Eigenes ITH-Herz-Reißverschlusstäschchen in My Design Center entwerfen (Brother Luminaire / Baby Lock IQ Designer)

· EmbroideryHoop
Diese praxisnahe Anleitung zeigt dir, wie du ein In-the-Hoop (ITH) Herz-Reißverschlusstäschchen direkt am Bildschirm einer Brother Luminaire (oder einer Baby Lock mit IQ Designer) konstruierst: mit Run Stitch/Doppel-Run für alle Konstruktionslinien, exakter Dimensionierung für einen 6x10-Stickrahmen und konsequenten Farbwechseln als „Stoppsignal“ für Reißverschluss- und Stoffplatzierung. Zusätzlich bekommst du praxiserprobte Vorab-Checks, eine Entscheidungslogik fürs Stickvlies sowie Troubleshooting, um typische ITH-Reißverschlussfehler (Nadelbruch, schiefer Reißverschluss, fehlende Stopps) zu vermeiden.
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Inhaltsverzeichnis

In-The-Hoop-Design meistern: Der sichere Profi-Workflow für Brother- & Baby-Lock-Anwender

Ein In-the-Hoop (ITH) Reißverschlusstäschchen, das am Ende eher „gekauft“ als „selbstgemacht“ wirkt, ist im Maschinenstickerei-Alltag ein echter Qualitätsmarker. Dafür musst du gedanklich umschalten: Du stickst nicht einfach ein Motiv – du konstruierst ein Objekt. Der Faden ist dabei dein „Befestigungsmaterial“.

Wenn der Workflow stimmt, verschwinden die Konstruktionsnähte optisch, der Reißverschluss liegt gerade, und die Lagen wandern nicht. Wenn er nicht stimmt, hörst du das gefürchtete „Knack“ (Nadel trifft Metallstopper) – oder du bekommst ein Täschchen, das dauerhaft verzogen ist.

In diesem „White-Paper“-artigen Guide lassen wir das Drumherum weg und bauen die Design-Datei selbst direkt auf dem Maschinenbildschirm – mit My Design Center (Brother Luminaire/Stellaire) bzw. IQ Designer (Baby Lock Solaris/Altair).

Das lernst du hier:

  • Sticharten-Logik: Warum du für Konstruktionslinien konsequent Run Stitch/Doppel-Run brauchst.
  • Sicherheitszonen: Wie du geschlossene Formen in sichere, offene Linien verwandelst (gegen Nadelbruch).
  • „Ampel“-System: Farbwechsel als zuverlässige Maschinen-Stopps.
  • Stabilisierung & Einspannen: Wie du Lagenverschiebung im ITH-Prozess reduzierst.
Close-up of the finished red heart zipper pouch held in front of the Brother machine screen.
Intro demonstration of the final product

1. Grundprinzip: Warum ITH-Workflows scheitern

Bevor wir den Bildschirm anfassen, müssen wir die drei typischen Fehlerquellen verstehen. In der Praxis scheitern ITH-Projekte meist an einem davon:

  1. Timing-Fehler: Die Maschine stoppt nicht, wenn du Reißverschluss oder Stoff platzieren musst.
  2. Kollision mit Hardware: Tack-Down-Stiche treffen Reißverschluss-Schieber oder Metallstopper.
  3. Lagenwanderung (Schubkräfte): Der Nähfuß schiebt die obere Lage – das Ergebnis wird schief.

Dieses Tutorial löst #1 und #2 über die digitale Konstruktion. Für #3 brauchst du sauberes Einspannen und die passende Stickvlies-Kombination.


2. „Cockpit“ einrichten: Wichtige Maschinen-/Design-Einstellungen

Du erstellst jetzt eine Bauzeichnung. Dafür müssen dekorative Einstellungen raus – Stabilität und Kontrolle stehen im Vordergrund.

Schritt 0: Die goldene Regel der Stichart

In My Design Center / IQ Designer ist dein allererster Schritt das Öffnen des Menüs Line Property.

  • Aktion: Run Stitch wählen (Single Run / Double Run).
  • Sichtkontrolle: Die Vorschau muss wie eine dünne Bleistiftlinie wirken. Wenn sie wie ein dicker Marker oder Zickzack aussieht: STOPP.
  • Warum: Satin-/Zickzackstiche haben hohe Stichdichte. Auf Reißverschlussband kann das Material „perforieren“ (reißt später wie eine Briefmarke) oder die Nadel wird in Richtung Zähnchen/Metall abgelenkt.
Screen showing the Line Property menu with various stitch types; Run stitch is selected.
Setting stitch type to single run

Warnung: Mechanische Sicherheit
Keine dichten Dekorstiche als Konstruktionslinien in Reißverschlussnähe. Eine Nadelablenkung bei hoher Geschwindigkeit kann die Nadel brechen – Splitter können Richtung Gesicht fliegen oder in den Greifer-/Spulenbereich gelangen. Für Konstruktion: Run Stitch/Doppel-Run.


