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Den Embird-CHARTS-Ordner finden
In der Praxis – egal ob im Studio oder in der Produktion – ist mentale Belastung ein echter Fehlerfaktor. Jede Sekunde, die du in einer Garnliste nach Farben suchst, die du gar nicht mehr auf Lager hast, kostet Zeit. Und Zeitdruck führt zu Folgefehlern: falsche Farbauswahl, unnötige Umfädelzeiten, im schlimmsten Fall ein gestoppter Lauf.
Embird ist leistungsstark, aber der Garnkatalog wird schnell unübersichtlich, wenn sich dort Marken sammeln, die du nicht mehr nutzt oder längst aus dem Bestand genommen hast. In dieser Anleitung (basierend auf Donnas Workflow) machen wir „digitalen Frühjahrsputz“: Du lernst, wie du eine benutzerdefinierte Embird-Farbkarte direkt über die zugehörige Plain-Text-Datei bearbeitest und gezielt Einträge einer Marke entfernst (im Beispiel: Sulky) – ohne deine Master-Liste zu beschädigen.
Das ist ein Workflow für Fortgeschrittene: Du solltest dich sicher in Windows-Ordnern bewegen und Textdateien bearbeiten können. Der Gewinn ist dafür groß: ein aufgeräumter Katalog, in dem jede Auswahl am Bildschirm zu einem echten Konus im Regal passt.

Was du lernst (und was nicht)
Wir gehen bewusst „unter die Haube“ und arbeiten direkt mit der Datei. Du lernst:
- Den Speicherort finden: Wo Embird seine
CHARTS-Dateien ablegt. - Sicherheitskopie erstellen: Ein Backup anlegen, bevor du auch nur ein Zeichen änderst.
- Zeilenaufbau lesen: Garnnummer, Marken-/Set-Bezeichnung und RGB-Werte korrekt interpretieren.
- Gezielt bereinigen: Unerwünschte Markenblöcke in Notepad löschen.
- In Embird prüfen: Kontrollieren, ob die Änderungen in Embird Studio sichtbar sind.
HinweisWir sprechen auch das „Phantom-Chart“-Problem an (gelöschte Charts werden trotzdem angezeigt). Der Fokus liegt aber auf der sauberen, reproduzierbaren Durchführung der Dateibearbeitung.

Warum das in der Praxis (auch in der Produktion) relevant ist
Warum überhaupt eine Textdatei anfassen? Weil Sauberkeit in der Digitalisier-/Vorbereitungsphase direkt Einfluss auf die Effizienz an der Maschine hat.
Ein aufgeräumter Farbkatalog reduziert Reibung zwischen „Design“ und „Sticklauf“. Wenn du digitalisierst oder Formate konvertierst, willst du Farben zuverlässig auf deinen realen Bestand abbilden. Wenn deine Liste voller „Geister-Garne“ ist (Marken, die du vor Jahren aussortiert hast), steigt das Risiko, eine Farbe auszuwählen, die es bei dir gar nicht mehr gibt.
In einem produktiven Umfeld bedeutet eine falsche Farbauswahl oft: stoppen, neu einfädeln, ggf. Stiche auftrennen – also Stillstand.
Das passt zur allgemeinen Logik von Standardisierung: So wie du digitale Listen standardisierst, standardisierst du auch physische Abläufe. Viele Shops koppeln solche Software-Bereinigungen mit Prozess-Hardware wie einer Einspannstation für Stickmaschine. Die Idee ist identisch: Ob Daten oder Textil – weniger Variablen = weniger Fehler.
Den Aufbau der Farbchart-Datei verstehen
Donnas Kernaussage: Embird-Farbkarten sind keine Blackbox. Es sind einfache Textdateien (.txt). Du kannst sie öffnen, lesen und bearbeiten – solange du die Struktur respektierst.

