Inhaltsverzeichnis
Brother PE-700II im Griff: Einstellungen, Geschwindigkeit und Fadenspannung praxisnah erklärt
Wenn du schon einmal an deiner Brother PE-700II standest, plötzlich einen Fadenknäuel unter der Stichplatte hattest und gedacht hast: „Gerade eben sah alles noch gut aus – was ist passiert?“, dann bist du nicht allein. Maschinenstickerei ist nicht nur „Start drücken“: Hier treffen Material, Mechanik und digitale Stichdaten aufeinander.
Viele Einsteiger haben Hemmungen, ins Einstellungsmenü zu gehen – aus Angst, „etwas kaputt zu machen“. In der Praxis ist aber genau dieses Menü der Schlüssel zu reproduzierbaren, professionellen Ergebnissen.
In diesem Guide gehen wir bewusst über reines „Button-Klicken“ hinaus: Du lernst, wie du die Einstellungsseiten der PE-700II sicher findest, die maximale Geschwindigkeit passend zur Materialstabilität wählst und die (oft missverstandene) Fadenspannung sinnvoll anpasst.
Das beherrschst du nachher:
- Navigation: Das „Papier“-Symbol schnell finden – ohne Rätselraten.
- Geschwindigkeit in der Praxis: Wann 350 spm (kontrolliert) und wann 650 spm (zügig) Sinn ergibt.
- Spannungslogik: Warum feine Stoffe eher „lockerer“ brauchen und Handtücher eher „fester“.
- Maschinen-Check: „Service Count“ und „Total Count“ lesen – für Wartung und Zustandsbewertung.

Zugriff auf das Einstellungsmenü der PE-700II
Die Oberfläche der PE-700II ist funktional – für neue Nutzer wirkt sie aber schnell „voll“. Der erste Schritt zu mehr Kontrolle ist: wissen, wo die Maschinen-Einstellungen tatsächlich sitzen.
Das Einstellungs-Symbol finden
Schalte die Maschine ein. Lass dich vom Motiv-/Auswahlbildschirm nicht ablenken – du suchst den Zugang zur Konfiguration.
Visueller Anker: Auf dem LCD-Touchscreen unten in der Symbolleiste findest du den mittleren Button, der wie ein kleines Blatt Papier mit Linien aussieht.
- Aktion: Tippe das „Papier“-Symbol bewusst an. Normalerweise hörst du einen Piepton (falls der Summer nicht deaktiviert ist) und die Anzeige wechselt direkt.


Durch die Seiten navigieren
Im Einstellungsmenü gibt es mehrere Seiten. Du siehst Pfeile bzw. Navigationselemente. In der Referenz-Demo wird an allgemeinen Punkten (z. B. Anzeige-/Systemoptionen) vorbeigescrollt, bis die Seite mit den für uns wichtigen Variablen erscheint: Geschwindigkeit und Spannung.
- Aktion: Nutze die Pfeile „Weiter/Nächste Seite“ auf dem Bildschirm.
- Schnell-Check: Sobald du Werte wie
+00/+1oder350/650siehst, bist du auf der richtigen Seite.

Profi-Tipp: Präge dir nicht die Position („unten rechts“) ein – Layouts können je nach Modell/Firmware variieren. Merke dir das Symbol (Papierblatt). Das ist in der Praxis der zuverlässigste Orientierungspunkt.
Stickgeschwindigkeit einstellen
Geschwindigkeit ist eine der am häufigsten falsch eingeschätzten Stellschrauben. „Schneller = produktiver“ stimmt nur, wenn Material, Einspannen und Stichbild das hergeben. In der Praxis gilt genauso: „Schneller = mehr Reibung, mehr Vibration, mehr Stress für Faden und Material.“
Die PE-700II bietet hier eine einfache Umschaltung zwischen 350 spm und 650 spm (Stiche pro Minute).

Warum auf 650 spm erhöhen?
650 spm ist dein „Produktions-Tempo“ – sinnvoll, wenn die Rahmenbedingungen stabil sind.
- Einsatz: Für stabile Materialien und unkritische Stickbilder. Entscheidend ist, dass das Material im Stickrahmen sauber gehalten wird und nicht „arbeitet“.
- Voraussetzung: Dein Einspannen muss wirklich sicher sein. Wenn der Stoff sauber anliegt und das Stickvlies passend gewählt ist, verkraftet die Maschine die schnellen Richtungswechsel deutlich besser.


