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Brother Innov-is für die Bearbeitung einrichten
Eine durchgehende Bordüre wirkt auf den ersten Blick simpel – bis zum entscheidenden Moment, wenn die Ecken wirklich „sauber schließen“ müssen. Wer schon einmal beim letzten Anschluss den Atem angehalten hat und am Ende trotzdem eine Lücke oder eine unschöne Überlappung hatte, kennt den Frust. Die eigentliche Herausforderung ist hier nicht das Sticken – sondern die Layout-Konstruktion.
In diesem Tutorial umgehen wir externe PC-Software und bauen eine professionell wirkende rechteckige Bordüre für ein Platzset direkt am Bildschirm der Brother Innov-is V5. Dafür nutzen wir die On-Screen-Editierfunktionen, die viele Besitzer kaum einsetzen – obwohl genau dort die „Engineering“-Werkzeuge stecken.
Das lernst du hier konkret:
- Moduswechsel: Vom normalen „Embroidery/Stickerei“-Bildschirm in Embroidery Edit (gelbe Oberfläche) – nur dort kannst du Layouts wirklich aufbauen.
- Array-Funktion: Motive schnell vervielfältigen, ohne jedes Element einzeln zu ziehen.
- Rotations-Logik: Motive um 90° drehen, ohne dass der optische „Fluss“ (Richtung der Engel/Ranken) kippt.
- Messer-Tool (der Schlüsseltrick): Automatische Gruppierungen auftrennen, um Abstände im Submillimeterbereich sauber zu schließen.
- Produktions-Workflow: Farbwechsel reduzieren, indem du Farben sinnvoll bündelst.

Warum „Embroidery Edit“ entscheidend ist (und was sich dadurch ändert)
Auf der V5 (und ähnlichen V-Serien bzw. höherwertigen Modellen) ist der Embroidery-Modus (blaue/Standard-Icons) für „Design laden und sticken“. Du kannst dort zwar verschieben, aber Layouts mit mehreren Elementen lassen sich nur begrenzt „konstruieren“.
Für eine Bordüre musst du in Embroidery Edit (meist gelbe Icons/gelbes Raster). In diesem Modus behandelt die Maschine Motive als Objekte, die du vervielfältigen, drehen, gruppieren und – entscheidend – auch wieder trennen und exakt ausrichten kannst.
Praxis-Tipp: Denk bei Bordüren nicht „ich platziere ein Bild“, sondern „ich baue einen wiederholbaren Rapport“. Allein dieses Umdenken spart dir später viel Auftrennen.
Warnhinweis: Bordüren reizen die nutzbare Stickfläche oft stark aus. Bevor du startest, nutze die Rahmen-/Bereichskontrolle (Trial/Umrandung) und stelle sicher, dass die Nadel nicht am Kunststoffrahmen anschlägt. Hände immer aus dem Bewegungsbereich halten.
Bordürenmotive auswählen und vervielfältigen
Wir verwenden ein integriertes Weihnachtsmotiv (Holly/Angel, Kategorie 9, Nr. 12), um ein rotes Filz-Platzset zu umranden. Filz ist grundsätzlich formstabil, bringt aber eine typische Stolperfalle mit: Rahmenspuren/Rahmenabdrücke durch Druck im Stickrahmen.

