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Einführung: Digitalisieren direkt am Bildschirm
Wenn du schon einmal eine einfache Stiftzeichnung gesehen hast und dachtest: „Das würde ich am liebsten sofort sticken – ohne mich durch komplexe PC-Software zu kämpfen“, dann ist dieser Workflow genau die Brücke zwischen analoger Idee und sauberem Stick-Out. Im Video sehen wir, wie an einer Brother PR-Mehrnadelstickmaschine über My Design Center eine handgezeichnete Pinguin-Skizze gescannt, in vektorbasierte Line Art umgewandelt, mit Deko-Elementen ergänzt und anschließend im Sash Frame ausgestickt wird.
In der Praxis entscheidet aber nicht der Bildschirm allein über ein verkaufsfähiges Ergebnis. Zwischen „sieht im Video easy aus“ und „läuft reproduzierbar in der Produktion“ liegen die physischen Variablen: Stabilisierung, Fadenspannung und vor allem das Einspannen.
Diese Anleitung zerlegt den Ablauf deshalb in eine umsetzbare SOP (Standard Operating Procedure). Du lernst nicht nur, welche Menüpunkte du antippst, sondern auch, welche Kontrollpunkte du einbaust, um die häufigsten Fehler zu vermeiden: Scan-Verzerrungen/Artefakte (schlechte Vorlage), Rahmenabdrücke (Druckspuren durch falsches Einspannen) und Passungsdrift (Kontur trifft Füllung nicht sauber).

Was ist My Design Center?
My Design Center ist ein Brother-eigenes On-Machine-System in PR-Mehrnadelstickmaschinen (und teils in höherwertigen Einnadel-Modellen). Damit kannst du:
- Direkt an der Maschine digitalisieren: Zeichnung über den Scan-/Kamerarahmen einlesen.
- Sofort vektorisieren: Pixelbild in Line Art (Vektoren) umwandeln.
- Sticheigenschaften zuweisen: Füllstiche, Satinstich und Muster direkt am Touchscreen definieren.
Ideal ist das für einfachere Motive mit hoher Geschwindigkeit: Kinderzeichnungen, einfache Maskottchen/Icons oder schnelle Patch-Ideen, bei denen PC-Digitalisierung unverhältnismäßig wäre.
Vorteile: Scannen direkt an der Maschine
- Schneller Workflow: Kein Hin-und-her mit Dateien/USB im Basisszenario.
- Direkte Sichtkontrolle: Du siehst sofort, wie das Motiv im Verhältnis zum Rahmen liegt.
- Handgezeichneter Look bleibt erhalten: Das „leicht Wackelige“ wirkt oft gewollt – und ist in klassischer Digitalisierungssoftware nicht immer so organisch nachzubauen.
Ein Begriff, der in diesem Kontext häufig auftaucht, ist brother pr. Gemeint ist die PR-Serie als typische Mehrnadel-Plattform im semi-professionellen Bereich.

Artwork scannen
Arbeiten mit dem Scan-Rahmen
Der Ablauf startet im My Design Center-Interface. Die Reihenfolge im Video ist:
- „Illust. design“ (Illustration Design Mode) auswählen.
- Die Zeichnung in den speziellen Scan-Rahmen legen.
- Mit den Magneten das Papier fixieren.
- Scan drücken.
Kontrollpunkt (Haptik): Streiche vor dem Scannen einmal über das Papier. Es muss plan aufliegen. Sobald du „Knister“-Geräusche hörst oder eine Ecke sichtbar hochsteht, stoppst du und richtest neu aus.
Warum das wichtig ist: Die Erkennung lebt von Kontrast und Planlage. Wölbt sich das Papier (selbst minimal), können Schatten wie Linien interpretiert werden – das endet später als unnötige Stichbewegungen („Geisterlinien“).

