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Design in Embird vorbereiten
Ein sauberer Stickout beginnt lange bevor Stoff im Stickrahmen sitzt. Er beginnt im Kopf der Digitalisiererin bzw. des Digitalisierers. In diesem Tutorial baust du ein komplettes Einhorn-Gesicht in Embird nicht nur durch „Formen zeichnen“, sondern durch einen durchdachten Stichplan. Wir legen Vektorformen über ein Hintergrundbild, wandeln sie in Stickobjekte um und – entscheidend – verfeinern Parameter so, dass die Datei stabil, effizient und in der Praxis gut stickbar ist.
Digitalisieren ist wie Architektur: Wenn das Fundament (Unterlage/Underlay) schwach ist, bricht das „Haus“ (Satinstich/Flächenstich) später in sich zusammen.

Was du lernst (und warum es in der Praxis zählt)
Du siehst den kompletten Workflow, den Donna nutzt: eine Kopfgrundform aus einem Kreis-Primitive erstellen, Augen mit Wimpern als Auto-Column-Objekte aufbauen und Elemente für Symmetrie duplizieren. Aber wichtiger als die Klicks ist hier die „Physik der Stickerei“.
Du lernst, warum „perfekte Symmetrie“ am Bildschirm auf einem Shirt trotzdem schief wirken kann (Push/Pull). Du übernimmst einen starken Textur-Trick fürs Horn: Stichwinkel abwechselnd auf 15° und 165° setzen, damit das Garn das Licht unterschiedlich reflektiert. Und du schließt mit einem produktionsnahen Schritt ab: Farben sortieren, um bei Ein-Nadel-Maschinen unnötige Farbwechsel zu vermeiden.
Vorbereitung: versteckte Verbrauchsmaterialien & Checks (auch wenn es „nur“ Software ist)
Auch wenn das Video ein Screen-Capture ist: Deine Digitalisier-Entscheidungen müssen zum realen Stickout passen. Bevor du Dichten, Überlappungen und Reihenfolgen festlegst, mach einen kurzen Realitätscheck, worauf du das Motiv tatsächlich sticken willst.
„Unsichtbare“ Verbrauchsmaterialien: Viele denken nur an Garn und Stoff. In der Praxis solltest du Folgendes griffbereit haben:
- Nadeln passend zum Material (z. B. Ballpoint für Maschenware, Sharp für Webware): Eine stumpfe Nadel verursacht eher Puckern/Schlaufen – das „repariert“ keine Software-Einstellung.
- Temporärer Sprühkleber: Hilfreich, wenn du Material „floatest“ (auflegst) oder Rahmenspuren vermeiden willst.
- Wasserlösliche Folie (Topper): Bei Frottee/Fleece sinken Details sonst in den Flor – gerade Augen/Highlights verlieren dann sichtbar an Kontur.
Pre-Flight-Protokoll:
- Farbplan: Im Video werden konkrete Farben erwähnt (Orchid Pink, Cloud Dancer/White, Mango, Gold, Dark Purple). Lege dir vorab die Entsprechungen in deinem Garnsystem fest.
- Vlies-/Stabilisierungskonzept: Deine Überlappungen und Dichten hängen davon ab.
- Stretch (T-Shirt/Jersey): eher Cutaway (Schneidvlies), damit die Form stabil bleibt.
- Feste Webware (z. B. Canvas): Tear-away kann funktionieren.
- Maschine bereit? Vor einem Teststick: Greiferbereich reinigen, Unterfadenlauf prüfen. Wenn die Spannung schwankt, sieht selbst eine gute Datei „schlecht digitalisiert“ aus.
Wenn du Teststickouts wiederholbar vergleichen willst, ist ein konsistenter Einspann-Prozess genauso wichtig wie die Datei. Viele arbeiten dafür mit einer Einspannstation für Maschinenstickerei, damit jedes Muster gleich eingespannt ist – statt „ungefähr gerade“.
Checkliste vor dem ersten Objekt
- Zielgröße festlegen: Donnas Tipp gilt: zuerst in der größten geplanten Größe digitalisieren, dann verkleinern.
- Material-Realitätscheck: Filz verzeiht viel, dünner Jersey nicht. Plane Push/Pull entsprechend ein.
- Palette mappen: Orchid Pink, Cloud Dancer (2271), Mango, Shimmering Gold, Dark Purple.
- Stickrahmen prüfen: Risse/ausgeleierte Spannung führen zu „Flagging“ (Stoff wippt) – das macht Details wie Wimpern schnell unsauber.
- Wartung: Greiferbereich sauber, Unterfaden korrekt – sonst interpretierst du Probleme fälschlich als Digitalisierfehler.
Augen digitalisieren: Columns, Wege und Symmetrie
Die Augen entscheiden, ob „süß“ auch „professionell“ wirkt. Bei kleinen Formen fallen schon minimale Abweichungen auf. Deshalb sind Start-/Endpunkte, Laufwege und saubere Column-Objekte hier wichtiger als bei großen Flächen.

