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Das Menü „Default Style“ in Chroma verstehen
Chroma’s „Default Style“ ist so eine Einstellung, die auf den ersten Blick unscheinbar wirkt – ein Dropdown irgendwo in den Optionen – und in der Praxis trotzdem die Basislogik für jedes neue Objekt vorgibt, das du digitalisierst.
Wenn du dich schon einmal gefragt hast, warum ein zweites Objekt im selben Design anders aussieht als das erste (obwohl du „eigentlich nichts geändert“ hast), liegt die Ursache oft genau hier. In dieser praxisorientierten Anleitung siehst du, wie Jeff (EMB Nerd) das in Chroma Inspire zeigt (die Logik gilt genauso für Chroma Lux und Chroma Plus) – als echten „globalen Schalter“.
Wir bleiben nicht beim reinen Klicken, sondern ordnen das Ganze so ein, dass du es im Produktionsalltag reproduzierbar nutzen kannst. Du lernst:
- Eine Basis-Satinsäule als „Kontrollobjekt“ anzulegen.
- Den globalen Stofftyp (Normal → Cap → Woven Cotton) umzuschalten, um das Verhalten der Software zu verändern.
- Nachzuvollziehen, wie Chroma Stichdichte und Zugausgleich (Pull Compensation) für neue Objekte automatisch anpasst.
- Zwei typische „Nerven-Killer“ zu vermeiden: „Warum wurden bestehende Objekte nicht aktualisiert?“ und „Warum übernimmt die nächste Datei alte Einstellungen?“


Was „Default Style“ wirklich bedeutet (und warum das wichtig ist)
Im Optionsfenster steht „Default Style“. In der Praxis solltest du das als globalen Stofftyp/Material-Preset lesen: Du bearbeitest damit nicht ein einzelnes Objekt, sondern stellst die Ausgangsparameter ein, die Chroma für alle zukünftigen Objekte verwendet.
Denk daran wie an eine Werkstatt-Voreinstellung: Erst einstellen, dann produzieren.
- Normal: Standard-Umgebung.
- Cap: anspruchsvoll (gewölbte Fläche, instabil/„flagging“).
- Woven Cotton: stabil und plan (vorhersehbares Verhalten).
Diese Presets sind ein „Startrezept“: Sie helfen dir, schneller zu digitalisieren, ohne jede Zahl auswendig zu kennen. Aber: Es ist ein Ausgangspunkt – kein Zauberstab.
Profi-Hinweis: warum Stoff-Presets das Stichbild verändern
Stickerei ist immer ein Zusammenspiel aus Fadenspannung, Materialverhalten und Stabilisierung. Unterschiedliche Substrate reagieren unterschiedlich:
- Caps (Flagging-Effekt): Die Kappe ist gewölbt und nicht flächig abgestützt. Beim Einstich kann das Material „hochklappen“ (flaggen). Das führt schnell zu Lücken und unruhigen Kanten – deshalb braucht es meist engere Dichte und mehr Zugausgleich.
- Gewebte Baumwolle (stabil): Flach und relativ formstabil. Hier reicht oft eine „normalere“ Dichte, während Zugausgleich trotzdem sinnvoll sein kann, weil sich Satinsäulen durch Fadenzug optisch verengen.
Warnung: Änderungen beim Digitalisieren haben physische Folgen. Höhere Dichte (kleinerer mm-Wert) bedeutet mehr Einstiche, mehr Reibung und mehr Wärme. Teste kritisch, bevor du extrem dicht gehst.
Zugausgleich vergleichen: Cap vs. Standardstoffe
Um die „unsichtbare Mathematik“ sichtbar zu machen, wird ein Side-by-Side-Test aufgebaut: drei Satinsäulen nebeneinander, und zwischen den Säulen wird jeweils der globale Stofftyp umgestellt.


Schritt-für-Schritt: Basis-Satinstich erstellen (Normal)
- Neues Design öffnen. Starte eine neue Design-Datei.
- Werkzeug wählen. Klicke das Tool Complex Satin.
- Startpunkt setzen. Klicke einen Startpunkt im Raster.
- Achse fixieren. Halte Shift gedrückt und ziehe nach unten. Praxis-Check: Die Linie bleibt sauber vertikal (kein ungewollter Schrägzug).
- Endpunkt setzen. Klicke den Endpunkt und drücke Enter.
- Breite definieren. Klicke links und rechts der Linie, um die Satinstichbreite festzulegen.
- 3D-Ansicht aktivieren. Wenn du die Fadenlage besser beurteilen willst, schalte 3D view ein.
Checkpoint: Die erste Satinsäule erscheint (bei Jeff blau). Durch Shift ist sie gerade – wichtig, damit der Vergleich fair bleibt.
Expected outcome: Du hast ein sauberes Kontrollobjekt mit den „Normal“-Standardwerten.
Standardwerte prüfen (Normal)
Markiere das Objekt und schaue rechts im Properties-Panel:
- Pull Compensation: None (0.00) – es wird keine zusätzliche Breite addiert.
- Density: 0.50 mm – eine eher offene Dichte.

