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Design-Doodler-Arbeitsfläche richtig einrichten
Wenn du schon einmal auf ein extrem dichtes, „kugelsicheres“ Stickbild geschaut hast und dir etwas Leichteres, Luftigeres und Künstlerischeres gewünscht hast, dann suchst du den sogenannten „Sketch Style“. Die Realität ist aber: Mit Faden zu „zeichnen“ ist physikalisch etwas völlig anderes als mit Tinte. Tinte fließt; Faden zieht. Tinte bleibt flach; Faden baut Volumen auf.
Wenn du diese Maschinen-Physik ignorierst, endet dein Sketch-Design schnell in einem „Vogelnest“ aus Sprungstichen, unsauberen Fadenschnitten und Frust an der Maschine.
In diesem Tutorial nehmen wir eine handgezeichnete Hirschkopf-Skizze, digitalisieren sie auf dem iPad in Design Doodler und – ganz entscheidend – bereiten sie so vor, dass sie sich sauber und betriebssicher sticken lässt. Ziel ist der Schritt von „Linien zeichnen“ hin zu „einen durchgängigen Fadenlauf planen“, damit deine Maschine weniger stoppt, weniger trimmt und du deutlich weniger Nacharbeit hast.

Was du am Ende hast (und warum das wichtig ist)
Du erstellst ein leichtes Laufstich-Design (Run Stitch) in einer Größe für den Standardrahmen 4x4 inch (100×100 mm). Gestickt wird auf weißem Filz, rückseitig stabilisiert mit Cut-away Stickvlies.
Warum Filz? Filz ist in diesem Kontext ein sehr dankbarer „Trainingsstoff“: stabil, kaum dehnbar und verzeiht viel. So kannst du dich voll auf den Stichpfad und die Dichte konzentrieren, ohne dass dich Stoffverzug ausbremst. Wir gehen außerdem durch eine echte Optimierungsschleife: erkennen, wann ein Design zu dicht wird (der „Tintenklecks“-Look) und den Stichabstand so anpassen, dass der gewünschte „Stiftstrich“-Effekt entsteht.

Kurzer Kompatibilitäts-Hinweis (aus der Zuschauerfrage)
Bevor wir starten, einmal die häufige Verwirrung: Die hier gezeigte iPad-App (Design Doodler) ist aktuell nur für iPads verfügbar. Die vollständige Design-Doodler-Software läuft auf Windows-PCs. Eine Unterstützung für Samsung- oder andere Android-Tablets gibt es derzeit nicht.

Fellstruktur und Textur mit dem „Single Stitch“-Werkzeug digitalisieren
Hier scheitern viele Einsteiger: Sie behandeln die Sticksoftware wie ein Zeichenprogramm und „schrubben“ Schatten schnell hin und her. Auf dem Bildschirm wirkt das wie Schattierung – auf einer Mehrnadelstickmaschine wird daraus schnell ein Fadenstau („Thread Pileup“), unnötige Reibung und im Worst Case Fadenrisse.
Der Schlüssel ist Disziplin beim Abstand.

Vorbereitung: kleine Hilfsmittel, die große Probleme verhindern
In der Stickerei sind Vorbereitung und Kontrolle oft wichtiger als das eigentliche Sticken. Schlechte Stabilisierung oder „unsaubere Eingaben“ bekommst du später kaum noch weg.
Verbrauchsmaterial & Checks:
- Nadelwahl: Für Filz wird im Draft eine 75/11 Sharp oder Universal genannt. (Wichtig ist vor allem: frische, scharfe Nadel – Filz verzeiht keine stumpfen Spitzen.)
- Garn: 40wt Polyester ist für kurze, häufige Richtungswechsel robust.
- Stickvlies: Cut-away. Sketch-Stiche ziehen in viele Richtungen; Cut-away hält die Form stabil.
- Eingabegerät: Apple Pencil für kontrollierte Linienführung.
- Palm-Rejection: Ein Digital-Artist-Glove (Zwei-Finger-Handschuh) verhindert, dass deine Handfläche ungewollte Punkte/Striche erzeugt.
Warnung: Maschinensicherheit. Bevor du im Nadelbereich arbeitest (Nadelwechsel, Reinigen), Maschine ausschalten oder „Lock Mode“ aktivieren. Keine Hand in die Nähe der Nadelstange, wenn die Maschine aktiv sein könnte.