Schritt für Schritt: Wimpern als Auto Column
- Wimpern-Punkte manuell setzen. Donna setzt die Punkte bewusst selbst statt Auto-Trace zu nutzen. Das ergibt glattere Kurven und weniger „Zacken“.
- In ein Auto-Column-Objekt umwandeln. So entsteht ein sauberer Satinstich.
- Sicht-Check: Ein Satinstich wirkt in der Vorschau wie ein glattes Band. Wenn es wie eine gefüllte Fläche (Tatami) aussieht, stimmt Objektart/Breite nicht.
- Start-/Endpunkte für saubere Wege anpassen. Donna verschiebt Endpunkte aktiv, damit die Maschine logisch weiterläuft.
- Warum: Unnötige Sprünge zwischen linkem und rechtem Auge kosten Zeit und erhöhen das Risiko für sichtbare Fadenschwänze.
- Wimpern nach Stil ergänzen. Donna fügt eine zusätzliche Wimper hinzu, weil sie den Look voller mag.
Checkpoint: In der 3D-Vorschau sollen die Wimpern klar wirken. Wenn die Simulation „wild“ springt, überprüfe Verbindung/Ein- und Ausstichpunkte.

Schritt für Schritt: Highlights und Gruppieren
- Highlight-Formen erstellen (kleine weiße Elemente) und als Column anlegen.
- Farbe korrekt zuweisen (Donna wählt Cloud Dancer 2271).
- Stiche generieren und prüfen.
Praxis-Hinweis zu Mini-Details: Sehr kleine Highlights können bei zu „harter“ Einstellung schnell wie ein Knubbel wirken. Prüfe nach dem ersten Teststick, ob die Punkte noch rund und offen wirken.

Erwartetes Ergebnis: Das Auge bleibt auch in kleiner Größe lesbar: dunkle Wimpern, sauberes Highlight, keine ungewollten Überdeckungen.
Symmetrie richtig nutzen: duplizieren + spiegeln, dann neu prüfen
Donna gruppiert das fertige Auge, dupliziert es und nutzt Transform > Flip Horizontally, um das zweite Auge zu erzeugen.

Das ist schnell – aber in der Praxis gilt: Bildschirm-Symmetrie ist nicht automatisch Stoff-Symmetrie.
- Physik: Die Stichrichtung beeinflusst Push/Pull. Links und rechts können sich minimal unterschiedlich „setzen“.
- Konsequenz: Nach dem ersten Teststick ggf. Mikro-Korrekturen an Position oder Ein-/Ausstichpunkten vornehmen.
Wenn du viele kleine Gesichtsdetails auf Kleidung stickst, wird gleichmäßiger Einspann-Druck zum Qualitätsfaktor. Klassische Schraubrahmen ziehen Stoff oft wie eine Trommel und erzeugen ungleichmäßige Spannung. Viele wechseln deshalb auf Magnetrahmen für Stickmaschine, um Rahmenspuren zu reduzieren und schneller, reproduzierbarer einzuspannen.
Warnhinweis (Magnet-Sicherheit): Magnetrahmen arbeiten mit starken Neodym-Magneten. Finger aus der Klemmzone halten. Personen mit Herzschrittmacher müssen die Herstellerhinweise zum Sicherheitsabstand beachten.
Das Geheimnis des strukturierten Horns: Stichwinkel abwechseln
Das Horn ist der „Wow“-Effekt. In Grafik nutzt man Verläufe – in der Stickerei nutzt man Lichtreflexion. Garn reflektiert je nach Lage/Angle unterschiedlich.

Schritt für Schritt: Horn in Segmente aufbauen
- Horn als mehrere Füllsegmente digitalisieren statt als eine große Fläche.
- Underlay auf 3 setzen (wie im Video für Horn/Haar genutzt).
- Stichwinkel abwechseln:
- Segment A: 15°
- Segment B: 165°
- Dann wieder abwechselnd nach oben.
- Segmente müssen sich berühren. Donna betont, dass die Formen „zumindest ein bisschen“ aneinanderstoßen sollen, damit keine Lücke entsteht.



