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Das „Endlos“-Design in Premier+ 2 einrichten
Ein „endloses“ Design ist nicht nur eine Datei – es ist ein Konstruktionsprinzip. Es ist so digitalisiert, dass es direkt neben sich selbst liegen kann, ohne sichtbare Übergänge: als Bordüre oder Panel in beliebiger Länge. In diesem Workflow öffnet Hazel ein Freebie aus der Royal Heirloom Collection in Premier+ 2 (Modify-Modul) und baut daraus eine durchgehende Kombination, die in einen 240 mm x 150 mm Stickrahmen passt.
Gerade bei Endlos-Bordüren prallen Wunsch und Realität oft aufeinander: Ein minimaler Versatz ergibt eine sichtbare „Stufe“, ein kleiner Spalt wirkt wie ein Fehler – und ein Überlappen sorgt schnell für eine harte, dichte Stelle (bis hin zu Nadelbruch). Hier geht es deshalb weg vom „Pi mal Daumen“ hin zu reproduzierbarer, rasterbasierter Ausrichtung am Bildschirm – und zu einer Einspann-Strategie, die das Ergebnis auf dem Material bestätigt.

Was du lernst (und warum es in der Praxis zählt)
- Geometrie im Griff: Arbeitsbereich auf „Landscape“ drehen, damit die 240x150-mm-Fläche für Wiederholungen wirklich nutzbar wird.
- Ausrichtung verstehen: Unterschied zwischen Platzierungs-/Ausrichtungsstichen (die „Karte“) und Heft-/Basting-Box (der „Anker“).
- Präzision per Zoom: „Knoten“/Kontaktpunkte so ausrichten, dass die Verbindung optisch verschwindet.
- Sicher selektieren: Den typischen „Clipboard“-Fehler vermeiden (aus Versehen die ganze Kette kopieren statt nur ein Element).
- Verbrauchsmaterial-Strategie: Warum Hazel von 12 auf 4 Farben reduziert – und wie du Silk Dupion einspannst, ohne die Faser zu quetschen.
- Sicherheitsroutine: Knopflöcher öffnen, ohne Satinstiche zu beschädigen (und ohne Verletzungsrisiko).

Warum Ausrichtungsstiche und Heftboxen so wichtig sind
Bevor du „Delete“ auf zusätzliche Farben drückst, musst du deren Funktion verstehen. In der Maschinenstickerei ist „zusätzlich“ oft nicht „überflüssig“, sondern Werkzeug.
Ausrichtungs-Umrissstiche (die rote Form)
Hazel zeigt einen roten Umriss um das Motiv. Das ist dein digitales Messwerkzeug: Wenn du diese Form zuerst nur auf das Stickvlies stickst, entsteht eine sichtbare Schablone („Landing Zone“). Das hilft besonders, wenn:
- Positionierung kritisch ist: z. B. auf einem Kleidungsstück exakt platzieren.
- Bordüren/Anschlüsse passen müssen: Repeat B soll exakt an das Ende von Repeat A anschließen.

Die Heftbox (laufstichiger Rahmen)
Die nächste Farblage ist ein einfacher Rechteck-Laufstich – die Heftbox (Basting Box). Sobald der Stoff oben auf dem Stickvlies liegt (bei Hazel per temporärem Sprühkleber fixiert), wird diese Box zuerst gestickt und „verriegelt“ den Stoff mechanisch auf dem Vlies. Das reduziert das Wandern/Driften, das später Konturen versetzt.
Warnung: Maschinensicherheit & Sprühkleber. Temporärer Sprühkleber ist hilfreich, aber riskant, wenn er in Maschinennähe vernebelt wird. Sprühe ausschließlich auf das Stickvlies – nie Richtung Maschine – und idealerweise in einer separaten Sprühbox/Karton oder in einem anderen Bereich. Wenn sich der Rahmen beim Abnehmen „klebrig“ anfühlt, war es zu viel.
Praxisnotiz: warum diese „Extras“ teure Fehlplatzierungen verhindern
In der Praxis sind Platzierungsfehler einer der häufigsten Gründe für Ausschuss. Eine gestickte Platzierungs-/Ausrichtungskontur plus Heftbox macht die Positionierung deutlich reproduzierbarer – besonders, wenn du mehrere Teile nacheinander stickst.
Wenn du Richtung Kleinserie gehst (mehrere identische Teile), ist „nach Augenmaß“ nicht mehr stabil genug. Dann zählen Raster, Referenzpunkte und ein sauberer Einspannprozess.
Schritt für Schritt: Kopieren, Einfügen und präzise Raster-Ausrichtung
Jetzt kommt die digitale „Konstruktionsphase“: Wir bauen eine durchgehende Kombination, indem wir Wiederholungen duplizieren und mit Premier+ 2 exakt ausrichten.

