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Wenn du schon einmal in der Software einen wunderschönen Schriftzug gesetzt hast, kurz stolz warst – und dann beim Sticken zusehen musstest, wie kleine Fehlpassungen, Falten (Puckering) oder ein plötzlich nicht mehr passender Name das Ergebnis ruinieren: Du bist nicht allein. Du hast einfach die „Reality Gap“ kennengelernt.
Lettering ist genau die Stelle, an der Digitalisierung auf echte Physik trifft. In der Software ist das Raster perfekt. In der Realität hat der Stickrahmen Masse, der Pantograph Trägheit, und Stoff ist ein bewegliches, dehnbares Material, das ungern „stillhält“. Jeder zusätzliche Weg quer über den Stickrahmen ist eine Chance, dass die Passung driftet – z. B. wenn die Kontur einen Millimeter neben der Fläche landet und der gefürchtete „weiße Spalt“ sichtbar wird.
In diesem Guide führe ich dich durch den exakten Hatch-Workflow aus dem Video – aber praxisnäher. Ich ergänze „Werkstatt-Checks“, mit denen du früh erkennst, ob dein Text später sauber läuft, und ich übersetze die Klicks in eine Logik, die auf der Maschine wirklich funktioniert.

Erst beruhigen: Lettering in Hatch finden (und die Trial-Level-Falle)
Ein typischer Panikmoment bei neuen Nutzer:innen: Hatch ist installiert, du startest voller Motivation – und die Option Lettering ist „weg“. Das fühlt sich an, als wäre die Software kaputt.
Die Diagnose (laut Hatch-Support aus den Kommentaren): Lettering ist in allen Levels verfügbar – außer im Organizer.
Wenn du eine Trial-Version nutzt, entsteht leicht Reibung: Bei jedem Start kannst du auswählen, welches „Level“ du in dieser Sitzung testen willst. Wenn du versehentlich Organizer wählst, verschwinden die Lettering-Werkzeuge.
Die Lösung: Hatch schließen und neu starten. Wenn die Abfrage kommt, wähle Composer, Digitizer oder Personalizer.
Wenn du es danach immer noch nicht findest: Bitte nicht stundenlang neu installieren. Der sichere nächste Schritt ist ein Support-Ticket über das Hatch-Help-Portal. In der Praxis ist es aber fast immer nur die „falsche Tür“ beim Start.
Merksatz: Bevor du glaubst, eine Funktion sei defekt, prüfe das Level. Das ist in der Stickwelt das Pendant zu „Ist die Maschine eingesteckt?“ – simpel, aber extrem zeitsparend.
Das „unsichtbare“ Setup, das Profis in Hatch machen, bevor sie eine Schrift auswählen
Das Video startet bewusst in Manage Designs. Produktionsorientierte Digitalisierer:innen erfinden das Rad nicht jedes Mal neu – sie arbeiten mit Layouts, die den „Physik-Test“ bereits bestanden haben.
Du siehst Beispiele von sehr einfachen Texten bis hin zu typografie-lastigen Designs. Bevor du aber irgendetwas öffnest oder eine Schrift auswählst, triff drei Entscheidungen, die später über sauberes Sticken entscheiden:
- Lebensdauer festlegen: Ist das ein Einzelstück oder eine wiederverwendbare Vorlage?
- Einzelstück: Du kannst stärker auf Optik und manuelle Eingriffe setzen.
- Vorlage (Teamnamen, Etsy-Artikel): Editierbarkeit hat Priorität.
- „Live“-Bereiche definieren: Was muss editierbar bleiben (Name, Datum), was darf „Kunst“ werden (in Formen/Objekte zerlegt)?
- Drift einkalkulieren: Lange Textzeilen und dichte Flächen verstärken Stoffverzug. Wenn du auf dehnbaren Materialien oder Flor/Pile arbeitest, muss Stabilisierung früh mitgedacht werden – nicht erst nach dem ersten Fehlstich.
Prep-Checkliste (Pre-Flight):
- Level-Check: Läuft Hatch in einem Level mit Lettering (nicht Organizer)?
