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Was bedeutet „Floating“ in der Maschinenstickerei?
„Floating“ gilt oft als Workflow für Fortgeschrittene – in vielen professionellen Umgebungen ist es jedoch ganz normaler Alltag. Statt den Stoff zwischen Innen- und Außenring einzuspannen, spannst du nur das Stickvlies in den Stickrahmen ein und fixierst den Artikel (Handtuch, Decke, Kleidungsstück) obenauf – je nach Material mit Sprühzeitkleber, Nadeln oder auch Heftstichen.
Im referenzierten Video nutzt die Presenter:in diese Methode für ein Küchentuch und eine dicke Plüschdecke – und arbeitet dabei mit einem wiederverwendbaren Setup: Nach dem ersten Stickvorgang wird das Loch im Vlies „gepatcht“, sodass der Rahmen für das nächste Teil direkt weiterlaufen kann. Das reduziert Rüstzeit und Materialverbrauch.
Die Logik hinter Floating: Warum macht man das?
- Tempo in Serien: Wenn du 15–20 Handtücher stickst, wird ständiges Neu-Einspannen zum Engpass. Floating erlaubt „abziehen, neu auflegen, weiter“.
- Schonung der Oberfläche: Bei voluminösen oder empfindlichen Materialien können Rahmenspuren entstehen. Floating minimiert den direkten Druck auf dem Artikel, weil nur das Vlies eingespannt ist.
- Kontrollierte Ausrichtung: Mit einer gedruckten Schablone inkl. Fadenkreuz lässt sich die Platzierung visuell und reproduzierbar kontrollieren.
Warum viele vor Floating Respekt haben:
- „Drift“-Sorge: Ohne mechanischen Klemmdruck befürchten viele, dass der Artikel wandert.
- Passungsfehler: Wenn nicht sauber fixiert wird, können Konturen und Füllflächen gegeneinander „versetzen“.
Praxisfazit: Entscheidend ist, dass Methode, Stückzahl und Material zusammenpassen. Bei Serien oder sperrigen Artikeln ist ein Floating-Stickrahmen-Workflow ein echter Produktivitätshebel – du ersetzt Klemmdruck durch kontrollierte Haftung (Kleber/Vlies) plus Sicherung (Nadeln).

Benötigte Tools: Magnetrahmen & Stickvliese
Beim Floating sind Vorbereitung und Fixierung der halbe Erfolg. Das ist das Setup aus dem Video – mit praxisnahen Ergänzungen.
Kern-Tools aus dem Video
- Magnetrahmen: Referenz „Mighty Hoop“. Magnetrahmen sind beim Floating besonders angenehm, weil sie das Vlies sehr gleichmäßig halten und eine plane Arbeitsfläche erzeugen.
- Stickvlies: Abreißvlies. Wichtig: Die Presenter:in bevorzugt ein „gewebt wirkendes“ (dichteres) Abreißvlies statt eines „papierigen“.
- Kleber: Sprühzeitkleber (z. B. Spray n Bond).
- Topper: Wasserlösliche Folie (Solvy).
- Sicherung: Stecknadeln, idealerweise gut sichtbar (bei Decken: Rundkopf).
- Patching-Set: Vliesreste + blaues Malerkrepp (Painter’s Tape).
- Ausrichtung: Acryllineal & gedruckte Papierschablonen (aus Embrilliance).
- Maschine: Mehrnadelstickmaschine (Referenz: BAI).

Versteckte Verbrauchsmaterialien & Checks (die man in der Praxis gern vergisst)
Damit der Ablauf ohne unnötige Unterbrechungen läuft, leg dir diese Dinge vor dem Start bereit:
- Frische Nadel: Bei Handtüchern/Plüsch ist eine frische Nadel entscheidend, damit der Stoff nicht „weggedrückt“ wird und die Passung stabil bleibt.
- Reinigungsbürste: Handtücher und Plüsch fusseln stark – vor dem Lauf den Bereich um Greifer/Spulenkapsel reinigen.
- Pinzette: Zum Entfernen von Topper-Resten nach dem Sticken.
Hinweis zu Magnetrahmen (Upgrade-Pfad)
Wenn du regelmäßig mit dicken Lagen, sperrigen Artikeln oder empfindlichen Oberflächen kämpfst, ist das oft der Punkt, an dem Magnetrahmen den Workflow deutlich entspannen.
- Level 1: Floating mit Standardrahmen (funktioniert, aber Vlies straff zu halten ist oft aufwendiger).
- Level 2: Magnetrahmen – „snap-and-go“ statt Schrauben/Levers und weniger Stress beim Einspannen.