Tipps für klare Linienzeichnungen
Im Video wird korrekt angedeutet: „Faint lines may not scan well.“ Für die Praxis heißt das:
Damit der Scan sauber vektorisiert, sollte deine Vorlage diese Punkte erfüllen:
- Kontrast zuerst: Kräftige schwarze Linien auf weißem Papier funktionieren am zuverlässigsten. Sehr helle/„graue“ Linien werden oft lückenhaft erkannt.
- Geschlossene Konturen für Füllungen: Wenn du Bereiche füllen willst (z. B. Bauch), muss die Linie die Form komplett schließen. Schon eine kleine Unterbrechung kann später dazu führen, dass die Füllung „ausläuft“.
- Saubere Vorlage: Schmierer, Radierreste oder Nebenspuren können als Sticklinien enden.
Praxis-Entscheidung: Dieses On-Screen-Verfahren ist am stärksten, wenn du die Vorlage kontrollierst (eigene Zeichnung, sauber fotografiert/gescannt). Bei unscharfen Kundenfotos stößt die automatische Erkennung schneller an Grenzen.

Von Linien zu Stichen
Zuschneiden und Umwandlung (Line Art)
Nach dem Scan siehst du eine Vorschau.
- Aktion: Mit den roten Pfeilgriffen den Bereich zuschneiden.
- Praxisregel: So eng zuschneiden, dass keine Magnet-/Papierkanten im Bild sind – aber das Motiv vollständig drin bleibt.
Kontrollpunkt: Prüfe in der Vorschau, ob alle Linien wirklich sichtbar sind (keine „abgeschnittenen“ Konturen). Alles, was hier fehlt, fehlt später als Stichinformation.
Denke an diese Phase wie an „Datenhygiene“: Was du jetzt drin lässt, wird später zur Nadelbewegung.


Sticharten für Konturen wählen
Im Video werden Sticheigenschaften zugewiesen. Auffällig:
- Konturen werden als Laufstich/Zickzack-Eigenschaften umgesetzt.
- Der Schnabel bekommt gezielt einen Satinstich.
Praxislogik: Satinstich gibt kleinen Details mehr „Körper“ und Abhebung gegenüber Flächenfüllungen. Gerade bei kleinen Elementen (Schnabel/Details) wirkt das Ergebnis dadurch klarer.
Wenn du noch wenig Erfahrung hast: Bleib zunächst bei den Maschinen-Defaults für Satinstich-Einstellungen und teste an einem Probestück – so vermeidest du unnötige Dichteprobleme.

Farben und Texturen hinzufügen
Arbeiten mit dem Füllwerkzeug („Eimer“)
Der Ablauf entspricht dem Prinzip „Paint Bucket“:
- Fill Tool (Pinsel/Eimer) wählen.
- Stichart/Muster auswählen.
- Farbe wählen.
- In den Bereich tippen, der gefüllt werden soll.
Typischer Fehler: Hintergrund wird gefüllt Das Video zeigt die entscheidende Falle: Ein falscher Tipp (außerhalb der Kontur) oder eine offene Kontur – und der Hintergrund wird sofort mitgefüllt.
- Sofortmaßnahme: Undo drücken.
- Schnell-Check: Wenn ein Bereich nicht „sauber“ füllt, liegt fast immer eine Unterbrechung in der Kontur vor. Dann musst du die Kontur schließen, bevor du erneut füllst.
An dieser Stelle suchen viele Anwender als nächsten Schritt nach Einspannen für Stickmaschine-Know-how – denn sobald die Datei steht, entscheidet das Einspannen über Passung und Faltenfreiheit.

Integrierte Muster und Formen nutzen
Im Video wird die Zeichnung mit digitalen Assets ergänzt:
- Aktion: Shape Library öffnen → Blume auswählen.
- Anpassen: Größe ändern und rotieren (im Video 340 Grad).
Kontrollpunkt (Dichte/Überlappung): Achte darauf, dass neue Formen nicht so liegen, dass sich dichte Füllungen ungünstig überlagern.
- Ungünstig: Dichte Blütenfüllung direkt über einer dichten Körperfüllung.
- Besser: Elemente neben dem Motiv platzieren oder nur minimal überlappen.


Farben und Texturen zuweisen
Im Video wird eine strukturierte Füllung (Stipple/Meander-Charakter) verwendet und für die Blütenblätter eine klare Farbzuweisung.
Praxis-Hinweis: „Mehr Textur“ bedeutet oft auch „anderes Stichverhalten“. Strukturmuster können leichter wirken als sehr dichte, flächige Füllungen – je nach Stoff kann das den Griff und die Verzugstendenz stark beeinflussen.