Wann du besser langsamer stickst („Safe Mode“)
350 spm ist das kontrollierte Tempo – die Demo zeigt auch, dass die Maschine ab Werk häufig eher konservativ eingestellt ist.
Warum langsamer oft sauberer ist: Mit weniger Geschwindigkeit reduzierst du die Belastung auf den Oberfaden beim Durchlauf durchs Nadelöhr. Das kann Fadenrisse und „Zerren“ am Material spürbar verringern.
Stell auf 350 spm um, wenn:
- Oberfaden reißt oder franst sichtbar aus.
- Dichte Stickmuster laufen (viel Fläche/hohe Stichdichte).
- Du merkst, dass bei höherem Tempo Probleme häufiger auftreten (in der Praxis wird das besonders bei anspruchsvollen Garnen/hoher Belastung beobachtet).
- Empfindliche Stoffe schneller zu Kräuseln neigen.
Praxis-Hinweis aus typischen Rückfragen: Viele fragen, ob Maschinen „bei langsamer Geschwindigkeit besser laufen“. Die sichere Antwort ist: Bei problematischen Kombinationen (dichtes Motiv, hoher Fadenstress, empfindliches Material) ist langsamer oft stabiler – weil du die mechanische Belastung reduzierst.
Tool-Upgrade-Pfad: Durchsatz vs. Sicherheit
- Pain Point: Du bleibst bei 350 spm, weil dir bei höherem Tempo das Material im Rahmen wandert oder du ständig neu einspannen musst.
- Bewertung: Wenn du in Serien arbeitest (z. B. mehrere identische Teile), kostet häufiges Neueinspannen mehr Zeit als die reine Stickzeit.
- Optionen:
- Level 1: Passendes Stickvlies wählen, damit der Stoff im Rahmen stabil bleibt.
- Level 2 (Tool): Ein Upgrade auf Magnetrahmen für brother kann den Stoff gleichmäßiger und kräftiger halten als viele Standard-Kunststoffrahmen – dadurch lässt sich in der Praxis oft sicherer näher an 650 spm arbeiten, ohne dass das Material so leicht verrutscht.
Fadenspannung je nach Material optimieren
Fadenspannung ist das Kräfteverhältnis zwischen Oberfaden und Unterfaden. In der Demo wird als typischer Wert +1 genannt – das ist ein praxisnaher Ausgangspunkt, aber kein „Gesetz“.
Handtuch vs. feiner Stoff: die Grundlogik
Die im Video genannte Richtung ist praxisgerecht – hier die Begründung, damit du gezielter entscheiden kannst:
- Feine/empfindliche Stoffe (Spannung eher lockern): Zu hohe Spannung zieht das Material zusammen. Ergebnis: Kräuseln/„Bunching“, das sich später kaum sauber ausbügeln lässt.
- Handtücher/schwere Ware (Spannung eher fester): Bei Flor/Volumen muss der Stich „gesetzt“ werden. Ist die Spannung zu locker, wirkt das Stichbild schnell unruhig bzw. liegt obenauf.