Canvas-Setup (Werte wie im Video)
Hier beginnt Präzision. Wenn du die Arbeitsfläche falsch einstellst und später skalierst, verändert sich die Dichtewirkung.
- Start & Import: Design Doodler öffnen und die Referenzgrafik importieren.
- Rahmenbegrenzung: Die Rahmenbegrenzung aktivieren und die Arbeitsfläche auf 100×100 mm setzen (grüner Begrenzungsrahmen).
- Referenz skalieren: Mit dem Auswahlwerkzeug so anpassen, dass der Hirschkopf gut innerhalb der Begrenzung sitzt.
- Deckkraft: In den Eigenschaften die Bild-Deckkraft auf 50% reduzieren – so siehst du deine Stichlinien klar über der Vorlage.
- Kontrolle: Mit dem Linealwerkzeug prüfen. Im Beispiel: 73 mm breit × 74,5 mm hoch.
Checkpoint: Digitisiere in der Zielgröße. Wenn du ein 4x4-Design später stark vergrößerst, wirkt der Abstand plötzlich zu groß (Lücken) – oder umgekehrt zu dicht.

Felltextur mit „Single Stitch“ digitalisieren (die Bewegung, die den Look macht)
Wähle das Werkzeug Single Stitch. Das entspricht einem Laufstich (ein einzelner Fadenlauf).
Die Technik (so wie im Video erklärt): Stell dir vor, du arbeitest vom Start bis zum Ende mit einem einzigen Faden, den du möglichst nicht „unterbrechen“ willst.
- Startpunkt: Unten am Hals-/Nackenbereich beginnen.
- Strichführung: Kurze Zickzack-Bewegungen zeichnen, um Fellfasern anzudeuten.
- Anschluss halten: Wenn du eine Partie beendest, setze die nächste Linie möglichst dort an, wo die vorherige endet – so bleibt der Fadenlauf zusammenhängend.
Das Ziel: Ein möglichst durchgängiger Pfad. Jedes „Absetzen“ erzeugt potenziell Sprünge und Trims.
- Viele Trims = Maschine stoppt, schneidet, fährt um, startet neu (langsamer, mehr Nacharbeit).
- Durchgängiger Pfad = ruhiger Lauf, weniger Stopps (effizienter).
Palm-Rejection: typischer iPad-Frust (und schnelle Abhilfe)
Wenn plötzlich zufällige Punkte/Markierungen auftauchen, erkennt das iPad deine Handfläche als Eingabe.
- Lösung: Handschuh verwenden.
- Schnellcheck: Stark hineinzoomen und nach winzigen „Fremdpunkten“ suchen. Diese sofort löschen – sonst fährt die Maschine später quer über den Rahmen, um „einen Punkt“ zu sticken, und du hast einen langen Sprungfaden im Motiv.

Durchgängige Stichführung & Branching verstehen
Fortgeschrittene Digitalisierer wissen: „Was du siehst“ ist nicht automatisch „was die Maschine effizient stickt“. Du planst eine Route für die Nadel.
Warum ein durchgängiger Pfad an der Maschine Zeit spart
In der Praxis zählt jede Unterbrechung. Viele Trims summieren sich zu echter Laufzeit.
Schattierung an den Geweihen (so wird es im Video gemacht)
Sketch Style bedeutet nicht „vollflächig füllen“, sondern Form andeuten.
- Schatten: Links am Geweih werden die Zickzacks etwas stärker überlappt.
- Licht: Rechts mehr Abstand lassen, damit der Filz durchscheint und optisch „Grau“ entsteht.

