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Einführung in das Barudan BENT Bedienpanel
Wer zum ersten Mal vor einer 9-Nadel Barudan BENT steht, fühlt sich schnell wie im Cockpit ohne Handbuch: Menüs, Symbole, blinkende Drive-LED – und gleichzeitig der Druck, „einfach loszulegen“, ohne dabei den Stickrahmen zu treffen.
Als Ausbilder in der Maschinenstickerei sage ich neuen Bediener:innen immer: Die Maschine bewertet dich nicht – sie wartet nur auf eindeutige Befehle.
In diesem praxisorientierten Leitfaden entschlüsseln wir den kompletten „USB bis Sticklauf“-Workflow der Barudan BENT. Es geht nicht nur um Tastenfolgen, sondern um die Kontrollpunkte, die dir Sicherheit geben: das eindeutige BEEP nach dem Laden, die sichtbare Stichzahl-Zunahme, das mechanische Verfahren des Kopfes und die Drive-LED (blinkend vs. dauerhaft).
Du lernst, wie du ein Design lädst, die Farbreihenfolge (Nadelreihenfolge) programmierst, den Stickrahmen über eine gezielte „Anvisier-Nadel“ sauber zentrierst, per Trace die Designgrenzen abfährst (Kollisionsschutz) und anschließend den Sticklauf startest.
Außerdem gehen wir auf typische Profit-Killer ein: Rahmenabdrücke, Logos 2–3 mm daneben und der Klassiker „Dateien werden nicht angezeigt“. Ziel ist eine Checklisten-Mentalität, die Nervosität in reproduzierbare Produktionssicherheit verwandelt.

Wovor dich dieser Workflow schützt
In der gewerblichen Stickerei ist eine Barudan ein Arbeitstier – und sie führt Befehle kompromisslos aus. Wenn du es ihr „erlaubst“, fährt sie auch mit hoher Geschwindigkeit in den Stickrahmen.
Der Ablauf unten ist deine Versicherung gegen:
- Mechanische Schäden: Rahmenkollision (Stickrahmen bricht, Bauteile wie Nähfuß/Mechanik können Schaden nehmen).
- Ausschuss: Ein Logo nur 3 mm außerhalb der Passung macht aus einer teuren Jacke schnell ein Reklamationsstück.
- Re-Einspannen-Schleifen: Zeitverlust durch erneutes Einspannen, weil der erste Versuch schief oder versetzt war.

Designs vom USB-Speicher laden
Das Laden ist der „Handshake“ zwischen Datei und Maschine. Bei älteren BENT-Systemen braucht das einen Moment – hier ist Geduld ein echter Produktionsfaktor.
Schritt 1 — USB/Memory-Ladebildschirm öffnen
- Aktion: Menu drücken.
- Aktion: Das Floppy-Disk/USB-Symbol auswählen (im Video als Buchstabe A gezeigt).
- Warten: Nichts weiter drücken – LCD beobachten.
- Erfolgsmerkmal: Die Dateiliste muss rechts im Display erscheinen.
Wichtige Praxiserfahrung: Viele Einsteiger drücken nach 2 Sekunden erneut, weil „nichts passiert“. Genau das führt oft zu Bedienfehlern/„festgefahrenen“ Menüs. Gib der Maschine mindestens 5–10 Sekunden. Im Video wird ausdrücklich gewartet, bis die Liste rechts sichtbar ist.

Schritt 2 — Design auswählen und in den Speicher übernehmen
- Navigation: Mit den Pfeiltasten die gewünschte Datei markieren.
- Aktion: Enter drücken.
- Sichtkontrolle: Die Stichzahl zählt beim Laden sichtbar hoch.
- Akustischer Anker: Auf das klare BEEP warten.
Das BEEP ist Pflicht. Wenn du vorher weiterklickst, kann die Datei unvollständig im Speicher landen – das endet gerne in einem Stop mitten im Lauf.

Schritt 3 — Prüfen, was im Maschinenspeicher liegt
Nicht raten – prüfen. Im Video wird über die B-Taste (Symbol: Boot mit drei Kästchen) der Maschinenspeicher angezeigt.
Warum das wichtig ist: In der Praxis wird schnell „Logo_V2_Final“ erwartet – geladen ist aber „Logo_V1_Test“. Ein kurzer Blick auf Dateiname/Stichzahl spart dir teure Fehlstickerei.
Optional — Muster rotieren (wenn nötig)
Wenn dein Einspann-Setup (z. B. gedreht eingespanntes Teil) es erfordert, muss die Datei zur realen Lage passen.
- Zum Menü Rotate Pattern gehen (Symbol F in verschiedenen Ausrichtungen).
- Orientierung wählen.
- Sichtkontrolle: Das „F“ auf dem Display muss zur Lage des eingespannten Textils passen.

