Von Inkscape über Hatch bis zum Sticktest: Saubere Vektorgrafik erstellen, automatisch digitalisieren und ein „LOVE“-Ballonmotiv sticken

· EmbroideryHoop
Diese praxisnahe Anleitung zeigt dir, wie du in Inkscape ein einfaches Herz-Ballon-Motiv als saubere Vektorgrafik aufbaust, es korrekt als PNG für Wilcom Hatch exportierst, beim Auto-Digitalisieren mit klarer Farbtrennung bessere Ergebnisse erzielst und das Design anschließend auf einer Brother PE770 ausstickst. Du bekommst klare Checkpoints, typische Fehlerbehebungen (z. B. Transparenz und „Farb-Vermatschen“) sowie workflow-orientierte Hinweise fürs Einspannen und Stabilisieren von dicken Artikeln wie Handtüchern – ohne Verzug und ohne unnötige Nacharbeit.
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Inhaltsverzeichnis

Warum überhaupt Vektorgrafik für Maschinenstickerei?

Wenn du schon einmal versucht hast, ein beliebiges JPEG aus dem Internet automatisch zu digitalisieren, kennst du das Prinzip „garbage in, garbage out“: matschige Kanten, zusammenlaufende Formen und eine Stickdatei, die sich kaum sinnvoll nachbearbeiten lässt. Der fehlende Baustein ist oft nicht „noch bessere“ Digitalisierungssoftware – sondern sauberes, strukturiertes Ausgangs-Artwork.

Sieh Vektorzeichnen weniger als „Kunst“, sondern als Konstruktionszeichnung für den Faden.

Dieser Workflow ist eine bewährte Brücke – gerade, wenn du dir eigene Motive von Grund auf aufbauen willst:

  1. Entwurf einer sticktauglichen Vektorgrafik in Inkscape (saubere Knoten, bewusst gewählte Linienstärken).
  2. Export als kontrastreiches PNG (Hatch liest harte Kontraste zuverlässiger als feine Farbnuancen).
  3. Auto-Digitalisieren in Hatch (Stichlogik zuweisen).
  4. Sticken auf einer Brother PE770 (physische Variablen kontrollieren).

Warum nicht direkt in Hatch konstruieren? Hatch ist stark – aber Inkscape bietet besonders bei Bezier-Kurven und Knotenbearbeitung sehr viel Kontrolle. Wenn du das Artwork bereits „mit Stickerei im Kopf“ aufbaust, sparst du dir später in Hatch oft eine Menge Aufräumarbeit.

Intro screen showing the final 'LOVE' balloons embroidery design.
Introduction

Schritt 1: Design in Inkscape zeichnen

1) Erstes Herz als Ballon mit Bezier-Kurven zeichnen

Öffne Inkscape. Denk nicht in „Pinselstrichen“, sondern in sauber gesetzten Ankerpunkten.

Aktion: Wähle das Werkzeug „Bezier-Kurven und gerade Linien zeichnen“ (Shift+F6).

  1. Einmal klicken für harte Eckpunkte (z. B. unten an der Herzspitze).
  2. Klicken und ziehen für Kurven-Griffe (oben an den Rundungen).
  3. Form schließen, indem du wieder auf den Startknoten klickst. Dann ist der Pfad „fertig“ und lässt sich sauber bearbeiten.

Verfeinern: Wechsle zu Pfade durch Knoten bearbeiten (F2).

  • Gefühlstest: Zieh einen Knoten. Die Kurve sollte sich „elastisch“ verformen. Wenn sie knickt wie ein Draht, halte Strg gedrückt und klicke den Knoten, um durch die Knotentypen zu wechseln und die Kurve zu glätten.
  • Sichttest: Die „Kerbe“ oben im Herz darf definiert sein, aber die Rundungen sollten weich bleiben. Zu harte Winkel führen in der Stickerei zu vielen Einstichen auf engem Raum – das kann Material schwächen. Lieber sanfte Kurven.
Inkscape canvas selecting the Bezier Curve tool on the left toolbar.
Selecting Tools
Drawing the initial outline of a heart using nodes.
Vector Drawing

2) Ersten Buchstaben hinzufügen und formatieren

Wähle das Textwerkzeug (T), klicke auf die Arbeitsfläche und tippe „L“.

Aktion: Öffne Text und Schrift (Shift+Strg+T).

  • Nimm eine serifenlose oder fette Schrift. Dünne Serifen („Füßchen“) verschwinden in der Stickerei schnell oder werden unruhig.
  • Stelle die Größe auf ca. 72 pt.
  • Wichtig: „Anwenden“ klicken, damit die Änderung wirklich übernommen wird.

