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ITH (In-the-Hoop) Projekte sind für viele der schnellste Einstieg in saubere Maschinenstickerei-Ergebnisse: wenig Zuschnitt, kein Nähmaschinen-Zusammenbau, und am Ende hältst du ein fertiges Teil in der Hand. Gerade Filz-Projekte wie Lippen oder Schnurrbärte wirken dabei „zu einfach, um schiefzugehen“ – in der Praxis hängt das Ergebnis aber stark von Lagenstabilität und Reibungs-/Verschiebekontrolle ab.
In diesem überarbeiteten Workflow gehen wir deshalb über „einfach starten und hoffen“ hinaus. Du arbeitest mit einer Platzierungslinie auf eingespanntem Reißvlies, legst zwei Filzlagen im Floating-Verfahren auf (damit der Filz nicht im Stickrahmen gequetscht wird), lässt die finale Fixier-/Kontursequenz laufen und montierst anschließend sauber und stabil.
Zusätzlich bekommst du Studio-taugliche Checkpoints gegen die Klassiker: Filz verrutscht während der Kontur, Klebeband liegt im Stichweg, Vlies reißt unsauber ab oder der Zuschnitt franst optisch aus. Und: Wenn du mehrere Stück am Stück produzierst, zeigen wir dir, wo ein Workflow-Upgrade wirklich Zeit und Handgelenke spart.

Materialien für DIY-Foto-Requisiten
Filz und Stickvlies richtig auswählen
Das Gelingen steht und fällt mit der Materialkombination. Im Video werden zwei Filzstücke sowie Sulky Tear-Away (Reißvlies) verwendet – ein bewährtes Setup für schnelle ITH-Requisiten.
Bewährte Basis (wie im Video):
- Filz: Bastelfilz aus dem Hobbybedarf oder Wollmischfilz.
- Stickvlies: Reißvlies (Sulky Tear-Away), damit du nach dem Sticken schnell „entgittern“ kannst.
Praxis-Hinweis zur Stabilität: Bei Filz ist nicht nur das Vlies entscheidend, sondern auch, dass die Lagen während der Kontur nicht wandern. Genau deshalb ist die Platzierungslinie + Floating-Fixierung (mit Tape) der Kern dieses Projekts.
Warum Floating hier sinnvoll ist: Filz direkt einzuspannen kann je nach Dicke und Oberfläche ungleichmäßig werden (Druckstellen, Verzug). Wenn du stattdessen nur das Vlies einspannst und den Filz oben auflegst, bleibt die Oberfläche ruhiger – und du arbeitest schneller, weil du nicht gegen „störrische“ Filzlagen im Rahmen kämpfen musst.

Sticks und Kleber auswählen
Damit die Requisite den „Party-Test“ besteht (viel Bewegung, viele Hände), lohnt sich ein sauberer Aufbau.
Hardware (wie im Video gezeigt):
- Sticks: Lollipop-/Cake-Sticks aus dem Bastel-/Backbereich.
- Kleber: Textilkleber (Fabric Glue) für eine dauerhafte Verbindung.
Typische Frage aus der Praxis (Datei/Stickmuster): In den Kommentaren wird nach der Stickdatei für Lippen und Schnurrbart gefragt. Die Antwort nennt konkrete Download-Quellen (z. B. zeitlich begrenzte Freebies sowie einen Shop). Links können sich ändern – wichtig ist: Der Ablauf hier funktioniert mit jeder ITH-Datei, die zuerst eine Platzierungslinie und danach eine Fixier-/Kontursequenz stickt.
Der Produktions-Flaschenhals: Wenn du viele Requisiten (z. B. für Events) machst, ist nicht das Sticken der Zeitfresser, sondern das wiederholte Einspannen/Umspannen. Klassische Schraub-Stickrahmen bremsen – hier lohnt es sich, über Prozesshilfen nachzudenken.
Pro-Upgrade-Logik: Wenn du mehr Zeit mit Einspannen als mit Sticken verbringst, ist das ein klares Signal für Einspannen für Stickmaschine-Upgrades. Magnetrahmen (z. B. von SEWTECH) klemmen Vlies und Material in Sekunden – ohne Schraube drehen – und reduzieren bei Serienarbeit die Belastung fürs Handgelenk.
Vorbereitungs-Checkliste (versteckte Verbrauchsmaterialien & Checks)
Richte dir alles so hin, dass du zwischen den Farb-/Stopp-Punkten nicht suchen musst.
Checkliste — Vorbereitung:
- Filz zugeschnitten: Zwei Stücke, die die Platzierungslinie vollständig überdecken.
- Reißvlies eingespannt: Glatt und straff im Stickrahmen.
- Tape bereit: Zum Fixieren der Filzlagen im Floating-Verfahren.
- Schere/Schneideunterlage: Für sauberen Zuschnitt nach dem Sticken.
- Textilkleber + Sticks: Für die Endmontage.
Sicherheits-Hinweis (Maschine): Beim Wiedereinsetzen des Stickrahmens Finger aus dem Nadelbereich halten. Viele Maschinen bewegen den Stickarm/Schlitten beim Start zügig – lose Werkzeuge oder Becher sollten nicht im Bewegungsbereich stehen.