- Ziel klären: „Editierbare Vorlage“ (schnell) oder „künstlerische Anpassung“ (max. Kontrolle)?
- Stabilitäts-Check: Bei dehnbaren Stoffen als sichere Basis Cutaway-Stickvlies einplanen; Tearaway reicht bei dichtem Lettering oft nicht.
- Travel-Logik: Bei breiten Texten die Stichrichtung/Abfolge so planen, dass unnötige Wege minimiert werden (siehe unten).
Mehrere Hatch-Dateien schnell öffnen: „Manage Designs“ + „Open Selected“ für direkten Vergleich
Im Video nutzt Lindy Manage Designs, markiert mehrere Thumbnails und klickt Open Selected. Das ist ein schneller Lern- und Produktions-Workflow: Du kannst mehrere Vorlagen parallel öffnen und direkt vergleichen.
So gehst du vor:
- Öffne Manage Designs.
- Markiere mehrere Designs/Thumbnails (Multi-Select).
- Klicke Open Selected.
- Erfolgskontrolle: Oben erscheinen mehrere Tabs – du kannst Layouts, Schriftgrößen und Objektstruktur direkt nebeneinander prüfen.
Praxisnutzen: Wenn du z. B. Bandana-Vorlagen, Etiketten und typografie-lastige Designs offen hast, erkennst du schneller, welche Schrift-/Objektlogik sich für Templates eignet.
Sequence Docker verstehen: Textblock (editierbar) vs. „zerlegte“ Buchstaben (nicht mehr editierbar)
Der wichtigste Produktions-Check in Hatch ist nicht „Welche Schrift ist hübsch?“, sondern: Ist das noch echter Text oder schon nur noch Stichobjekt?
Öffne den Sequence Docker (im Video per Shift+L). Dort siehst du in der Objektliste, was du wirklich vor dir hast:
- Textblock / Lettering-Objekt: erkennbar am „A“-Icon. Das bleibt editierbar – du kannst später Namen austauschen, ohne alles neu zu bauen.
- Form-/Stichobjekte, die wie Buchstaben aussehen: Das sind häufig „Break Apart“-Ergebnisse. Sie sehen aus wie Text, sind aber kein Text mehr.
Wichtig für die Praxis: Wenn Buchstaben „zerlegt“ wurden, kannst du sie nicht mehr einfach mit dem Lettering-Tool umtippen. Wenn du dann einen Buchstaben ändern musst, ist der sichere Weg oft: Objekt löschen und korrekt als Text neu setzen.
Vorlagen schnell personalisieren: Namen austauschen, ohne Stil und Layout zu zerstören
Im Bandana-Beispiel wird ein vorhandener Name (z. B. „Riley“) ausgewählt und im rechten Bereich (Object Properties) im Textfeld überschrieben (z. B. „Woofy“). Der entscheidende Vorteil: Stilparameter bleiben erhalten (Schrift, Effekte, Größenlogik), du tauschst nur den Inhalt.
Praxis-Checkpunkte beim Umbenennen:
- Ändert sich der Name sofort im Vorschaufenster? Dann bearbeitest du sehr wahrscheinlich einen echten Textblock.
- Bleiben Abstände/Zeilenlage stabil? Dann ist die Vorlage als Template gut aufgebaut.
- Wenn das Layout „springt“: Prüfe im Sequence Docker, ob du wirklich den Textblock erwischt hast (A-Icon) oder ob Teile bereits zerlegt sind.
Pro-Tipp für bessere Passung: Stichrichtung wechseln („Reverse Direction“) und Rahmenbewegung reduzieren
Ein Kernpunkt aus dem Video: Textzeilen können abwechselnd in unterschiedliche Richtungen gestickt werden – z. B. erste Zeile links→rechts, zweite Zeile rechts→links. In Hatch ist das eine umschaltbare Einstellung.
Warum das in der Produktion hilft:
- Weniger Wegstrecke zwischen Zeilen = weniger Rahmen-/Pantograph-Bewegung.
- Weniger Bewegung = weniger Risiko, dass die Passung driftet.
Erfolgskontrolle in Hatch: Du siehst Richtungspfeile (im Video rot) an den Buchstaben/Objekten, die die Stichrichtung anzeigen.
