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Einführung: In-the-Hoop (ITH) Projekte aus Kork
Wenn du ein Geschenk- oder Verkaufsprojekt suchst, das „premium“ wirkt, ohne dass du kompliziert nähen musst, ist eine In-the-Hoop (ITH) Passhülle aus Kork eine sehr gute Wahl: Sie ist formstabil, robust – und die Stickerei ist das sichtbare Highlight. Kork ist allerdings wenig verzeihend. Im Gegensatz zu Baumwolle, die sich nach einem Nadelstich oft wieder „schließt“, bleibt bei Kork jede Perforation sichtbar.
Im Video stellt die Trainerin einen Hatch-Academy-Kurs vor, der auf ein klares Ergebnis hin arbeitet: Ein Reiselogo wird mit einem Monogramm kombiniert und anschließend in ein zweites Design – die ITH-Passhülle – eingesetzt. So lernst du in einem Projekt sowohl Designaufbau als auch die ITH-„Engineering“-Logik.

Was du lernst (und was dieser Blog zusätzlich liefert)
Aus der Video-Übersicht geht hervor, dass der Kurs u. a. diese Punkte abdeckt:
- Auto-Digitizing plus manuelle Techniken, um ein Reiselogo aufzubauen
- Bearbeitungswerkzeuge (offene/geschlossene Formen, Knife & Weld, Outlines/Offsets, Overlaps entfernen)
- Appliqué-Tools und Auto Fabric
- Object Properties und Specialty Stitch Effects
- Arbeiten mit Kork und das „Engineering“ eines ITH-Projekts
- Entscheidungen rund um Vektor- vs. Bitmap-Grafiken
- Wann „editieren“ reicht – und wann du besser löschst und neu digitalisierst
- View Modes und Hotkeys, um schneller (und sicherer) zu digitalisieren
Dieser Blog macht daraus einen praxisnahen Schritt-für-Schritt-Workflow mit Checkpoints und „Rework vermeiden“-Hinweisen – besonders wichtig bei Kork, weil Nadelstiche dauerhaft sind und Fehler echtes Materialgeld kosten. Ziel ist, dass du nicht „hoffst, dass es klappt“, sondern anhand klarer Prüfstellen weißt, dass die Datei stickbar ist.
Warnung: Kork, Vinyl und Kunstleder sind nicht-faserige Materialien. Jeder Nadeleinstich ist ein dauerhaftes Loch. Wenn die Stichdichte zu hoch ist oder Konturen mehrfach übereinanderlaufen, entsteht eine perforierte „Briefmarkenlinie“, die später einfach ausreißt. Immer zuerst auf einem Reststück testen.

Überblick: Verwendete Hatch-Digitalisierwerkzeuge
Im Video wird betont, dass du „fast jede Toolbox“ in Hatch nutzt (ausgenommen Multi-Hooping). Das ist ein wichtiger Hinweis: ITH-Erfolg kommt selten von einer einzigen „magischen“ Einstellung – sondern davon, für ein konkretes physisches Problem das passende Werkzeug zu wählen.




Ein sauberes Denkmodell: erst aufbauen, dann verfeinern
Ein verlässlicher Ansatz für dieses Projekt ist:
- Grundformen schnell aufbauen (oft per Auto-Digitizing oder einfachen Digitalisierformen).
- Geometrie verfeinern (Knife & Weld, Overlaps entfernen, Outlines/Offsets).
- Stichverhalten „engineeren“ (Object Properties, Specialty Effects, Appliqué-Logik, Auto Fabric).
- In mehreren Ansichten prüfen (View Modes + bewusst langsame Kontrollläufe).
Das ist wichtig, weil Kork sich eher wie ein „dünnes Plattenmaterial“ verhält als wie ein Gewebe: Er verzeiht keine Verzüge, und bei falscher Dichte/Unterlage können Wellen, Kantenlifting oder Perforation entstehen.
Werkzeug für Werkzeug: Was es dir in der Praxis wirklich bringt
- Auto-digitizing: Ideal, um aus gut vorbereiteter Grafik schnell eine erste Objektstruktur zu erzeugen. Praxis-Check: Verlasse dich bei Kork nicht auf die automatisch gewählte Dichte. Nutze Auto-Digitizing für die Formen – und reduziere anschließend die Dichte manuell (typisch 10–15%).
- Offene/geschlossene Formen: Basis für saubere Umrisse, Reise-Icons und Monogramm-Elemente. Geschlossene Formen sind besonders hilfreich für Satinkanten und Füllflächen.
- Knife & Weld: Das ist „Vektor-Chirurgie“. Bei Kork erzeugen überlappende Lagen unnötige Dicke und viele Einstiche. Mit Weld kannst du Formen zusammenführen und so Layer-Bulk reduzieren.
- Outlines & Offsets: Entscheidend für saubere Konturen um Icons – und für ITH-Platzierungslinien/Nahtlinien mit konstantem Abstand.
- Remove overlaps: Reduziert Materialaufbau und Einstiche dort, wo Objekte übereinander liegen. Bei Kork gilt: weniger Einstiche = sauberer Look und höhere Haltbarkeit.
- Appliqué tools: Auch wenn die Passhülle selbst nicht zwingend „Appliqué“ ist, ist die Logik identisch: Platzierung (wo liegt das Material), Fixierung (tack-down) und saubere Kanten.
- Auto Fabric + Object Properties: Gute Startpunkte – aber du musst Dichte/Unterlage für Kork und für deine konkrete Nadel/Faden-Kombination immer verifizieren.
Hinweis aus der Praxis (basierend auf den Kommentaren)
Die Kommentare unter dem Video sind sehr kurz („Thanks!“). Das deutet darauf hin, dass es bei der Übersicht nicht an einem einzelnen Schritt „hakt“. In der Werkstatt zeigen sich die Stolpersteine oft später: Dateisauberkeit, Stickzeit und Materialausschuss. Behandle das Projekt deshalb wie einen kleinen Produktionsauftrag – nicht wie ein einmaliges Bastelstück.
Spezialmaterial Kork: Tipps für saubere Stickerei
Im Video wird Kork explizit genannt und betont, dass ITH-Projekte „Engineering“ brauchen. In der Praxis heißt das vor allem: Einstiche minimieren, Layer sauber planen und die Datei so aufbauen, dass sie auf einem steifen Material stabil läuft.

