des Sandwichs sauber „einschließt“.
- Trimmen: Nach dem Sticken ausspannen und überschüssiges Volumenvlies/Backing knapp an der Satinkante zurückschneiden (nicht in die Stiche schneiden).
Betriebs-Checkliste (die letzten 5 Punkte)
- Tail-Check: Sichtkontrolle, dass sich nichts nach innen umgeschlagen hat.
- Freigängigkeit: Keine losen Fäden/Vliesreste im Greiferbereich.
- Geschwindigkeit: Geschwindigkeit reduzieren auf 600–700 SPM. (Hinweis: Dieser Wert stammt aus dem Draft; im Video wird keine konkrete SPM-Zahl gezeigt.)
- Aufsicht: Beim Quilt-Durchgang dabeibleiben – hier passieren Fadenrisse am ehesten.
- Wichtig: Nicht ausspannen, bevor „Design Complete“ angezeigt wird.
Troubleshooting: Häufige ITH-Quilting-Probleme
Auch Fortgeschrittene haben Ausreißer. So ordnest du Symptome praxisnah zu.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Sofortmaßnahme | Vorbeugung |
|---|---|---|---|
| Kräuseln/Wellen am Rand | Spannung ging beim Vlies-Abziehen verloren. | Mit „Hover“-Dampf/Pressen vorsichtig entspannen. | Von Anfang an gleichmäßige Spannung; ggf. Magnetrahmen für reproduzierbare Klemmkraft. |
| Nadelbruch / „Thump“-Geräusch | Lagen zu dick oder Nadel stumpf. | Nadel sofort wechseln. | Passende Sticknadel verwenden und nicht „durchdrücken“ lassen. |
| Rückseite klappt nach innen | Beim Wiedereinsetzen am Maschinenbett hängen geblieben. | Sofort stoppen, Rahmen ab, Rückseite glätten, neu einsetzen. | Überstand („Tail“) bewusst stehen lassen und vor dem Verriegeln kontrollieren. |
| Klebrige Nadel | Kleberübertrag durch zu viel Spray. | Nadel reinigen. | Weniger Spray; nie direkt auf Rahmen/Stoff sprühen. |
| Handgelenke/Hände schmerzen | Zu viel „Perfektion“ beim Kürzen/Abziehen. | Pause machen. Nicht jedes Fitzelchen muss raus. | Nur große offene Flächen freilegen; in Details Vlies stehen lassen. |
Effizienz-Upgrade: Wann lohnt sich besseres Equipment?
Für einen einzelnen Block ist Geduld oft das beste Werkzeug. Wenn du aber ein ganzes Quiltprojekt planst (20, 30 oder 50 Blöcke), wird Ermüdung zum Qualitätsrisiko.
- Engpass: Wiederholtes Einspannen und manuelles Ausrichten kostet Zeit und führt zu Streuung.
- Lösung: Ein Einspannsystem für Stickmaschine kann die Passung standardisieren; Magnetrahmen reduzieren den Kraftaufwand beim Klemmen mehrlagiger Sandwiches.
- Hinweis aus dem Draft-Kontext: Bei sehr hohen Stückzahlen kann eine Mehrnadelstickmaschine helfen, weil Farbwechsel weniger Zeit kosten. (Im Video wird kein konkretes Modell dafür empfohlen.)
Finale: Der Trappunto-Effekt

Nach dem Ausspannen sollte der Effekt sofort sichtbar sein: Die Erdbeer-Motive wirken angehoben, der Hintergrund tritt durch die Quiltlinien zurück. Diese „architektonische“ Tiefe entsteht genau dadurch, dass das Volumenvlies erst später ergänzt wird.


Woran du „Erfolg“ erkennst
- Form: Der Block ist rechtwinklig und nicht verzogen.
- Oberfläche: Die Seide liegt glatt, ohne Zuglinien, die von der Stickerei wegstrahlen.
- Rückseite: Keine Fadenknäuel („Bird’s Nests“); die Rückseite liegt plan für das spätere Zusammensetzen.
Abschließende Praxisnotiz
Im Video berichtet die Erstellerin offen, dass sie bei einem früheren Versuch zu früh ausgespannt hat – dadurch war die Passung nicht mehr zu retten. Genau das ist Maschinenstickerei: ein Handwerk, bei dem Materialverhalten zählt.
Behandle Fehler wie Messdaten: Wenn die Seide gerutscht ist, war die Klemmung zu schwach oder ungleichmäßig. Wenn Fäden reißen, stimmt oft Nadelzustand oder Prozessführung nicht. Sobald du diese Variablen kontrollierst – und deine Stabilisierung/Einspanntechnik passend wählst – wird aus „Hoffen“ ein reproduzierbarer Workflow.
