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Master-Guide: Firmware-Update & PLUS-Upgrade für Bernina 770 QE & 765
Ein Firmware-Update ist so eine Aufgabe, die sich „hochriskant“ anfühlt – und das ist sie auch. In dem Moment, in dem die Maschine neu startet und der Bildschirm kurz schwarz wird, gibst du die Kontrolle für ein paar Minuten an eine Datei auf einem USB-Stick ab.
Das „Bernina PLUS“-Upgrade ist dabei nicht nur ein kleines Patch, sondern eine echte Erweiterung der Funktionen. Damit das sauber und ohne Datenverlust läuft, reicht „irgendwie nach Anleitung“ nicht aus – entscheidend ist saubere Prozessdisziplin: richtiger USB-Stick, korrekt entpackte Dateien, Backup vor dem Schreiben und saubere Code-Übertragung.

Kurzüberblick: Warum das wichtig ist – und wie der Ablauf aussieht
Am Ende dieser Anleitung hast du die drei kritischen Phasen sicher durchlaufen:
- Physische Vorbereitung: USB-Stick korrekt vorbereiten (häufigster Fehlerpunkt).
- Installation: Firmware auf der Maschine einspielen, ohne den Prozess zu unterbrechen.
- Aktivierung: PLUS-Funktionen über Product Key → Activation Key freischalten.
Typische Stolpersteine (die „Klassiker“):
- „ZIP statt Dateien“: Die Maschine bekommt eine ZIP-Datei statt entpackter Daten.
- USB-Problem: Zu großer Stick bzw. falsches Dateisystem.
- „Vergessenes Backup“: Einstellungen/gespeicherte Inhalte werden nicht gesichert.
Versteckte „Verbrauchsmaterialien“: Dein Pre-Flight-Kit
Handbücher sagen dir, was du brauchst. Hier ist, was du in der Praxis bereitlegen solltest, damit es ohne Stress durchläuft.
Das Muss:
- USB-Stick: 32 GB oder kleiner und in FAT32 formatiert. (Viele größere Sticks sind ab Werk exFAT – das wird oft nicht erkannt.)
- Bernina PLUS Upgrade Kit: Du brauchst die physische Karte im Set.
- Computer: Mit Internetzugang.
Praxis-Add-ons (damit’s sauber läuft):
- Stift & Papier: Du musst eine längere ID notieren.
- Smartphone-Kamera: Foto vom Display reduziert Tippfehler bei langen Codes.
- Stift/Stylus für Touchscreen: Erleichtert das exakte Eingeben des Activation Keys.
Warnung (Arbeitsdisziplin): Nicht „nebenbei“ machen. Plane konzentrierte Zeit ein. Ein einziger vertippter Buchstabe/Zahlendreher bei der Machine ID oder beim Activation Key führt schnell zu unnötigem Support-Pingpong.
Checkliste vor dem Start: Go/No-Go
Starte erst mit Schritt 1, wenn alles abgehakt ist.
- USB-Hygiene: Stick ist 32 GB oder kleiner, leer und FAT32-formatiert.
- Datensicherheit: Kein Projekt „halbfertig“ an der Maschine – idealerweise ist kein Stickrahmen montiert.
- Dokumentation: Stift & Papier oder Smartphone bereit, um die Machine ID sauber zu erfassen.
- Zugriff: Du hast die Support-Seite für bernina Stickmaschinen griffbereit, um die Firmware zu laden.
Step 1: Firmware herunterladen und Daten korrekt auf USB vorbereiten
Das ist der Filter: Wenn hier etwas nicht stimmt, „passiert an der Maschine einfach nichts“. Häufigster Grund ist, dass Dateien nicht wirklich entpackt wurden oder nicht im Hauptverzeichnis liegen.

1A) Download
- Öffne die Bernina-Supportseite für dein Modell (770 QE oder 765).
- Suche den Bereich Firmware.
- Lade das aktuelle Paket als ZIP-Datei herunter.

