Inhaltsverzeichnis
Einführung in die Honpo-CE-Serie
Wenn du zum ersten Mal einen industriellen Mehrnadelkopf einschaltest, ist das oft eine Mischung aus Vorfreude und Respekt. Du kommst von einer Ein-Nadel-Haushaltsmaschine – und plötzlich sieht der „Fadenweg“ weniger nach Nähen aus und mehr nach einem Schaltplan.
Bei einem Honpo-CE-Kopf (und vergleichbaren Industriemaschinen wie in der Klasse 15-Nadel-Stickmaschine) geht es beim Einfädeln nicht nur darum, den Faden irgendwie durchs Nadelöhr zu bekommen. Du baust ein präzises Kontrollsystem auf: Jede Fadenführung, jede Scheibe und jeder Hebel ist ein technischer Kontrollpunkt, der den Faden bei hoher Stichzahl stabil hält.
Die Realität der Maschinenstickerei: Maschinenstickerei ist Praxis-Physik: Spannung, Reibung und Geschwindigkeit. Diese Anleitung soll dich von „Pi mal Daumen“ zu einem reproduzierbaren Ablauf bringen.
Wir bauen die exakte Konus-bis-Nadel-Sequenz aus dem Video nach. Dabei schauen wir uns an:
- Die „Gerade-Linie“-Logik im Fadenlauf (weniger Reibung = weniger Fadenrisse).
- Wie du den Einfädelhaken / Einfädeldraht sinnvoll nutzt.
- Sensorische Checks: Woran du fühlst und siehst, dass der Faden korrekt sitzt.
- Einsteiger-Workflow: Warum du anfangs bewusst langsam arbeitest, bis der Fadenweg verifiziert ist.

Werkzeuge, die du brauchst: Einfädeldraht / Einfädelhaken
Im gewerblichen Umfeld ist Effizienz gleich Profit. Einen weichen Faden „irgendwie“ durch ein langes Führungsrohr zu schieben, kostet Zeit und Nerven. Im Video wird deshalb ein simples, aber entscheidendes Werkzeug gezeigt: der Einfädeldraht bzw. Einfädelhaken.
Dieses Teil liegt bei vielen Maschinen im Werkzeugkasten – und steht für einen wichtigen Gedanken: Professionelle Stickerei lebt von standardisierten Abläufen. So wie du keine Schraube mit den Fingern festziehst, „hoffst“ du beim Einfädeln nicht auf Schwerkraft.


Versteckte „Basics“ & kurze Vorbereitung (was erfahrene Bediener vorher checken)
Viele Probleme, die wie „Maschinenfehler“ wirken, sind in der Praxis schlicht Setup-Themen. Bevor du eine Farbe einfädelst, lohnt sich dieser kurze Realitäts-Check:
- Maschine im sicheren Zustand: Einfädeln nur im STOP (wenn möglich mit Not-Aus/Drive aus). Bewegliche Teile (v. a. Fadenhebel) sind kraftvoll.
- Fadenende sauber schneiden: Ein sauberer Schnitt läuft deutlich leichter durch kleine Ösen/Führungen.
- Werkzeug griffbereit: Einfädeldraht und ggf. Pinzette in Reichweite – nicht erst suchen, wenn der Faden schon „weg“ ist.
- Farbreihenfolge/Needle-Mapping klar: Welche Nadelnummer gehört zu welcher Farbe? Im Video wird die Reihenfolge (1–15) visuell eingeblendet.
Warnhinweis: Mechanische Sicherheit. Finger, weite Ärmel, Schmuck und lange Haare von beweglichen Teilen fernhalten. Industrielle Köpfe haben genug Kraft, um ernsthaft zu verletzen. Immer im Stillstand einfädeln.
Prep-Checkliste (kurz, bevor du den Fadenweg aufbaust)
- Status: Maschine an, aber im STOP/Stillstand.
- Konus sitzt sauber: Faden kann frei ablaufen (kein Verklemmen am Konusfuß).
- Fadenende: frisch und gerade abgeschnitten.
- Tools: Einfädeldraht liegt bereit.
- Reihenfolge: Nadelnummern/Spannungsplätze sind klar.
Wenn du deinen Workflow insgesamt professionalisieren willst, vergleichen viele Betriebe verschiedene Einspannstation, um das Einspannen zu beschleunigen. Behandle das Einfädel-Setup genauso konsequent – es ist die Basis für störungsfreie Laufzeit.
Schritt 1: Fadenführung am Garnständer (Thread Stand)
Hier geht es um Reibungs- und Zugmanagement: Der Faden soll vom Konus zur ersten Führung ohne unnötigen Widerstand laufen.