3. Reißverschluss-Platzierung konstruieren (das Fundament)

Wir bauen für einen 6x10-Stickrahmen und einen No. 3 Reißverschluss (Standardbreite).

Schritt 1: Platzierungsbox erstellen

Diese Box zeigt dir exakt, wo der Reißverschluss fixiert wird.

  1. In Shapes eine geschlossene Square-Form wählen.
  2. Size öffnen und das Seitenverhältnis entsperren (Ketten-/Schloss-Symbol).
  3. Diese Maße eingeben:
    • Height: 1.00" (entspricht der typischen Bandhöhe eines No. 3 Reißverschlusses).
    • Width: 5.95" (kleiner als 6" – Sicherheitsreserve innerhalb der Rahmenbegrenzung).
  4. OK/Set.
  • Sichtkontrolle: Ein langes, flaches Rechteck (horizontal).
My Design Center shapes menu showing geometric options.
Selecting the square shape for zipper placement
Numeric keypad and arrow adjustments on screen, resizing the square height to 1.00 inch.
Resizing the zipper placement box

Schritt 2: Tack-Down-Linien (die „Klemme“)

Jetzt erzeugen wir die Linien, die das Reißverschlussband am Stickvlies fixieren.

  1. Die Platzierungsbox duplizieren.
  2. Die Kopie markieren und Size öffnen.
  3. Height auf 0.70" setzen, Breite unverändert lassen.
  4. OK.
Screen showing the copied rectangle being resized to 0.70 inches high.
Creating zipper tack down lines

Schritt 3: Sicherheits-„Erase“ (entscheidende Logik)

Das ist der wichtigste Schritt. Ein geschlossenes Rechteck würde rundherum nähen – inklusive der vertikalen Seiten. Genau diese Seiten sind riskant, weil sie in den Bereich der Metallstopper bzw. des Schiebers laufen können.

  1. Eraser Tool wählen (quadratische Spitze).
  2. In die Ansicht hineinzoomen.
  3. Aktion: Die beiden vertikalen Seitenlinien der 0.70"-Box sauber wegradieren.
  4. Ergebnis: Es bleiben zwei parallele, horizontale „schwebende“ Linien.
  • Warum: Die Maschine näht dann eine Kante, macht einen Sprungstich und näht die zweite Kante – ohne vertikal durch die „Gefahrenzone“ zu fahren.
Using the Eraser tool to remove the side lines of the rectangle.
Modifying closed shape to open parallel lines

4. Das „Ampel“-System: Stopps kontrollieren

Bei Stickmaschinen wird ein Farbwechsel praktisch als Stopp-Befehl genutzt. Wenn alles dieselbe Farbe bleibt, näht die Maschine Schritt für Schritt durch – ohne Pause zum Platzieren.

Schritt 4: Reißverschluss-Tack-Down farblich trennen

  1. Color/Fill öffnen.
  2. Rot wählen.
  3. Mit dem Bucket Tool die zwei horizontalen Tack-Down-Linien antippen.
  • Logik:
    • Platzierungsbox = Schwarz (nähen → STOPP).
    • Tack-Down-Linien = Rot (nähen → STOPP).
Color palette open, selecting red to differentiate the tack down step.
Assigning colors
Stylus using the bucket tool to apply red color to the tack down lines.
Applying color to vectors

Praxisblick: Engpass im Produktionsalltag

Für ein einzelnes Täschchen sind Farbwechsel als „Pause“ angenehm. In Serie (z. B. viele identische Teile) kosten diese manuellen Eingriffe jedoch Zeit.

Viele Produzenten lösen das über Maschinen-/Workflow-Upgrades: Mehrnadelstickmaschinen erlauben je nach System Stopps/Sequenzen effizienter zu planen, ohne dass du für jede Pause zwingend „echte“ Farbwechsel im Sinne von Garnwechseln brauchst.


5. Stoffplatzierung integrieren

Jetzt kommen die Führungen für Außenstoff und Futter.