3D-Vorschau nutzen, ohne dass es ruckelt
Die 3D-Darstellung kostet Rechenleistung.
- Workflow: 3D beim Zeichnen eher AUS lassen.
- Kontrolle: 3D nur kurz AN schalten, wenn du Dichte und Gesamtwirkung prüfen willst.
„Slow Redraw“ als Pfad-Kontrolle
„Slow Redraw“ ist dein Prüfmodus, bevor du exportierst.
- Sichtprüfung: Beobachte, ob die virtuelle Nadel logisch durchläuft oder ständig hin- und herspringt.
- Konsequenz: Wenn du wilde Sprünge siehst, ist das ein Hinweis, dass du die Reihenfolge/Anschlüsse deiner Linienführung überdenken solltest.
Branching: was es macht – und warum es viele verwirrt
„Branching“ verbindet mehrere einzelne Objekte/Linien algorithmisch zu einem Objekt, um Sprünge/Trims zu reduzieren.
- Alle Sketch-Layer auswählen.
- Branch klicken.
- Die Software kombiniert die Elemente und verbindet sie über Laufstiche.
Warum steigt dabei manchmal die Stichzahl? Das ist ein echter Praxis-Punkt aus den Kommentaren: Um ohne Trim von A nach B zu kommen, muss die Software Verbindungsstiche (Travel Stitches) hinzufügen.
- Trade-off: Weniger Trims (Zeitfresser) gegen mehr Travel Stitches (sehr schnell genäht).
- Wichtige Einordnung (wie der Presenter es selbst einordnet): Er hat hier bewusst experimentiert. Bei dieser Art Single-Stitch-Sketch stellte sich am Ende heraus, dass Branching nicht zwingend nötig ist – weil die Maschine offenbar nicht nach jedem „Shape“ trimmt.
Warnung: Dichte-Alarm nach Branching. Wenn ohnehin schon viel übereinanderliegt, können zusätzliche Verbindungsstiche „harte Stellen“ erzeugen. Nach dem Branching immer die Dichtewirkung prüfen.

DST vom iPad auf den PC exportieren
Für die Maschine brauchst du ein Maschinenformat (z. B. DST, PES, JEF).
Versionen speichern (damit du dir nichts überschreibst)
Arbeite mit Versionen.
- Speichern als
Deer_Sketch_V1_Master. - Branching anwenden.
- Speichern als
Deer_Sketch_V2_Branched.
So kannst du jederzeit zurück, wenn dir Version 2 optisch oder technisch nicht gefällt.
Export-Workflow wie im Video
- Transfer: Datei vom iPad an den PC senden (z. B. per E-Mail, iCloud, Google Drive).
- Kontrolle am PC: In der Windows-Software öffnen und prüfen.
- Format: Als DST (Tajima) exportieren.
- Medium: Auf USB-Stick speichern.
Checkpoint: DST kann Farben „komisch“ darstellen (weil es keine Farbpalette speichert). Entscheidend ist: Form, Größe und Stichlauf stimmen.
Wenn du Einspannen für Stickmaschine in Serie sauber beherrschen willst, ist eine „saubere Masterdatei“ die Basis. Am Rahmen kannst du keine schlechte Datei „wegspannen“.

Troubleshooting: zu dichte Designs sauber korrigieren
Der erste Probestick ist selten perfekt. Im Video wirkt die erste Version zu dunkel und zu dicht.

Symptom → Ursache → Lösung (aus dem Video)
| Symptom | Diagnose | Lösung |
|---|---|---|
| Zu dunkel / „matschig“ | Die Linien liegen zu eng. | Abstand erhöhen. |
| Steif / „pappig“ | Zu viele Stiche in zu kleiner Fläche (11.000 Stiche). | Dichte reduzieren. |
| Faden reißt wiederholt | Zu viel Reibung in dichten Bereichen. | Dichte reduzieren & Nadel prüfen. |
Korrekturdaten aus dem Video:
- Ursprünglicher Abstand: ca. 3,0 mm (Ergebnis: ca. 11.000 Stiche – zu schwer).
- Neuer Abstand: ca. 4,0 mm (Ergebnis: ca. 2.000 Stiche – deutlich klarer Sketch-Look).
Checkpoint: Von 11k auf 2k ist eine massive Optimierung – weniger Laufzeit, weniger Garn, weniger Risiko für Hitze/Reibung.