1B) Entpacken (entscheidend)
Stell dir die ZIP-Datei wie einen verschlossenen Koffer vor: Die Maschine kann nicht „in den Koffer schauen“. Sie braucht die entpackten Einzeldateien.
Unter Windows:
- Rechtsklick auf die heruntergeladene Datei.
- Alle extrahieren… wählen.
- Ziel: Direkt auf den USB-Stick (z. B. Laufwerk E:). Nicht in einen Unterordner wie „Update“ legen. Es muss im Root-Verzeichnis (oberste Ebene) liegen.
Sichtprüfung: Öffne den USB-Stick im Explorer. Du solltest drei einzelne Dateien sehen. Wenn du nur eine Datei mit „Reißverschluss“-Symbol siehst, ist es noch die ZIP-Datei → löschen und erneut korrekt entpacken.

Profi-Workflow: „Service-USB“ separat halten
Wenn du regelmäßig an Maschinen arbeitest, lohnt sich ein dedizierter USB-Stick nur für Updates/Backups. So vermeidest du Mischbestände (Firmware-Dateien zusammen mit anderen Daten), und du findest im Ernstfall schneller die richtigen Dateien.
Step 2: Firmware auf der Maschine installieren
Hier wird Code auf die Maschine geschrieben – das ist der empfindlichste Teil. Wichtig ist: USB korrekt vorbereitet, dann Update ohne Unterbrechung durchlaufen lassen.

2A) Einstecken und Start
- Maschine ausschalten.
- Den vorbereiteten USB-Stick in den USB-Port der Maschine stecken.
- Maschine einschalten.

Optional, aber sinnvoll: Vor dem Update unter Setup (Zahnräder) > Maschine > Information > Version die aktuelle Version prüfen (im Video z. B. v37.46.33) und bei Bedarf fotografieren. Das ist dein Referenzpunkt.
2B) Sicherheitsnetz: Daten auf USB sichern
Verlass dich nicht darauf, dass alle Einstellungen nach dem Update unverändert bleiben.
- Setup (Zahnräder) öffnen.
- Schraubenschlüssel (Wartung) wählen.
- Update wählen.
- Die Option Maschine → USB (Daten sichern) auswählen.
Visuelle Bestätigung: Nach Abschluss erscheint ein grünes Häkchen. Das ist dein Signal: Backup ist geschrieben.

2C) Update starten
- Im selben Menü die eigentliche Update-Funktion (USB → Maschine) starten.
- Die Maschine führt Neustarts durch und installiert die Firmware.
Wichtig:
- Bildschirm kann kurz schwarz werden.
- Oberfläche kann anders aussehen (Bootloader/Update-Modus).
- Nicht ausschalten, USB nicht ziehen, nicht „helfen“.

Erfolgskriterium: Du bekommst eine Meldung wie „Update Successful“ bzw. die Maschine kommt wieder sauber in den Normalmodus zurück.
Installations-Checkliste
- USB war vor dem Start eingesteckt.
- Wichtig: „Daten auf USB sichern“ durchgeführt und grünes Häkchen gesehen.
- Update ohne Unterbrechung laufen lassen.
- Erfolgs-Meldung erhalten.
Step 3: Machine ID + Online-Aktivierung („Handshake“)
Nach dem Firmware-Update ist die Maschine bereit für das PLUS-Upgrade – freigeschaltet wird es aber erst über die Online-Aktivierung: Machine ID + Product Key → Activation Key.

3A) Machine ID erfassen
- Gehe zu Setup > Maschine > Information > ID.
- Dort steht eine lange alphanumerische Machine ID.
Praxis-Tipp: Foto machen und zusätzlich notieren. Beim Abtippen passieren schnell Verwechslungen (z. B. „O“ und „0“).

3B) Product Key aus dem Upgrade-Kit
Öffne das PLUS-Upgrade-Kit und suche die Product Key Card (mit Siegel/Abdeckung). Der Code auf der Karte ist der Product Key.