Was die Zeilen in der Datei bedeuten
Auf den ersten Blick wirkt die Datei wie eine Zahlenwand. So liest du eine einzelne Zeile korrekt:
- Spalte 1 (Identifikation): Das erste Feld (vor dem ersten Komma) ist die Garnnummer – also der Code/SKU, den du am Konus findest.
- Spalte 2 (Beschriftung): Dieser Text ist die Marken-/Set-Kennung. Genau das siehst du später im Dropdown.
- Spalte 3 (Simulation): Die letzten drei Zahlen sind die RGB-Werte (Rot, Grün, Blau).
Profi-Hinweis: Embird nutzt RGB, um die Garnfarbe am Monitor zu simulieren. RGB ist Licht, nicht Pigment – die Bildschirmfarbe ist immer nur eine Annäherung. Wenn du diese Zahlen änderst, änderst du die Vorschau, nicht das physische Garn.

Wie Donna über Benennung Ordnung hält
Donna arbeitet mit einer „Master-Chart“-Strategie: mehrere Marken (z. B. Marathon und Sulky) in einer eigenen Datei. Damit das beim Scrollen nicht chaotisch wird, sorgt sie über die Benennung in der Textzeile dafür, dass die Marke/der Satz schnell erkennbar ist.
Dieses „Labeln und Standardisieren“ ist ein Skalierungshebel: weniger Nachdenken, weniger Rückfragen, weniger Fehlgriffe – gerade wenn mehrere Personen mit denselben Daten arbeiten.
Dasselbe Prinzip kennst du aus der Werkstatt: Wenn Platzierung und Passung über verschiedene Größen hinweg schwanken, hörst du auf zu raten und arbeitest mit einer Einspannstation für Maschinenstickerei. Sie sorgt dafür, dass unterschiedliche Bediener reproduzierbar gleich einspannen – genauso wie eine standardisierte Farbkarte reproduzierbar gleiche Farbauswahl ermöglicht.

Warnung: Sicherheits-Realität im Stickalltag.
Auch wenn es hier um Software geht: Falsche Daten können zu falschen Einstellungen führen. Wenn du z. B. aufgrund einer unklaren Bibliothek ein „Metallic“-Setup erwartest, aber tatsächlich mit Standard-Rayongarn und passender Nadel arbeiten willst, riskierst du bei hohen Geschwindigkeiten Fadenrisse oder sogar Nadelbruch.
* Gefahr durch Bruchstücke: Eine brechende Nadel bei hoher Drehzahl kann Splitter schleudern. Bei Tests und Probeläufen Schutzbrille tragen.
* Maschinenschäden: Falsche Kombinationen können Nestbildung verursachen und den Greiferbereich belasten.
Saubere Daten schützen auch die Maschine.
Schritt für Schritt: Textdatei bearbeiten
Das ist eine „chirurgische“ Arbeit: finden, absichern, bearbeiten.
Schritt 1 — Zum CHARTS-Ordner navigieren
Öffne den Windows-Explorer und gehe zum Installationspfad von Embird. Donna zeigt den Pfad: C:Program FilesEMBIRD64CHARTS
Hinweis 32-bit vs. 64-bit: Donna nutzt die 64-bit-Installation. Auf älteren Systemen kann Embird auch unter Program Files (x86) liegen.
Im Ordner findest du mehrere .txt-Dateien – jede steht für eine Farbkarte.

Schritt 2 — Originaldatei sichern (dein „Undo-Button“)
Stopp. Bevor du irgendetwas editierst: Backup. Eine kleine Fehlmarkierung oder ein versehentlich gelöschtes Trennzeichen kann die Datei unlesbar machen.
Donnas Vorgehen für „Donna.txt“:
- Datei kopieren.
- Im selben Ordner einfügen.
- Kopie umbenennen in „Donna.old.txt“.
Die Endung/Benennung mit .old ist ein klarer Marker: „Backup – nicht anfassen“.

Checkliste vor dem Editieren (Fokus & Umgebung)
Bevor du die Textdatei öffnest, stelle sicher:
- Fokus: Hast du 10 Minuten Ruhe? Wenn du gehetzt bist, verschiebe es.
- Software-Status: Ist Embird geschlossen? (Offene Programme können Listen bereits geladen haben.)
- Tool: Nutze Notepad oder Notepad++. Kein Microsoft Word (versteckte Formatierungen können die Datei zerstören).
- Standardisierung: So wie du beim Einspannen für Stickmaschine auf reproduzierbare Abläufe setzt, setze bei Dateien auf reproduzierbare Backups (z. B.
.old).
Schritt 3 — Datei in Notepad öffnen und den Markenblock finden
Rechtsklick auf Donna.txt → Öffnen mit > Notepad.
Du siehst jetzt den Rohtext.
- Sichtprüfung: Erkennst du das Muster
Nummer→Bezeichnung→RGB? - Suchen/Scrollen: Scrolle zu dem Block, der „Sulky“ enthält (oder die Marke, die du entfernen willst).