Schritt 1: Stickvlies vorbereiten & Haftfläche aufbauen
Ziel ist eine plane, leicht klebrige „Arbeitsplatte“ im Rahmen.
1) Platzierungsschablone mit Fadenkreuz drucken
Die Presenter:in druckt eine 1:1-Schablone mit aktiviertem Fadenkreuz (Crosshair) aus Embrilliance.
- Warum: Gerade bei weichen, nachgiebigen Artikeln ist „Pi mal Daumen“ selten reproduzierbar. Das Fadenkreuz ist dein Referenzpunkt.
- Zuschneiden: Schneide die Schablone enger um das Motiv, damit du die spätere Optik/Position am Artikel besser beurteilen kannst.

2) Nur das Stickvlies in den Magnetrahmen einspannen
- Aktion: Abreißvlies über den unteren Rahmenring legen.
- Check (Geräusch): Oberen Magnetring aufsetzen – ein deutliches, sattes „Klack“ ist typisch.
- Check (Haptik): Vlies glattstreichen. Kleine Wellen sind beim Floating meist unkritisch, aber das Vlies sollte insgesamt sauber anliegen.
Vlieswahl – der entscheidende Unterschied: Die Presenter:in meidet „papieriges“ Abreißvlies.
- In der Praxis reißt/zerfasert sehr „papieriges“ Vlies bei wiederholtem Patching schneller. Ein dichteres, „gewebt wirkendes“ Abreißvlies bleibt stabiler, wenn du mehrere Teile nacheinander auf demselben Einspann-Setup arbeitest.
3) Sprühzeitkleber dünn auf das eingespannte Vlies
- Aktion: Einen feinen Nebel auf das Vlies sprühen.
- Warum: Die Haftung erhöht die Scherfestigkeit, damit der Artikel bei Rahmenbewegungen weniger seitlich wandert.
Warnung: Chemische Sicherheit
Sprühkleber ist brennbar und Overspray ist klebrig.
1. Nicht direkt an/über der Maschine sprühen.
2. Overspray mit einer „Sprühbox“ (z. B. Karton) abfangen.
3. Für gute Belüftung sorgen.
Schritt 2: Küchentuch floaten & sauber ausrichten
Hier ersetzt du mechanisches Klemmen durch kontrollierte Ausrichtung und Fixierung.
1) Handtuch an Rahmenkante und Markierungen ausrichten
- Technik: Nutze die gerade Rahmenkante als Referenzlinie.
- Serienlogik: Bei 15–20 Teilen ist das schneller als jedes Mal komplett neu einzuspannen.

2) Wasserlöslichen Topper auflegen
- Warum: Schlingen/Flor „schlucken“ Stiche. Ohne Topper sinken Satinstiche ein und wirken unruhig.
- Aktion: Wasserlösliche Folie über den Stickbereich legen.

3) Mit der Papierschablone die Position bestätigen
- Aktion: Schablone oben auf den Topper legen.
- Daumenregel aus dem Video: Platzierung etwa zwei Finger vom unteren Rand/Saum.
- Hinweis für Serien: Wenn du Wiederholgenauigkeit brauchst, ersetze „zwei Finger“ durch ein festes Maß und bleib im Auftrag konsequent dabei.
4) Mit Nadeln sichern (zusätzliche Versicherung)
Sprühkleber hält viel – Nadeln sind die Absicherung gegen „Flagging“ und gegen Zug, wenn Stoffteile hängen.
- Aktion: Durch Topper/Handtuch bis ins Vlies stecken.
- Sicherheitszone: Nadeln außerhalb des Stickfelds platzieren.

Warnung: Mechanische Sicherheit
Nadeln niemals im Stickbereich platzieren. Trifft die Nadel der Maschine auf eine Stecknadel, drohen Nadelbruch und im schlimmsten Fall Timing-Probleme.
Checkpoints (kurze Vorflugliste)
Bevor du zum Maschinenkopf gehst:
- Vlies liegt sauber an.
- Kleber ist klebrig, nicht nass.
- Topper deckt den gesamten Stickbereich ab.
- Handtuchkante ist parallel zur Rahmenkante.
- Nadeln sind sichtbar und außerhalb der Stickbahn.
Maschineneinstellung: Ausrichtung drehen & Motiv zentrieren
Beim Floating wird der Artikel oft so eingelegt, dass Stoff nach vorne/unten weg hängt. Dadurch muss das Motiv am Display passend gedreht werden.

1) Motiv am Display korrekt drehen (nicht spiegeln)
Im Video wird über das Menü Set und das F-Icon die Ausrichtung angepasst.
- Aktion: Set -> F Icon (Orientation) öffnen.
- Typische Falle: Eine Drehung kann dazu führen, dass Schrift/Motive „verkehrt“ wirken.
- Praxis aus dem Video: Die Presenter:in nutzt bevorzugt den Pfeil nach rechts, weil die Orientierung dann für ihr Einlegen korrekt ist.