Kork-spezifische Realitäten (warum Standard-Settings scheitern können)
- Nadellöcher bleiben sichtbar: Overlaps, zu hohe Dichte und mehrfach gesetzte Konturen erzeugen eine perforierte „Reißlinie“.
- Reibung und Wärme: Kork erzeugt mehr Reibung. Bei dichten Bereichen kann die Nadel spürbar warm werden – das begünstigt Fadenstress.
- Steifigkeit verändert Zugverhalten: Steife Materialien „geben“ weniger nach. Ohne passende Kompensation können zwischen Kontur und Füllung sichtbare Spalten entstehen.
Vorbereitung: Checks, die dein Ergebnis entscheiden
Auch wenn das Video softwarelastig ist: Das physische Ergebnis steht und fällt mit der Vorbereitung. Prüfe vor dem ersten Stich:
- Artwork vorbereitet? Auto-Digitizing funktioniert nur gut, wenn die Vorlage sauber ist (klare Kanten, wenig „Rauschen“).
- Stichreihenfolge logisch? ITH lebt von Platzierungslinien, Fixiernähten und Abschlussnähten – die Reihenfolge muss nachvollziehbar sein.
- Teststück eingeplant? Bei Kork ist ein Probestick Pflicht, weil Einstiche nicht „verschwinden“.
Rahmenspuren / Rahmenabdrücke (das „Hoop Burn“-Thema) Wenn du die finale Hülle auf einer Haushaltsmaschine stickst, kann das Einspannen von Kork in einen Standardrahmen problematisch sein: Du riskierst dauerhafte Rahmenabdrücke oder dass der Rahmen bei dicken Lagen nicht sauber hält. Ein Magnetrahmen kann hier helfen, weil er das Material über Magnetkraft statt über Reibung fixiert und damit Druckstellen reduziert.
Warnung: Mechanische Sicherheit: Hände während Probeläufen aus dem Nadelbereich halten. Magnet-Sicherheit: Starke Magnetrahmen von Herzschrittmachern und empfindlicher Elektronik fernhalten. Magnete können Finger einklemmen – zum Trennen seitlich gegeneinander verschieben, nicht auseinanderhebeln.
Entscheidungshilfe: Stickvlies-Strategie für Kork
Nutze das als Startpunkt und teste dann – Korkstärken und Trägermaterialien variieren stark.
1) Ist dein Kork dünn/weich (stoffkaschiert) oder dick/steif?
- Dünn/Weich → verhält sich eher wie Vinyl. Braucht mehr „Skelett“. Weiter mit (2).
- Dick/Steif → bringt eigene Stabilität mit. Weiter mit (3).
2) Dünner Kork (apparel-like):
- Aktion: Mittelschweres Cutaway-Stickvlies.
- Warum: Die Perforation schwächt das Material. Cutaway bleibt dauerhaft als Träger und verhindert, dass Details später ausreißen.
3) Dicker Kork (sheet-like):
- Aktion: Tear-away oder „floating“ auf selbstklebendem Vlies.
- Warum: Der Kork ist stabil genug; Cutaway kann unnötig auftragen und das Wenden/Finishen der ITH-Kanten erschweren.
Wenn Einspannen zum Engpass wird
ITH bedeutet viele Stopps: Platzierung, Fixieren, Trimmen, Abschlussnaht. Genau da merkst du, ob dein Setup produktionsfähig ist.
- Trigger: Du hast keine Lust auf die zweite Hülle, weil das Einspannen nervt – oder die erste ist verrutscht und die Passung ist schief.
- Frage: Bleibt es bei einem Stück oder willst du in 10er-Batches arbeiten?
- Optionen:
- Level 1 (Hobby): Kork leicht (!) auf straff eingespanntes Vlies „floaten“.
- Level 2 (Pro-sumer): Auf einen Magnetrahmen wechseln, um Material schnell einlegen/entnehmen zu können, ohne das Vlies neu einzuspannen.
- Level 3 (Business): Bei hoher Stückzahl wird der Stop-Trim-Start-Zyklus zum Profitkiller. Eine Mehrnadelstickmaschine reduziert Stillstand, weil du parallel vorbereiten kannst.
Vektor vs. Bitmap: Artwork richtig vorbereiten
Im Video wird erklärt, warum im Kurs sowohl Vektor- als auch Bitmap-Grafiken thematisiert werden – und weshalb es sinnvoll sein kann, beides in einem Projekt zu nutzen.