Schritt 1 — Design im Modify-Modul öffnen und Rahmen einstellen
Hazel öffnet das Design in Premier+ 2 (Modify) und wählt den 240 mm x 150 mm Stickrahmen. Danach dreht sie die Ausrichtung auf „Landscape“.
Warum Landscape? Du gewinnst in der Breite „Laufweg“ für Bordüren und bekommst in diesem Fall drei Wiederholungen unter, statt früh an die Begrenzung zu stoßen.

Wenn dein digitales Setup stimmt, das Ergebnis am Stoff aber schief wirkt, liegt es oft an der physischen Vorbereitung. Eine feste Einspannstation für Maschinenstickerei hilft, Stoffkante/Bruchlinie/Markierungen konstant auszurichten – damit „gerade“ am Bildschirm auch „gerade“ im Stickrahmen wird.
Schritt 2 — Ausrichtungsfarben für die Kombi-Datei entfernen
Hazel löscht die ersten zwei Farben (rote Ausrichtungslinie und Heftbox) für die kombinierte Datei.
- Logik: Bei drei Einheiten in einem Rahmen willst du nicht drei Heftboxen übereinander. Entweder setzt du später eine passende Heftbox für die Gesamtfläche – oder du arbeitest mit der Haltekraft des Rahmens/der Fixierung.
Schritt 3 — Rasterlinien aktivieren (ohne Raster keine saubere Bordüre)
Hazel schaltet die Rasterlinien ein. Bordüren auf „weißem Nichts“ auszurichten ist ein Klassiker für schleichenden Versatz („Treppeneffekt“). Das Raster gibt dir die X/Y-Referenz.
Schritt 4 — Zweite Wiederholung kopieren, einfügen und exakt anlegen
Hazel markiert das Design per Rahmenauswahl, kopiert und fügt ein. Wichtig: Das Duplikat landet zunächst exakt über dem Original. Für Einsteiger sieht es so aus, als wäre nichts passiert.
Dann zieht sie die Kopie in Position. Entscheidend ist der starke Zoom, bis einzelne Stichpunkte/Details klar erkennbar sind. Sie richtet die charakteristischen „Knoten“ so aus, dass die Verbindung optisch sauber wird.

Check „pixelgenau“:
- Zoom: So weit hinein, dass du die Stichrichtung/Details erkennst.
- Kontaktpunkt: Die Motive sollen sich „berühren“, nicht sichtbar überlappen. Überlappung erzeugt Dichte; ein Spalt bleibt als Untergrund sichtbar.
- Achse halten: Kontrolliere, dass der Ausrichtungs-/Referenzpfeil nicht von der zentralen Rasterlinie nach oben/unten driftet.
Schritt 5 — Dritte Wiederholung hinzufügen, ohne die ganze Kombi zu kopieren
Hazel zeigt einen typischen Fehler: Wenn du alles markierst und kopierst, nimmst du die bereits kombinierte Einheit mit. Beim Einfügen entsteht dann eine zu lange Kette – und du landest bei „Design Outside Hoop Area“.
Die Lösung (wie im Video):
- Ausblenden: Sichtbarkeit des ersten Designs deaktivieren.
- Selektieren: Nur die sichtbare Einheit auswählen.
- Kopieren: Jetzt liegt wirklich nur eine Einheit in der Zwischenablage.
- Einblenden & Einfügen: Sichtbarkeit wieder aktivieren und die dritte Einheit einfügen.

Schritt 6 — Sicher speichern (Original niemals überschreiben)
Hazel speichert als VP4 für ihre Husqvarna Viking Epic 2. Praxisregel: Dateinamen sparen später Zeit. Nutze z. B. Projekt_240x150_Combo_v1.VP4, damit klar ist, was die Master-Datei ist.
Begriffe wie Stickrahmen für husqvarna im Dateikontext (z. B. als Hinweis auf die Rahmengröße) können dir später helfen, sofort zu erkennen, welcher physische Rahmen die Designfläche begrenzt.
Schritt 7 — Farbwechsel mit „Color Sort“ reduzieren
Hazel nutzt Color Sort, um gleiche Farbblöcke zusammenzufassen – von 12 Farbwechseln runter auf 4.