Schritt-für-Schritt ITH-Anleitung
Platzierungslinie sticken
Die Platzierungslinie ist deine „Landkarte“: Sie definiert exakt, wo der Filz liegen muss.
Schritt 1 — Platzierungslinie:
- Reißvlies einspannen: Nur das Vlies kommt in den Stickrahmen.
- Stickrahmen einsetzen und starten: Die Maschine stickt die erste Sequenz direkt auf das Vlies (Platzierungslinie).
- Kurz prüfen: Die Linie muss geschlossen/sauber sichtbar sein – sie ist die Referenz für die Filzposition.
Praxis-Tipp: Ein kontrastreicher Faden (zur Vliesfarbe) macht das Ausrichten im nächsten Schritt deutlich einfacher.

Filz im Floating-Verfahren fixieren
Das ist der kritischste Schritt für Passung: Wenn der Filz auch nur minimal wandert, wirkt die Kontur später „schief“.
Schritt 2 — Filz auflegen und sichern:
- Stickrahmen aus der Maschine nehmen (Vlies bleibt eingespannt).
- Beide Filzstücke so über die Platzierungslinie legen, dass die Stiche komplett abgedeckt sind.
- Mit Tape fixieren: Tape an den Rändern/über die Ecken setzen, damit die Filzlagen nicht rutschen.
Kontrollpunkte (schnell, aber entscheidend):
- Abdeckung: Die Platzierungslinie darf nirgends „frei“ liegen.
- Tape außerhalb des Stichwegs: Wenn die Nadel durch Tape stickt, kann Kleber am Nadelöhr haften – das führt später gern zu Fadenrissen. Tape daher so platzieren, dass die Kontur nicht darüberläuft.


Warum Floating hier die Oberfläche schont: Du vermeidest Druckstellen/Rahmenspuren, weil der Filz nicht zwischen Innen- und Außenring gequetscht wird. Der Preis dafür ist: Die Fixierung muss zuverlässig sein – im Video wird dafür Tape genutzt.
Upgrade-Pfad (wenn du Tape vermeiden willst): Wenn du Tape als unzuverlässig oder verschwenderisch empfindest, ist ein magnetischer Stickrahmen die naheliegende Profi-Lösung.
- Warum? Du kannst Material schnell positionieren und dann mit Magneten sicher klemmen – ohne Klebeband.
- Keywords: Genau hier wird aus Floating-Stickrahmen-Technik ein reproduzierbarer, professioneller Klemmprozess.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Magnetrahmen arbeiten mit starken Magneten. Abstand zu Herzschrittmachern, empfindlicher Elektronik und Kindern halten. Finger nicht zwischen Magnet und Rahmen bringen (Quetschgefahr).
Finale Sticksequenz und Montage
Jetzt werden die Lagen miteinander fixiert und die Form definiert.
Schritt 3 — Design sticken (Fixieren/Kontur):
- Stickrahmen wieder einsetzen und darauf achten, dass der Filz glatt liegt.
- Start drücken: Die Maschine stickt die finale Sequenz, die die Filzlagen zusammenheftet und die Form (z. B. Lippen) sauber ausarbeitet.
Worauf du währenddessen achtest:
- Verrutschen: Wenn du siehst, dass sich Filz anhebt oder wandert, sofort stoppen und die Fixierung verbessern (mehr Tape, besser angedrückt).


Serienrealität: Bei 20+ Teilen nervt jedes Umspannen mit Schraubrahmen. Hier spielen Magnetrahmen für Stickmaschine ihre Stärke aus: schneller öffnen/schließen, weniger Handkraft, gleichmäßiger Druck.
Setup-Checkliste (Go/No-Go vor dem Start)
Bevor du die finale Sequenz laufen lässt:
Checkliste — Setup:
- [ ] Abdeckung: Filz deckt die Platzierungslinie vollständig ab.
- [ ] Tape frei: Kein Tape im Stichweg.
- [ ] Stickrahmen sitzt: Rahmen korrekt im Halter eingerastet.
Finishing
Sauber zuschneiden
Der Zuschnitt entscheidet, ob es „Basteloptik“ oder „sauber produziert“ wirkt.
Schritt 4 — Fertigstellen und montieren:
- Tape entfernen.
- Projekt aus dem Stickrahmen nehmen.
- Reißvlies abreißen: Vlies von der Rückseite entfernen.
- Außen zuschneiden: Entlang der äußeren Stichlinie rundherum ausschneiden.




Typischer Fehler: In die Außenstiche schneiden. Wenn du die Kontur beschädigst, wird die Kante schnell unsauber.
Stick (Griff) stabil befestigen
Der Griff soll fest sitzen und nicht wackeln.
Methode (wie im Video gezeigt):
- Stick bereitlegen und Textilkleber öffnen.
- Kleiner Einschnitt: In die untere Filzlage einen kleinen Schlitz schneiden, um eine Öffnung zu erzeugen.
- Kleber auf den Stick: Einen kleinen Klebepunkt auf das Stickende geben.
- Stick in die Öffnung einschieben und zum Trocknen flach ablegen.