Vorbereitung: „unsichtbare“ Verbrauchsmaterialien & Checks (bitte nicht überspringen)
Man ist schnell am Bildschirm – aber die Physik entscheidet, ob die letzte Ecke zur ersten passt. Wenn Material und Stabilisierung nicht sauber vorbereitet sind, hilft dir auch das perfekteste Bildschirm-Layout nicht.
Was du zusätzlich einplanen solltest:
- Nadel: Stärke 75/11 oder 90/14 (Stick-/Sharp-Nadel). Bei dichtem Filz ist eine zu „runde“ Spitze oft träge im Einstich.
- Markierhilfe: Wasserlöslicher Stift oder Schneiderkreide – eine sichtbare Referenz (z. B. Mittellinien) hilft beim reproduzierbaren Positionieren.
- Fixierung: Temporärer Sprühkleber kann hilfreich sein, wenn du Filz lieber „floatest“ (nicht fest einspannst), um Abdrücke zu vermeiden.
- Stickvlies: Für ein Platzset, das ggf. genutzt/beansprucht wird, ist ein mittleres Cutaway eine robuste Wahl. Bei langen Bordüren kann zu schwaches Vlies zu „Drift“ führen.
Checkliste (Ende dieses Abschnitts)
- Modus: Maschine steht in „Embroidery Edit“ (gelbe Oberfläche).
- Freigängigkeit: Stickaggregat montiert; genügend Platz, damit der Stickrahmen frei laufen kann.
- Nadel-Check: Frische 75/11 oder 90/14 eingesetzt.
- Unterfaden: Unterfadenspule ausreichend gefüllt.
- Materialzugabe: Filz großzügig zugeschnitten (deutlich größer als der Stickrahmen).
- Stabilisierung: Vlies sauber vorbereitet; keine Falten/Spannungen.
Step 1 — In Embroidery Edit wechseln und Bordürenmotiv laden
- Navigation: Am Startbildschirm Embroidery Edit wählen.
- Auswahl: In der Bordüren-/Rahmenkategorie (Rahmen-Icon) bzw. in den integrierten Motiven das Holly/Angel-Motiv auswählen.
- Setzen: Set drücken, damit das Motiv auf der Arbeitsfläche (virtueller Stickrahmen) liegt.
Checkpoint: Das Motiv ist von einem Auswahlrahmen umgeben – du bist jetzt im „Layout-Aufbau“.
Der Schlüsseltrick: Mit dem Messer-Tool Gruppen auftrennen
Hier scheitern viele, weil es in Handbüchern oft nur am Rand erwähnt wird: Wenn du mit „Array“ vervielfältigst, fasst die Maschine die Kopien häufig zu einer Gruppe zusammen. Für Bordüren ist das kritisch, weil du später oft nur eine Reihe minimal verschieben musst, um eine Lücke zu schließen.

Step 2 — Erste vertikale Seite mit der Array-Funktion aufbauen
- Auswählen: Bordüre/Array-Icon antippen (wirkt wie gestapelte Kästchen).
- Vervielfältigen: Vertikales Array wählen – die Maschine setzt Kopien nach oben.
- Anzahl: So viele Wiederholungen hinzufügen, bis die gewünschte Höhe erreicht ist.
Praxis-Hinweis: Behalte die Anzeige der Gesamtmaße/den nutzbaren Bereich im Blick. Wenn du zu nah an die Begrenzung kommst, blockiert die Maschine Bewegungen oder das Kombinieren.
Warum überhaupt Lücken entstehen (und warum „einfach schieben“ selten reicht)
Die Software setzt Wiederholungen nach einem festen Raster. Optisch müssen aber Ranken/Übergänge „greifen“. Wenn du die gesamte Spalte verschiebst, bleibt der optische Versatz oft bestehen. Du brauchst die Möglichkeit, einzelne Elemente oder Reihen separat zu bewegen.

Step 3 — Gruppierte Arrays mit dem Messer-Tool trennen
Das ist der Schritt, der dir die Feinarbeit ermöglicht.
- Erkennen: Ist um mehrere Motive ein gemeinsamer roter Rahmen? Dann ist es eine Gruppe.
- Suchen: Das Messer-Symbol (bei älteren Oberflächen ggf. Schere/Split).
- Ausführen: Gruppe markiert lassen und das Messer antippen.
- Ergebnis: Die große Gruppierung verschwindet – einzelne Motive/Reihen sind separat anwählbar.
Checkpoint: Tippe ein Motiv in der Mitte an. Wenn nur dieses Element markiert wird, ist die Trennung erfolgreich.
Manuelle Ausrichtung & Rotation – so bekommst du saubere Anschlüsse
Jetzt, wo die Elemente unabhängig sind, bauen wir die restlichen Seiten und schließen die Ecken sauber.

Step 4 — Horizontale Kante erstellen: um 90° drehen
- Vorbereitung: Erst die vertikale Seite so gut wie möglich „sauber“ ausrichten.
- Kopie: Motiv duplizieren (Icon mit zwei überlappenden Quadraten).
- Rotation: Rotate wählen und auf 90° drehen.
- Richtung prüfen: Achte auf die Motiv-Orientierung (Engel/Ranken). Die „Leserichtung“ sollte entlang der Bordüre stimmig bleiben.