Einspannen & Sticken
Sash Frame einrichten
Dann geht es an den physischen Teil:
- „Embroidery“ drücken, um die Datei für das Sticken zu finalisieren.
- Scan-Rahmen entfernen.
- Stoff + Stickvlies im Sash Frame einspannen.
- Rahmen am Maschinenarm einrasten.
Kontrollpunkte beim Einspannen:
- Stoff muss glatt und straff liegen (ohne Wellen), aber nicht „überdehnt“.
- Rahmen muss sicher verriegelt sein, bevor du startest.
Warnung: Mechanische Gefahr. Hände während des Stickens konsequent aus dem Bereich von Nadel und Schlitten/Pantograph fernhalten – die Bewegung ist schnell und kommt ohne Vorwarnung.
Warnung: Vor dem Start prüfen: Rahmen sitzt fest, und es ist genügend Nadelfreiheit/Abstand vorhanden.
Ergebnis aussticken
Mit eingespanntem Material:
- (Falls manuell) Nähfuß senken.
- Start drücken.
- Aktiv überwachen: Gerade die ersten Stiche sind kritisch (Fadenanfang, mögliche Schlaufenbildung).


Fadenspannungs-Check (Praxisblick): Kontrolliere zwischendurch die Rückseite. Bei satinierten Bereichen sollte der Unterfaden als schmale „Spur“ mittig erscheinen – nicht komplett dominieren und nicht völlig fehlen.


