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Materialien für ITH-Serviettenringe
Dieses Projekt ist ein idealer Einstieg in „In-The-Hoop“ (ITH)-Konstruktionen: ein schneller, gut verschenkbarer Serviettenring, bei dem du mit einer Filz-Sandwich-Technik die unschöne Unterseite (Unterfaden/Spannfäden) komplett versteckst. Wenn du in SewWhat-Pro (oder ähnlicher Software) ein Monogramm mit seitlichen Laschen (Snap-Tabs) vorbereitest und anschließend in der richtigen Reihenfolge schichtest, bekommst du ein sauberes Ergebnis – ganz ohne Nähmaschine.

Was du lernst (und warum es funktioniert)
- Konstruktion & Platzbedarf: Wie du ein Monogramm so skalierst, dass es in einen 4x4-Rahmen passt und trotzdem links/rechts genug „Sicherheitszone“ für die Laschen bleibt.
- Zeichnen mit System: Wie du funktionale Snap-Tabs mit einfacher Geometrie (Rechtecke) konstruierst.
- „Floating“-Methode: Wie du Filz bestickst, ohne ihn direkt einzuspannen (verhindert Rahmenspuren/Rahmenabdrücke).
- „Sandwich“-Finish: Wie du eine Rückseitenlage sauber fixierst, damit das Teil professionell „geschlossen“ wird.
Wichtiger Design-Hinweis: Bei Serviettenringen entscheidet die Geometrie über die Passung. Motive, die oben breiter und unten schmaler sind (z. B. ein „V“) oder insgesamt relativ gleichmäßig breit (z. B. ein „H“), lassen sich am besten um die Serviette legen. Ist der untere Bereich sehr breit oder stark ausladend, entsteht beim Biegen zur „Ringform“ Spannung – das kann Filz verziehen oder zu Wellen führen.

Checkliste vorab (Kleinteile & kurze Vorprüfungen)
Bevor du Software öffnest oder Material anfasst: Leg dir das „Kleinkram“-Set bereit. Wenn dir mitten im Ablauf etwas fehlt, reißt es den Workflow.
Hardware & Werkzeuge:
- Stickmaschine: (Im Video: Brother SE425, 4x4-Rahmen). Hinweis: Auch Einnadelmaschinen funktionieren hier sehr gut.
- Einspannfläche: Großer, stabiler Tisch oder eine Einspannstation für Maschinenstickerei, damit dein Vlies wirklich straff sitzt.
- Schere: Kleine, scharfe Stick-/Applikationsschere (gern gebogen) für den präzisen Zuschnitt.
- Snap-Werkzeug: KAM Snaps + KAM-Zange und eine Ahle.
Verbrauchsmaterial:
- Stickvlies: „Oly-Fun“ (Polypropylen-Bastelmaterial) oder ein mittelschweres Cutaway-Stickvlies. Praxis-Tipp aus dem Video: Oly-Fun ist für farbige Projekte eine günstige Alternative und gibt genug Stabilität.
- Material: Acrylfilz (steifer Bastelfilz gibt mehr Stand als sehr weicher Filz).
- Garn: 40 wt Polyester-Stickgarn (Pink #810, Orange #209).
- Unterfaden: Sollte farblich zum Oberfaden passen. Warum? Bei diesem Projekt können Kanten/Unterseite beim Handling sichtbar werden – weißer Unterfaden fällt auf farbigem Filz sofort auf.
- Fixierung: Klares Klebeband (Scotch Tape) für die Rückseite (im Video) – alternativ Malerkrepp, wenn du weniger Klebereste willst.

Warnung: Sicherheit. Finger während der Kontur-/Abschlussnaht aus dem Nadelbereich halten. Beim Lochen mit der Ahle den Filz auf eine Schneidematte oder ein Holzbrett legen – niemals „gegen die Hand“ stechen.
Snap-Tab-Design in SewWhat-Pro digitalisieren
Dieser Abschnitt folgt dem Ablauf aus dem Video: Skalieren → Auto Border → Tabs per Custom Border. Das Prinzip lässt sich auf viele Digitalisierungsprogramme übertragen.