Einspannen und Probestick (so ist es zu sehen)
Im Video wird ein 5.5-inch magnetic hoop verwendet, um Filz und Vlies zu halten.
Einspannen ist der Punkt, an dem sich Komfort, Wiederholbarkeit und Produktionsgeschwindigkeit entscheiden.
- Klassisch (Schraubrahmen): kostet Kraft, ist langsamer und kann auf empfindlichen Materialien Rahmenspuren verursachen.
- Magnetisch: Der obere Ring wird „aufgeschnappt“, die Magnete zentrieren und halten gleichmäßig.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Starke Magnetrahmen können heftig einklemmen. Finger nie zwischen die Ringe bringen. Nicht in der Nähe von Herzschrittmachern verwenden.
Entscheidungslogik: Material → Vlies → Einspannmethode
1. Material einschätzen:
- Filz: stabil, mittlere Dicke.
- T-Shirt (Strick): dehnbar, instabil.
- Canvas: stabil, dick.
2. Stickvlies wählen:
- Sketch auf Filz: Cut-away.
- Sketch auf Strick: No-Show Mesh (Polymesh) Cut-away.
3. Einspannstrategie:
- Szenario A: Einzelstück. Schraubrahmen ok.
- Szenario B: Kleinserie (10+ Teile). Standardrahmen bremsen. Ein Magnetrahmen spart Zeit beim Einspannen.
- Szenario C: Voluminöse Ware. Ein kräftiger Magnet-Stickrahmen hilft, Spannung zu halten.
Professional Recommendation: Wenn du nach Begriffen wie mighty hoop Magnetrahmen 5.5 oder einem mighty hoop Magnetrahmen Set suchst, kennst du wahrscheinlich den Zeit- und Kraftaufwand klassischer Rahmen. Magnetrahmen sind hier oft ein sinnvoller Workflow-Upgrade – prüfe aber immer Maschinenarm/Anbauteile, bevor du umrüstest.
Für Shops mit Stückzahlen hilft zusätzlich eine Magnetische Einspannstation, um Positionen reproduzierbar zu treffen.
„Branching macht mehr Stiche – ist das schlecht?“ (kommentargestützte Klarstellung)
Nach der Dichtekorrektur bleibt die Frage: Branching ja oder nein?
- Faustregel: Wenn du bewusst eine durchgehende Linie zeichnest, ist Branching oft nicht nötig.
- Faustregel: Wenn du viele getrennte Striche erzeugst und dadurch sehr viele Trims entstehen würden, kann Branching Zeit sparen – aber prüfe, ob die zusätzlichen Travel Stitches sichtbar werden oder Dichteprobleme erzeugen.

Finale Qualitätskontrolle: worauf du achten solltest
Vergleiche beide Versionen:
- Optische Leichtigkeit: 4-mm-Abstand wirkt wie gezeichnet; 3-mm-Abstand wirkt wie gestempelt.
- Haptik: Die optimierte Version sollte flexibler sein.
- Rückseite: Möglichst sauber. Viele Sprungfäden deuten auf zu viele Unterbrechungen oder Spannungsprobleme hin.

Prep-Checkliste (vor dem Digitalisieren oder Sticken)
- Canvas: Arbeitsfläche exakt 100×100 mm?
- Deckkraft: Vorlage auf 50% reduziert?
- Maschine sauber: Greifer-/Spulenbereich gereinigt?
- Nadel: Frische 75/11 eingesetzt?
- Stickvlies: Cut-away gewählt?
- Sicherheit: Lock Mode aktiv vor dem Eingriff?
Setup-Checkliste (vor Export und Einspannen)
- Größe: Design ca. 75 mm hoch (mit Puffer)?
- Pfadprüfung: „Slow Redraw“ gelaufen – keine wilden Sprünge?
- Eingabe-Hygiene: Alle „Palm Dots“ gelöscht?
- Export: DST/PES auf USB gespeichert?
- Optimierung: Branching nur, wenn es wirklich Trims reduziert und die Optik nicht verschlechtert?
Ablauf-Checkliste (während Probestick & Bewertung)
- Einspannen: Sitzt Filz/Vlies plan? Wenn du einen Magnet-Stickrahmen nutzt: vollständig geschlossen, keine Kanten eingeklemmt?
- Beobachten: Erste Stiche kontrollieren. Bei Fadenfransen/Bruch: STOPP, Dichte/Nadel prüfen.
- Hinhören: Ruhiger Lauf ist ein gutes Zeichen; häufiges Stoppen/Schneiden deutet auf zu viele Trims.
- Finale Prüfung: Kräuselt es? (mehr Stabilisierung). Zu dunkel? (Abstand Richtung 4 mm erhöhen).
Ergebnis
Du hast den kompletten Workflow durchlaufen: von der iPad-Skizze bis zum optimierten, sauber gestickten Ergebnis.
Du hast gesehen, dass Abstand/Dichte die „Leichtigkeit“ steuert, dass Stichführung über Effizienz entscheidet, und dass die physischen Faktoren – insbesondere Stickvlies und ein sauberer Einspannprozess mit Magnetrahmen – darüber bestimmen, ob eine Datei in der Realität wirklich gut läuft.
Sketch Style ist nicht nur Zeichnen – es ist Maschinenlogik. Wenn du das Zusammenspiel aus Stichdichte und Stabilisierung beherrschst, produzierst du reproduzierbar saubere, verkaufsfähige Sketch-Stickereien.