Fortgeschrittene Optik: Elastic Fill und Layout-Effekte (Bogen oben/unten)
Zwei „Look-Upgrades“ aus dem Video:
- Elastic Fill (Digitizer-Level-Feature): Wird z. B. auf einen Namen angewendet, um eine strukturierte, lebendigere Füllung zu erzeugen. Hinweis aus dem Video: Je nach Hatch-Level stehen nicht alle Optionen zur Verfügung.
- Layouts / Arc Top and Bottom: Wenn du drei Zeilen in einem Textblock tippst, kannst du mit dem Layout-Preset erreichen, dass die obere Zeile nach oben gebogen, die untere nach unten gebogen und die mittlere automatisch gerade bleibt.
Praxisnutzen: Du bekommst schnell saubere, wiederholbare Typo-Layouts (z. B. für Baby-Ankündigungen oder Motiv-Schriftzüge), ohne jede Zeile manuell zu konstruieren.
FAQ
- Q: Warum fehlt in Hatch 3 nach der Installation der Trial-Version das Lettering-Tool?
A: Das Lettering-Tool verschwindet, wenn Hatch im Level Organizer gestartet wird. Starte Hatch neu und wähle ein Level, das Lettering enthält.- Hatch vollständig schließen und erneut öffnen.
- Bei der Level-Auswahl Composer, Digitizer oder Personalizer wählen (nicht Organizer).
- Vor dem Start eines neuen Designs prüfen, ob Lettering sichtbar ist.
- Erfolgskontrolle: Du siehst Lettering-Optionen und kannst editierbaren Text platzieren.
- Wenn es weiterhin nicht klappt: Ticket im Hatch-Help-Portal erstellen, statt mehrfach neu zu installieren.
- Q: Wie entscheide ich bei Hatch-Lettering am besten zwischen einer editierbaren Vorlage und einem künstlerischen Einzelstück, bevor ich eine Schrift auswähle?
A: Entscheide zuerst, ob der Job editierbar bleiben muss (Wiederholaufträge) oder ob du Text bedenkenlos „zerlegen“ darfst (Einzelstück). Diese Entscheidung bestimmt, wie sicher du später wiederverwenden kannst.- Jobtyp festlegen: Einzelstück vs. wiederverwendbare Vorlage (Teamnamen, Etsy-Listings).
- Markieren, was editierbar bleiben muss (Name/Datum) vs. was als fixes „Art“-Objekt enden darf.
- Layout so planen, dass spätere Textänderungen ohne Neudesign möglich sind.
- Erfolgskontrolle: Ein späterer Namenswechsel zerstört weder Abstände noch zwingt er zum kompletten Neuaufbau.
- Wenn es trotzdem scheitert: Lettering als echten Textblock neu aufbauen und Schritte vermeiden, die Text in nicht editierbare Formen umwandeln.
- Q: Wie bereite ich Hatch-Schriftzüge so vor, dass Fehlpassungen, Puckering und der „weiße Spalt“ zwischen Kontur und Fläche beim Sticken seltener werden?
A: Reduziere unnötige Wege und plane Stoffverzug früh ein – breite Texte und dichte Füllungen erhöhen das Drift-Risiko.- Mit bewährten Layouts aus Manage Designs starten, statt jedes Mal bei null zu beginnen.
- Drift einkalkulieren: Lange Textzeilen und dichte Flächen als „höheres Risiko“ behandeln.
- Design so anlegen, dass unnötige Sprünge/Wege über den Stickrahmen minimiert werden.
- Erfolgskontrolle: Konturen liegen sauber auf den Flächen, ohne sichtbaren „weißen Spalt“ an Kanten.
- Wenn es weiterhin passiert: Als Nächstes das Thema als physisches Setup prüfen – Stabilisierung und Einspannen passend zum realen Material.
- Q: Welches Stickvlies ist bei Maschinenstickerei-Lettering ein sicherer Startpunkt für dehnbare Strickware oder pile-/handtuchartige Materialien?