Checkpoint: Pull Comp steht auf „None“, Density auf „0.50“.
Expected outcome: Du hast eine belastbare Ausgangsbasis für den Vergleich.
Globalen Stofftyp auf „Cap“ umstellen
Jetzt sagst du Chroma: „Ich digitalisiere für eine Kappe.“
- Menüpfad: Tools → General Options.
- Environment: Reiter Environment öffnen.
- Default Style: von Normal auf Cap umstellen.
- Bestätigen: OK.


Checkpoint: Im Design selbst hat sich optisch noch nichts verändert – das ist korrekt.
Expected outcome: Chroma verwendet Cap-Standardwerte für das nächste Objekt, das du erstellst.
Zweite Satinsäule erstellen und Cap-Werte verifizieren
Erstelle eine zweite Satinsäule neben der ersten und ändere die Farbe zur Orientierung auf Rot.

Markiere die rote Säule und prüfe die Properties:
- Density: 0.40 mm (enger/„schwerer“ als Normal).
- Pull Compensation: Absolute 0.3 mm.

Checkpoint: Niedrigerer Dichtewert = Stiche liegen dichter. Pull Comp sorgt dafür, dass die Säule breiter „gegen den Zug“ arbeitet.
Expected outcome: Du siehst, dass das Cap-Preset automatisch mehr „Sicherheit“ für Abdeckung und Kantenbreite einplant.
Praxis-Interpretation (damit du das Preset nicht überbewertest)
Warum ändern sich die Zahlen?
- Density (0.50 → 0.40): Bei Caps ist die Oberfläche instabil. Engere Dichte hilft, Abdeckung zu halten.
- Pull Compensation (0.0 → 0.3): Satinsäulen wirken beim Sticken oft schmaler als digitalisiert. Der Zugausgleich addiert Breite, damit die Säule nach dem Sticken optisch „passt“.
Praxis-Hinweis: Presets ersetzen keine saubere Einspannung. Wenn du bei Caps Probleme mit Verzug hast, ist die mechanische Stabilität (Einspannung/Stabilisierung) der erste Hebel. Viele suchen nach how to use magnetic embroidery hoop-Anleitungen, weil ein stabiler Magnetrahmen das Material oft gleichmäßiger fixiert als klassische Rahmen – und damit die Softwarewerte überhaupt erst zuverlässig greifen.
Warum sich die Dichte automatisch mit dem Stofftyp ändert
Als nächstes wird auf „Woven Cotton“ umgestellt, um zu zeigen: Presets verändern nicht immer alles gleichmäßig, sondern gezielt einzelne Parameter.
Stofftyp auf „Woven Cotton“ umstellen
- Menüpfad: Zurück zu Tools → General Options.
- Default Style: Woven Cotton auswählen.
- Bestätigen: OK.

Checkpoint: Die globale Umgebung ist jetzt auf einen stabilen, flachen Stoff ausgelegt.
Expected outcome: Neue Objekte erhalten die Woven-Cotton-Standardwerte.
Dritte Satinsäule erstellen und Woven-Cotton-Werte verifizieren
Erstelle eine dritte Säule und färbe sie zur Unterscheidung Gold/Gelb.

In den Properties siehst du:
- Pull Compensation: Absolute 0.3 mm.
- Density: 0.50 mm.
Checkpoint: Pull Comp bleibt bei 0.3, die Dichte geht zurück auf 0.50.
Expected outcome: Du erkennst: Chroma erwartet bei Woven Cotton weiterhin Breitenverlust (Pull Comp), aber nicht die „Cap-typische“ engere Dichte.
Profi-Hinweis: warum Pull Comp gleich bleiben kann, während die Dichte wechselt
Es wirkt zunächst ungewöhnlich, dass Woven Cotton denselben Pull Comp-Wert wie Cap zeigt. In Jeffs Beispiel bleibt Pull Comp bei 0.3 mm, während die Dichte wieder „offener“ wird. Die Logik dahinter: Breitenverlust kann auch auf stabilen Stoffen auftreten, während eine sehr enge Dichte eher für instabile/gewölbte Situationen (Cap) nötig ist.
Sicherheitsmarge: Immer testen. Wenn du mit Standardrahmen arbeitest und der Stoff beim Sticken minimal wandert, kann selbst 0.3 mm zu wenig wirken. Saubere Stabilisierung ist der physische Partner zu diesen digitalen Einstellungen.
Wichtige Grenzen: Underlay und bestehende Objekte
Hier liegen die häufigsten Missverständnisse – Chroma folgt einer Logik, nicht deinem Bauchgefühl.
Grenze #1: Stofftyp ändern aktualisiert bestehende Objekte NICHT
Jeff zeigt die zentrale Regel: Wenn du von Normal auf Cap umstellst, wird die erste (blaue) Säule nicht nachträglich angepasst.
- Logik: Chroma geht davon aus, dass bestehende Objekte bereits bewusst eingestellt wurden (ggf. manuell). Deshalb werden sie nicht überschrieben.
- Praxis: Wenn du ein ganzes Logo im falschen Modus erstellt hast und dann umstellst, „repariert“ das nicht automatisch alles.

