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Volle Kontrolle: Der Praxis-Guide zu Auswahlwerkzeugen in Hatch
In 20 Jahren Maschinenstickerei habe ich gelernt: Ob ein Teil Ausschuss wird oder perfekt aus der Maschine kommt, liegt selten an der Maschine selbst – sondern an der Datei, die wir ihr geben. Wenn du schon einmal in Hatch etwas bearbeiten wolltest und das Gefühl hattest, die Software „ignoriert“ dich, dann ist es fast immer ein Auswahl-Problem.
Dabei geht es nicht nur ums Klicken. Es geht um Design-Check und Kontrolle: Sobald du ein Objekt auswählst, bestimmst du, was du wirklich veränderst – und zwar in der Praxis oft Dinge wie Position im Ablauf (Stickreihenfolge) und damit, welche Elemente du aus Versehen mit verschiebst, löschst oder umfärbst.
In diesem Beitrag bauen wir die Auswahlmethoden aus dem Video zu einem workflow-tauglichen Vorgehen aus: Du lernst die Mechanik in Hatch – und wie du damit typische Produktionsfehler vermeidest.


Was du in diesem Modul sicher beherrschst
- Orientierung: Sofort erkennen, was gerade „aktiv“ ist und was du gefahrlos bearbeiten kannst.
- Präzision: Die „vollständig eingeschlossen“-Regel nutzen, um unbeabsichtigte Änderungen zu vermeiden.
- Tempo im Workflow: Den Unterschied zwischen
Strg(gezielt einzelne Teile) undUmschalt(Bereich nach Stickreihenfolge) sauber einsetzen. - Design-Audit: Mit dem Resequence Docker Farbblöcke und Objekte schneller prüfen und bearbeiten.

Die „Vollständig eingeschlossen“-Regel: Dein Sicherheitsnetz
Das Video zeigt ein Prinzip, das Anfänger oft frustriert – Profis aber schützt: die Sicherheitsregel der Rahmen-Auswahl (Marquee/Box Selection).
Die Regel: Wenn du mit gedrückter Maustaste ein gestricheltes Auswahlrechteck ziehst, wählt Hatch nur die Objekte aus, die zu 100% innerhalb dieses Rechtecks liegen. Sobald ein Objekt auch nur minimal „angeschnitten“ wird, bleibt es unselektiert.
Warum das in der Praxis gut ist
Stell dir vor, du willst ein kleines Element (z. B. ein Herz oder ein Detail) auswählen, das in der Nähe anderer Elemente liegt.
- Der typische Fehler: Würde Hatch alles auswählen, was der Rahmen nur berührt, würdest du schnell unbemerkt zusätzliche Teile mit erwischen.
- Die Konsequenz: Du verschiebst, löschst oder änderst Farbe/Größe – und wunderst dich später über fehlende Details oder eine veränderte Optik.
- Die Lösung: Verlass dich auf die Regel. Sie zwingt dich, bewusst zu arbeiten: größer ziehen, sauber einschließen, ggf. hineinzoomen.



Praxis-Check: Was ein falscher Klick wirklich kostet
Software-Fehler kosten in der Produktion Zeit und Material. Unbeabsichtigte Auswahlen führen häufig zu:
- Rahmenabdrücke (Rahmenspuren): Wenn du ungewollt größere Bereiche mit bearbeitest, kann das zu unnötigen Korrekturen/Neuspannen führen – und bei empfindlichen Materialien bleiben Abdrücke schneller sichtbar.
- Passungsprobleme: Wenn du eine Ebene versehentlich verschiebst, stimmt die Ausrichtung nicht mehr – das fällt oft erst beim Probestick oder (schlimmer) am Kundenstück auf.
Warnung: Sicherheit an der Maschine
Wenn du eine bearbeitete Datei zum ersten Mal testest, bleib in der ersten Minute aufmerksam. Ungewöhnliche, harte Geräusche sind ein Warnsignal: Stoppe sofort und prüfe die Datei/Änderungen. Hände weg vom Nadelbereich – eine verbogene oder brechende Nadel ist ein echtes Risiko.
Strg vs. Umschalt: Auswahl nach „Raum“ oder nach „Zeit“
Hatch bietet zwei Wege, mehrere Elemente auszuwählen. Auf dem Bildschirm sieht es ähnlich aus (magenta Markierung), aber die Logik ist komplett unterschiedlich: Position vs. Stickreihenfolge.
Methode 1: Einzelklick (präzise Auswahl)
Aktiviere „Select Object“ (Hotkey O) und klicke direkt auf das gewünschte Objekt. Du siehst die schwarzen Anfasser (Handles). Ideal für gezielte Änderungen.