Checkpoint: In der Vorschau sollen sichtbare „Reflexionsbänder“ entstehen – wie eine gedrehte Kordel – ohne Farbwechsel.
Erwartetes Ergebnis: Eine Spiral-/Seil-Illusion als 3D-Textur mit nur einem Goldton.

Warnhinweis (Praxis): Wenn du Textur über Winkel erzeugst, „repariere“ keine kleinen Vorschau-Artefakte durch extremes Verdichten. Zu hohe Dichte macht das Motiv steif und erhöht das Risiko für Nadelprobleme beim Teststick.
Haare & Überlappungen für Push/Pull sauber planen
In Haarbereichen entstehen Lücken besonders schnell – vor allem an Farbkanten. Donna löst das mit einem bewussten, kleinen Überlapp zwischen benachbarten Flächen.

Warum Überlappungen wichtig sind
Stoff bleibt beim Sticken nicht „perfekt“ stehen.
- Pull: Stiche ziehen Material in Stichrichtung zusammen.
- Push: Gleichzeitig wird quer zur Stichrichtung „geschoben“.
- Ergebnis: Kanten, die am Bildschirm perfekt „küssend“ anliegen, können im Stickout auseinanderlaufen.
Darum digitalisiert Donna eine leichte Überlappung zwischen Farbflächen. Je weicher/voluminöser das Material, desto stärker kann sich dieser Effekt zeigen.
Schritt für Schritt: orange Haarfläche mit Überlapp
- Orange Haar-Schwung als Füllfläche digitalisieren.
- Leichte Überlappung einplanen an der Kante, wo die nächste Farbe (schwarz/lila) darüberliegt – damit später keine „Blitzer“ entstehen.
- Underlay auf 3 setzen.
Checkpoint: In der Drahtansicht sollen die Kanten minimal überlappen – genug zum Abdecken, aber nicht so viel, dass eine harte Kante/„Wulst“ entsteht.
Schritt für Schritt: lila Haar – Winkel kontrollieren
Donna setzt die lila Haarfläche auf 5° Stichwinkel.

Zusätzlich bearbeitet sie Start-/Endpunkte, damit die Fläche ruhiger liegt und die Laufwege sauberer werden.
Erwartetes Ergebnis: Die lila Fläche wirkt gerichtet (wie Haarfluss) und zeigt keine Lücke an der Farbkante.
Knotenbearbeitung bei Asymmetrie (Ohren + Haar)
Ein wichtiger Moment: Donna dupliziert und spiegelt das Ohr – merkt dann aber, dass die Haarform auf der anderen Seite anders ist. Sie hebt die Gruppierung auf und verschiebt Knoten manuell, damit das Ohr korrekt hinter dem Haar sitzt.

Das ist professionelles Arbeiten: Symmetrie-Tools sind schnell, aber das Artwork bestimmt die Form.
Skalieren ohne Nacharbeit
Donnas Regel ist praxisbewährt: in der größten geplanten Größe digitalisieren und danach verkleinern. So bleibt die Datei beim Downscaling meist stabiler, als wenn man eine kleine Datei hochskaliert.
Wenn du Designs wiederholbar testen oder in Serie sticken willst, ist das auch der Punkt, an dem du deinen Prozess „produktionstauglich“ machst. Bei wiederholter Platzierung hilft eine Einspannstation für Stickmaschinen dabei, Versatz zu reduzieren und Probestickouts vergleichbar zu halten.
Farbwechsel für Ein-Nadel-Maschinen optimieren
Zum Schluss kommt ein Schritt, der in echter Maschinenzeit richtig viel ausmacht: Color Sort.

