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Warum Magnetrahmen bei T-Shirts?
Wenn du an einer 6- oder 8-Kopf-Industrieanlage arbeitest, ist der Engpass selten die Stichzahl pro Minute (SPM) – es ist die Rüstzeit. Der „unsichtbare Zeitdieb“ in der Produktion ist das wiederholte Einspannen, die Belastung für Handgelenke – und die versteckten Kosten durch Rahmenabdrücke: diese dauerhaft glänzenden Ringe auf dunklen Shirts, die klassische Schraub-/Klemmrahmen hinterlassen können.
Ein großer Magnetrahmen verändert die Art, wie Stoff gehalten wird. Statt das Material zwischen zwei mechanisch klemmende Ringe zu zwingen (was bei Maschenware die Fasern verzieht), wird der Stoff vertikal „gesandwicht“. Das reduziert den „Trampolin-Effekt“: zu stark gedehnte Ware zieht sich nach dem Ausspannen wieder zusammen – das Motiv wirkt dann kleiner, verzieht sich und es entstehen Falten.
Im begleitenden Video zeigt der Bediener einen rechteckigen 360-mm-Magnetrahmen an einer YunFu-Mehrkopfmaschine mit Dahao-Bedienpanel. Wir zerlegen den Ablauf in einen praxistauglichen Workflow für den Produktionsalltag – inklusive:
- Einspannen ohne Verzug: T-Shirt fixieren, ohne den Fadenlauf/ die Maschen zu dehnen.
- Mechanisches Setup: Tragarme/Pantograph auf die 360-mm-Aufnahme einstellen.
- Digitale Sicherheit: Den passenden Rahmen-Code im Dahao auswählen, um Kollisionen zu vermeiden.
- Verifikation: Mit „Walk Border“ die reale Freigängigkeit prüfen.
- Ausschuss vermeiden: Erst Muster über einzelne Köpfe laufen lassen.
Ein typischer Upgrade-Schritt in wachsenden Betrieben ist der Wechsel von Standard-Tubularrahmen auf einen Magnetrahmen, sobald das T-Shirt-Volumen deutlich anzieht. Das ist nicht nur eine Frage der Geschwindigkeit – sondern vor allem der Wiederholgenauigkeit über mehrere Bediener hinweg.


Schritt 1: Richtiges Einspannen mit Stickvlies
Das Video startet mit dem Einspannen eines schwarzen Baumwoll-T-Shirts. Es wirkt simpel – aber genau hier entstehen die meisten Fehler (Falten, Verzug, Passungsprobleme). Bei Maschenware ist das Ziel Stabilisieren, nicht „abwürgen“.
Was im Video gemacht wird (Kernmethode)
- Stickvlies einlegen: Das Vlies kommt in/unter das Shirt (im Video als „backing“ gezeigt; besonders wichtig bei weicher Ware).
- Positionieren: Shirt über den unteren Rahmen legen.
- Glattstreichen: Stoff mit der Handfläche faltenfrei ausstreichen.
- Magnet schließen: Oberteil des Magnetrahmens aufsetzen und hörbar einrasten lassen.
- Kontrolle: Oberfläche auf Planlage prüfen.
Profi-Hinweis: „flach“ ist nicht „überdehnt“
Ein häufiger Anfängerfehler ist, T-Shirts „trommelfest“ zu spannen. Nicht machen. Maschenware ist elastisch. Wenn du beim Einspannen dehnst, stickst du auf einem verzogenen Raster. Nach dem Ausspannen springt der Stoff zurück – die Stickerei nicht. Ergebnis: deutliche Faltenbildung.
Schnelltest in der Praxis (Planlage-Check):
- Optik: Der Stoff soll glatt liegen, ohne dass die Maschen sichtbar „gezogen“ wirken.
- Haptik: In der Mitte sollte sich der Stoff noch leicht anheben lassen – nicht wie ein Tennisschläger.
- Geräusch: Beim Schließen des Magnetrahmens hörst du ein klares Klack/Snap. Ein „schwaches“ Geräusch kann darauf hindeuten, dass Stoff in den Kontaktflächen liegt und der Rahmen nicht vollflächig schließt.
Vorbereitung & Checks, die in der Produktion Zeit sparen
- Stickvlies passend platzieren: Bei weicher Ware im Shirt/unter der Lage, damit die Fläche stabil bleibt.
- Ecken prüfen: Gerade bei Magnetrahmen ist wichtig, dass in den Ecken keine Stoffwülste zwischen den Kontaktflächen liegen – sonst verliert die Einspannung dort Halt.
Warnhinweis: Quetschgefahr. Magnetrahmen arbeiten mit sehr starken Magneten. Finger beim Schließen konsequent aus der Kontaktzone halten.
Checkliste (am Ende dieses Abschnitts)
- Stickvlies: Vlies ist eingelegt (bei weicher Ware ausdrücklich empfohlen).
- Planlage: Shirt ist glattgestrichen, nicht überdehnt.
- Rahmen sitzt: Oberrahmen ist vollständig eingerastet (keine Stoffwülste in den Ecken).
- Freie Bewegung: Ärmel/Überstand sind nicht unter dem Rahmen eingeklemmt.