Schritt 4 — Unerwünschte Zeilen markieren und löschen
Hier zählt sauberes Markieren.
- Anker setzen: Cursor an den Anfang der ersten Zeile, die weg soll.
- Ziehen: Linke Maustaste halten und bis zur letzten zu löschenden Zeile scrollen.
- Kontrolle: Hast du wirklich nur den Sulky-Block markiert – und nicht versehentlich die nächste Zeile/den nächsten Abschnitt?
- Löschen: Taste Entf (Delete).
Sichtkontrolle: Nach dem Löschen sollte der Text „sauber anschließen“. Donna beschreibt, dass danach nur noch die Marathon-Einträge übrig bleiben.


Schritt 5 — Speichern und Notepad schließen
Datei > Speichern (oder Strg+S), dann schließen.
Profi-Notiz: Die „Two-Pass“-Gewohnheit
Textdateien verzeihen wenig. Ein fehlendes Komma oder eine halb gelöschte Zeile kann die Struktur beschädigen. Bewährt hat sich eine kurze Doppelkontrolle:
- Pass 1: Löschen/Ändern.
- Pass 2: Einmal über die „Schnittstelle“ (wo du gelöscht hast) hoch/runter scrollen und prüfen, ob das Muster weiterhin konsistent aussieht.
Das ist das Software-Pendant zur Rahmenkontrolle: Bei Magnetrahmen klemmen Magnete sofort – dadurch übersieht man leicht eine Falte, wenn man nicht kurz den Rand abfährt. Hier gilt dasselbe: kurz prüfen, bevor du weitergehst.
Änderungen in Embird Studio prüfen
Die Datei ist geändert – jetzt muss Embird sie auch so einlesen.
Schritt 6 — Eine einfache Form erstellen, um die Farbauswahl zu öffnen
Starte Embird Studio. Um schnell in die Farbauswahl zu kommen, erstellst du ein Testobjekt:
- Ein Quadrat oder einen Kreis zeichnen.
- Objekt markieren.

Schritt 7 — „Choose Color From Catalog“ öffnen und die Liste prüfen
Doppelklicke auf das Farbfeld, um Choose Color From Catalog zu öffnen. Wähle deine benutzerdefinierte Karte („Donna“) und scrolle durch.
Der Praxis-Test:
- Erfolg: Du siehst die gewünschten Marken (z. B. Marathon) und keine Sulky-Einträge.