3C) Online registrieren und Activation Key erzeugen
Öffne am Computer die Bernina-Aktivierungsseite.
- E-Mail-Adresse eingeben (wirklich sorgfältig – darüber bekommst du die Unterlagen).
- Machine ID eingeben.
- Product Key eingeben.

Ergebnis: Die Website erzeugt deinen Activation Key.
- PDF speichern: Lade das PDF herunter und sichere es zusätzlich (z. B. auf dem Computer). Das ist deine Dokumentation der Codes.
Step 4: PLUS-Funktionen an der Maschine aktivieren

- Zur Maschine zurück.
- Setup > Maschine > Information > Upgrade öffnen.
- Activate wählen.
- Den Activation Key eingeben (das ist der Code von der Website – nicht der Product Key von der Karte).
Visuelle Kontrolle: Wenn der Code korrekt vollständig eingegeben ist, erscheint ein grünes Häkchen.
- Bestätigen. Die Maschine kann kurz neu laden.

Erfolg: Der Status steht auf „Enabled“.
Experten-Kontext: Wenn Software-Upgrade den Workflow verändert
Glückwunsch – die Software-Seite ist sauber erledigt. In der Praxis zeigt sich nach solchen Upgrades oft: Man nutzt mehr Funktionen, stickt mehr, und der Workflow wird „produktionsnäher“.
Rahmenspuren als Engpass Mit anspruchsvolleren Projekten steigt auch die Sensibilität für Rahmenspuren (Abdrücke durch klassische Stickrahmen), besonders bei dunklen oder empfindlichen Materialien.
Werkzeug-Upgrade als Prozesshebel Viele lösen das über effizientere Einspann-Workflows und passende Rahmen. In dem Kontext werden Magnetrahmen für Stickmaschine häufig als Alternative genannt, weil sie das Einspannen vereinfachen und den Druck anders verteilen.
Wenn du dich in diese Richtung orientierst, achte darauf, dass Rahmen und Maschine wirklich zusammenpassen (Modell/Adapter/Größe). Für bernina-Nutzer ist der Suchbegriff Magnetrahmen für bernina ein guter Startpunkt.
Warnung (Magnet-Sicherheit): Magnetrahmen arbeiten mit starken Magneten. Finger nicht zwischen die Magnetflächen bringen. Abstand zu empfindlicher Elektronik und magnetstreifenbasierten Karten halten.
Troubleshooting: Schnelle Logik statt Rätselraten
Scenario A: Maschine findet die Update-Dateien nicht („File not found“/keine Reaktion)
- Check 1: Ist der USB-Stick korrekt FAT32-formatiert und nicht zu groß? → anderen Stick testen.
- Check 2: Liegen die Dateien im Root (oberste Ebene) und nicht in einem Unterordner? → in Root verschieben.
- Check 3: Wurde wirklich entpackt? → ZIP nicht ausreichend; erneut „Alle extrahieren…“.
Scenario B: „Activation Code Invalid“
- Check 1: Machine ID anhand des Fotos Zeichen für Zeichen prüfen.
- Check 2: Verwechslung der Codes? → Activation Key (Website) eingeben, nicht Product Key (Karte).
Scenario C: Update hängt / wirkt eingefroren
- Aktion: Geduld – Updates können dauern. Wenn es ungewöhnlich lange steht, nicht hektisch ausschalten, sondern im Zweifel Support/Technik kontaktieren.
Abschluss-Checkliste (Final Sign-Off)
- Firmware-Version zeigt die neue Version.
- Upgrade-Status zeigt „Enabled“.
- PDF/Unterlagen mit Codes sind gespeichert.
- USB-Stick ist für Servicezwecke beschriftet oder wieder geleert.
- Nächster Praxis-Test: Ein kleines Stickmotiv laufen lassen, um sicherzugehen, dass alles normal arbeitet.
Damit hast du einen Service-Prozess sauber selbst durchgeführt. Viel Freude mit den neuen Funktionen deiner bernina embroidery machine – und denk daran: In der Maschinenstickerei sind stabile Prozesse genauso wichtig wie gute Designs.