Schritt 1 — Monogramm öffnen und skalieren
- Monogramm-Datei in SewWhat-Pro öffnen.
- Grundregel: Ein 4x4-Rahmen (100 mm) bedeutet nicht, dass dein Motiv 4" hoch sein darf – du brauchst seitlich Platz für die Laschen.
- Höhe auf maximal 2,85 bis 3,0 inch skalieren (im Video wird auf 2,85 inch reduziert).
Warum so konkret? Du brauchst links und rechts genügend Reserve, damit die Tabs nicht in den Rahmen laufen und die Kontur später sauber schließen kann.

Checkpoint (optisch): Nach dem Verkleinern prüfen: Wirken Satinstiche „gequetscht“ oder überlappen stark? Dann war das Downscaling zu aggressiv. In dem Fall in den Objekteigenschaften die Dichte reduzieren (z. B. moderat) oder ein passenderes Ausgangsmotiv wählen.
Erwartetes Ergebnis: Das Monogramm sitzt mittig, links/rechts bleibt sichtbar Luft für die Laschen.
Schritt 2 — Kontur um den Buchstaben (Auto Border)
- Border Tool > Auto Border wählen.
- Abstand (Offset): Im Video Distance 2. Der Sinn dahinter: nicht zu nah am Motiv, sonst „taucht“ die Kontur in kleine Innenlöcher/Details ein.
- Stichart: Im Video wird eine Beam Outline genutzt (entspricht einer kräftigen Laufstich-/Kontur-Optik).

Checkpoint (logisch): Läuft die Kontur in kleine „Löcher“/Innenräume? Dann Offset erhöhen bzw. die Kontur so anlegen, dass sie eine ruhige Außenform bildet. Für einen Serviettenring willst du eine stabile Außenhülle – keine „Landkarte“ aus Mini-Kurven.
Erwartetes Ergebnis: Eine saubere, durchgehende Außenkontur um das Motiv.
Schritt 3 — Snap-Tabs zeichnen (Custom Border)
- Grid einschalten – für gerade Linien praktisch Pflicht.
- Custom Border wählen.
- Rechteckige Lasche an einer schlanken Stelle seitlich an die Kontur anzeichnen (im Video wird mit dem Raster ausgerichtet).
- Auf der anderen Seite spiegelbildlich wiederholen.

Praxis-Tipp: Start- und Endpunkte der Lasche müssen sauber an die Außenkontur anschließen. Wenn hier Lücken entstehen, kann die Maschine später unnötig schneiden/trimmen und du bekommst Sprungstiche und „Unruhe“ an der Kante.
Checkpoint (optisch): Rauszoomen: Sind beide Laschen gleich lang und auf gleicher Höhe? Schiefe Tabs führen dazu, dass der Ring später schräg sitzt.
Erwartetes Ergebnis: Eine „Bonbon“-Form: Motiv in der Mitte, links/rechts je ein rechteckiger Arm.
Schritt 4 — Stabilität erhöhen (Kontur doppelt laufen lassen)
Die Kontur ist nicht nur Deko – sie ist die „Schweißnaht“, die Vorder- und Rückseite zusammenhält.
- Kontur-Layer duplizieren.
- Threads/Objekte so zusammenfassen, dass die Maschine die Kontur zweimal ohne unnötige Schnitte stickt.
- Warum? Ein einzelner Durchlauf ist weniger robust. Zwei Durchläufe geben deutlich mehr Kantenstabilität.
Einspannen & Stabilisierung: Oly-Fun nutzen und Filz „floating“ auflegen
Hier arbeiten wir mit der „Float“-Methode. Filz ist dick – direktes Einspannen kann Rahmenspuren verursachen oder dazu führen, dass sich der Innenrahmen bei Spannung löst.

