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Warum Cap-Stickerei andere Regeln braucht
Wenn du dieselbe digitalisierte Logo-Datei auf einem fertigen Cap und auf einem flachen Polo laufen lässt, bekommst du oft zwei völlig unterschiedliche Ergebnisse – selbst bei identischem Garn, Nadel und Maschine. Der Grund ist simple Physik: Ein Cap ist eine gewölbte, strukturierte Oberfläche mit dicker Mittelnaht und einem steifen Schirm (Peak), der die Bewegung des Materials während der Stichbildung mechanisch begrenzt.
Bei flach eingespannten Textilien im Stickrahmen kann sich der „Schub“ (Push) durch den Faden in alle Richtungen etwas verteilen. Auf dem Cap sitzt der Stoff dagegen unter Spannung auf einem gebogenen Treiber. Er kann nicht „ausweichen“. Stattdessen beginnt er zu „flaggen“ (hoch-/runterzuschwingen), und mit zunehmendem Stichaufbau wird das Material vom Einstichpunkt weggedrückt.
Im Video ist John Deers Kernregel für Caps bottom-up, inside-out:
- Nahe am Schirm starten: Dort ist die Struktur am steifsten – ideal zum „Ankern“.
- An der Mittelnaht starten: Von der Cap-Mitte nach links und rechts nach außen arbeiten.
Diese Reihenfolge reduziert das Risiko, dass spätere Stiche frühere Bereiche aus der Passung drücken (klassisch: die gefürchtete „weiße Lücke“ zwischen Kontur und Füllung).
Auf Flachware dreht sich die Logik häufig um: Meist willst du große, stabilisierende Flächen zuerst sticken, damit der Stoff gegen das Stickvlies „fixiert“ wird – und erst danach kleine Details. Darum endet das Tutorial mit einer Umsequenzierung in eine „Flat-Version“.
Ein kurzer Reality-Check aus der Produktion: Selbst perfekte Digitalisierung kann durch schlechte Stabilisierung oder schlechtes Einspannen ruiniert werden. Wenn du Verzug suchst, starr nicht nur auf die Datei – prüfe auch, wie das Teil gehalten wird. Wenn du bei Flachware (Polos, Jacken, Taschen) Verschieben oder „Rahmenspuren“ siehst, kann ein Upgrade der Haltemethode mit Magnetrahmen für Stickmaschine die Stoffbewegung reduzieren und Abdrücke vermeiden. Im Gegensatz zu klassischen Schraubrahmen, die den Fadenlauf/Grain oft verziehen, klemmen Magnet-Systeme gleichmäßig von oben – ein echter Vorteil bei Wiederholaufträgen.

Schritt 1: Artwork analysieren und korrekt skalieren
Was im Video passiert (und warum das entscheidend ist)
Die erste harte Regel im Tutorial lautet: Artwork zuerst auf Endmaß bringen, dann in der Zielgröße digitalisieren. John lädt das Logo in Embroidery Legacy Digitizer, stellt die Einheit auf Zoll um und prüft die Originalhöhe (3,44 inches). Die gewünschte Cap-Größe liegt bei 2,25 inches Höhe, also skaliert er das Artwork auf 2,25 inches, bevor er den ersten Stich setzt.
Zusätzlich dimmt er das Artwork über die Transparenz/Opacity, damit die Stiche über der Vorlage besser sichtbar sind. Das ist nicht „nur Optik“, sondern eine saubere Digitizer-Gewohnheit. Sicht-Check: Du solltest die Stichkanten/Wireframes klar gegen den hellen Hintergrund erkennen. Ist die Vorlage zu dominant, übersiehst du schnell die kleinen Überlappungen, die später die Passung sichern.
Profi-Hinweis: Größenänderungen sind nicht „gratis“
In der gewerblichen Stickerei ist das Skalieren einer bereits digitalisierten Datei (z. B. .DST oder .PES) riskant. Wenn du ein Design um 20% verkleinerst, ohne die Stiche neu zu berechnen, steigt die Dichte effektiv um 20%. Typische Folgen:
- Haptischer Fehler: Das Motiv wird „kugelsicher“ – steif und unangenehm, gerade auf der Stirn.
- Akustisches Warnsignal: Du hörst ein rhythmisches dumpf-dumpf, weil die Nadel durch überdichte Bereiche kämpfen muss – oft mit Fadenrissen als Folge.