Kommentar-getriebener Hinweis: „Meine Dateien werden nicht angezeigt“
Ein häufiger Frustpunkt (auch in den Kommentaren): USB steckt drin – aber es werden keine Designs angezeigt, oder DST-Dateien tauchen im Emulator nicht auf.
Das ist meist kein Maschinenfehler, sondern eine Format-/Struktur-Inkompatibilität des verwendeten Floppy-/USB-Emulators.
- Ordnerstruktur: Viele Emulatoren erwarten ein bestimmtes Ordnerschema (z. B. nummerierte Ordner wie
DST001). - Kapazitätsgrenzen: Ältere Emulatoren an einer barudan Stickmaschine lesen teils keine sehr großen USB-Sticks (häufig werden in der Praxis kleinere Sticks genutzt).
- Dateinamen: Kurz halten (Legacy-Logik), Sonderzeichen vermeiden.
Fehlersuche nach System: Immer nur eine Variable ändern: erst einen anderen (kleineren) USB-Stick testen, dann Dateiname kürzen, dann Format/Ordnerstruktur prüfen.

Nadel-/Farb-Reihenfolge programmieren
Hier übersetzt du „Farbe im Design“ in „physische Nadel mit Garn“. Wenn das falsch ist, wird Rot plötzlich Blau – oder Schrift verschwindet, weil sie Ton-in-Ton gestickt wird.
Schritt 4 — Programmierbildschirm für Farben/Nadelreihenfolge öffnen
- Aktion: Taste mit Boot-Symbol und Pfeil nach rechts drücken (im Video als Buchstabe C gezeigt).
- Anzeige: Es erscheint C1 (Farbblock 1), danach C2, C3 usw.
- Programmierung: Mit C+ (oder Ziffern) die gewünschte Nadelnummer je Farbblock zuweisen.
Beispiel aus dem Video (Reihenfolge):
- C1 → Nadel 4
- C2 → Nadel 1
- C3 → Nadel 9
- C4 → Nadel 3
Akustischer Anker: Die Beep-Folge bestätigt, dass die Auswahl übernommen wurde.

Expertenhinweis: „Nadelreihenfolge“ ist Produktionskompetenz
Anfänger wechseln Garnkonen ständig. Profis standardisieren.
Strategie „Haus-Nadelbelegung“: Bei einer 9-Nadel-Maschine bleiben Standardfarben dauerhaft auf festen Nadeln, und nur einzelne Nadeln werden für Sonderfarben umgerüstet.
- Vorteil: weniger Rüstzeit.
- Vorteil: weniger Einfädel-/Zuordnungsfehler.
Wenn du merkst, dass du für jeden Auftrag alle 9 Nadeln neu bestücken musst, ist das ein Workflow-Signal: Entweder fehlt Standardisierung – oder du brauchst perspektivisch mehr Kapazität (z. B. eine zweite barudan Stickmaschine), um Farbpaletten parallel vorzuhalten.

Stickrahmen zentrieren über manuellen Nadelwechsel
Jetzt geht es in die „physische“ Phase: Augen, Hände und Maschine müssen sauber zusammenspielen.
Schritt 5 — Startgeschwindigkeit prüfen (wie gezeigt)
Im Display ist Starting Speed = 650 RPM zu sehen.
Praxiswert für Einsteiger: 600–700 RPM ist ein sinnvoller Sicherheitsbereich, besonders bei neuen Designs oder riskanten Materialien.

Schritt 6 — Kopf manuell auf eine bevorzugte Nadel zum Anvisieren fahren
Im Video wird ein sehr praxistauglicher Trick gezeigt: Der Kopf wird auf Nadel 9 (ganz rechts) verfahren, um den Stickrahmen besser „anzuvisieren“.
- Aktion: Taste mit Nadel-/Methoden-Symbol (manueller Nadelwechsel) drücken.
- Hinweis: Display fordert zur Bestätigung auf.
- Aktion: Grünen Start-Knopf drücken.
- Bewegung: Der Kopf fährt mechanisch auf die gewählte Nadelposition.
Warum Nadel 9? Ganz rechts ist die Sichtlinie auf Nadel/Nähfuß oft am freiesten – du kannst den „Drop-Point“ besser beurteilen.