Step 5 — Reinzoomen und die Übergänge mikro-ausrichten
- Zoom: Lupe nutzen (z. B. 200%/400%).
- Feinpositionierung: Mit den Richtungspfeilen arbeiten – Fingerziehen ist oft zu grob.
- Zielbild: Übergänge sollen sich berühren, aber nicht überlappen.
- Zu weit: Es bleibt eine sichtbare Lücke.
- Zu nah: Stiche stapeln sich → harte Stelle, potenziell Fadenriss/Nadelstress.
Praxis-Fix aus typischen Fragen: „Ich bekomme oben nur 2 Motive unter“
Wenn die Seite „passt“, aber oben nur zwei Wiederholungen möglich sind, liegt das oft daran, dass du bereits an der Grenze des nutzbaren Bereichs bist. Lösung: Bevor du verkleinerst, verschiebe das gesamte Layout zunächst Richtung Mitte des Stickrahmens. Dadurch verlässt du die Randzone, in der die Maschine das Platzieren einschränkt – und häufig passt die nächste Wiederholung dann doch.
Profi-Hinweis: Skalieren verändert Anschlussstellen
Wenn du skalieren musst, mach es kontrolliert.
- Risiko: Starke Verkleinerung kann Dichte/Optik verändern oder Anschlussstellen (Rankenenden) passen nicht mehr sauber.
- Regel: Wenn skalieren, dann vor dem Vervielfältigen – damit alle Teile identisch bleiben.
Eckmotive ergänzen
Ecken sind der kritische Punkt. Statt eine gerade Bordüre „um die Ecke zu zwingen“, ist ein separates Eckmotiv oft die sauberste Lösung – als optischer Anker.

Step 6 — Gesamtlayout prüfen und Maße kontrollieren
Kontrolliere die Gesamtmaßanzeige am Bildschirm.
- Beispiel aus dem Layout: 281.5 mm x 199.0 mm.
- Rahmen-Realität: Bei einem 300x200-Rahmen bleibt seitlich extrem wenig Reserve.
Praxis-Check: Wenn du so knapp an der Grenze arbeitest, nutze unbedingt die Bereichskontrolle/Umrandung und plane ggf. minimalen Spielraum ein, bevor du stickst.

Step 7 — Eckmotiv (z. B. Weihnachtsbaum) hinzufügen und verkleinern
- Auswahl: Ein kleines Motiv wählen (z. B. Stern oder Baum).
- Größe: Im Size-Menü so klein wie möglich einstellen, bis es sauber in die Ecke passt.
- Platzierung: Optisch mittig in die freie Ecke setzen.

Checkpoint: Das Eckmotiv darf die Bordüre nicht überlappen – Überlappungen sind ein häufiger Auslöser für Fadenknäuel.
Effizient sticken: Farbwechsel reduzieren
Bei vielen Wiederholungen explodiert die Anzahl der Farbwechsel. Das kostet Zeit und erhöht das Risiko von Bedienfehlern.

Step 8 — Stickstrategie: Farben bündeln
Wenn verfügbar, nutze Color Sort – oder arbeite manuell über die Stichreihenfolge, um gleiche Farben zusammen zu sticken.
Manuelles Bündeln (wie im Workflow gezeigt):
- Zuerst Farbe 1 (Grün) für alle Bordürenteile.
- Dann Farbe 2 (Rot) für alle Bordürenteile.
- Danach Farbe 3 (Gold) für alle Bordürenteile.
Effekt: Deutlich weniger Stopps und weniger Umrüstzeit.