Schritt 5: Stoff-Führungslinien

  1. Die Tack-Down-Linien (rot) auswählen.
  2. Duplizieren.
  3. Die neue Kopie auf Height: 0.50" skalieren.
  4. Mit Auswahl-/Ausrichtungsfunktionen sauber innerhalb der vorherigen Boxen zentrieren.
Resizing the third set of lines to 0.50 inch height.
Creating fabric stitch down lines

Schritt 6: Aufgaben trennen (zwei Farben)

Oberer und unterer Stoff sollen in getrennten Schritten angenäht werden.

  1. Grün wählen und nur die obere Linie einfärben.
  2. Lila wählen und nur die untere Linie einfärben.
  • Sichtkontrolle: Mehrere Konstruktionslinien in unterschiedlichen Farben – im fertigen Projekt später nicht sichtbar, aber für den Ablauf entscheidend.
Applying different colors (purple) to individual lines.
separating top and bottom fabric steps
Using the Trace/Selection tool to draw a box around the tack down lines.
Selecting objects to move
Using arrow keys to nudge the tack down lines inside the placement box.
Aligning design elements

6. Pre-Flight-Check: Verbrauchsmaterial & Stabilisierung

Bevor wir mit der Herzform finalisieren, kommt die Realität: ITH ist „dick“. Du nähst oft Stickvlies + Reißverschluss + Futter + Außenstoff (ggf. zusätzlich Volumenvlies).

Problem: Rahmenspuren & Lagenverschiebung

Klassische Kunststoffrahmen arbeiten mit Reibung und Schraube. Bei dicken ITH-Sandwiches wird oft zu fest angezogen – das führt zu:

  1. Rahmenspuren: helle Druckringe, besonders auf empfindlichen Materialien.
  2. Belastung: unnötige Hand-/Handgelenkbelastung durch „Rahmenkampf“.
  3. Shift: Spannung lässt während längerer Laufzeit nach.

Lösungsleiter:

  • Level 1: Innenring mit Vet Tape umwickeln (mehr Grip).
  • Level 2: Magnetrahmen für Stickmaschine. Diese klemmen über Magnetkraft statt Schraubreibung und kommen mit wechselnder Materialdicke sehr schnell klar.
  • Level 3 (Industrie): Pneumatische Spannsysteme.

Stickvlies-Entscheidungslogik

Nicht raten – nach Material entscheiden.

Szenario Material Empfohlene Stabilisierung
Standard-Täschchen Patchwork-/Quilting Cotton (Webware) Medium Tearaway (2 Lagen) ODER Medium Cutaway
Heavy Duty Kunstleder / Vinyl Medium Cutaway (Tearaway kann Vinyl perforieren)
Soft Touch Jersey / Strick No-Show Mesh (Cutaway) + aufbügelbare Einlage am Stoff
Sehr leicht/transparent Organza / Seide Water Soluble (Wash-Away) Heavy

Versteckte Checkliste (nicht ohne starten)

  • Tape: Papierklebeband oder „Embroidery Tape“ (möglichst ohne Rückstände).
  • Heftspray: hilft, Futter auf der Rückseite glatt zu halten.
  • Wasserlöslicher Stift: zum Markieren von Mittelpunkten.
  • Nadeln: 75/11 oder 80/12 (für Baumwolle oft ideal); 90/14 für Vinyl.
  • Applikationsschere: idealerweise „Duckbill“-Schere zum sauberen Zurückschneiden.

Warnung: Magnet-Sicherheit
Wenn du auf Magnetrahmen für brother umsteigst: Neodym-Magnete können stark einklemmen. Finger schützen, Abstand zu Herzschrittmachern und magnetischen Datenträgern halten.


7. Design finalisieren: Herz-Layout

Hier legst du fest, wie die Tasche aussieht – und wo der Reißverschluss optisch sitzt.

Schritt 7: Herz-Umriss

  1. Heart Shape wählen.
  2. Auf Width: 5.66" skalieren (muss in den Rahmen passen und die Konstruktionslinien sinnvoll überdecken).
  3. In Line Property prüfen: Run Stitch (nicht Zickzack).
  4. Neue Farbe wählen (z. B. Pink).
Selecting the heart shape from the shape library.
Adding the final outline shape
Resizing the heart shape to fit the hoop width (5.66 inches).
Sizing the final pouch

Schritt 8: Feinausrichtung in Embroidery_Edit

Nach „Next/Set“ (Verlassen von Design Center) in den Embroidery-Edit-Bildschirm wechseln.