Schritt 2: Pantograph-/Tragarme der Maschine einstellen
Sobald das Shirt sicher eingespannt ist, muss die Maschine mechanisch auf den Rahmen angepasst werden. Im Video wird die Breite der Tragarme/Pantographenaufnahme so eingestellt, dass der 360-mm-Magnetrahmen sauber aufgenommen wird.
Was im Video gezeigt wird (exakte Positionen)
- Rahmenbreite: 360 mm.
- Schienen-/Kerbenposition: Der Bediener zählt die Kerben („gaps“) an der Schiene.
- Linke Halterung: auf die 2. Kerbe.
- Rechte Halterung: auf die 6. Kerbe.
Hinweis: Diese Kerbenzählung ist genau so im Video zu sehen und kann je nach Maschinenmodell/Schiene abweichen.
Profi-Hinweis: Warum das teure Fehler verhindert
Die Schnittstelle zwischen Maschine und Rahmen ist ein typischer Ausfallpunkt. Sind die Arme zu weit, kann der Rahmen „arbeiten“ – das begünstigt Vibrationen und Fadenrisse. Sind sie zu eng, verspannst du den Rahmen und belastest die X/Y-Mechanik.
Passprobe („satt, aber nicht geklemmt“):
- Einsetzen: Der Rahmen sollte sich sauber einschieben lassen.
- Sitz: Nach dem Einsetzen darf links/rechts kein Spiel spürbar sein.
Praxis-Tipp aus dem Video-Kontext: Da du für unterschiedliche Rahmenlängen andere Kerben nutzen kannst, lohnt es sich, die passende Position für deinen Magnetrahmen für Stickmaschine als Referenz zu markieren (z. B. mit Tape), damit der nächste Rüstvorgang schneller und reproduzierbar ist.



Schritt 3: Dahao-Interface – Rahmen korrekt auswählen
Die digitale Konfiguration ist genauso wichtig wie das mechanische Setup. Im Video geht es danach an das Dahao Control Panel.
Was im Video gemacht wird (Panel-Workflow)
- Menü Frame Select öffnen.
- Durch die Presets (A, B, C, D, E) scrollen.
- Den passenden Code zum montierten Rahmen wählen (im Video: E: 360×200 als optisch passender Eintrag).
- Bestätigen: Danach fährt der Pantograph automatisch in die Mitte und übernimmt die Begrenzung.
Profi-Hinweis: „Frame Select“ ist keine Formalität
Die Maschine muss die Rahmengröße kennen, um die softwareseitigen Verfahrgrenzen korrekt zu setzen. Wählst du einen kleineren Rahmen als real montiert, verschenkst du Stickfläche. Wählst du einen größeren als den physischen Rahmen, kann die Maschine in Richtung Rahmenkante verfahren – im schlimmsten Fall bis zur Kollision.
Bestätigungs-Check: Nach OK sollte eine automatische Zentrierbewegung erfolgen. Passiert das nicht, prüfe, ob die Auswahl wirklich bestätigt wurde.


Schritt 4: Motiv prüfen – Walk Border als Sicherheitscheck
Dieser Schritt ist deine Versicherung. Im Video wird nach dem Laden des Motivs ein „Walk Border“ gefahren.
Was im Video gemacht wird (Motiv + Walk Border)
- Datei laden: Motiv „Punta Cana“ auswählen.
- Modus: Auf Stick-/Embroidery-Design umstellen.
- Walk Border: Walk-Border-Funktion starten.
- Beobachten: Die Maschine fährt die Außenbegrenzung des Motivs ab.
- OK-Meldung: Anzeige bestätigt „No frame limit!“
Profi-Hinweise: Was du dabei wirklich kontrollierst
Nicht nur auf den Bildschirm schauen: Beobachte die Bewegung am Kopf (insbesondere Kopf 1) und die Lage des Motivs im Rahmen.
- Wenn die Position nicht passt: Im Video wird gezeigt, dass du mit den Pfeil-Icons die Rahmenposition nachjustieren kannst (Jog/Move), bevor du startest.
- Erst nach Korrektur erneut Walk Border: So stellst du sicher, dass die neue Position wirklich innerhalb der Grenzen liegt.