Schritt 5 — Stickvlies trommelfest einspannen
- Oly-Fun (oder Cutaway) passend zuschneiden.
- Rahmenschraube deutlich lösen.
- Innenrahmen einsetzen.
- Trommeltest: Schraube festziehen und mit dem Finger auf das Material tippen. Es sollte sich straff anfühlen und „trommeln“. Wenn es Wellen schlägt: neu einspannen.
Wenn du mit dem Stickrahmen 4x4 für brother kämpfst, achte darauf, dass Innen- und Außenrahmen korrekt sitzen und nichts verkantet – das ist eine häufige Ursache dafür, dass sich der Rahmen während des Stickens „hochdrückt“.

Schritt 6 — Filz obenauf „floating“ platzieren
- Vorderseite Filz zuschneiden (im Video wird der Filzbogen einfach in Viertel geteilt).
- Filz direkt auf das eingespanntes Vlies legen (nicht mit einspannen).
- Im Video wird ohne zusätzliche Fixierung gearbeitet – Filz hält durch Reibung ausreichend. Wenn du mehr Sicherheit willst, fixiere nur weit außerhalb der späteren Kontur (z. B. an Ecken).
Diese Arbeitsweise wird oft als Floating-Stickrahmen bezeichnet – technisch ist es ein normaler Rahmen, aber der Stoff „floatet“ auf dem eingespannten Vlies.
Checkpoint: Filz muss plan liegen. Jede Blase wird später als Falte/Welle sichtbar.
Erwartetes Ergebnis: Vlies straff, Filz flach und mittig positioniert.
Unterfaden-Realitätscheck
Unterfaden prüfen: Ist er weiß, während du auf farbigem Filz stickst? Dann lieber wechseln. Im Video wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Ober- und Unterfaden farblich zusammenpassen sollen, weil die Rückseite/Seitkante optisch mitwirkt.
Stickablauf Schritt für Schritt
Jetzt entsteht das „Sandwich“.

Schritt 7 — Monogramm sticken
- Rahmen einsetzen, Nähfuß senken.
- Monogramm sticken (im Video zuerst der Satinstich-Buchstabe).
Checkpoint: Nach dem Buchstaben kurz prüfen, ob der Filz noch glatt liegt und nicht gewandert ist.
Erwartetes Ergebnis: Saubere Satinstiche auf der Vorderseite.
Schritt 8 — Rückseitenfilz anbringen (das „Sandwich“)
- Rahmen aus der Maschine nehmen (Material bleibt eingespannt).
- Rahmen umdrehen.
- Rückseitenfilz auf die Rückseite über den Stickbereich legen.
- Mit Klebeband an den Ecken fixieren (im Video: klares Scotch Tape).
- Wichtig: Tape so setzen, dass es nicht in die spätere Kontur-Stichlinie gerät.

Mechanik dahinter: Die unschöne Rückseite des Monogramms wird zwischen zwei Filzlagen „eingeschlossen“. Dadurch wirkt das Teil sofort sauber und fertig.
Warnung: Klebeband & Nadel. Wenn die Nadel durch Klebeband sticht, kann Kleber an der Nadel zu Fadenrissen/Fehlstichen führen. Tape deshalb konsequent außerhalb der Kontur halten.
Schritt 9 — Abschlusskontur sticken
- Rahmen wieder einsetzen, dabei darauf achten, dass der Rückseitenfilz nicht umklappt.
- Kontur sticken (im Video läuft die Beam Outline zweimal).