Behandle die Wunschgröße daher als feste Vorgabe. „Gleiches Logo, nur kleiner“ ist in der Praxis ein neuer Digitalisierauftrag – kein schneller Skalier-Klick.

Schritt 2: Kleine Schrift sauber digitalisieren
Cap-tauglich: von der Mittelnaht nach außen
John digitalisiert die kleine Schrift („…AVING“) von der Mitte nach außen, passend zur Cap-Regel. Er nutzt Classic Satin und setzt die Punkte manuell. Zwei Mikro-Techniken aus dem Video, die du dir angewöhnen solltest:
- Shift gedrückt halten für perfekt gerade Segmente: Das gibt scharfe, professionelle Kanten statt „matschiger“ Rundungen.
- Verbindungen im nächsten Buchstaben verstecken: Nicht unten an einer Serife verbinden – genau dort erwartet das Auge eine saubere Kante.
Gerade bei Kleinschrift (unter ca. 6 mm) ist Punkt 2 entscheidend: Statt unten zu verbinden (wo der Laufstich wie eine sichtbare „Brücke“ wirkt), setzt er einen Laufstich (Hotkey „1“) in den Körper/das Bein des nächsten Buchstabens. Der folgende Satinstich näht darüber und „begräbt“ die Verbindung.
Außerdem nutzt er die Q-Taste, um Start-/Stopp-Punkte manuell zu verschieben. Praxis-Indikator: Wenn du nach dem Stopp an der Maschine Fäden von Hand nachschneiden musst und dabei Widerstand/„Haken“ spürst, liegen Start-/Stopp-Punkte oft zu offen. Sie sollten so platziert sein, dass die Rückseite möglichst glatt bleibt.
Praxisfrage aus den Kommentaren: „Wie editiere ich ein bereits digitalisiertes Flachware-Logo für ein Cap – und wie bekomme ich ‚center out‘ hin?“
Das ist ein typischer Fall: Du hast eine bewährte ovale Badge-Datei für Polos, der Kunde will sie jetzt aufs Cap.
Aus der Logik des Videos ergibt sich als pragmatischer Edit-Weg:
- Mittelnaht gedanklich einzeichnen: Plane die schwere Naht als „Achse“ durch dein Motiv.
- Objekte umsequenzieren: In der Software zuerst die Objekte an/nahe der Mittelnaht und nahe am Schirm sticken lassen. Danach die Bereiche links, dann rechts nach außen.
- Passung/Abdeckung mitdenken: Bei einem voll gestickten Oval wird die Kontur auf Caps oft besser, wenn sie zuletzt näht, damit sie die Kanten der Füllung sauber abdeckt, die sich durch Zug/Schub leicht nach innen ziehen kann.
Warnung: Kleine Schrift ist der Bereich, in dem Nadelstiche und Fadenrisse zuerst sichtbar werden. Vor dem Probestick: Nadel passend wählen und sauber arbeiten. Im Video liegt der Fokus auf der Datei – in der Praxis gilt zusätzlich: Wenn du nachträglich viel schneidest, müssen die Snips wirklich scharf sein, sonst ziehst du Unterfaden nach oben und bekommst „Pfeffer“ (helle Punkte) in der Schrift.


Schritt 3: „Reverse Digitizing“ für saubere Konturen und stabile Passung
Was „Reverse Digitizing“ in dieser Lektion bedeutet
Normalerweise digitalisiert man erst die Füllung und setzt dann eine Kontur darüber. John dreht das um: Er erstellt die Außenkontur zuerst als präzise Schablone.
Er nutzt das Steil (Column-/Satin-Border) Tool, zeichnet die Außenform nach und stellt dann die Eigenschaften ein:
- Konturbreite: 1 mm (reduziert, um Wulst/Bulk zu vermeiden).
- Inset: 100% (die Kontur sitzt strikt innerhalb der gezeichneten Kante).
Wichtig: Diese Kontur wird nicht als erstes gestickt. Sie wird zuerst konstruiert, um die geometrische „Wahrheit“ festzulegen.
Warum das Lücken und Passungsdrift reduziert
Auf Caps (und auch auf strukturierten/reliefartigen Strickwaren) sind Zug- und Schubkräfte stärker. Wenn du zuerst die Füllung digitalisierst, rätst du im Grunde, wo die Kante nach der Verformung landet. Mit der zuerst konstruierten Kontur definierst du eine feste Grenze. Danach kannst du die Füllung gezielt so anlegen, dass sie diese Grenze erreicht (und minimal überdeckt).