Einspannen & Stabilisierung: worauf es bei Filz-Bordüren ankommt
Filz ist „voluminös“. Beim Einspannen in einen Standard-Stickrahmen wird das Material komprimiert – nach dem Ausspannen bleiben oft Rahmenabdrücke sichtbar.
Entscheidungslogik für saubere Ware:
- Problem: Dickes/empfindliches Material (Filz, Samt, Frottee).
- Frage: Lässt es sich ohne übermäßigen Druck einspannen?
- Ja: Sauber einspannen oder alternativ „floaten“ (Material auf gut stabilisiertem Untergrund fixieren).
- Nein (Abdrücke/Stress beim Schließen): Dann lohnt sich ein anderes Spannprinzip.
- Lösung: Ein Magnetrahmen für brother arbeitet mit flächigem Magnetdruck statt Reib-/Keilspannung und kann Filz sicher halten, ohne ihn so stark zu quetschen.
Workflow-Upgrade: Wenn du mehrere Platzsets in Serie machst, wird klassisches Einspannen schnell zum Engpass (Zeit, Handgelenkbelastung, schwankende Passung). Viele wechseln dafür auf Magnetrahmen für brother – nicht nur wegen der Materialschonung, sondern auch wegen reproduzierbarer Positionierung.
Wer nach brother innovis v3 Stickrahmen oder passenden Rahmen für die V5 sucht, übersieht oft: Die eigentliche Limitierung ist weniger das Motiv als die nutzbare Rahmenfläche und die Handhabung beim Einspannen. Prüfe deshalb die brother Stickrahmen Größen für deine Maschinen-Generation und stelle sicher, dass du für Platzsets/Runner den passenden (ca. 300x200) Rahmen nutzt.
Warnhinweis: Magnet-Sicherheit
Magnetrahmen sind starke Werkzeuge.
* Quetschgefahr: Magnete schnappen schnell zu – Finger aus der Kontaktzone.
* Medizinisch: Starke Magnete können mit Herzschrittmachern interferieren – Abstand halten.
* Lagerung: Mit Abstandshaltern/Einlagen lagern, damit sie nicht unkontrolliert zusammenrasten.
Setup-Checkliste (Ende dieses Abschnitts)
- Gruppen getrennt: Messer-Tool genutzt; Elemente/Reihen lassen sich separat bewegen.
- Übergänge geprüft: Auf 400% gezoomt; keine Überlappungen an den Stoßstellen.
- Geschwindigkeit: Max. Geschwindigkeit auf 600 SPM gesetzt.
- Bereichskontrolle: Umrandung/Trial gefahren; keine Kollision mit dem Stickrahmen.
Troubleshooting
Nutze diese Logik „günstig prüfen → gezielt korrigieren“, bevor du an Material/Design zweifelst.
| Symptom | Quick Check (Physical) | Deep Check (Digital) |
|---|---|---|
| Lücken in den Ecken | Rutscht das Material? (Einspannung/Stabilisierung prüfen) | Reinzoomen und mit Pfeilen minimal nachstellen. |
| Ein Teil lässt sich nicht einzeln bewegen | N/A | Array ist noch gruppiert → Messer-Tool nutzen. |
| Am Bildschirm passt es, am Material nicht | Stabilisierung/Einspannen war nicht stabil genug. | N/A. |
| Design „wandert“/verschiebt sich während des Stickens | Blockiert der Stickrahmen am Tisch? | Geschwindigkeit reduzieren (z. B. 500 SPM). |
| „Cannot Combine“-Fehler | Nutzbaren Rahmenbereich prüfen. | Zu komplex/zu nah am Rand: Eckmotiv testweise entfernen und erneut versuchen. |
Results
Wenn du den gelben Embroidery Edit-Modus sicher beherrschst, das Messer-Tool zum Auftrennen von Gruppierungen nutzt und die Vorteile einer Einspannstation für Stickrahmen bzw. eines Magnetrahmens für reproduzierbare Passung verstehst, arbeitest du deutlich näher an einem produktionsfähigen Workflow.
Dieses Bordürenprojekt zeigt: Du brauchst nicht zwingend teure PC-Software – du musst die Konstruktionswerkzeuge nutzen, die in deiner Brother V5 bereits integriert sind.
Ablauf-Checkliste (Ende dieses Abschnitts)
- Erster Stich: Prüfen, ob die Nadel exakt auf deinen Referenzlinien startet.
- Geräusch-Check: Gleichmäßiger, sauberer Einstichsound. „Schlagen/Quälen“ deutet auf stumpfe Nadel oder zu hohe Geschwindigkeit hin.
- Zwischencheck: Nach der ersten Farbe prüfen, ob sich das Material hebt („Tenting“). Falls ja: pausieren, zusätzlich fixieren oder Magnetrahmen nutzen.
- Finish: Sprungstiche zwischen Farbwechseln direkt sauber abschneiden, damit nichts überstickt wird.