Schritt 7 — Stickrahmen mit Pfeiltasten zentrieren (inkl. Schnellfahrt)
- Ausrichtung: Mit positionierter Nadel 9 die Pfeiltasten nutzen, um den Pantographen zu verfahren.
- Schnellfahrt: Eine Pfeiltaste länger als 3 Sekunden halten → die Bewegung wird schneller.
- Feinjustage: Zum Schluss nur noch kurz tippen, bis die Nadelspitze exakt über der Markierung liegt.
Sichtkontrolle gegen Parallaxenfehler: Aus zwei Blickwinkeln prüfen (von vorn und leicht seitlich). Schräges Draufschauen lässt 2–3 mm Versatz schnell „richtig“ aussehen.
Profi-Hinweis aus der Praxis: Zentrier-Markierungen funktionieren nur bei konsistenter Einspannung
Du kannst perfekt zentrieren – wenn das Einspannen inkonsistent ist, wandert das Motiv trotzdem.
Typische Falle: Rahmenabdrücke vs. Halt
- Symptom: Klassische Kunststoffrahmen werden zu fest angezogen → glänzende Rahmenabdrücke.
- Gegenreaktion: Beim nächsten Mal lockerer → Stoff rutscht, Passung geht verloren.
Produktiver Ansatz (aus dem Workflow heraus gedacht):
- Level 1: Eine Einspannen für Stickmaschine-Routine mit reproduzierbarer Hebelwirkung (z. B. über eine Einspannstation) hilft, die Einspannung jedes Mal gleich zu halten.
- Level 2: Bei empfindlichen Materialien oder dicken Nähten sind Magnetrahmen für Stickmaschine oft die konsequentere Lösung, weil der Druck vertikal und gleichmäßig aufgebaut wird – ohne „Ring-in-Ring-Quetschen“.
Warnung: Hände, Werkzeuge und lose Kleidung aus dem Nadelbereich und vom verfahrenden Pantographen fernhalten. Die Motoren haben hohe Kraft und können Finger zwischen Rahmen und Maschine einklemmen.

Design-Trace (Abfahren) zur Sicherheit
Trace ist nicht optional – es ist deine Kollisionskontrolle, bevor du Material und Maschine riskierst.
Schritt 8 — In den Drive-Modus wechseln (für Trace und Sticklauf erforderlich)
Bei Barudan gibt es klar getrennt:
- Edit Mode: Einstellungen ändern (Drive-LED blinkt).
- Drive Mode: Maschine ist „bereit zum Sticken“ (Drive-LED leuchtet dauerhaft).
Aktion: Drive/Embroidery-Taste drücken (Symbol: Zickzack/Nadel).
Erfolgsmerkmal: LED wird SOLID (dauerhaft).

Schritt 9 — Trace ausführen (Grenzen abfahren)
- Aktion: Menu dreimal drücken, bis Option D erscheint (Symbol: Quadrat/Trace).
- Aktion: Start/Enter zum Ausführen.
- Beobachtung: Die aktuell gewählte Nadel (im Video Nadel 9) fährt den äußeren Bereich/„Designkasten“ ab.
Worauf du wirklich achten musst: Nicht nur aufs Display schauen – den Nähfuß/ die Nadelposition zum Rahmen beobachten. Kommt der Nähfuß sehr nah an die Rahmenkante, ist das ein Warnsignal.

Wenn der Trace zu nah an der Rahmenkante läuft
Wenn der Trace gefährlich nah an den Stickrahmen kommt: Stoppen. Nicht „wird schon gehen“.
- Option A: Design verkleinern.
- Option B: Neu einspannen und einen größeren Stickrahmen verwenden.
Entscheidungsbaum — Vlieswahl (schnell & praxisnah)
Das Stickvlies ist das Fundament. Wenn das Fundament wackelt, wird die Stickerei unruhig.
- Szenario A: Dehnbare Ware (T-Shirts, Polos, Hoodies)
- Entscheidung: Cutaway.
- Warum: Maschenware arbeitet. Cutaway stabilisiert dauerhaft.
- Szenario B: Stabile Webware (Denim, Canvas, Twill)
- Entscheidung: Tearaway.
- Warum: Das Material trägt sich selbst, das Vlies stabilisiert primär im Rahmen.
- Szenario C: Flor/Hochflor (Fleece, Handtücher)
- Entscheidung: Tearaway + wasserlösliches Topping (Solvy).
- Warum: Topping verhindert Einsinken der Stiche.
Im Video ist Cutaway im Rahmen zu sehen – das ist für viele Anwendungen die „sichere Standardwahl“.

Starten und Basis-Fehlersuche
Schritt 10 — Sticklauf starten
Wenn Trace ok ist und die Drive-LED dauerhaft leuchtet:
- Aktion: Grünen Start-Knopf drücken.
- Geräusch-/Gefühlskontrolle: Ungewöhnliches „Klonk-Klonk“ ist ein Stop-Signal – das kann auf Kontakt mit einem harten Teil hindeuten.