Was du tust (Sequenz wie im Video)
- Stelle den Garnkonus stabil auf den entsprechenden Platz am Garnständer.
- Ziehe das Fadenende nach oben.
- Führe den Faden durch das passende Loch/Öse am oberen Metallgestell (im Video mit roten Linien hervorgehoben).
Checkpoints (bevor du weitergehst)
- Gerade-Linie-Check (visuell): Läuft der Faden möglichst gerade nach oben? Wenn er stark seitlich ziehen muss, steht der Konus wahrscheinlich nicht am passenden Platz.
- Lauf-Check (haptisch/akustisch): Ziehe ein Stück Faden ab. Er sollte gleichmäßig ablaufen – ohne „Schaben“ oder Haken.
Erwartetes Ergebnis
Du hast einen „sauberen Zulauf“. Das ist wichtig, weil Industriemaschinen vibrieren: Wenn der Faden irgendwo an Nachbarteilen reibt, wird daraus bei Dauerlauf schnell ein Fadenriss.
Wenn du gerade eine honpo Stickmaschine für deinen Betrieb evaluierst: Diese klare, robuste Führung oben ist genau dafür da – geradliniger Fadenlauf und weniger Störungen bei höheren Geschwindigkeiten.
Schritt 2: Durch die Führungsrohre (Guide Tubes)
Die Führungsrohre schützen den Faden und halten den Lauf kontrolliert, damit er nicht frei „herumflattert“ oder sich verheddert.


Was du tust (Sequenz wie im Video)
- Löse das weiße/klare Kunststoff-Führungsrohr vom Gestell.
- Schiebe den Einfädeldraht durch das Rohr (die Richtung ist weniger wichtig als: konsequent arbeiten).
- Hake den Faden am Ende des Einfädeldrahts ein.
- Ziehe den Einfädeldraht komplett durch – der Faden läuft mit.
- Setze das Rohr wieder ein und clipse es sauber fest.
Checkpoints
- „Klick“-Check (akustisch): Das Rohr sollte spürbar einrasten. Ein lose sitzendes Rohr kann vibrieren.
- Freiheit: Bewege den Faden leicht hin und her – er muss ohne spürbares Klemmen gleiten.
Erwartetes Ergebnis
Der Faden kommt ohne Verdrehung und ohne Knoten an der Spannungseinheit an.
Praxis-Tipp: Gerade bei einer 15-Nadel-Stickmaschine zählt Rüstzeit. Lege den Einfädeldraht immer an denselben Platz (z. B. direkt an die Maschine/den Werkzeugbereich), damit du nicht jedes Mal suchen musst.
Schritt 3: Spannungseinheit, Sensor-/Check-Spring-Bereich und Fadenhebel
Das ist der kritische Abschnitt. Viele Einsteiger haben hier Probleme, weil der Faden nicht korrekt „in“ der Spannung sitzt oder weil der Fadenhebel ausgelassen wird.