Den +1-Standard richtig einordnen
Die Referenz lässt die Einstellung oft auf +1. Gleichzeitig gilt: Maschinen und Materialkombinationen verhalten sich unterschiedlich.
Praxis-Check statt Zahlen-Gläubigkeit: Dreh das Stickstück um und beurteile die Fadenbalance.
- Gute Balance: Unterfaden ist in der Mitte der Satinkolonnen leicht sichtbar, Oberfaden liegt links/rechts sauber an.
- Zu straff (oben): Du siehst sehr viel Unterfaden auf der Rückseite; das Material kann „tunneln“.
- Zu locker (oben): Unterfaden ist kaum/gar nicht zu sehen; die Rückseite wirkt wie eine durchgehende Unterfadenlinie.
Mini-Entscheidungsbaum: Material → Stickvlies → Spannung
Bevor du an der Spannung korrigierst, prüfe zuerst die „Basis“. Spannung kann falsches Stabilisieren nicht kompensieren.
- Szenario: Dehnbares Shirt/Strick
- Stickvlies: Cutaway (stabile Basis gegen Dehnung).
- Spannung: eher niedriger starten (z. B. Richtung 0), um Kräuseln zu reduzieren.
- Szenario: Frottee-Handtuch
- Stickvlies: Stabil von hinten; bei Flor zusätzlich eine wasserlösliche Folie oben, damit Stiche nicht im Flor versinken.
- Spannung: häufig eher Richtung
+1(oder etwas höher), damit das Stichbild sauber „einsitzt“.
- Szenario: Gewebte Baumwolle/Quiltstoff
- Stickvlies: je nach Aufbau Tearaway oder Cutaway.
- Spannung: nahe Standard (0 bis +1) starten.
Tool-Upgrade-Pfad: Rahmenspuren & Kraftaufwand
- Pain Point: Du ziehst die Schraube am Standardrahmen extrem fest (bei dicker Ware), oder du bekommst auf empfindlichen Materialien sichtbare Rahmenspuren.
- Bewertung: Wenn du Teile wegen Rahmenabdrücken aussortierst oder das Einspannen körperlich unangenehm wird, lohnt sich ein anderer Ansatz.
- Optionen:
- Level 1: „Floaten“ (nur Vlies einspannen, Stoff auflegen und fixieren) – kann funktionieren, ist aber bei Passung/Positionierung sensibler.
- Level 2 (Tool): Ein Magnetrahmen für brother hält über Magnetkraft statt über Schraubdruck. Das kann bei wechselnden Materialstärken (z. B. Handtuch) den Aufwand reduzieren und bei empfindlichen Stoffen Rahmenabdrücke minimieren.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Starke Magnetrahmen können Finger einklemmen. Wenn du einen Herzschrittmacher oder implantierte medizinische Geräte trägst, kläre die Nutzung von starken Magneten vorab medizinisch ab.
Maschinen-Statistiken prüfen
Deine Stickmaschine hat – wie ein Fahrzeug – einen „Kilometerstand“. Die PE-700II protokolliert ihre Nutzung in Stichen.
Gesamtstichzahl („Total Count“) ansehen
Navigiere zur Informationsseite innerhalb des Einstellungsbereichs.


So liest du die Werte:
- Service Count: Stiche seit dem letzten Service-/Reset-Zeitpunkt.
- Total Count: Gesamtzahl aller Stiche über die Lebensdauer.
Praxisnutzen: Der Zähler hilft dir, ein Gefühl für Nutzung und Wartungsbedarf zu bekommen – besonders, wenn du eine Maschine gebraucht gekauft hast oder den Zustand dokumentieren willst.
Weitere Systemeinstellungen
Kleine Systemoptionen wirken sich im Alltag stärker aus, als man denkt – vor allem, wenn du regelmäßig stickst.
Sprache umstellen
Wenn du eine Maschine gebraucht/importiert übernommen hast, kann die Anzeige auf einer anderen Sprache stehen. In den Einstellungen kannst du die Systemsprache direkt umstellen (in der Demo sind u. a. Deutsch/Französisch/Italienisch sichtbar).