Methode 2: Strg + Klick (gezielt zusammenstellen)
Nutze das, wenn: Du einzelne Elemente auswählen willst, die nicht direkt nebeneinander liegen – weder optisch noch in der Stickreihenfolge.
- Erstes Objekt anklicken.
- Strg gedrückt halten.
- Weitere Objekte anklicken.
So baust du dir eine temporäre Auswahl. Danach kannst du z. B. gemeinsam verschieben, löschen oder umfärben.

Schneller Kontrollblick: Achte auf die schwarzen „Handles“. Sie sollten nur den Bereich umfassen, den du wirklich gewählt hast. Springt die Auswahl plötzlich viel größer als erwartet, hast du vermutlich etwas anderes getroffen – dann sofort Rückgängig (Strg+Z).
Methode 3: Umschalt + Klick (Bereich nach Stickreihenfolge)
Nutze das, wenn: Du einen zusammenhängenden Abschnitt in der Stickreihenfolge auswählen willst.
- Erstes Objekt anklicken.
- Umschalt gedrückt halten.
- Letztes Objekt anklicken.
Die Falle: Hatch wählt dabei alles aus, was in der Stickreihenfolge zwischen diesen beiden Punkten liegt – auch wenn diese Objekte optisch „woanders“ im Design sitzen.

Produktions-Insight: Optische Nähe ist nicht gleich Stick-Nähe
Zwei Elemente können nebeneinander liegen und trotzdem weit auseinander gestickt werden.
- Szenario: Du willst zwei Herzen auswählen und nutzt
Umschalt+Klick. - Ergebnis: Es werden zusätzlich andere Objekte markiert, weil sie in der Stickreihenfolge dazwischen liegen.
- Praxis-Regel:
Strgist der sichere Standard für „gezielt pflücken“.Umschaltist für „alles dazwischen“.
Der Resequence Docker: Deine Schaltzentrale
Auf der Arbeitsfläche ein bestimmtes Element zu treffen, kann mühsam sein – besonders bei komplexen Designs. Der Resequence Docker macht aus dem „Haufen“ eine geordnete Liste. Damit kannst du schneller prüfen, auswählen und Änderungen sauber durchführen.

Vorbereitung: Mini-Check vor dem Bearbeiten
Bevor du Änderungen machst, stabilisiere deinen Workflow – wie du auch Material mit Stickvlies stabilisierst.
- Zoom: Arbeite sinnvoll vergrößert (z. B. 100% oder 200%). Bei sehr kleiner Ansicht ist Auswahl oft reines Raten.
- Ziel klären: Willst du nur Farben ändern? Oder Objekte löschen/verschieben?
- Wichtig zu wissen: Der Resequence Docker ist laut Video erst ab Creator/Digitizer verfügbar. In Basics/Customizer kann er fehlen.
Die „Einspannen“-Variable: Saubere Auswahl in der Software hilft nur, wenn das Material später stabil im Stickrahmen sitzt. In Serienfertigung sorgt reproduzierbares Einspannen für konstante Ergebnisse. Viele Betriebe arbeiten dafür mit einer Einspannstation für Stickmaschinen, damit jedes Teil mit gleicher Spannung und Ausrichtung geladen wird.
Prep-Checkliste
- Docker-Check: Ist der Resequence Docker sichtbar (Creator/Digitizer erforderlich)?
- Einheiten-Check: Arbeitest du in mm oder inch – und bleibt es durchgehend konsistent?
- Sicht-Check: Erkennst du klar, welche Elemente markiert sind (magenta + Handles)?
Modus 1: Nach Farbe auswählen (Batch-Änderungen)
Im Tab „Colors“ wählst du durch Klick auf eine Farbkachel alle Objekte dieses Farbblocks aus.

Praxisnutzen: Ideal, wenn du z. B. alle schwarzen Konturen auf einen anderen Ton umstellen willst: Farbe im Docker wählen → dann Farbe ändern.


Modus 2: Nach Objekt auswählen (maximale Präzision)
Wechsle im Docker auf „Objects“. Dort siehst du die Elemente in der Reihenfolge, wie sie gestickt werden.