Checkpoint: Die Strichstärke der Buchstaben sollte optisch „kräftig“ wirken. Wenn die Schrift am Bildschirm schon filigran aussieht, wird sie auf Frottee sehr schnell „verschluckt“.

Placing the letter 'L' inside the vector heart shape.
Adding Text

3) Füllung vs. Kontur verstehen (und warum das fürs Digitalisieren entscheidend ist)

Digitalisierer „sehen“ vor allem Kontraste.

  • Füllung (Fill): die Fläche (wird später z. B. Tatami- oder Satinfüllung).
  • Kontur (Stroke): die Umrandung (wird z. B. Laufstich-Kontur oder schmale Satinkante).

Aktion: Öffne Füllung und Kontur (Shift+Strg+F). Schalte die Kontur für den Herz-Körper aus, wenn Hatch eine klare, geschlossene Fläche erkennen soll – oder schalte sie ein und gib ihr eine deutlich kontrastierende Farbe, wenn du bewusst eine Umrandung möchtest.

Praxis-Hinweis: Auto-Digitalisieren funktioniert deutlich stabiler, wenn sich Elemente farblich klar trennen. Wenn Füllung und Kontur fast gleichfarbig sind (z. B. Rot und Dunkelrot), kann Hatch Bereiche zusammenfassen. Nutze beim Entwurf lieber harte Kontraste (z. B. Rot als Füllung, Schwarz als Kontur) und stelle die echten Garnfarben später in Hatch ein.

Adjusting the stroke paint color using the color wheel.
Adjusting Properties

4) Duplizieren, um L-O-V-E aufzubauen

Markiere Herz und Buchstabe. Rechtsklick → Duplizieren (oder Strg+D). Schiebe die Kopie zur Seite und wiederhole das, bis du L-O-V-E aufgebaut hast.

Aktion: Gruppiere jeweils Herz + Buchstabe (Strg+G). So ziehst du nicht aus Versehen den Buchstaben aus dem Herz.

Right-clicking to duplicate the heart object.
Duplicating Objects
Arranging four hearts spelling LOVE with different fill colors.
Layout Design

5) Objekttiefe (Layer-Reihenfolge) steuern

Stickerei ist physisches Schichten: Was „unten“ liegt, wird früher gestickt; was „oben“ liegt, später.

Aktion: Nutze Bild hoch / Bild runter, um die Ballons in der Reihenfolge zu stapeln.

  • Sichttest: Prüfe Überlappungen. Der Ballon „vorn“ sollte den „hinten“ optisch überdecken. Das hilft Hatch, Überdeckungen sinnvoll zu interpretieren und reduziert spätere Lücken.

6) Ballonschnüre zeichnen – und so anlegen, dass sie digitalisierbar sind

Das ist ein typischer Anfänger-Stolperstein: Eine 1-Pixel-Linie am Bildschirm ist für Stickerei praktisch „nichts“.

Aktion:

  1. Zeichne die Schnüre mit dem Bezier-Werkzeug.
  2. Öffne Füllung und KonturKonturstil.
  3. Stelle die Breite auf 4.000 px.

Warum 4 px? Eine Haarlinie wird beim Auto-Digitalisieren oft ignoriert oder als sehr dünner Laufstich interpretiert – auf Handtuch/Frottee verschwindet das schnell im Flor. Mit 4 px erkennt die Software die Linie zuverlässiger als „echtes Element“.

Gefühlstest: Die Schnüre dürfen am Bildschirm ruhig etwas „kräftig“ wirken. Wenn sie elegant-dünn aussehen, sind sie für Frottee meist zu dünn.

Drawing straight lines for balloon strings.
Drawing Strings
Bending the straight lines into curves using node handles.
Editing Paths

Warnung: Arbeitsplatz-Sicherheit. Beim Wechsel von Software zur Maschine liegen oft Schere, Fadenschneider, Nahttrenner etc. bereit. Klingen einziehen, Scheren nicht an die Tischkante legen – ein herunterfallender Nahttrenner ist eine häufige Ursache für Fußverletzungen im Näh-/Stickraum.

Schritt 2: Datei korrekt für den Export vorbereiten

1) Editierbares Master speichern (SVG)

Aktion: Datei → Speichern unter → Inkscape SVG. Überspring das nicht. Sobald du in eine Stickdatei (PES/DST) gehst, verlierst du die einfache Bearbeitbarkeit von Kurven und Text. Die SVG ist dein „Quellcode“.