A: Cutaway-Stickvlies ist der sicherere Startpunkt bei dehnbaren Stoffen und dichtem Lettering; Tearaway reicht oft nicht.- Cutaway wählen, wenn der Stoff dehnbar ist (Strick) oder der Schriftzug sehr dicht wird.
- Stabilisierung früh einplanen, damit das Design zum realen Stoffverhalten passt.
- Tearaway nicht als alleinige Lösung einplanen, wenn Verzug wahrscheinlich ist.
- Erfolgskontrolle: Der Stoff bleibt nach dem Sticken flach, die Grundlinie des Textes wellt nicht.
- Wenn es trotzdem nicht passt: Einspann-Festigkeit prüfen und Designstress reduzieren (kürzere Textzeilen oder weniger Dichte als genereller Ansatz).
- Q: Was ist eine praktische „Pre-Flight“-Checkliste, bevor ich Hatch-Lettering sticke, um Zeit und Fehlstickereien zu vermeiden?
A: Mach einen kurzen Pre-Flight-Check: Level/Lizenz, Ziel des Projekts, Stoffstabilität und Travel-Logik – bevor du an Schriften und Layouts feilst.- Prüfen, dass Hatch nicht im Organizer läuft und Lettering verfügbar ist.
- Ziel festlegen: editierbare Vorlage (schnell) vs. künstlerische Anpassung (Kontrolle).
- Stickvlies zur Dehnung passend wählen (bei Strick ist Cutaway oft sicherer).
- Wege über breite Texte vorab mitdenken, um Rahmenbewegung zu reduzieren.
- Erfolgskontrolle: Du kannst vor dem Sticken erklären, was editierbar bleiben muss und welche Stabilisierung du nutzt.
- Wenn es trotzdem hakt: Erst eine bewährte Vorlage testen, um Software-Entscheidungen von physischem Stoffverhalten zu trennen.
- Q: Wie öffne ich in Hatch mehrere Stickdateien schnell zum Side-by-Side-Vergleich über Manage Designs?
A: Wähle in Manage Designs mehrere Thumbnails aus und öffne sie gemeinsam, um Layouts und bewährte Lettering-Setups schneller zu vergleichen.- Manage Designs öffnen und die gewünschten Dateien suchen.
- Mehrere Design-Thumbnails markieren (Multi-Select).
- Open Selected klicken.
- Erfolgskontrolle: Mehrere Designs sind in Tabs geöffnet, sodass du Abstände, Layout und Objektstruktur direkt vergleichen kannst.
- Wenn es nicht klappt: Sicherstellen, dass wirklich in Manage Designs markiert wird (nicht nur im Ordner-Fenster) und Multi-Select erneut versuchen.
- Q: Wenn Lettering bei breiten Layouts immer wieder driftet: Wie entscheidet ein Betrieb zwischen Technik-Optimierung, Upgrade auf Magnetrahmen oder Upgrade auf eine SEWTECH Mehrnadelstickmaschine?
A: Starte mit Technik und Stabilisierung, wechsle zu Magnetrahmen, wenn Einspann-Konstanz der Engpass ist, und denke über eine Mehrnadelstickmaschine nach, wenn wiederholbare Produktion stabile, schnelle Durchläufe erfordert.- Level 1 (Technik): Sprünge reduzieren, bewährte Layouts nutzen und passend zum Stoff stabilisieren (bei Strick ist Cutaway oft sicherer).
- Level 2 (Werkzeug): Magnetrahmen für Stickmaschine bzw. Magnetrahmen erwägen, wenn gleichmäßiger Einspann-Druck und Wiederholgenauigkeit der Flaschenhals sind.
- Level 3 (Kapazität): Eine SEWTECH Mehrnadelstickmaschine erwägen, wenn du skalierbar und wiederholbar produzieren musst und Stillstand durch Umspannen/Fadenwechsel die Produktion bremst.
- Erfolgskontrolle: Derselbe Schriftzug läuft über Wiederholungen hinweg konsistent – mit minimaler Passungsdrift und weniger Rüstzeit.
- Wenn es weiterhin scheitert: Stofftyp, Stickvlies und die Drift-Stelle (Kontur vs. Fläche) dokumentieren und dann den Workflow am schwächsten Glied zuerst verbessern.