Schritt für Schritt: Farben am Ende sortieren
- Alle Objekte auswählen.
- Rechtsklick → „Sort Colors“.
- Kontrollieren, ob die Objektliste neu gruppiert (alle Schwarz zusammen, alle Weiß zusammen usw.).
Warum das bei Ein-Nadel-Maschinen zählt: Jeder Farbwechsel bedeutet anhalten, schneiden, neu einfädeln, weitersticken. Color Sort reduziert diese Unterbrechungen deutlich.
Checkpoint: Nach dem Sortieren unbedingt die Layer-Reihenfolge prüfen. Wenn Weiß-Highlights zu früh/zu spät kommen, können sie unter anderen Elementen verschwinden. Deshalb: nach Color Sort einmal in der Vorschau langsam „ablaufen“ lassen.
Betriebs-Checkliste (vor Export & Teststick)
- Layering-Check: In der Simulation prüfen: liegen Highlights wirklich oben? Liegt Haar über Ohr wie geplant?
- Sprungstiche: Lange Reisen über freie Flächen vermeiden – Ein-/Ausstichpunkte so setzen, dass Sprünge im Motiv verschwinden.
- Kanten-Check: Haar-zu-Haar und Horn-Segment-zu-Segment: sind Berührungen/Überlappungen ausreichend?
- Column-Breiten prüfen: Sehr breite Satins können Schlaufen ziehen; sehr schmale können instabil werden.
- Format prüfen: In das passende Maschinenformat exportieren.
Troubleshooting
Auch eine „schöne“ Vorschau kann auf Stoff scheitern. Nutze diese symptomorientierte Diagnose.
Symptom: Lücken zwischen Objekten (Haar-Kanten, Horn-Segmente oder am Ohr)
- Wahrscheinliche Ursache: Push/Pull bzw. zu wenig definierte Berührung/Überlappung.
- Schnelltest: Drahtansicht prüfen: treffen sich die Kanten wirklich?
Symptom: zu viele Farbwechsel auf einer Ein-Nadel-Maschine
- Wahrscheinliche Ursache: In „Zeichenreihenfolge“ digitalisiert statt in „Produktionsreihenfolge“.
Symptom: Wimpern wirken klobig, ungleichmäßig oder „verblobbt“
- Wahrscheinliche Ursache: Column zu breit für die Detailgröße oder ungünstige Ein-/Ausstichpunkte.
Warnhinweis (Sicherheit): Kleine Details bedeuten viele kurze Bewegungen. Hände aus dem Nadelbereich halten – niemals versuchen, den Stoff im eingespannten Stickrahmen während des Stickens „zu führen“.
Symptom: wiederkehrendes Puckern rund um die Gesichtsfläche
- Wahrscheinliche Ursache: Zu starkes Spannen („Drumming“) oder Rahmenspuren/Verzug durch ungleichmäßige Spannung.
- Upgrade-Hinweis: Viele wechseln genau deshalb auf Magnetrahmen, weil der Stoff gleichmäßiger gehalten wird, ohne die Schraube extrem anzuziehen.
Entscheidungsbaum: Stabilisierung & Einspannen prüfen, bevor du die Datei „beschuldigst“
- Ist der Stoff stabil (Webware, Denim, nicht dehnbar)?
- Ja: Tear-away kann reichen; Standardrahmen ist oft okay.
- Nein: weiter zu Schritt 2.
- Ist er dehnbar/dünn (T-Shirts, Jersey)?
- Ja: Cutaway ist die sichere Basis; beim Einspannen nicht ziehen.
- Nein: weiter zu Schritt 3.
- Ist er voluminös/strukturiert (Fleece, Frottee, Plüsch)?
- Ja: Wasserlösliche Folie oben nutzen; Einspannen so, dass der Flor nicht plattgedrückt wird.
- Stickst du 50+ Teile für einen Auftrag?
- Ja: Prüfe, ob Magnetrahmen oder Prozess-Optimierungen (Einspannhilfe) nötig sind, um Tempo und Konstanz zu halten.
Ergebnisse
Am Ende hast du ein komplettes Einhorn-Gesicht aus sauberen Vektorformen, sauber in Stickobjekte umgesetzt – mit praxisnaher Stichlogik:
- Stabile Basis: Kopfgrundform in Orchid Pink.
- Klare Details: Augen mit Auto-Column-Wimpern und Highlights (Cloud Dancer 2271).
- Passform: Ohren per Knotenbearbeitung an asymmetrisches Haar angepasst.
- Textur ohne Farbwechsel: Horn mit 15°/165°-Winkelwechsel.
- Sichere Kanten: Haarflächen mit bewusster Überlappung gegen Push/Pull.
- Effizienz: Color Sort reduziert Farbwechsel – besonders bei Ein-Nadel-Workflows.
Die Datei ist nur die halbe Miete. Wenn es am Stoff nicht so aussieht wie am Bildschirm, prüfe zuerst deinen physischen Prozess: Nadel, Vlies, Einspannen. Genau dort vergleichen viele Studios Standardrahmen mit Stickrahmen für Stickmaschinen wie Magnetrahmen, um Spannungsvariablen zu reduzieren, die Software allein nicht „wegklicken“ kann.