  • Aktion: Herzform nach oben/unten verschieben.
  • Ziel: Reißverschlusslinien so positionieren, dass sie optisch im oberen Drittel des Herzens liegen.
  • Praxis-Tipp: Achte darauf, dass Metallstopper außerhalb der späteren Herz-Umrissnaht liegen.
The Embroidery Edit screen showing all layers combined.
Final review of layers
Preview screen showing the generated embroidery pattern on the grid.
Converting vector to stitch data

8. Operativer Ablauf: Stickreihenfolge (Stitch-Out)

Jetzt zählt Prozessdisziplin.

Empfohlene Geschwindigkeit: 600 SPM. Höhere Geschwindigkeit kann Vibrationen erhöhen – der Reißverschluss kann sich vor dem Tack-Down leichter verziehen.

  1. Stickvlies einspannen: straff und gleichmäßig. (Mit Magnetrahmen für brother luminaire: Magnete aufsetzen und sauber schließen.)
  2. Farbe 1: Platzierungsbox auf das Stickvlies sticken.
  3. Aktion: Reißverschluss exakt über die Box legen (Zähnchen mittig ausrichten) und Kanten gut fixieren.
  4. Farbe 2: Reißverschluss-Tack-Down – die zwei horizontalen Linien.
    • Kontrolle: Nähfuß-Freiraum zum Schieber prüfen.
  5. Farbe 3: Oberer Stoff – Außenstoff oben (rechte Seite nach unten) anlegen, sticken, umklappen, glattstreichen.
  6. Farbe 4: Unterer Stoff – Außenstoff unten (rechte Seite nach unten) anlegen, sticken, umklappen, glattstreichen.
  7. Futter-Schritte: (typisch auf der Rückseite des Rahmens analog).
  8. Farbe 5: Herz-Umriss – schließt die Form.
Pointing at the screen explaining the stitch sequence with the color change list visible.
Reviewing the stitch order

9. Troubleshooting & Diagnose

Auch mit perfekter Datei kann es haken. Hier ist ein strukturierter Praxisleitfaden.

Symptom: „Vogelnest“ (Fadenknäuel unten)

  • Wahrscheinliche Ursache: Oberfaden nicht korrekt in der Spannung (z. B. aus den Spannungsscheiben gerutscht).
  • Sofortmaßnahme: Komplett neu einfädeln – Nähfuß oben (Spannungsscheiben offen).
  • Zusatzcheck: Nadel auf Grat prüfen (mit Fingernagel zur Spitze). Bei Haken: Nadel tauschen.

Symptom: „Schiefer Reißverschluss“

  • Wahrscheinliche Ursache: Rahmenbewegung oder Dehnung im Stickvlies während des Stickens.
  • Warum: Zug durch schwere Lagen wirkt auf das Vlies.
  • Lösung:
    1. Stabileres Stickvlies wählen (Cutaway).
    2. Eine Einspannstation für Stickmaschinen nutzen, um beim Einspannen exakt rechtwinklig auszurichten.
    3. Magnetrahmen für Stickmaschine in Betracht ziehen – gleichmäßigere Klemmkraft als bei vielen Schraubrahmen.

Symptom: „Nadelbruch“ (lauter Schlag)

  • Wahrscheinliche Ursache: Schieber oder Metallstopper getroffen.
  • Lösung: Schritt 3 prüfen: Sind die vertikalen Seitenlinien wirklich entfernt? Wenn nicht, fährt die Maschine genau durch die Metallzone.

10. Fazit: Vom „Pi mal Daumen“ zur reproduzierbaren Konstruktion

Du hast jetzt einen Workflow, der nicht auf Glück basiert, sondern auf Konstruktion: offene Linien, Run Stitch/Doppel-Run und Farb-Stopps ergeben eine sichere, wiederholbare Datei.

Wenn du diese Technik beherrschst, wird oft das Einspannen zum Engpass. Das ist normal. Wenn dich der „Rahmenkampf“ nervt, schau dir Magnetrahmen für babylock Stickmaschinen an. Und wenn dir die manuellen Stopps (Farbwechsel als Pausen) zu langsam werden, ist das häufig das Signal, dass du über eine Mehrnadelstickmaschine nachdenkst.

Finaler Pre-Flight-Check

  • Rahmengröße: 6x10 gewählt.
  • Stichart: Alle Linien = Run Stitch (kein Satin!).
  • Reißverschluss-Sicherheit: Seitenlinien beim Tack-Down entfernt.
  • Farb-Stopps: 5 klar getrennte Farben für Pausen.
  • Nadel: Neue 75/11 oder 80/12 eingesetzt.
  • Unterfaden: Unterfadenspule voll (mitten im ITH leer laufen ist brutal).