Wichtige Nuance: Color Sort spart Zeit, kann aber die Stickreihenfolge verändern. Bei Motiven mit Überlagerungen kann das die Optik beeinflussen.
- Eher sicher: einfache Bordüren ohne komplexe Überdeckung.
Silk Dupion einspannen: Stickvlies und Methode
Silk Dupion ist wunderschön, aber anspruchsvoll: unregelmäßige Slubs, empfindliche Oberfläche – und schnell sichtbare Rahmenabdrücke durch klassischen Druck/Reibung im Standardrahmen.

Was Hazel verwendet
- Basis: Stitch ’n Tear (Tearaway).
- Erweiterung: Zwei Vlies-Reste seitlich angesetzt und mit temporärem Sprühkleber fixiert.
- Fixierung: Temporärer Sprühkleber.
- Material: frisch gebügelter Silk Dupion.
- Sicherung: Metall-Clips am Rahmen.

Entscheidungslogik: Material → Vlies/Einspann-Ansatz
- Szenario A: stabil gewebt (Baumwolle/Leinen)
- Ansatz: Tearaway reicht oft; normal einspannen.
- Szenario B: empfindlich gewebt (Silk Dupion/Taft)
- Ansatz: Tearaway (weniger Aufbau) + alternative Fixierung (wie Hazel mit Sprühkleber/Clips). Standardrahmen können die Oberfläche quetschen.
- Szenario C: instabiler Strick (Jersey/T-Shirt)
- Ansatz: Cutaway ist in der Regel Pflicht; Tearaway führt eher zu Instabilität.
- Szenario D: hoher Flor (Samt/Frottee)
- Ansatz: wasserlösliches Topper + Einspannmethode, die den Flor nicht plattdrückt.
Praxisproblem: Haltekraft vs. Materialschonung
Hazel nutzt Clips, weil dünne, glatte Seide im Standardrahmen sonst entweder rutscht (zu locker) oder sichtbare Abdrücke bekommt (zu fest). Das kostet Zeit und Nerven.
Tool-Upgrade (allgemein): Magnetrahmen Wenn du regelmäßig empfindliche Stoffe oder „schwierige“ Teile bearbeitest, kann ein Magnetrahmen die Arbeit vereinfachen, weil er gleichmäßiger klemmt und weniger Schraub-/Spannarbeit erfordert.
Viele suchen gezielt nach Magnetrahmen, um genau dieses Problem (Seide rutscht oder wird gequetscht) in den Griff zu bekommen.
Warnung: Sicherheit bei Magnetrahmen.
Starke Magnete können Finger einklemmen. Finger aus der Klemmzone halten. Personen mit Herzschrittmacher sollten Abstand halten und ärztlichen Rat beachten. Magnete von empfindlichen Datenträgern/Karten fernhalten.
Vorbereitung: kurze Checkliste
- Nadelzustand prüfen: Eine frische Nadel reduziert Fadenzieher im empfindlichen Gewebe.
- Unterfadenlauf: Unterfaden sollte mit leichtem Widerstand ablaufen – nicht frei „durchrauschen“.
- Sprühkleber-Disziplin: Nur Vlies sprühen, weg von der Maschine.
- Material bereit: Vlies, Sprühkleber, Clips/Alternativfixierung vor dem Start griffbereit.
Aussticken und Knopflöcher für Band sauber öffnen
Mit sortierter Datei und gesicherter Seide geht Hazel an ihre Husqvarna Viking Epic 2.

Maschinen-Check vor dem Start
- Rahmen korrekt eingerastet: sauber einsetzen, bis er sicher sitzt.
- „Trace/Corner Check“ laufen lassen: Nadelweg prüfen – bleibt alles innerhalb der sicheren Stofffläche?
- Startbeobachtung: Die ersten Stiche beobachten. Wenn der Stoff „wellig“ wird: sofort stoppen und Einspannung/Fixierung korrigieren.
Stichnotizen aus dem Video
Hazel stickt u. a. in Pale Pink (Sulky 1120) und Cocoa Cream (Sulky 1838). Wo Konturen doppelt laufen, entsteht spürbar mehr Struktur – das ist erwartbar.
Wenn du bei langen Bordüren Probleme mit gleichmäßiger Spannung/Passung hast, lohnt sich ein sauberer Blick auf Einspannen für Stickmaschine-Grundlagen – insbesondere auf den Unterschied zwischen „auflegen/floating“ (wie hier mit Sprühkleber) und klassischem Einspannen.
Gestickte Knopflöcher öffnen (sicherere Methode)
Hazel nutzt einen Nahttrenner/Knopflochöffner und arbeitet mit der „Kante-zur-Mitte“-Technik.
Ablauf:
- Werkzeug am linken Ende ansetzen.
- Bis zur Mitte schneiden – stoppen.
- Am rechten Ende ansetzen.
- Bis zur Mitte schneiden, bis sich beide Schnitte treffen.