Sicht-Check: Zoome in der Software stark hinein (im Video arbeitet John u. a. bei 6:1, also 600%). Du solltest erkennen, dass die Füllstiche leicht unter den späteren Konturbereich laufen. Diese Überdeckung ist deine Versicherung gegen „weiße Lücken“.


Schritt 4: Manuelle Unterlage für strukturierte Caps
Die manuelle Zickzack-Unterlage im Video (und das „Warum“ dahinter)
John setzt manuell eine Laufstich-Unterlage als horizontales Zickzack über die Fläche. Er nennt es „old school“. Warum manuell statt „Auto Underlay“?
Kontrolle. Automatische Unterlage orientiert sich oft an Durchschnittsbreiten der Form. Manuell kannst du gezielt dort verstärken, wo sich die Fläche am Cap besonders „aufspreizen“ will.
Anschließend erstellt er die Hauptfüllung (Tatami) und stellt den Stichwinkel auf 0 / 180 (horizontal) – mit Shift sauber eingerastet.
Die Mechanik dahinter: Horizontale Stiche laufen quer zur Mittelnaht. Die Nadel arbeitet damit „über“ die Naht hinweg, statt „entlang“ der Naht zu nähen (was Linien in die Naht „ziehen“ und optisch krumm machen kann). Genau deshalb funktionieren horizontale Füllungen auch gut auf Piqué/Poloshirts: Sie überbrücken die „Hügel und Täler“ der Struktur.
Klärung aus den Kommentaren: „Sind die manuellen Zickzacks zufällig gesetzt?“
Nein. Das ist gezielte „Bewehrung“.
- Auf dem Cap versucht die Wölbung, Stiche auseinanderzuziehen – das Zickzack hält den Untergrund zusammen.
- Auf Flachware kannst du bei einfachen Formen ggf. ohne manuelle Unterlage auskommen. Aber sobald Material zum Verziehen neigt, hilft die Technik, dass die Füllung nicht sichtbar „aufreißt“.
Profi-Leitlinie: Unterlage ist ein System, kein Häkchen
Unterlage erhöht die Stichzahl – und damit Laufzeit. Im Hobbybereich sind 500 Stiche mehr egal. In der Produktion (z. B. 100 Caps) ist das messbar. Gleichzeitig führt „Unterlage sparen“ oft zu Ausschuss wegen Lücken/Unruhe.
Praxis-Kriterium: Wenn du merkst, dass du bei Caps ständig um Stabilität kämpfst, liegt es nicht immer nur an der Datei. Das Video zeigt zwar Software-Technik, aber die Realität ist: Cap-Stickerei ist mechanisch anspruchsvoll. Prüfe Treiber-Sitz, Banding und ob deine Maschine/Einrichtung die Wiederholgenauigkeit hergibt.

Schritt 5: Umsequenzieren – Cap-Datei vs. Flachware-Datei
Cap-Version: bottom-up, Kontur zuletzt
In der Sequence View zieht John das Konturobjekt nach unten, sodass es später näht. Ziel:
- Basis zuerst: Stoff/Material nahe am Schirm „festnageln“.
- Kontur zuletzt: Kanten abdecken und den Rand sauber „aufräumen“.
Er kontrolliert Start-/Stopp-Punkte, um möglichst durchgehend zu nähen. Hör-Check: Eine gut sequenzierte Datei klingt wie ein gleichmäßiges Surren. Eine schlechte klingt wie surr–stopp–klick–trim–move–klick–surr. Jeder Schnitt ist eine zusätzliche Fehlerchance.

Flachware-Version: große Stabilisierung zuerst, Details zuletzt
John speichert die Cap-Version und erstellt dann eine Flachware-Version. Dafür verschiebt er die kleine Schrift (die im Cap-Workflow zuerst kam) an die allerletzte Position.
Begründung: Auf flachen Textilien kann eine schwere Füllung später den Stoff „ziehen“ und damit zuvor gestickte Kleinteile verschieben. Wenn du zuerst den großen „Block“ stickst, wird dieser Bereich zu einer stabilen Basis – und die Schrift landet anschließend auf einem ruhigeren Untergrund.
Das ist eine Grundwahrheit: Sequenzierung ist ein Stabilisierungstool.