Symptom: „Ich habe auf Cap umgestellt, aber mein Design bleibt dünn/lückig.“
Likely cause: Die Objekte wurden vor der Umstellung erstellt.
Grenze #2: Neue Dokumente übernehmen ggf. den zuletzt verwendeten Stofftyp
Chroma merkt sich die letzte Auswahl. Wenn du zuletzt „Woven Cotton“ genutzt hast, kann ein neues Dokument ebenfalls damit starten, bis du es wieder änderst.

Symptom: „Warum sind die Werte plötzlich ‚komisch‘, obwohl ich neu gestartet habe?“
Likely cause: Übernommene Einstellung aus dem vorherigen Projekt.
Grenze #3: Underlay wird NICHT automatisch mit dem Stofftyp angepasst
Jeff prüft alle drei Säulen und zeigt: Underlay bleibt identisch (Parallel) – unabhängig vom Stofftyp.

Das ist wichtig, weil Underlay die Basis für saubere Kanten und Stabilität ist.
Symptom: Dichte wirkt passend, aber Kanten sind unsauber/fusselig.
Likely cause: Dichte/Pull Comp passen, aber Underlay ist nicht optimal.
Best Practices für Stoff-Presets im Workflow
Damit das Ganze im Alltag funktioniert, brauchst du einen Ablauf, der Software-Logik und physische Vorbereitung zusammenbringt.
Vorbereitung: Checks, damit deine Tests aussagekräftig sind
Softwarewerte können nur so gut sein wie deine reale Stabilität. Ein Cap-Preset kompensiert keinen „wackeligen“ Aufbau.
Praxis-Checks vor dem Test:
- Einspannung/Stabilität: Material muss reproduzierbar fixiert sein.
- Unterfaden: Unterfadenspule ausreichend gefüllt und gleichmäßig laufend.
- Fadenlauf: Oberfaden sauber geführt (keine Verdrehung/Blockade).
Prep Checklist (end-of-Prep)
- Clean Slate: Chroma öffnen und sicherstellen, dass keine alten Dateien die Umgebung „gefühlt“ beeinflussen.
- Hardware Check: Einspannung prüfen. Praxis-Check: Das Material soll straff sitzen, ohne sichtbar verzogen zu sein.
- Thread Path: Fadenweg prüfen (frei, nicht verklemmt).
- Bobbin: Unterfadenspule prüfen (gleichmäßiger Zug).
- Safety: Hände aus dem Bereich der Nadelstange.
Warning: Wenn du auf eine Magnetische Einspannstation umsteigst oder mit starken Magnetrahmen arbeitest: Vorsicht bei Quetschgefahr. Magnete von medizinischen Implantaten fernhalten.
Setup: reproduzierbare „Preset-Test“-Methode in Chroma
Nicht raten – verifizieren. Nutze Jeffs Farblogik (Blau/Rot/Gelb), bevor du ein großes Design laufen lässt.
- Normal starten: Neues Design → prüfen, dass Default Style auf Normal steht → Objekt zeichnen (Blau).
- Umstellen & zeichnen: Default Style auf Zielmaterial (z. B. Cap) → Objekt zeichnen (Rot).
- Kontrollieren: Properties vergleichen: Hat Rot engere Dichte (kleinerer Wert) und höheren Pull Comp als Blau?
- Underlay prüfen: Underlay-Tab manuell kontrollieren (Presets ändern Underlay nicht automatisch).
Checkpoint: Du hast visuell und numerisch bestätigt, dass Chroma die gewünschten Standardwerte auf neue Objekte anwendet.
Expected outcome: Eine Datei, die du mit deutlich weniger Risiko an die Maschine geben kannst.
Setup Checklist (end-of-Setup)
- Environment Check: Tools → General Options → Environment.
- Fabric Selection: Richtigen Stofftyp für dieses Projekt bestätigen.
- Legacy Check: Nicht auf „alte“ Einstellungen aus vorherigen Projekten verlassen.
- Underlay Override: Underlay manuell prüfen.
- Density Safety: Dichte kritisch prüfen, bevor du sehr eng gehst.
Betrieb: entscheiden, ob du das Preset beibehältst, anpasst oder überschreibst
Das Preset bringt dich schnell in die richtige Richtung. Den Feinschliff machst du über Test und Erfahrung.