Hinweis zur Praxis: Wer mit mighty hoops Magnetrahmen für bai oder ähnlichen Setups arbeitet, sollte diese Bildschirm-Drehung sicher beherrschen – gerade wenn Rahmen/Artikel quer eingelegt werden.
2) Zentrieren per „Needle-Down“-Methode
Da der Artikel manuell aufgelegt wurde, ist die geometrische Rahmenmitte nicht automatisch deine Motivmitte. Du definierst die Mitte über das Fadenkreuz.
- Aktion: Nadel #1 manuell absenken.
- Einstellung: X/Y über die Pfeiltasten verfahren.
- Ziel: Nadelspitze exakt auf das Fadenkreuz der Papierschablone.
- Feinjustage: Für die letzten Millimeter in den langsamen Verfahrmodus wechseln (im Video: von „zwei Play“-Symbolen auf „ein Play“-Symbol).

3) Vor dem Sticken „Trace/Contour“ laufen lassen
- Aktion:
Trace/Contourausführen. - Warum: Du siehst, ob der Fuß an Nadeln oder an den Rahmen kommt.

Ablauf-Checkliste (Ende dieses Abschnitts)
- Ausrichtung: Motiv korrekt gedreht (nicht gespiegelt).
- Zentrum: Nadel #1 trifft das Fadenkreuz.
- Geschwindigkeit: Für die Positionierung langsam, fürs Sticken passend einstellen.
- Freigängigkeit: Trace ohne Kontakt zu Nadeln/Rahmen.
- Schablone: Papierschablone entfernen, bevor du startest.
Der Patching-Hack: Eingespanntes Vlies wiederverwenden
Damit wird der Magnetrahmen zur kleinen Produktionslinie: Statt neu einzuspannen, patchst du das Loch und machst direkt weiter.
Workflow:
- Fertiges Teil abnehmen (vorsichtig vom Vlies abziehen).
- Im Vlies bleibt ein ausgesticktes Loch.
- Kanten säubern: Lose/ausgefranste Vliesreste am Loch wegschneiden.
- Patch zuschneiden: Vliesrest etwas größer als das Loch.
- Fixieren: Patch von der Unterseite mit blauem Malerkrepp festkleben.


Warum Malerkrepp? Im Video wird klar gesagt: Transparentes Packband hält für diesen Zweck schlechter als Malerkrepp. Malerkrepp lässt sich zudem gut wieder lösen und ist im Handling schnell.
Effizienzgewinn: In Kombination mit einem mighty hoop Magnetrahmen-System kannst du mehrere Teile nacheinander abarbeiten, ohne jedes Mal das komplette Vlies neu einzuspannen – bis das Vlies an Spannung verliert oder zu stark perforiert ist.
Schwere Artikel floaten: Tipps für Plüschdecken
Bei Decken arbeitet die Schwerkraft gegen dich: Das Gewicht kann am Stickbereich ziehen und die Passung beeinflussen.
1) Decke auf das gepatchte Vlies kleben
- Aktion: Patchbereich erneut leicht einsprühen.

2) Mit Acryllineal die Gerade prüfen
- Problem: Plüsch/Flor täuscht das Auge.
- Lösung: Acryllineal an der Rahmenkante ausrichten und prüfen, ob der Artikel „gerade“ liegt.