Aber: Die Datei kann nur begrenzt kompensieren. Wenn das Einspannen zu locker ist, scheitert auch die beste Sequenz. Tast-Test: Eingespannt sollte sich der Stoff straff wie eine Trommel anfühlen – aber nicht überdehnt wie ein Gummiband. Wenn du diese Spannung nicht reproduzierbar hinbekommst oder das Schrauben ermüdet, hilft ein konsistenteres Einspannen – z. B. über Einspannen für Stickmaschine mit magnetischer Klemmung. Das ist oft der Unterschied zwischen „ein gutes Muster“ und „50 identische Teile“.







Grundlagen
Du bist hier, weil du ein Logo sauber auf einem fertigen Cap sticken willst und es trotzdem auf Flachware zuverlässig laufen soll – ohne jedes Mal komplett neu zu digitalisieren.
In diesem Walkthrough lernst du:
- Skalierung ohne Risiko: Artwork korrekt auf Endmaß bringen vor dem Digitalisieren, damit keine „kugelsichere“ Dichte entsteht.
- Mikro-Details: Kleine Schrift so digitalisieren, dass Verbindungen unsichtbar bleiben.
- Reverse-Ansatz: Konturen zuerst als Schablone („reverse digitizing“) für sichere Passung.
- Strukturelle Bewehrung: Manuelle Zickzack-Unterlage unter Tatami – wann und warum.
- Sequenz-Logik: Dieselbe Datei für Cap vs. Flachware passend umsequenzieren.
Wenn du auf Produktionseffizienz schaust, achte besonders auf die Sequenzierung: Weniger Schnitte = weniger Stillstand = mehr Output pro Stunde.
Vorbereitung
Versteckte Verbrauchsmaterialien & Checks (nicht überspringen)
Digitalisieren ist Software-Arbeit – aber die Datei gewinnt erst, wenn sie unter realen Nähbedingungen funktioniert. Bevor du Cap- und Flachware-Version testest, prüfe:
- Frische Nadeln: Ein minimaler Grat an der Spitze (oft unsichtbar) kann Fasern am Cap beschädigen. Für kritische Muster: neue Nadel.
- Backing/Stabilisierung: Für Caps: stabiles „Cap Cutaway“-Backing (im Video-Kontext wird von schwerem Cap-Backing gesprochen). Für Flachware/Strick: No-Show Mesh oder normales Cutaway. Tearaway ist bei dichten Badge-Logos oft zu schwach.
- Scharfe Snips: Stumpfe Scheren ziehen Faden – scharfe Snips schneiden. Das reduziert „Fussel/Tufts“ an Kleinschrift.
- Reinigung: Unterfadengehäuse/Hakenbereich auf Flusen prüfen. Cap-Stickerei erzeugt viel Staub (Buckram). Flusen verändern die Spannung mitten im Motiv.
Für Produktionsbetriebe: Prüfe, ob dein Einspannen reproduzierbar ist. Schwankende Spannung = schwankende Qualität. Viele Profis standardisieren Platzierung und Spannung über eine Magnetische Einspannstation – das reduziert Bediener-Einfluss, spart Zeit und senkt Ausschuss.
Checkliste Vorbereitung
- Maße: Wunschhöhe bestätigen und Einheit auf Zoll stellen.
- Skalierung: Artwork auf Endmaß (z. B. 2,25" Höhe) skalieren, bevor du Punkte setzt.
- Sichtbarkeit: Artwork-Opacity reduzieren, damit Stichkanten klar erkennbar sind.
- Hardware: Nadeltyp/-größe passend zum Material prüfen.
- Wartung: Flusen im Greiferbereich entfernen, bevor dichte Füllungen laufen.
Setup
Digitalisier-Umgebung auf Präzision einstellen
Im Video arbeitet John bewusst mit einem kontrollierten Zoom (u. a. 6:1, also 600%), damit die Punktsetzung wirklich präzise ist.
Warum das zählt: Wenn du im Zoom-out Punkte setzt, kann ein „kleiner“ Spalt am Bildschirm in der Realität 2 mm sein – in Stickerei ein riesiger Fehler. Arbeite so, dass du Ecken sauber beurteilen und Überdeckungen bewusst setzen kannst.