Das Ergebnis im Video: ein sauberer Stick-Out mit klarer Kontur und strukturierter Füllung.
Primer (Was du lernst + was realistisch ist)
Mit diesem My-Design-Center-Workflow wirst du unabhängiger von externer Software.
- Erwartung: Die ersten Versuche können kleine Lücken oder minimale Verschiebungen zeigen – das ist normal und verbessert sich mit sauberer Vorlage und konsequenten Checks.
- Haupthebel: Vorbereitung (Einspannen/Stickvlies) entscheidet mindestens genauso stark wie das Digitalisieren am Screen.
Wenn du Zubehör suchst, achte auf die Kompatibilität zu deinem Modell. In Übersichten taucht dafür häufig Stickrahmen für brother Maschinen auf – prüfe dabei immer die Aufnahme/den Mount-Typ.
Vorbereitung
„Unsichtbare“ Verbrauchsmaterialien & Checks
Bevor du startest, lege dir die Basics bereit, die in der Praxis gern fehlen:
- Sticknadel (frisch/unkritisch): Eine stumpfe Nadel verschlechtert das Stichbild und erhöht das Risiko von Problemen.
- Schere/Schneidewerkzeug zum Kürzen von Sprungstichen.
- Stickvlies passend zum Material.
Entscheidungslogik: Stickvlies & Einspann-Ansatz
Nutze diese einfache Logik:
- Dehnbarer Stoff (z. B. Shirt)?
- Ja: Stabilisierung ist besonders wichtig; beim Einspannen nicht überdehnen.
- Nein (stabiler Webstoff): Standard-Stabilisierung ist meist einfacher zu handhaben.
- Viele Füllstiche (wie beim Pinguinkörper)?
- Ja: Mehr Stabilität reduziert Verzug und Faltenbildung.
- Nein (nur Linien): Leichtere Stabilisierung kann ausreichen.
- Rahmenabdrücke/Rahmenspuren ein Thema?
- Ja: Einspanntechnik prüfen (nicht zu aggressiv spannen) und Material sensibel behandeln.
Prep-Checkliste
- Vorlage: Linien sind klar und kontrastreich.
- Scan-Rahmen: Oberfläche sauber.
- Unterfaden: Unterfadenspule ausreichend gefüllt.
- Plan: Farbzuordnung (Screen/Nummern) ist klar.
Setup
Setup an der Maschine (wie im Video)
- Illust. design: Laden und scannen.
- Crop: Mit roten Pfeilen den Pinguin sauber zuschneiden.
- Umwandeln: In Line Art konvertieren.
- Editieren: Blume hinzufügen, auf 340° drehen, positionieren.
- Zuweisen: Schnabel als Satinstich, Flächen als passende Füllung.
- Ausgabe: „Embroidery“ drücken.
Setup-Kontrollpunkte
- Kontur-Check: Zoome am Screen und prüfe, ob Konturen geschlossen sind (sonst läuft die Füllung aus).
- Größen-Check: Passt das Motiv in den nutzbaren Stickbereich des gewählten Rahmens?
Setup-Checkliste
- Crop: Keine Magnet-/Papierkanten im Bild.
- Konturen: Bereiche für Füllungen sind geschlossen.
- Sicherheit: Design liegt innerhalb der stickbaren Fläche.
Betrieb
Schritt-für-Schritt Stick-Out
- Montieren: Sash Frame sicher an der Maschine einrasten.
- Start: Starttaste drücken.
- Beobachten: Erste Stiche aktiv überwachen.
Betriebskontrollen & erwartete Ergebnisse
- Bewegung: Stoff muss mit dem Rahmen mitlaufen – wenn der Stoff „rutscht“, ist das Einspannen zu locker.
- Sicherheit: Hände weg vom Bewegungsbereich des Schlittens.
Ergonomie-Hinweis: Wenn du häufig einspannst, kann eine magnetic embroidery hooping station for machine embroidery den Ablauf deutlich entlasten, weil wiederholte Handgriffe strukturierter und schneller werden.
Betriebs-Checkliste
- Freigängigkeit: Rahmen kann frei fahren.
- Stabilität: Stoff liegt glatt und stabil.
- Überwachung: Erste Stiche kontrolliert.
Qualitätskontrolle
Direkt nach dem Sticken prüfen
- Passung: Liegt die Kontur sauber an der Füllung?
- Faltenbildung: Gibt es Wellen/Rippeln um das Motiv?
- Stichgefühl: Wirkt das Motiv unnötig steif (zu viel Dichte/Überlagerung)?
Troubleshooting
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Sofortmaßnahme | Vorbeugung |
|---|---|---|---|
| Scan ist sehr schwach/„geisterhaft“ | Zu geringer Kontrast oder Schatten/Unruhe in der Vorlage. | Vorlage kontrastreicher erstellen, Papier plan fixieren. | Beim Scannen auf saubere, flache Lage achten. |
| Füllung läuft in den Hintergrund | Kontur ist nicht geschlossen oder falsch angetippt. | Undo, Kontur schließen, erneut füllen. | Schon in der Zeichnung geschlossene Formen sicherstellen. |
| Rahmenabdrücke sichtbar | Zu stark/ungleichmäßig eingespannt. | Stoff ggf. nachbehandeln (materialabhängig). | Neutral einspannen, Druck vermeiden, Prozess standardisieren. |
| Kontur wirkt „wellig“ | Stoff beim Einspannen überdehnt und später entspannt. | Meist nicht sauber zu retten. | Stoff neutral einspannen, Stabilisierung passend wählen. |
| Nadelbruch | Kollision/zu hohe Belastung durch ungünstige Überlagerung oder Rahmenkontakt. | Stoppen, Nadel ersetzen, Setup prüfen. | Platzierung/Überlappungen prüfen und vor dem Start Freigängigkeit sicherstellen. |
Ergebnis
Wenn du My Design Center sicher beherrschst, kannst du aus einer einfachen Skizze sehr schnell ein stickbares Motiv erstellen.
- Wichtig: Speichere die fertige Datei direkt auf der Maschine, sobald sie erstellt ist.
- Praxis-Fazit: Sobald der digitale Teil sitzt, wird in der Produktion das Einspannen zum Engpass. Konstanz und Tempo kommen aus sauberer Vorbereitung und wiederholbaren Spannprozessen.
Wenn du diesen Prozess weiter professionalisieren willst, lohnt sich eine Einspannstation für Maschinenstickerei – damit landet jedes Motiv reproduzierbar an der gleichen Position, auch bei Serienläufen.