Summer und Bildschirmhelligkeit

Workflow-Hinweis: In gemeinsam genutzten Räumen kann ein lauter Summer bei Farbwechseln stören. Wenn du den Summer reduzierst/deaktivierst, arbeitest du oft ruhiger – und machst weniger Flüchtigkeitsfehler beim Einfädeln oder beim Kontrollblick auf die Einstellungen.
Tool-Upgrade-Pfad: Wiederholbewegungen beim Einspannen
- Pain Point: Nacken/Schultern melden sich nach langen Sessions, weil du ständig Rahmen hältst, ausrichtest und kontrollierst.
- Ansatz: Ergonomie ist nicht nur Stuhl/Tisch – sondern auch, wie stabil und reproduzierbar dein Einspannen ist.
- Optionen:
- Level 1: Arbeitshöhe optimieren.
- Level 2 (Tool): Eine Einspannstation für Stickmaschinen hält den Stickrahmen stabil, während du das Teil ausrichtest. Das verbessert die Passung und reduziert „Verdrehungen“ beim Einspannen.
Troubleshooting-Tipps
Wenn die Maschine stoppt: nicht in Panik verfallen. Arbeite strukturiert – zuerst physisch (Fadenweg, Nadel, Einspannen), dann Einstellungen.
1. Fadenknäuel unten („Bird’s Nest“)
Symptom: Knirschen/Blockieren und ein Fadenballen im Unterfadenbereich.
- Wahrscheinliche Ursache: Häufig liegt es am Oberfaden (nicht korrekt in der Spannung/aus den Spannungsscheiben gerutscht), sodass zu viel Faden nach unten läuft.
- Sofortmaßnahme: Nähfuß anheben (öffnet die Spannung), Oberfaden komplett neu einfädeln. Beim Ziehen am Faden sollte eine leichte, gleichmäßige Bremse spürbar sein.
2. Kräuseln/„Puckering“
Symptom: Das Motiv sitzt, aber der Stoff ist wellig und nicht plan.
- Wahrscheinliche Ursache: Zu wenig Stabilisierung oder nicht sauber eingespannt – seltener ist es „nur“ die Spannung.
- Sofortmaßnahme: Sauberes Einspannen für Stickmaschine umsetzen: Stoff gleichmäßig straff (ohne zu verziehen). Bei dehnbaren Materialien Cutaway verwenden.
3. Ständiger Fadenriss
Symptom: Oberfaden reißt wiederholt.
- Wahrscheinliche Ursache: Nadelproblem (Grat/verschlissen) oder Geschwindigkeit zu hoch.
- Sofortmaßnahme:
- Nadel wechseln. (Das ist die schnellste, günstigste Fehlerquelle.)
- Auf 350 spm reduzieren.
- Fadenweg prüfen: Läuft der Faden sauber von der Garnrolle, oder hakt er irgendwo?
Aus der Praxis kommt außerdem häufig die Beobachtung, dass bei sehr dichten Motiven und hoher Geschwindigkeit Fadenrisse eher auftreten. Wenn du reproduzierbar arbeiten willst, helfen langfristig oft stabilere Stickrahmen für Stickmaschine, die die Spannung im Material über die gesamte Laufzeit besser halten.
Warnung: Nadel-Sicherheit. Hände aus dem Nadelbereich. Bei 650 spm ist die Nadel schneller als deine Reaktion. Zum Schneiden von Sprungstichen immer pausieren.
Profi-Checklisten: Standardisieren statt raten
Verlass dich nicht auf Erinnerung – Checklisten sparen Ausschuss.
Vorbereitung (Material-Check)
- Nadel: passend und frisch?
- Unterfaden: reicht die Spule sicher für das Motiv?
- Stickvlies: passend zum Material (Cutaway für dehnbar, Tearaway für stabil)?
- Stickrahmen: Stoff gleichmäßig straff?
- Tools: Schere/Clips und Stickrahmen 4x4 für brother (oder passende Rahmengröße) sauber und griffbereit.
Setup (Maschinen-Einstellungen)
- Menü: „Papier“-Symbol antippen.
- Geschwindigkeit: 350 spm (dicht/empfindlich) oder 650 spm (stabil/unkritisch).
- Spannung: auf Basiswert (z. B. +1) starten, nur materialbezogen korrigieren.
- Einheiten: Inch vs. mm prüfen.
- Zähler: „Total Count“ kurz ansehen (Zustand/Wartung im Blick behalten).
Betrieb (die ersten 100 Stiche)
- Start drücken und die ersten 100 Stiche aktiv beobachten.
- Hören: gleichmäßiger Lauf?
- Sehen: „Flagging“ (Stoff hebt/schlägt mit der Nadel)? Wenn ja: stoppen und neu einspannen.
- Kontrolle: nach der ersten Farbe pausieren, Rahmen umdrehen, Fadenbalance prüfen.
Fazit
Die Brother PE-700II lässt sich sehr kontrolliert fahren – wenn du das Einstellungsmenü nutzt. Sobald du Geschwindigkeit und Fadenspannung bewusst nach Material auswählst, arbeitest du weniger nach Gefühl und mehr nach System.
Merke dir die Reihenfolge für saubere Ergebnisse:
- Physik: korrektes Einspannen und passendes Stickvlies (wenn das schwerfällt, können Magnetrahmen Anleitung-Lösungen den Prozess vereinfachen).
- Mechanik: frische Nadel, sauberes Garn, korrekter Fadenweg.
- Einstellungen: Geschwindigkeit und Spannung feinjustieren.
Du hast jetzt die Karte: Menü öffnen, „Papier“-Symbol antippen – und die Maschine bewusst einstellen.
Hinweis zur Keyword-Integration: Wenn du Zubehör suchst, führt die Recherche nach brother Stickmaschine-Zubehör oft zu kompatiblen Drittanbieter-Upgrades, die den Workflow an älteren Modellen modernisieren können. Halte deine brother Stickrahmen sauber – und scheue dich nicht, moderne magnetische Optionen zu testen, wenn du schneller und reproduzierbarer einspannen willst.