Entscheidungsbaum: Cap vs. Flachware (inkl. Stabilisierung im Kopf)
Nutze diesen Kurz-Check, bevor du dich auf eine Sequenz festlegst:
- Ist es ein fertiges Cap (gewölbt, strukturiert, Mittelnaht)?
- Ja: bottom-up, inside-out. Stichwinkel bevorzugt horizontal (0 oder 180). Konturen so planen, dass sie zuletzt nähen.
- Nein: weiter zu Punkt 2.
- Ist die Flachware ein Strick (z. B. Piqué) oder verschiebt sich leicht?
- Ja: große Flächen zuerst zur Stabilisierung. Stichrichtung ruhig halten. Cutaway oder No-Show Mesh.
- Nein: Standard-Flachware-Logik („Groß zuerst, klein zuletzt“). Bei stabilen Geweben kann Tearaway reichen.
- Läuft das in Stückzahl (Wiederholaufträge, Teamwear, Uniformen)?
- Ja: Schnitte/Trims optimieren, um pro Teil Sekunden zu sparen. Workflow-Upgrades wie eine Einspannstation für Stickmaschinen reduzieren körperliche Belastung und Zykluszeit.
Warnung: Wenn du Magnetrahmen/ magnetische Systeme einsetzt, arbeite vorsichtig. Die Magnete sind sehr stark. Quetschgefahr: Finger aus dem „Schnappbereich“ halten. Medizinische Sicherheit: Abstand zu Herzschrittmachern, Insulinpumpen und empfindlicher Elektronik.
Ablauf
Schritt-für-Schritt-Workflow (zuerst Cap-Datei, dann Flachware-Konvertierung)
Schritt 1 — Artwork skalieren und abdunkeln
- Backdrop/Artwork auswählen.
- Einheit auf Zoll umstellen.
- Originalhöhe prüfen (z. B. 3,44").
- Auf gewünschte Cap-Höhe skalieren (z. B. 2,25").
- Aktion: Opacity reduzieren.
- Checkpoint: Artwork ist auf Endmaß und sichtbar „ausgegraut“, Stichkanten sind klar.
- Erfolgskriterium: Wireframes/Stichkanten sind deutlich vor der Vorlage erkennbar.
Schritt 2 — Kleinschrift von der Mitte nach außen digitalisieren
- Classic Satin verwenden.
- Punkte manuell setzen; Shift für gerade Segmente.
- Kritisch: Beim Verbinden Laufstich in den Körper des nächsten Buchstabens setzen (Hotkey „1“) statt unten zu verbinden.
- Start-/Stopp-Punkte mit Q anpassen.
- Checkpoint: Verbindungsstiche liegen unter Satindeckung.
- Erfolgskriterium: Schrift wirkt klar, ohne sichtbare „Schwänze“/Reisestiche.
Schritt 3 — Kontur zuerst erstellen (Reverse Digitizing)
- Außenform mit dem Steil-Tool nachzeichnen.
- Konturbreite auf 1 mm setzen (Standard ist oft zu breit).
- Inset auf 100% setzen (Kontur sitzt innen).
- Checkpoint: Kontur ist kontrolliert, dünn und als innere Schablone positioniert.
- Erfolgskriterium: Du hast eine feste geometrische Referenz für die Füllung.
Schritt 4 — Manuelle Zickzack-Unterlage, dann Füllung
- Laufstich-Unterlage als horizontales Zickzack anlegen.
- Tatami-Füllung darüber erstellen.
- Kritisch: Stichwinkel auf 0/180 (horizontal) setzen.
- Checkpoint: Unterlage liegt in der finalen Sequenz unter der Füllung.
- Erfolgskriterium: Die Fläche wirkt stabil, aber nicht „knusprig“/überdicht.
Schritt 5 — Für Cap-Logik umsequenzieren
- In der Sequence View die Kontur nach unten ziehen, sodass die Füllung zuerst näht.
- Start-/Stopp-Punkte prüfen, um den Ablauf zu glätten.
- Checkpoint: Nähreihenfolge baut bottom-up (vom Schirm nach oben) auf.
- Erfolgskriterium: Die Bewegung geht von der Mittelnaht nach außen, statt Stoff in der Mitte zu stauchen.
Schritt 6 — Cap-Version speichern, dann Flachware-Version erstellen
- Cap-Datei speichern (z. B.
Logo_CAP_2.25in.emb). - Für Flachware die Kleinschrift-Gruppe an das Ende der Sequenz verschieben.