3) Mit Rundkopf-Nadeln sichern
- Warum: In Plüsch verschwinden flache Nadeln schnell.
- Praxis-Tipp aus dem Video: Rundkopf-Nadeln verwenden, damit sie sichtbar bleiben.
Hinweis zur Garnfarbe
- Beobachtung aus dem Video: Navy-Garn auf blauem Muster.
- Praxis-Lektion: Kontrast vorab prüfen – besonders bei Schrift/Monogrammen.
Häufige Floating-Probleme: Diagnose (Symptom -> Ursache -> Fix)
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Konkreter Fix |
|---|---|---|
| Vlies reißt/zerfetzt schnell | „Papieriges“ Abreißvlies, zu wenig Stabilität fürs Patching | Auf dichteres, „gewebt wirkendes“ Abreißvlies wechseln |
| Motiv steht falsch (z. B. auf dem Kopf) | Ausrichtung am Display nicht passend zum Einlegen | Über Set -> F Icon drehen; im Zweifel Schritt für Schritt prüfen |
| Rahmen hält nicht / rutscht | Magnetring falsch herum (Top/Bottom verwechselt) | Vor dem Schließen prüfen, welcher Ring oben/unten ist |
| Passung driftet / Lücken | Artikel hat sich bewegt (Gewicht/Zug), Fixierung zu schwach | Mehr Haftung + Nadeln außerhalb des Stickfelds; Decke zusätzlich abstützen |
| Stiche versinken im Flor | Kein Topper | Wasserlöslichen Topper verwenden |
„Sollte ich nicht einfach einspannen statt floaten?“ (Entscheidungsmatrix)
Diese Frage taucht in der Praxis häufig auf – und sie ist berechtigt.
- Szenario A: Einzelstück, hoher Wert/hohes Risiko. -> Einspannen. Wenn es sauber geht, ist das die sicherere Option.
- Szenario B: Serienlauf (z. B. 15+ Handtücher). -> Floaten. Der Zeitgewinn durch schnelles Wechseln ist der Kernnutzen.
- Szenario C: „Unmögliche“ Artikel (dick, sperrig, Nähte). -> Floaten. Oft bleibt kaum eine Alternative.
Prep
Entscheidungsbaum: Vlies & Einspannstrategie
- Ist die Oberfläche stark strukturiert (Frottee, Fleece, Plüsch)?
- JA: Topper oben + Vlies unten.
- NEIN: Vlies unten reicht oft.
- Hohe Stückzahl (10+)?
- JA: Dichtes Abreißvlies, das Patching besser übersteht.
- NEIN: Standard-Abreißvlies kann genügen.
- Schwerer Artikel (Decke/Jacke)?
- JA: Zusätzliche Sicherung (Nadeln) einplanen.
- NEIN: Leichter Kleberauftrag + Standard-Sicherung.
Prep-Checkliste
- Stickvlies: Dichtes Abreißvlies ausgewählt.
- Topper: Wasserlösliche Folie zugeschnitten.
- Schablone: 1:1 mit Fadenkreuz gedruckt.
- Sicherheit: Nadeln griffbereit.
- Verbrauchsmaterial: Sprühkleber + Malerkrepp bereit.
Setup
Eine kleine Produktionsstation bauen
Effizienz ist nicht nur Geschwindigkeit, sondern ein sauberer Rhythmus.
- Vorarbeit bündeln: Vlies- und Topper-Zuschnitte für mehrere Teile vorab vorbereiten.
- Tape-Station: Mehrere Streifen Malerkrepp vorab abreißen und am Tischrand „parken“, damit das Patching schnell geht.
Tool-Upgrade-Pfad: Wenn dich die manuelle Ausrichtung am meisten Zeit kostet, kann eine Einspannhilfe sinnvoll sein. Viele suchen dafür gezielt nach einer hoop master Einspannstation oder nach dem hoopmaster-System.
Warnung: Magnet-Sicherheit
Magnetrahmen enthalten starke Neodym-Magnete.
1. Quetschgefahr: Beim Schließen Finger aus dem Kantenbereich halten.
2. Medizin: Abstand zu Herzschrittmachern einhalten.
Operation
Der Produktions-Loop
- Stickvlies einspannen (einmal).
- Sprühen -> Artikel auflegen -> Topper -> Nadeln.
- Maschine: Zentrieren -> Trace -> Sticken.
- Artikel abnehmen -> Loch patchen.
- Wiederholen.
Skalierungs-Kontext: Wenn du von einer Einnadel- auf eine Mehrnadelstickmaschine gehst, wird Rahmen-Kompatibilität wichtiger. Viele recherchieren dann gezielt Stickrahmen Größen für bai Stickmaschinen, um passende Rahmen für die eigene Produktion zu planen.
Setup-Checkliste
- Rahmen-Orientierung: Top/Bottom korrekt, sauber geschlossen.
- Fläche: Vlies glatt, Haftung vorhanden.
- Sicherung: Nadeln sichtbar, außerhalb der Stickbahn.
- Display: Motiv korrekt gedreht (Pfeil rechts/links).
Qualitätskontrolle
Nicht einfach einpacken – kurz prüfen:
- Lesbarkeit/Deckung: Wirkt das Motiv sauber (Topper hat geholfen)?
- Ausrichtung: Nichts gespiegelt/verkehrt?
- Topper-Reste: Grobes abziehen; Rest löst sich beim Waschen oder mit etwas Wasser/Dampf.
- Rückseite: Sitzt das Patching-Tape noch sicher und wurde nicht versehentlich mit eingefasst?
Ergebnis
Mit dem „Float & Patch“-Workflow stickt die Presenter:in erfolgreich ein strukturiertes Küchentuch und eine schwere Plüschdecke – mit demselben initial eingespannte Vlies.
- Handtuch: Saubere, klare Stiche (Topper) und präzise Platzierung (Schablone/Fadenkreuz).
- Decke: Gerade Ausrichtung (Lineal) und stabile Fixierung (Nadeln) trotz Gewicht.
Schlussgedanke: Floating ist kein „Abkürzen“, sondern eine professionelle Technik – besonders für sperrige Materialien und Serien. Mit passendem Vlies, sauberer Fixierung und einem Magnetrahmen wird daraus ein schneller, reproduzierbarer Produktionsablauf.