Teil A — Hauptspannung (Ablauf wie im Video)
Im Video wird gezeigt: Der Faden wird an der schwarzen Spannungseinheit sauber herumgeführt, damit er korrekt zwischen den Spannscheiben läuft.
- Orientiere dich an der Nadel-/Positionsreihenfolge (1–15) wie eingeblendet.
- Führe den Faden nach unten zur schwarzen Spannungseinheit.
- Lege den Faden einmal vollständig im Uhrzeigersinn um die Spannung, damit er sicher in den Scheiben sitzt.
Checkpoints
- Sitz-Check: Ziehe den Faden leicht – du solltest einen gleichmäßigen Widerstand spüren (nicht „frei durchrutschen“, aber auch nicht blockieren).
- Fadenlage: Der Faden muss sauber im Spannbereich laufen, nicht außen an der Einheit vorbei.
Teil B — Sensor-/Check-Spring-Bereich und Fadenhebel (Take-up Lever)
Im nächsten Schritt führt das Video den Faden unter/um das kleine Führungsrad im Sensor-/Check-Spring-Bereich und dann nach oben zum Fadenhebel.

Was du tust (Sequenz wie im Video)
- Führe den Faden unter das kleine Metallrad/den Führungsroller.
- Ziehe den Faden gerade nach oben zum Fadenhebel (Take-up Lever).
- Fädle durch das Öhr/den Schlitz des Fadenhebels von rechts nach links.
- Ziehe den Faden anschließend wieder gerade nach unten.
Checkpoints
- Hebel-Öhr wirklich getroffen: Wenn der Faden nicht korrekt im Fadenhebel sitzt, entstehen sehr schnell massive Fadenknäuel.
- Ruhiger Lauf: Der Fadenweg soll „geschlossen“ wirken – keine losen Schlaufen im Kopfbereich.
Erwartetes Ergebnis
Die Maschine kann den Stich sauber anziehen, weil der Fadenhebel und die Spannungseinheit korrekt im System arbeiten.
Viele, die nach Mehrnadel-Stickmaschinen kaufen suchen, schauen zuerst auf maximale Geschwindigkeit. In der Praxis gilt: Ohne korrekt aufgebauten Fadenweg ist Geschwindigkeit nur eine schnellere Art, Fehler zu produzieren.
Schritt 4: Untere Führungen und Nadel einfädeln
Jetzt bist du im „Präzisionsbereich“: mehrere kleine Führungen/Ösen bis zur Nadel.



Teil A — Untere Führungen und Nadelstange
- Führe den Faden nacheinander durch die vertikalen Führungen am Kopf nach unten.
- Keine Führung auslassen. Jede einzelne stabilisiert den Faden bei hoher Geschwindigkeit.
- An der Nadelstange: durch die kleine Führung direkt oberhalb der Nadelklemme führen.
Checkpoints
- Gerade Führung: Der Faden läuft parallel zur Nadelstange nach unten.
- Keine Umwicklung: Der Faden darf nicht um Bauteile „herumgewickelt“ sein.
Teil B — Nadelöhr (Ablauf wie im Video)



Was du tust (Sequenz wie im Video)
- Falls vorhanden: den federnden Fadenhalter/„Thread Lock“ herunterdrücken, um den Faden zu stabilisieren.
- Fädle das Nadelöhr von vorn nach hinten.
- Ziehe den Faden durch, bis ein sauberer Fadenrest vorhanden ist.
Checkpoints
- Richtung stimmt: Das Video zeigt klar „Front to Back“.
- Sauberer Durchzug: Wenn das Einfädeln hakelig ist, Fadenende neu schneiden und erneut versuchen.
Praxis-Hinweis – Rahmenspuren/Rahmenabdrücke („Hoop Burn“): Du hast perfekt eingefädelt, startest – und nach dem Sticken siehst du einen deutlichen Ring im Material. Das sind Rahmenspuren durch zu starken Druck klassischer Kunststoffrahmen.
- Ansatz: Druck reduzieren und Einspannen sauber dosieren.
- Option: Viele Profis steigen auf Magnetrahmen um, weil sie Material oft schonender halten.
- Einordnung: Wer nach Stickrahmen für Stickmaschine sucht, landet häufig bei Standardrahmen – magnetische Varianten können (je nach Material/Workflow) das Einspannen vereinfachen.
Warnhinweis: Magnet-Sicherheit. Starke Magnetrahmen können Finger einklemmen. Nicht in die Nähe von Herzschrittmachern bringen. Mit Abstandshaltern lagern, damit sie nicht unkontrolliert zusammenschlagen.
Fazit
Einfädeln an einer Industriemaschine ist ein fester Ablauf – und genau das ist der Vorteil: Wenn du den Fadenweg einmal sauber standardisiert hast, wird er reproduzierbar und zuverlässig.
Kurz-Recap des „Goldenen Fadenwegs“:
- Konus: gerader, freier Abzug.
- Rohr: sauber durchgezogen mit Einfädeldraht.
- Spannung: korrekt in der Spannungseinheit geführt.
- Fadenhebel: sicher im Öhr (rechts → links).
- Nadel: vorn → hinten.