Checkliste (am Ende des Ablaufs)
- Handshake: BEEP nach dem Laden gehört.
- Verifikation: B-Menü zeigt das richtige Design.
- Farbzuordnung: C-Menü passt zur realen Nadel-/Garnbelegung.
- Anvisieren: Zentrierung unter Nadel 9 geprüft.
- Armed: Drive-LED ist dauerhaft.
- Sicherheitszone: Trace gelaufen, ausreichend Abstand zum Rahmen.
- Speed: Für den Start im sicheren Bereich (wie gezeigt 650 RPM).
Troubleshooting 1 — Fadenriss / Stiche zurücksetzen
Symptom: Oberfaden reißt, Unterfaden ist leer oder es entsteht eine Lücke.
- Ursache (typisch): Spannung/Einzug, Nadelzustand, Garnqualität.
- Fix (wie im Video): Maschine neu einfädeln/Problem beheben, dann Stop gedrückt halten.
- Ergebnis: Die Maschine setzt stichweise zurück.
Troubleshooting 2 — Du willst nach dem Laden noch ändern, aber kommst nicht rein
Symptom: Du willst laden/ändern, aber die Maschine blockiert.
- Wahrscheinliche Ursache: Du bist noch im Drive Mode (LED dauerhaft).
- Fix (wie gezeigt): Drive/Embroidery-Taste gedrückt halten, bis sie piept und die LED wieder blinkt (zurück in Edit Mode).

Kommentar-getriebener Hinweis: „D14 error / Start-Stop bar“
In den Kommentaren wird ein D14-Fehler im Zusammenhang mit der Start/Stop-Bar genannt. Das deutet typischerweise auf die Position bzw. Sensorik dieser Start/Stop-Mechanik hin.
- Schnellcheck: Prüfen, ob die Bar mechanisch sauber in Neutralstellung ist und nicht „hängt“.
- Praxis-Hinweis: Verschmutzung/Flusen können Sensorik beeinflussen; vorsichtiges Ausblasen wird in der Praxis manchmal versucht.
Prep-Checkliste (vor dem Einschalten)
Bevor du überhaupt startest, sollten diese „unsichtbaren Verbrauchsteile“ passen:
- Nadeln: Bei langen Laufzeiten rechtzeitig wechseln.
- Unterfaden: Unterfadenspule ausreichend gefüllt.
- Werkzeuge: Fadenschere, Pinzette, wasserlöslicher Markierstift für Zentren.
- Ölung: Greiferbereich gemäß Wartungsplan (ein Tropfen).
Wenn du dich beim Einspannen regelmäßig „abkämpfst“, lohnt sich eine Einspannstation – Ermüdung führt direkt zu schiefem Einspannen.
Setup-Checkliste (direkt vor Start)
Diese Reihenfolge unmittelbar vor dem Startknopf:
- Design geladen & BEEP gehört.
- Rotation (F-Symbol) passt zur Textillage.
- Nadelfolge programmiert (C1, C2 …).
- Manueller Nadelwechsel auf Nadel 9 durchgeführt.
- Stickrahmen mit Pfeiltasten zentriert.
- Drive Mode aktiv (LED dauerhaft).
- Trace abgeschlossen.
Für Betriebe, die von „Hobby“ auf Produktion umstellen: Standard-Stickrahmen für barudan sind zuverlässig, aber beim Einspannen oft langsamer. Ein Magnetrahmen für barudan kann bei dicken Teilen und problematischen Nähten Vorteile bringen.
Warnung: Magnetrahmen enthalten starke Neodym-Magnete (Quetschgefahr). Finger aus der Kontaktzone halten. Träger:innen von Herzschrittmachern sollten die Herstellerhinweise ihres Implantats beachten.
Ergebnis: So sieht „richtig gemacht“ aus
Wenn du den Ablauf sauber ausführst, ist das Ergebnis angenehm unspektakulär:
- Ruhiger Lauf ohne harte Schläge.
- Trace läuft frei.
- Farbwechsel/Nadelfolge stimmt.
Erfolg in der Maschinenstickerei ist keine Magie – es ist konsequente Wiederholbarkeit.
Wenn du dauerhaft Engpässe siehst (z. B. 5 Minuten Einspannen für 2 Minuten Stickzeit), prüfe deine Werkzeuge: Kämpfst du mit dem Einspannen? Dann sind Einspannstation ein Hebel. Kämpfst du mit Materialrutschern? Dann können Mighty Hoops für barudan oder vergleichbare Magnetlösungen helfen. Und wenn du ständig neu einfädeln musst, ist es Zeit, die Produktion (und die Farbstrategie) strukturell zu skalieren.
Beherrsche das Bedienpanel, respektiere die Physik des Stickrahmens – und deine Barudan läuft dir über Jahre stabil durch.