- Checkpoint: Große stabilisierende Bereiche nähen vor Kleinteilen.
- Erfolgskriterium: Schrift landet auf einer stabilisierten „Faden-Matte“ und verzieht weniger.
Checkliste Ablauf
- Schrift: Kleinschrift center-out, Verbindungen versteckt.
- Struktur: Kontur zuerst erstellt, 1 mm Breite, 100% inset.
- Stabilität: Manuelle Zickzack-Unterlage dort, wo Trennungsrisiko besteht.
- Winkel: Füllwinkel 0/180 (horizontal) für Cap-Stabilität.
- Sequenz (Cap): Füllung zuerst, Kontur zuletzt, bottom-up.
- Sequenz (Flachware): Groß zuerst, klein zuletzt.
Qualitätskontrollen
Was du prüfst, bevor du überhaupt stickst
- Sequenz-Logik: Passt die Datei zur Mechanik des Artikels? (Cap = bottom-up/inside-out).
- Start-/Stopp-Platzierung: Sind Verriegelungen innerhalb von Objekten versteckt? (am Bildschirm prüfen).
- Kontur-zu-Füllung: Reinzoomen. Läuft die Füllung mindestens ca. 0,2 mm–0,4 mm unter die Kontur? Wenn sie nur „küsst“, kommt die Lücke.
- Dichte prüfen: Im Video ist eine Dichte von 0,4 mm sichtbar. Wenn du skaliert hast, kontrolliere, dass die Dichte nicht ungewollt zu eng geworden ist.
Wenn du Caps auf einer Mehrnadelstickmaschine fährst, stelle sicher, dass Kappenrahmen/Treiber zum System passen. Ein Kappenrahmen für tajima gehört z. B. in ein spezifisches Ökosystem und unterscheidet sich von Heim-/Einzelnadel-Halterungen. Ein locker sitzender Treiber verursacht Passungsfehler, die wie „schlechte Digitalisierung“ aussehen.
Troubleshooting
1) Symptom: Verzug auf Caps (Falten/Flagging)
- Wahrscheinliche Ursache: Gegen die Wölbung genäht (top-down) oder ungünstig zur Naht.
- Fix (Datei): bottom-up, inside-out; horizontale Stichwinkel erzwingen.
- Fix (Praxis): Cap sauber und straff bandieren. Es sollte schwer sein, einen Finger zwischen Cap und Gauge zu schieben.
2) Symptom: Sichtbare Verbindungsfäden in Kleinschrift
- Wahrscheinliche Ursache: Verbindung unten an der Serife, wo der Einstich sichtbar bleibt.
3) Symptom: Lücken zwischen Füllung und Kontur („White Gap“)
- Wahrscheinliche Ursache: Zug-/Schubkompensation reicht nicht, Kante zieht stärker ein.
4) Symptom: Wulstige Kanten bei Schaumstoff-Caps (3D Puff)
- Wahrscheinliche Ursache: „Edge Run“-Unterlage schneidet/öffnet den Schaum zu früh.
Ergebnis
Mit diesem Workflow erzeugst du aus einem Designkonzept zwei saubere Produktions-Assets:
- Eine Cap-optimierte Datei, die die Wölbungs-Mechanik respektiert, horizontale Winkel nutzt und bottom-up Struktur aufbaut.
- Eine Flachware-optimierte Datei, die Stabilität priorisiert: erst Fundament, dann feine Details.
Die größere Erkenntnis: Digitalisieren ist Mechanik, nicht Kunst. Sequenzierung, Unterlage und Winkel sind technische Entscheidungen.
Wenn dein nächster Schritt Skalierung ist (50 Caps statt 5), identifiziere Engpässe: Ist es Digitalisierzeit? Einspann-Ermüdung? Maschinenlaufzeit? In vielen Shops kommt der Durchbruch durch bessere Halterungen/Vorrichtungen – und später durch einen konsequenten Mehrnadel-Workflow.
Und für alle, die mit spezifischen Systemen arbeiten: Hardware hat Grenzen. Ein Kappenrahmen für brother (oder der spezifische Kappenrahmen für brother pr680w für Mehrnadel-Nutzer) funktioniert am besten, wenn die Datei die Maschine unterstützt statt gegen sie zu arbeiten. Saubere Digitalisierung + passende Stabilisierung = reproduzierbarer Gewinn.