Checkpoint: Die ersten Stiche beobachten. Wenn sich die Rückseite verschiebt: sofort stoppen, neu ausrichten und neu fixieren.
Erwartetes Ergebnis: Eine sauber geschlossene Außenform – Vorder- und Rückseite sind jetzt verbunden.
Kurzer Betriebs-Check (vor dem Start der Kontur)
- Rahmen: Sitzt der 4x4-Rahmen sicher in der Maschine?
- Unterfaden: Reicht die Unterfadenspule für die komplette Kontur?
- Sandwich: Rückseitenfilz liegt flach, keine hochstehenden Kanten.
- Arbeitsbereich: Keine Schere/Tools im Bewegungsbereich.
Wenn du häufig mit Verrutschen oder ungleichmäßiger Spannung kämpfst, lohnt es sich, die Basics beim Einspannen für Stickmaschine noch einmal konsequent durchzugehen – „trommelfest“ ist bei ITH-Projekten die halbe Miete.
Finish: Fäden schneiden, zuschneiden, KAM Snaps montieren
Die Stickerei ist fertig – jetzt kommt die saubere Endbearbeitung.

Schritt 10 — Sprungstiche zuerst schneiden
Sprungstiche/Spannfäden zuerst entfernen (im Video wird das direkt nach dem Sticken gemacht). Das geht am einfachsten, solange das Teil noch stabil liegt und du gut an die Fäden kommst.
Schritt 11 — Form ausschneiden
- Aus dem Rahmen nehmen.
- Zuerst die Sprungstiche sauber wegschneiden, dann rundum entlang der Kontur ausschneiden.
- Schnittzugabe: Eine kleine Filzkante stehen lassen (im Video ca. 1–2 mm).

Schritt 12 — Löcher stechen und KAM Snaps setzen
- Mit der Ahle mittig in jede Lasche ein Loch stechen.
- Snap-Teile einsetzen und mit der KAM-Zange fest verpressen.
- Ausrichtung: Im Video wird betont, dass die „schöne“ glatte Kappe auf der sichtbaren Oberseite sitzen soll.

Troubleshooting: Schließt der Snap nicht sauber, ist er meist nicht fest genug verpresst. Noch einmal mit der Zange nachsetzen.
Entscheidungshilfe — Vlies & Einspann-Ansatz
Nutze diese Logik, um deinen Aufbau zu wählen:
- Frage 1: Einzelstück oder Serie?
- Einzelstück: Schraubrahmen + Floating-Methode (wie im Video) passt.
- Serie: Viele Wiederholungen profitieren von schnellerem Handling – hier wird ein Upgrade auf Magnetrahmen oft interessant, weil das Einspannen schneller und reproduzierbarer wird.
- Frage 2: Filz sehr dick/steif?
- Eher weich: Floating auf Vlies funktioniert zuverlässig.
- Sehr dick/steif: Standardrahmen können eher zum „Pop-out“ neigen. Ein Magnetrahmen für brother kann in solchen Fällen das Handling erleichtern, weil der Anpressdruck anders aufgebaut wird.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Magnetrahmen arbeiten mit sehr starken Neodym-Magneten. Quetschgefahr: Finger nicht zwischen die Magnete bringen. Medizin: Abstand zu Herzschrittmachern einhalten. Alltag: Abstand zu Kreditkarten/Telefonen halten.
Ergebnis

Du hast jetzt einen fertigen Snap-Tab-Serviettenring: personalisiertes Monogramm, sauber geschlossene Kante und eine versteckte Rückseite. Die gleiche ITH-Sandwich-Technik ist eine solide Basis für ähnliche Projekte wie Key Fobs, Tags oder Kabel-Organizer.
Der Profi-Unterschied: Nicht nur die Datei entscheidet – die Stabilisierung und die Passung im Rahmen sind entscheidend. Wenn die Kontur nicht sauber trifft oder die Rückseite Falten wirft, ist die Ursache fast immer Bewegung im Rahmen. Trommelfest einspannen, Filz plan auflegen und die Rückseite sauber fixieren – dann wirkt das Ergebnis nicht „selbstgemacht“, sondern sauber verarbeitet.
Egal ob du mit einer einfachen Einnadelmaschine arbeitest oder später in Richtung schnellere Produktion gehst: Stabilität = Qualität.