Warnung: Schnittverletzung & Satinstich-Risiko.
Nicht in einem Zug von Ende zu Ende schneiden. Das rutscht leicht ab, beschädigt die Satinstiche an den Enden und kann die Hand treffen. Immer kontrolliert zur Mitte arbeiten.
Band einziehen mit „That Purple Thang“-Tool
Hazel nutzt ein multifunktionales Tool, das in den Kommentaren als „That Purple Thang“ bezeichnet wird (bei ihr in Pink). Es hat eine flache Kante (praktisch zum Ausformen von Ecken) und eine Öffnung/Öse zum Durchziehen von Band/Elastic – also ähnlich wie ein Bodkin.
Band-Begriffe aus der Praxis:
- Grosgrain: gerippt, eher steif, mit fertiger Kante.
- Petersham: gerippt, flexibler, mit charakteristischer Kante, die sich z. B. durch Bügeln formen lässt.
Hazel zieht das Band in einem Unter-Über-Muster durch die gestickten Öffnungen.


Troubleshooting (Symptom → Ursache → Quick Fix)
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Quick Fix | Vorbeugung |
|---|---|---|---|
| „Ghost Paste“ (Kopie scheint weg) | Einfügen landet exakt über dem Original. | Auswahl verschieben/ziehen – die Kopie liegt darunter. | Ebenen-/Farbliste im Blick behalten. |
| Falten/Wellen auf Seide | Fixierung ungleichmäßig; Material rutscht oder wird zu stark gequetscht. | Stoppen und neu fixieren – gestickte Wellen lassen sich kaum „wegpressen“. | Fixierung/Einspannung vor dem Start sauber testen. |
| Design Outside Hoop | Ganze Kombi statt Einzelelement kopiert. | Sichtbarkeit nutzen: alte Einheiten ausblenden, nur die neue kopieren. | Gewohnheit: vor Copy kurz prüfen, was wirklich selektiert ist. |
| Satinstiche angeschnitten | Knopfloch in einem Zug geöffnet. | Sofort sichern (z. B. Fray Check) und vorsichtig nacharbeiten. | Strikt Kante-zur-Mitte schneiden. |
| Fadennest (Bird’s Nest) | Oberfaden nicht korrekt in der Spannung. | Neu einfädeln (Nähfuß oben), dann Fuß senken. | Faden sauber in den Spannungspfad „einziehen“. |
Upgrade-Pfad (wenn nicht mehr das Design, sondern der Prozess bremst)
Wenn die digitale Ausrichtung sitzt, aber die physische Reproduzierbarkeit schwankt (Rutschen, Abdrücke, Zeitverlust durch Clips), liegt der Engpass oft im Einspann-Setup.
- Level 1 (Technik): Floating mit sauber dosiertem Sprühkleber und konsequenten Checks.
- Level 2 (Tooling): Magnetrahmen einsetzen, wenn du häufig empfindliche oder ungleich dicke Materialien verarbeitest.
- Level 3 (Kapazität): Bei vielen Wiederholungen/Serien wird das manuelle Umfädeln zum Zeitfresser – dann ist eine Mehrnadelstickmaschine der logische nächste Schritt.
Wer nach Stickrahmen für husqvarna viking sucht, tut das oft aus ergonomischen Gründen – und weil alternative Rahmenkonzepte (z. B. magnetisch) den Alltag deutlich vereinfachen können.
Ergebnis
Durch präzise, rasterbasierte Arbeit in Premier+ 2 und eine materialbewusste Einspannstrategie erreicht Hazel:
- Eine dreifache Endlos-Bordüre ohne sichtbare Übergänge.
- Eine sauber benannte
.VP4-Datei, ohne das Original zu überschreiben. - Einen Workflow mit deutlich weniger Farbwechseln (12 → 4) durch Color Sort.
- Einen Silk-Dupion-Stickout mit kontrollierter Fixierung und Vliesaufbau.
- Sauberes Finish: Knopflöcher sicher öffnen und Band zügig einziehen.

Maschinenstickerei ist Variablenmanagement: Wenn du die digitalen Variablen (Raster, Referenzpunkte, Auswahl) und die physischen Variablen (Stickvlies, Fixierung, Einspannen) stabil machst, wird aus „hoffentlich passt’s“ ein reproduzierbarer Prozess – egal ob mit Standardrahmen oder mit magnetischer Klemmung.