Wann du deinen Workflow aufrüsten solltest: Wenn du ständig extreme Korrekturen brauchst, ist die Ursache oft physisch (Fixierung/Stabilität), nicht „nur“ digital.
- Szenario: Du stickst täglich viele Teile.
- Problem: Ständiges Nachregeln kostet Zeit.
- Lösung: Mechanik standardisieren (gleichmäßige Positionierung/Spannung). Eine hoop master Einspannstation kann dabei helfen, wiederholbar zu arbeiten. Für Cap-Anwendungen ist ein passender Kappenrahmen entscheidend – z. B. suchen viele gezielt nach Kappenrahmen für brother. In Kombination mit passenden Dichtewerten (wie im Cap-Preset) wird das Ergebnis stabiler.
- Praxisnutzen: Viele setzen auf Magnetrahmen für brother Stickmaschine (und entsprechende Systeme für andere Marken), weil das Einspannen schneller und gleichmäßiger wird – und du den Presets eher vertrauen kannst, statt ständig manuell zu kompensieren.
Entscheidungslogik: Stofftyp → Stabilisierung & Workflow
Nutze diese Logik als Orientierung:
- Ist das Projekt eine Cap/Mütze?
- Ja: Default Style auf Cap.
- Density: 0.40 mm.
- Pull Comp: 0.30 mm.
- Underlay: Manuell prüfen/anpassen (Presets ändern Underlay nicht automatisch).
- Nein: Weiter zu Schritt 2.
- Ja: Default Style auf Cap.
- Ist der Stoff stabil/plan (Woven Cotton/ähnlich)?
- Ja: Default Style auf Woven Cotton.
- Density: 0.50 mm.
- Pull Comp: 0.30 mm.
- Underlay: Manuell prüfen.
- Ja: Default Style auf Woven Cotton.
Operation Checklist (end-of-Operation)
- Test Sew: Probestick auf Restmaterial.
- Sensory Monitor: Auf ungewöhnliche Geräusche/Verhalten achten (zu dicht = mehr Reibung).
- Registration Check: Passen Kanten/Abdeckung? Wenn nicht, Pull Comp prüfen.
- Pucker Check: Kräuselt der Stoff? Einspannung/Stabilisierung prüfen.
- Save: Erst nach Kontrolle in Maschinenformat (DST/PES) speichern.
Troubleshooting (symptom → cause → fix)
| Symptom | Likely Cause | Quick Fix | Prevention |
|---|---|---|---|
| Old objects didn't change | Default Style wurde nach dem Zeichnen umgestellt. | Objekt auswählen > Properties > Werte manuell anpassen. | Stofftyp vor dem Digitalisieren festlegen. |
| New file has wrong settings | Chroma hat den letzten Stofftyp gespeichert. | Tools → General Options → Environment prüfen und korrigieren. | „Environment prüfen“ als Schritt 1. |
| Edges look fuzzy/saw-toothed | Underlay bleibt auf „Parallel“ (ändert sich nicht automatisch). | Objekt > Underlay-Tab > Underlay manuell anpassen. | Underlay immer manuell kontrollieren. |
| Outline creates gaps | Pull Compensation zu niedrig oder Material nicht stabil fixiert. | Pull Comp erhöhen (z. B. 0.3 → 0.4). | Mit Einspannstation für Stickmaschinen reproduzierbar einspannen. |
Ergebnisse
Du kannst Chroma’s „Default Style“ jetzt gezielt als Stofftyp-Preset einsetzen, statt dich von „mysteriösen“ Standardwerten überraschen zu lassen.
- Du findest den Menüpfad und stellst den Stofftyp sicher ein.
- Du verstehst, dass Chroma für Caps typischerweise engere Dichte setzt und Pull Comp anhebt – und dass Woven Cotton andere Prioritäten haben kann.
- Du kennst die drei wichtigsten Grenzen: bestehende Objekte werden nicht aktualisiert, Einstellungen können in neue Dateien „mitwandern“, und Underlay bleibt eine manuelle Entscheidung.
Wenn du diese Software-Logik mit sauberer Stabilisierung und einem stabilen Einspann-Setup kombinierst, wird aus „Raten“ ein reproduzierbarer Prozess.