Upgrade-Pfad (für gleichbleibende Positionierung): Wenn du viele identische Teile produzierst, hilft eine Einspannhilfe, damit jede Platzierungslinie im Stickrahmen gleich sitzt. Eine Einspannstation sorgt für Wiederholgenauigkeit und reduziert Ausschuss.
Ablauf-Checkliste (End-to-End)
Zum Ausdrucken/Abhaken:
Checkliste — Ablauf:
- [ ] Reißvlies einspannen: glatt/straff.
- [ ] Platzierungslinie sticken: klar sichtbar.
- [ ] Filz floating auflegen: 2 Lagen, vollständig abgedeckt.
- [ ] Mit Tape fixieren: Tape außerhalb des Stichwegs.
- [ ] Finale Sequenz sticken: Lagen sauber fixiert.
- [ ] Tape abziehen & Vlies abreißen: ohne Verzug.
- [ ] Ausschneiden: sauber entlang der Außenstiche.
- [ ] Schlitz + Kleber + Stick: montieren und trocknen lassen.
Qualitätskontrolle (QC)
Bevor du die Props weitergibst:
QC-Standard:
- Kontur: gleichmäßig, keine losen Schlaufen.
- Passung: Vorder- und Rücklage deckungsgleich (keine „Schattenkante“ durch Verrutschen).
- Sauberkeit: Kein sichtbarer Kleber auf der Filzoberfläche.
- Stabilität: Stick sitzt fest nach dem Antrocknen.
Effizienz-Check: Wenn das Sticken schnell geht, aber das Einspannen dominiert, lohnt sich ein Prozess-Upgrade. Für Bernina-Nutzer ist ein Magnetrahmen für bernina (oder ein kompatibler Magnetrahmen für dein Modell) oft der nächste logische Schritt.
Troubleshooting (Symptom → Ursache → Fix)
1) Symptom: Filzlagen sind gegeneinander versetzt ("Schatten")
- Wahrscheinliche Ursache: Fixierung mit Tape war zu schwach oder nicht fest angedrückt.
- Schneller Fix: Mehr Tape an den Rändern setzen und kräftig andrücken.
- Vorbeugung: Gleichmäßiger klemmen (z. B. Magnetrahmen).
2) Symptom: Nadel stickt durch Tape / später Fadenprobleme
- Wahrscheinliche Ursache: Tape liegt im Stichweg.
- Schneller Fix: Tape neu setzen – außerhalb der Kontur.
- Vorbeugung: Stichweg vor dem Start visuell „abfahren“ (Konturbereich prüfen).
3) Symptom: Reißvlies reißt unsauber ab (Fussel am Rand)
- Wahrscheinliche Ursache: Vliesqualität/Perforation passt nicht optimal.
- Schneller Fix: Reste vorsichtig abziehen/abzupfen.
- Vorbeugung: Hochwertiges Reißvlies verwenden (im Video: Sulky Tear-Away).
4) Symptom: Ausschneiden wirkt zackig/unsauber
- Wahrscheinliche Ursache: Zu grobe Schere oder zu hastig geschnitten.
- Schneller Fix: Langsam entlang der Außenstiche schneiden und das Teil drehen (nicht die Schere „verreißen“).
5) Symptom: Einspannen kostet Zeit/Handgelenk
- Wahrscheinliche Ursache: Wiederholtes Schrauben/Umspannen.
- Schneller Fix: Pausen einlegen.
- Langfristig: Einspannstation für Maschinenstickerei oder hoopmaster Einspannstation einsetzen.
Ergebnis
Du hast jetzt einen reproduzierbaren ITH-Workflow, der schnell ist und trotzdem sauber aussieht: Platzierungslinie → Filz floating fixieren → finale Kontur → Vlies abreißen → sauber zuschneiden → Stick einkleben.

Abgabe-Standard
Die Requisite ist sauber konturiert, stabil genug für den Einsatz und ordentlich zugeschnitten. Der Stick ist fest integriert und wirkt nicht wie „nachträglich drangeklebt“.
Nächste sinnvolle Upgrades
- Problem: „Ich brauche schnelleres Einspannen für Serien.“ → Lösung: Magnetrahmen und/oder Einspannstation.
- Problem: „Ich bekomme nicht alles in einen Rahmen.“ → Lösung: Größere Stickrahmen für Stickmaschine prüfen (passend zu deiner Maschine).
- Problem: „Passt ein Magnetrahmen an meine Bernina?“ → Lösung: Kompatibilität über Magnetrahmen Größen für bernina bzw. die Modellliste prüfen.
Wenn du diese einfachen Props im Griff hast, sind Patches, Keyfobs und Applikationen der nächste logische Schritt – denn das Grundprinzip bleibt gleich: stabile Lage, saubere Passung, kontrollierte Reibung.