Praxisregel: Vektoren für Kanten, Bitmaps als Vorlage
- Vektor-Grafiken (SVG, AI, CDR) sind ideal für klare, editierbare Formen – perfekt für Reise-Icons, Rahmen und Monogramm-Geometrie.
- Bitmap-Grafiken (JPG, PNG) eignen sich als Hintergrund zum Nachzeichnen. Bei Kork solltest du komplexe Bitmaps nicht „blind“ auto-digitalisieren: Das führt schnell zu vielen kleinen Stichen („Konfetti“), die das Material perforieren.
Auto-digitizing: Wann editieren – wann neu digitalisieren?
Ein zentraler Punkt aus dem Video: Manche Objekte lassen sich mit wenigen Klicks retten, andere solltest du löschen und manuell neu digitalisieren.

Diese Entscheidungslogik spart Zeit und verbessert die Stickqualität auf Kork:
Behalten und editieren (guter Kandidat), wenn:
- Objektgrenzen klar und sauber sind.
- Stichrichtungen logisch wirken (z. B. konsistent horizontal/vertikal).
- Erfolgsmaß: Du erkennst die „Skelettform“ in Reshape/Edit Nodes klar und ohne Chaos.
Löschen und neu digitalisieren (oft besser), wenn:
- Auto-Digitizing viele winzige „Splitterobjekte“ erzeugt (das wird optisch unruhig und schwächt Kork).
- Unterlagen/Layer automatisch mehrfach übereinander gelegt werden.
- Erfolgsmaß: Manuell digitalisierte Formen haben deutlich weniger Knoten und laufen „ruhiger“.
Effizienz: View Modes und Hotkeys sind Qualitätswerkzeuge
Im Video werden View Modes und Hotkeys genannt, um die Digitalisier-Effizienz zu erhöhen.

In der Praxis helfen dir Ansichtswechsel, Fehler früh zu sehen:
- TrueView (3D): Suche nach Spalten zwischen Kontur und Füllung. Was am Bildschirm als „weiß“ auffällt, wird auf steifem Kork meist noch deutlicher.
- Stitch View (ohne 3D): Achte auf „schwarze Klumpen“ – das sind sehr dichte Einstichbereiche und potenzielle Problemzonen.
- Slow Redraw: Lass dir die Stichfolge wie einen Film abspielen. Unnötige Sprünge erzeugen Fadenspannungswechsel und mehr Nacharbeit beim Trimmen.
Kursmaterial & wo du den Kurs findest
Im Video wird erklärt, was enthalten ist und wie du den Kurs über Hatch Academy bzw. die Membership findest.


Enthalten (laut Video)
- Schritt-für-Schritt-Textlektionen mit Videos
- Artwork für zwei Globus-Versionen (Amerika und Europa)
- Schnittmuster in Originalgröße für den Kork-Innenteil
- Fertige Design-Dateien
Diese Kombination ist besonders bei ITH wertvoll, weil nicht nur die Stickdatei, sondern auch die Schnittgenauigkeit über Passung und Finish entscheidet.