2) Vor dem PNG-Export einen soliden Hintergrund setzen

Inkscape arbeitet standardmäßig mit Transparenz (Schachbrett). Manche Auto-Digitalisierer interpretieren Transparenz ungünstig, was zu unerwünschten Flächen führen kann.

Aktion:

  1. Datei → Dokumenteneinstellungen (Shift+Strg+D).
  2. Setze die Hintergrundfarbe auf Weiß (Opacity/Alpha 255 bzw. RGBA …ff).
  3. Datei → PNG-Bild exportieren.
  4. Im Export „Seite“ wählen, um die komplette Arbeitsfläche zu exportieren.
Setting the document background color to white in Document Properties.
Preparing Export

Profi-Tipp: Wenn Hatch beim Freistellen zickt, kann ein bewusst unnatürlicher Hintergrund (z. B. knalliges Grün) helfen, weil er sich später leichter identifizieren/entfernen lässt.

Schritt 3: Auto-Digitalisieren in Hatch

1) Import und physische Größe festlegen

Ziehe dein PNG in Hatch.

Goldene Regel beim Skalieren: Skaliere möglichst das Artwork passend zum Rahmen – nicht später die Stiche.

  • Aktion: Stelle die Breite auf ca. 4–5 inches ein (im Video für einen 5x7-Rahmen). Plane Sicherheitsabstand für den Nähfuß/Bewegungsraum ein.
Hatch Interface showing the imported PNG image ready for digitizing.
Importing Artwork

2) Auto-Digitalisieren und Farben reduzieren

Bild markieren → Auto-Digitize Embroidery.

Entscheidungen in der Vorbereitung:

  • Farben: Auf 5 oder 6 reduzieren. Das hilft, Kanten-Anti-Aliasing und „Zwischenpixel“ zu minimieren.
  • Hintergrund: Weiß als Hintergrundfarbe „Omit“ (auslassen).
The 'Prepare Bitmap' window in Hatch reducing colors.
Auto-Digitizing

3) Sticharten zuweisen (hier wird’s „Digitalisieren“)

Jetzt wird aus Grafik Sticklogik.

Aktion: Markiere die Herzflächen und setze den Füllstich auf Tatami.

Warum Tatami auf Handtuch/Frottee?

  • Lange Satinstiche können auf Schlingenware „untergehen“ bzw. Schlingen drücken sich durch.
  • Tatami-Füllungen wirken flächiger und sind im Simulator oft schon als „stabiler“ zu erkennen.

Typische Praxisfrage: „Kann man unterschiedliche Sticharten wählen?“ – Ja: In Hatch kannst du je Objekt die Stichart umstellen (z. B. Tatami für Flächen, Satin für kräftige Buchstaben/Details, Laufstich für Konturen), und du kannst im Anschluss Muster/Parameter weiter anpassen.

The final digitized design shown in Hatch with tatami fills.
Digitizing Review

Schritt 4: Sticktest auf der PE770

Hier trifft digitale Theorie auf Materialrealität. Handtücher sind berüchtigt für Stabilisierungsthemen und sichtbare Rahmenspuren.

Vorbereitung: Material, Vlies und das, was viele vergessen

Im Video wird der Sticktest gezeigt – für saubere Ergebnisse auf Frottee ist in der Praxis oft ein zusätzlicher Helfer entscheidend: wasserlösliche Folie als Topper.

  • Unterlage (Stickvlies): Je nach Anspruch und Einsatz entweder Tear-Away (schnell, weicher Griff) oder Cut-Away (stabiler, langlebiger).
  • Topper: Dünne wasserlösliche Folie oben auflegen, damit Stiche nicht im Flor versinken.
Close up of the embroidery machine stitching the purple 'L' heart.
Machine Embroidery

Entscheidungslogik: Handtuch + Vlies + Einspannen

Nutze diese Logik, um Ausschuss zu vermeiden.

1. Ist das Handtuch dick/plüschig?

  • Ja: Standardrahmen können stärker drücken (Rahmenspuren) oder das Material sitzt nicht sauber.
  • Optionen: Handtuch „floaten“ (nur Vlies einspannen, Handtuch oben fixieren) oder mit einem geeigneten Rahmen arbeiten.

2. Machst du Serie (z. B. 5+ Handtücher)?

  • Signal: Einspannen dauert länger als Sticken, oder die Hände/Handgelenke melden sich.
  • Upgrade-Case: Genau hier sind Magnetrahmen für brother pe770 in der Praxis interessant.