Typischer Anwendungsfall: Ein kleines Detail ist auf der Arbeitsfläche schwer anzuklicken (weil es überlagert ist). In der Objektliste findest du es deutlich schneller und kannst es direkt auswählen und z. B. löschen.
Entscheidungslogik: Welches Auswahlwerkzeug ist das richtige?
Wenn du nicht raten willst, nutze diese einfache Logik:
- Willst du eine komplette Farbe/ einen Farbblock bearbeiten?
- JA: Resequence Docker > Colors.
- NEIN: Weiter zu 2.
- Sind Objekte schwer anklickbar (überlappend/klein)?
- JA: Resequence Docker > Objects.
- NEIN: Weiter zu 3.
- Brauchst du einen zusammenhängenden Bereich in der Stickreihenfolge?
- JA:
Umschalt + Klick. - NEIN:
Strg + Klick(sicherer Standard).
- JA:
Wenn Software nicht reicht: Der Engpass sitzt oft im Einspannen
Du kannst die Datei perfekt auswählen und bearbeiten – und trotzdem Probleme bekommen, wenn der Prozess am Stickrahmen nicht stabil ist.
Problem: Rahmenspuren und Ermüdung im Setup
Mit klassischen Kunststoffrahmen musst du bei empfindlichen Materialien oft stark anziehen – das begünstigt sichtbare Rahmenabdrücke. In Serien (z. B. 50 Teile) wird das ständige „Schraube lösen – einspannen – festziehen“ außerdem zum Zeitfresser.
Lösungsweg
Level 1: Technik (ohne Hardware-Wechsel)
- Bei passenden Projekten „Float“-Technik mit temporärem Sprühkleber statt hartem Einspannen.
Level 2: Tool-Upgrade (Effizienz)
- Trigger: Rahmenspuren gehen nicht mehr raus oder das Einspannen dauert länger als das Sticken.
- Option: Viele Profis wechseln auf Magnetrahmen für Stickmaschine. Damit wird das Material schnell geklemmt, ohne Schraubdruck wie beim klassischen Innen-/Außenrahmen. Im Vergleich zu Stickrahmen für Stickmaschine kann das das Handling deutlich vereinfachen.
Warnung: Magnet-Sicherheit
Magnetrahmen für Stickmaschine arbeiten mit sehr starken Magneten.
* Quetschgefahr: Finger nicht zwischen die Magnetflächen bringen.
* Medizinische Geräte: Abstand zu Herzschrittmachern/Insulinpumpen einhalten.
Level 3: Skalierung (Produktions-Setup)
- Trigger: Du kannst Aufträge nicht annehmen, weil das Setup zu langsam ist.
Operations: Schritt-für-Schritt-Protokoll
So setzt du Änderungen kontrolliert um:
- Select Object aktivieren (Hotkey:
O).KurzcheckCursor/Tool ist aktiv. - Auswahl durchführen.
- Für Präzision:
Strg+Klick. - Für Flächen: Rahmen-Auswahl (vollständig einschließen!).
- Für Präzision:
- Auswahl prüfen.
KurzcheckStimmen magenta Markierung und schwarze Handles mit deiner Absicht überein?
- Änderung ausführen.
- Verschieben, Löschen, Umfärben, ggf. Skalieren.
- Nachkontrolle.
- Prüfe, ob du nicht versehentlich zusätzliche Objekte erwischt hast (typisch bei
Umschalt).
- Prüfe, ob du nicht versehentlich zusätzliche Objekte erwischt hast (typisch bei
Operations-Checkliste
- Auswahl bestätigt: Keine unbeabsichtigten Objekte markiert.
- Reihenfolge verstanden: Bei
Umschaltist klar, was „dazwischen“ liegt. - Testlauf: Änderungen zuerst auf Testmaterial prüfen.
Troubleshooting: Schnellhilfe aus der Praxis
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Prüfung | Lösung |
|---|---|---|---|
| Rahmen-Auswahl wählt nichts | „Vollständig eingeschlossen“-Regel verletzt | Schneidet der Rahmen das Objekt minimal an? | Rahmen größer ziehen, ggf. zoomen. |
| Umschalt+Klick wählt „zu viel“ | Auswahl nach Stickreihenfolge | Liegen im Docker Objekte zwischen Start und Ende? | Stattdessen Strg+Klick nutzen oder gezielt im Docker auswählen. |
| Resequence Docker fehlt | Falsche Software-Stufe | Siehst du nur „Sequence“ bzw. keine Resequence-Ansicht? | In der Regel Basics/Customizer: Für Resequence brauchst du Creator oder Digitizer. |
| Datei/Export verwirrend | Speicher-/Exportformat | Suchst du nach .PES/.EMP Speicherort? | Speichern/Export bewusst trennen: Arbeitsdatei vs. Maschinenformat. Notizen machen hilft (wie in der Praxis oft üblich). |
Fazit
Das „Select Object“-Werkzeug in Hatch ist die Grundlage für jede saubere Bearbeitung: erst wenn du zuverlässig auswählen kannst, werden Umfärben, Löschen, Duplizieren und Optimieren wirklich kontrollierbar.
Starte mit der „vollständig eingeschlossen“-Regel, nutze Strg als sicheren Standard, und arbeite bei komplexen Designs konsequent mit dem Resequence Docker. Und wenn das Ergebnis trotz sauberer Datei schwankt, liegt es häufig nicht an der Software – sondern am Einspannen. Dann kann eine Magnetische Einspannstation-Arbeitsweise helfen, die Basis zu stabilisieren.
Du hast jetzt die Werkzeuge – setz sie wie in der Produktion ein.