Betriebs-Checkliste (Mini-„Pre-Flight“)
Bevor du startest, einmal kurz prüfen:
- Unterfaden-Check: Unterfadenbereich sauber? (Sichtprüfung am Greifer-/Spulenbereich.)
- Spannungsgefühl: Faden leicht ziehen – gleichmäßiger Widerstand?
- Freigängigkeit: Nichts steht im Weg, kein Bauteil kann anschlagen.
- Langsam starten: Erst wenn alles stimmt, Geschwindigkeit erhöhen.
Entscheidungslogik: Stickvlies auswählen
Auch bei perfektem Einfädeln führt falsches Stickvlies zu Wellen/Verzug. Nutze diese einfache Logik:
- Ist der Stoff dehnbar? (T-Shirts, Polos, Strick)
- Entscheidung: Schneidvlies (Cutaway) verwenden.
- Ist der Stoff stabil? (Denim, Canvas, Caps)
- Entscheidung: Reißvlies (Tearaway) ist oft möglich.
- Hat der Stoff Flor/Schlingen? (Frottee, Fleece, Samt)
- Entscheidung: Oben wasserlösliche Folie (Topping) auflegen, damit Stiche nicht einsinken.
Wenn du als Einsteiger nach der beste Stickmaschine für Einsteiger suchst, achte auf ein solides „Ökosystem“: Standardnadeln, gängige Rahmen und saubere, nachvollziehbare Workflows.
Troubleshooting (Symptom → wahrscheinliche Ursache → Fix)
Wenn etwas schiefgeht: ruhig bleiben und systematisch prüfen (Mechanik → Fadenweg → Einstellungen).
| Symptom | Wahrscheinliche physische Ursache | Quick Fix |
|---|---|---|
| Fadenknäuel unter dem Stoff (Birdnesting) | Oberfaden hat keine wirksame Spannung. | Oberfaden sitzt vermutlich nicht in der Spannungseinheit oder der Fadenhebel wurde verpasst. Schritt 3 komplett neu einfädeln. |
| Faden franst / reißt | Fadenlauf hakt oder Fadenende ist beschädigt. | Fadenende neu schneiden und den Lauf durch Führungen/Spannung prüfen. |
| Nadel bricht | Anschlag/Abdrift. | Prüfen, ob etwas im Weg ist bzw. ob die Nadel irgendwo anschlägt. |
| Oberfaden rutscht aus dem Nadelöhr | Fadenrest zu kurz. | Vor dem Start einen ausreichenden Fadenrest durchziehen und beim Anlaufen kontrollieren. |
| Rahmenspuren im Material | Zu hoher Einspann-Druck. | Weniger Druck beim Einspannen; ggf. Magnetrahmen als Alternative prüfen. |
Ergebnis: Woran du „gutes Einfädeln“ erkennst
Wenn alles passt, läuft der Kopf gleichmäßig – ohne auffälliges Klappern oder „Schlagen“. Starte kontrolliert und steigere erst dann die Geschwindigkeit.
Wenn dein Volumen wächst, sind Tools wie eine hoop master Einspannstation oder eine dedizierte hooping station for embroidery machine oft weniger Luxus als ein Stabilitätsfaktor im Workflow.
Viel Erfolg beim Einfädeln