Wie „Erfolg“ aussieht
Ein guter Edit ist unspektakulär: Es funktioniert einfach – nur übersichtlicher. Wenn du mehrere Karten pflegst, hilft die „One Master“-Regel: In der Produktion ist Mehrdeutigkeit ein Risiko. Archive/entferne Karten, die du nicht täglich brauchst.
Troubleshooting: Wenn gelöschte Charts weiter angezeigt werden
Donna trifft auf den Klassiker: Die Datei ist gelöscht/umbenannt, aber Embird zeigt den alten Chart-Namen weiterhin im Dropdown.
Symptom → Ursache → Fix-Protokoll
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Schnelltest / Fix |
|---|---|---|
| Alter Chart-Name bleibt im Dropdown sichtbar. | Caching/Einlesen beim Start: Embird hat die Liste beim Programmstart geladen und aktualisiert sie nicht sofort. | Komplett schließen und neu starten; ggf. PC neu starten, um Speicherzustände zu leeren. |
| Chart lässt sich nicht öffnen (Fehlermeldung). | Text beschädigt: z. B. versehentlich ein Trennzeichen/Zeilenanfang gelöscht. | Wiederherstellen: fehlerhafte .txt entfernen und .old zurück in .txt umbenennen. |
| Farben wirken falsch. | RGB-Interpretation: RGB ist nur Vorschau; falsche Werte verändern die Bildschirmdarstellung. | Werte prüfen: sicherstellen, dass die RGB-Zahlen korrekt übernommen wurden. |
Praxis-Hinweise, um nicht in die Falle zu laufen
Wenn Embird deine Änderung scheinbar ignoriert, nicht hektisch Dateien „wegklicken“.
- Programm wirklich schließen. Embird kann Listen beim Start einlesen.
- Pfad prüfen. Hast du wirklich die Datei in
Program Files...CHARTSbearbeitet – oder eine Kopie auf dem Desktop?
Warnung: Sicherheit bei Magneten.
Magnetrahmen sind effizient – aber wenn du Daten auf externe Laufwerke sicherst, halte Magnetrahmen für Stickmaschine mit Abstand.
* Datenrisiko: Starke Magnetfelder können mechanische Festplatten beeinflussen.
* Quetschgefahr: Magnetrahmen sind sehr kräftig und können Finger einklemmen. Personen mit Herzschrittmacher müssen Abstand halten.
Magnete respektieren.
Entscheidungslogik: Komplexität vs. Einfachheit
Wann lohnt sich eine eigene Master-Chart – und wann nicht?
- Szenario A: Vorgaben/Standardisierung von außen
- Constraint: Du musst feste Codes nutzen.
- Aktion: Nicht editieren – Standard-Chart verwenden.
- Szenario B: Unabhängiges Studio mit gemischten Marken
- Constraint: Du kaufst unterschiedliche Marken.
- Aktion: Master-Chart pflegen (mehrere Marken in einer Datei, klar benannt).
- Szenario C: Wachsende Produktion mit wechselndem Personal
- Constraint: Viele Bediener, hoher Durchsatz.
- Aktion: Vereinfachen: nur die Charts im Ordner lassen, die wirklich genutzt werden.
- Tooling: In dieser Phase wird auch Hardware standardisiert – z. B. mit einer hoop master Einspannstation, damit Einspannen genauso reproduzierbar wird wie die Farbauswahl.
Ergebnis
Mit diesem Vorgehen wechselst du von „Embird nutzen“ zu „Embird verwalten“. Du hast:
- die relevanten Textdateien gefunden,
- ein Backup erstellt,
- deine Eingabedaten bereinigt.
Das „Phantom-Chart“-Thema zeigt: Software hat Ebenen (Datei vs. Cache). Geduld und sauberes Vorgehen sind entscheidend.
Qualitätsstandard für den Shop
Dein Betrieb braucht eine „Single Source of Truth“:
- Eine Chart-Datei: enthält nur, was du wirklich besitzt.
- Ein Prozess: neue Konen werden ergänzt, ausgemusterte konsequent entfernt.
- Ein Ergebnis: Stickdateien, die ohne unnötige Stopps laufen.
Wenn du diese digitale Effizienz in echte Produktionsgeschwindigkeit übersetzen willst, schau auf den nächsten Flaschenhals: meist ist es das Einspannen. Ein Upgrade auf ein hoopmaster Einspannstation Set hilft, vom sauberen Software-Setup zur sauber eingespannten Ware zu kommen – und damit den Kreis zu schließen.
Setup-Checkliste (Verifikation)
- Neustart: PC komplett neu starten (Cache/Einlesezustände minimieren).
- Embird öffnen: neues Projekt starten.
- „Quadrat“-Test: Dummy-Form erstellen und Farbeigenschaften öffnen.
- Katalog prüfen: Taucht „Sulky“ (oder die Zielmarke) noch auf?
- Ja? Prüfen, ob versehentlich die Backup-Datei bearbeitet wurde.
- Nein? Erfolg.
Betriebs-Checkliste (Wartungsschleife)
- Regelmäßige Bereinigung: z. B. einmal jährlich die Charts aufräumen.
- Benennung: feste Konvention wählen (z. B.
MEINSHOP_2025.txt) und beibehalten. - Backups: den
CHARTS-Ordner zusätzlich sichern (Cloud/Backup-Laufwerk), damit ein PC-Ausfall die Arbeit nicht zerstört. - Verbrauchsmaterial-Check: Wenn du digital optimierst, prüfe auch den Bestand (Vlies, Nadeln, Unterfaden etc.), damit digitale Liste und physischer Bestand zusammenpassen.