Profi-Tipp: Auf Mehrkopfmaschinen zuerst ein Muster über einen Kopf laufen lassen
Zum Schluss zeigt das Video einen sehr praxisnahen Trick: Eine Mehrkopfmaschine für Muster wie eine Einkopfmaschine nutzen.
Was im Video gemacht wird (Köpfe schalten)
- Schalter an den Köpfen: Mechanische Head-Switches.
- Einstellung: Kopf 1 ON (grüne LED), alle anderen OFF.
- Nutzen: Du stickst erst ein Musterteil, bevor du die komplette Serie startest.
Warum das in der Praxis Geld spart
Gerade bei Serien willst du nicht „hoffen“, dass alles passt. Ein Musterlauf hilft dir, Platzierung und Ablauf zu prüfen, bevor mehrere Teile gleichzeitig laufen.
Farbzuordnung: Im Video wird die Farbzuordnung am Panel vorgenommen. Achte darauf, dass die digitale Reihenfolge zu deiner realen Garnbestückung (Nadelbelegung) passt.




Betriebs-Checkliste (am Ende dieses Abschnitts)
- Köpfe: Nur die gewünschten Köpfe sind aktiv (grüne LED).
- Walk Border: durchgeführt und Freigängigkeit bestätigt („No frame limit!“).
- Farbzuordnung: Farben/Needle-Map stimmen mit der Garnbestückung überein.
- Letzter Blick: Keine losen Stoffteile (Ärmel/Überstand) im Bewegungsbereich.
Setup-Checkliste (am Ende dieses Abschnitts)
- Mechanik: 360-mm-Rahmen sitzt stabil in den Armen (kein seitliches Spiel).
- Armposition: Tragarme wie im Video eingestellt (z. B. links 2. Kerbe / rechts 6. Kerbe).
- Software: Dahao auf Frame „E: 360×200“ (oder äquivalentes Preset deiner Maschine) gesetzt.
- Auto-Zentrierung: Maschine hat nach der Rahmenselektion zentriert.
Troubleshooting (Symptome → Ursachen → Fix)
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Quick Fix | Vorbeugung |
|---|---|---|---|
| Stickfläche sitzt nicht da, wo sie soll | Startpunkt/Position nicht korrekt zentriert | Mit den Pfeil-Icons am Dahao-Panel die Rahmenposition nachjustieren (Jog/Move) | Vor Serienstart immer Walk Border fahren |
| Motiv könnte an den Rahmen stoßen | Motiv zu groß oder ungünstig positioniert | Walk Border durchführen; bei Erfolg erscheint „No frame limit!“ | Vor jedem Start Rahmencode korrekt wählen und Walk Border als Pflichtschritt etablieren |
| Falten/Verzug am Motiv | Shirt beim Einspannen gedehnt oder zu wenig Stabilisierung bei weicher Ware | Neu einspannen: Stoff nur glattstreichen, Stickvlies wie im Video empfohlen einlegen | Mit Magnetrahmen für Stickmaschine flach einspannen statt „trommelfest“ ziehen |
Hinweis zur Prozessstabilität: Wenn dein Team häufig schief einspannt oder die Rüstzeit schwankt, ist Standardisierung der Hebel. Eine Magnetische Einspannstation kann die Ausrichtung reproduzierbarer machen, weil das Shirt immer gleich aufgelegt und der Magnetrahmen an derselben Referenz geschlossen wird.
Ergebnis: Woran du erkennst, dass alles „richtig“ läuft
Maschinenstickerei ist Millimeterarbeit. Wenn du den Ablauf aus dem Video sauber umsetzt – korrekt stabilisieren, den 360-mm-Rahmen mechanisch passend aufnehmen, im Dahao den richtigen Rahmen wählen und per Walk Border verifizieren – eliminierst du die typischen Variablen, die Zeit und Ware kosten.
Ein sauberer Lauf zeigt sich durch:
- Ruhige Planlage: Keine sichtbaren Wellen um das Motiv.
- Saubere Oberfläche: Keine auffälligen Rahmenabdrücke rund um die Stickerei.
- Sicherer Ablauf: Walk Border bestätigt die Freigängigkeit, bevor der erste Stich gesetzt wird.
Wenn du deine Produktion professionalisieren willst, beginne bei einem standardisierten Einspannprozess mit Magnetrahmen und klaren Panel-Schritten – dann kannst du Serienaufträge mit deutlich weniger Risiko und Nacharbeit abwickeln.