Checkliste: Vorbereitung (digital & praktisch)
Nutze das vor dem ersten Probestick, um typische „Startfehler“ zu vermeiden:
- Dichte: Hast du die Standarddichte für Kork reduziert (typisch ~10–15%)?
- Overlaps: Sind Überlappungen entfernt, damit du Einstiche sparst?
- Stichfolge: Ist die Reihenfolge für ITH logisch (Platzierung → Fixierung → Abschluss)?
- Artwork-Version: Nutzt du die passende Grafik (Americas vs. Europe), wie im Kursmaterial enthalten?
- Schnittmuster: Ist das Full-Size-Pattern bereit, damit du nicht „nach Augenmaß“ schneidest?
Checkliste: Setup (Pre-Flight)
Bevor du auf Start drückst:
- Rahmen/Vlies: Ist das Vlies straff wie eine Trommel eingespannt?
- Freiweg: Passt die Materialhöhe unter den Stickfuß (falls deine Maschine das einstellen lässt)?
- Designfläche: Hast du die Designfläche abgefahren/markiert, damit die Nadel nicht den Rahmen trifft?
- Ausrichtung: Bei mehrstufigen ITH-Sequenzen ist eine stabile Stickrahmen-Ausrichtung entscheidend, damit Platzierungslinien und Abschlussnähte sauber übereinander passen.
Checkliste: Laufende Kontrolle (während des Stickens)
Während des Stickens helfen dir einfache Sinnes-Checks:
- Geräusch: Läuft die Maschine rhythmisch oder klingt es „hart“ (Hinweis auf zu viel Widerstand)?
- Optik: Liegt der Kork flach, besonders bei Fixiernähten?
- Stichbild: Wirken Konturen sauber oder siehst du bereits Perforationslinien durch zu viele Einstiche?
- Trimm-Stopps: Vor der finalen Satinkante sauber trimmen, damit keine Kork-„Whisker“ überstehen.
Wenn du in Serie arbeitest, tracke deine Nebenzeiten (Einspannen, Trimmen). Genau hier amortisieren sich bessere Stickrahmen für Stickmaschine am schnellsten.
Troubleshooting (Symptom → Ursache → Fix)
Typische Fehlerbilder bei ITH auf Kork:
| Symptom | Likely Cause | Quick Fix | Prevention |
|---|---|---|---|
| „Briefmarken“-Effekt (Kork reißt entlang der Kontur) | Dichte zu hoch; zu kurze Stichlänge. | Keine (Material meist verloren). | Dichte reduzieren; Overlaps entfernen; Stichlänge erhöhen. |
| Unterfaden oben sichtbar | Spannungsungleichgewicht; Material „bremst“ den Oberfaden. | Oberfadenspannung anpassen oder Unterfaden minimal lockern. | Passenden Unterfaden wählen; Geschwindigkeit reduzieren. |
| Spalten zwischen Kontur und Füllung | Steifigkeit wirkt gegen den Zug. | Optisch kaschieren (Marker) – nur Notlösung. | Pull Compensation in Object Properties erhöhen. |
| Faden franst / reißt | Reibung/Wärme; Verschmutzung an der Nadel; ungünstige Stichdichte. | Nadel wechseln; langsamer laufen lassen. | Dichte reduzieren; in kritischen Bereichen Sequenz optimieren. |
| Rahmen öffnet / Rahmenabdrücke | Material zu dick für Standardrahmen. | Auf „floating“ umstellen und sichern. | Auf Magnetrahmen umsteigen, um Druckstellen zu reduzieren. |
Warnung: Magnet-Sicherheit bei Elektronik. Magnetrahmen von Displays, USB-Sticks und Karten mit Magnetstreifen fernhalten. So lagern, dass sie nicht unkontrolliert zusammenschlagen.
Ergebnis: Woran du „gut“ erkennst (und wie du es ablieferst)
Eine gelungene ITH-Kork-Passhülle hat:
- Haptisch saubere Kanten: Satinkanten fühlen sich glatt an, nicht „stachelig“.
- Struktur: Beim leichten Biegen arbeitet die Stickerei mit – ohne zu reißen oder sich abzuheben.
- Saubere Innenseite: Bei ITH sieht man Innenlagen oft mit; Trims sollten bündig sein und keine „Nester“ eingeschlossen werden.
Skalierung: Wenn das Projekt sitzt, kommt häufig die Nachfrage. Dann verschiebt sich der Engpass von „Digitalisieren“ zu „Einspannen“.
- Konstante Platzierung: Ein Taschenrahmen für Stickmaschine-Ansatz (spezialisierte Klemmung für kleinere Teile) hilft, dass Logos immer an derselben Stelle landen.
- Workflow-Station: Eine feste Einspannstation für Maschinenstickerei reduziert Stillstand, weil du das nächste Teil vorbereiten kannst, während die Maschine stickt.
- Nächster Schritt: Wenn du ernsthaft verkaufen willst, ist eine Mehrnadelstickmaschine oft der Hebel, um Nebenzeiten zu drücken und Farbwechsel effizienter zu machen.