Warum magnetisch? Magnetrahmen klemmen das Material, statt es mit Kraft in einen Innenring zu drücken.

  • Vorteil: Schnelleres Einspannen, besonders bei dicken Artikeln.

Warnung: Magnet-Sicherheit. Magnetrahmen (z. B. Magnetrahmen 5x7 für brother-kompatible Modelle) haben hohe Klemmkraft. Quetschgefahr: Finger aus der Klemmzone halten. Medizinische Geräte: Starke Magnete mit Abstand zu Implantaten/medizinischen Geräten halten.

Setup: Der physische Kurzcheck

  1. Maschine einfädeln.
  2. Gefühlstest: Oberfaden ein Stück durchziehen – gleichmäßig mit spürbarem Widerstand.
  3. Einspannen: Beim Standardrahmen Schraube weit lösen, Innenring einsetzen, erst nach dem Einlegen festziehen. Material im Rahmen nicht „nachziehen“ (das führt später zu Verzug).

Beim Sticken: Auf das Laufgeräusch achten

Starte den Stickvorgang.

  • Tempo: Bei dicken Materialien eher moderat laufen lassen.
  • Hörtest:
    • Gleichmäßiger Rhythmus: meist ok.
    • Hartes Klacken: stoppen und Nadel/Einbau prüfen.
    • „Mahlen“/ungewöhnlicher Widerstand: sofort stoppen (Unterfadenknäuel/Birdnest möglich).

Wenn du Hilfen wie Einspannen für Stickmaschine-Stationen nutzt, achte darauf, dass das Handtuch frei hängt und nicht am Stickarm „zieht“.

The finished embroidered red towel displaying the full design.
Project Reveal

Vorbereitungs-Checkliste

  • Inkscape-Datei als SVG gespeichert (editierbares Master).
  • Schnüre auf mind. 4 px verstärkt; Schrift ausreichend kräftig.
  • PNG mit solidem Hintergrund exportiert (keine Transparenz).
  • Passendes Stickvlies gewählt.

Setup-Checkliste

  • Design passt in den 5x7-Rahmen (mit Sicherheitsrand).
  • Greiferbereich gereinigt (Flusen entfernen).
  • Rahmen-Check: Bei Magnetrahmen 5x7 für brother sicherstellen, dass der Rahmen sauber geschlossen/klemmt; bei Standardrahmen Schraube fest, aber nicht überdreht.
  • Topper auf dem Handtuch platziert.

Ablauf-Checkliste

  • Erste Stiche beobachten: Fadenfang/Anfangsstiche sauber.
  • Tatami-Flächen prüfen: Wenn Flor durchkommt, Topper anpassen.
  • Rahmen bewegt sich ruhig (kein „Hüpfen“).

Troubleshooting (Symptom → Ursache → Fix)

Symptom Likely Cause Quick Fix
„Klotziges“ Design Hintergrund nicht sauber behandelt oder Farben laufen zusammen. PNG erneut exportieren (solider Hintergrund); in Inkscape mit starken Kontrasten arbeiten.
Elemente werden falsch zusammengefasst Ausgangsfarben zu ähnlich. In Inkscape bewusst stark unterschiedliche Farben vergeben; Garnfarben später in Hatch zuweisen.
Schnüre fehlen/werden zu dünn Linien im Artwork zu dünn. In Inkscape Konturbreite auf 4 px oder mehr setzen.
Rahmen rutscht / Rahmenspuren Material zu dick oder zu viel Druck im Standardrahmen. Material „floaten“ oder Magnetrahmen für brother nutzen, um ohne „Ringkampf“ zu klemmen.

Ergebnis & nächste Schritte

Am Ende solltest du ein sauber digitalisiertes Motiv haben, das sich zuverlässig aussticken lässt – inklusive klarer Flächen (Tatami) und gut lesbarer Buchstaben.

Typische Entwicklung in der Praxis:

  1. Phase 1: Knoten in Inkscape, Export-Fehler, und Handtuch im Rahmen „bändigen“.
  2. Phase 2: Du verinnerlichst die „4-px-Regel“ und arbeitest konsequent mit sauberem PNG-Export.
  3. Phase 3: Du stickst Serien – und merkst, dass Einspannen der Engpass ist. Dann werden Tools wie Magnetrahmen für Stickmaschine vom „Nice-to-have“ zum echten Workflow-Booster.

Maschinenstickerei ist 50 % sauberes Digital-Setup und 50 % Material-/Prozesskontrolle. Wenn beides sitzt, wird’s reproduzierbar.