Gela­gerte Zierfüllungen im Baby Lock IQ Designer: perfekte Passung, sauberer Stickout und schnelleres Einspannen

· EmbroideryHoop
Diese praxisnahe Anleitung führt dich durch das Erstellen von gelagerten Zierfüllungen (Decorative Fills) in Baby Locks IQ Designer: von der exakt dimensionierten Grundform über das Abschalten von Umrandungen, das Speichern der Form im Memory für 100% deckungsgleiche Ausrichtung, bis zum Stapeln einer zweiten Füllung, dem Gruppieren der Ebenen und einem sauberen Stickout mit klaren Farbwechseln. Zusätzlich lernst du eine fortgeschrittene Methode, um eine Hintergrundfüllung um ein vorhandenes Motiv herum zu erstellen, indem du dessen Kontur extrahierst. Dazu kommen praxistaugliche Hinweise zu Vorbereitung, Einspannen und Troubleshooting, damit Passungsfehler und Stoffverzug zuverlässig vermieden werden.
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Inhaltsverzeichnis

Einführung: Zierfüllungen (Decorative Fills) im IQ Designer

Zierfüllungen im Baby Lock IQ Designer sind eine der schnellsten Möglichkeiten, Quiltblöcken, Notebook-Covern oder Hintergrundflächen eine professionelle Textur zu geben – ohne die Einstiegshürde externer Digitalisierungssoftware. Der entscheidende Gedanke in dieser Lektion ist ein Prinzip, das auch Profi-Digitalisierer nutzen: Eine Füllung erzeugt Struktur – zwei exakt übereinander liegende, gelagerte Füllungen erzeugen Tiefe und „Dimension“.

In diesem Tutorial gehen wir Cathys Workflow durch, um ein quadratisches Feld im Stil eines 6-Inch-Quiltblocks aufzubauen. Du lernst, wie du die Umrandungsnaht deaktivierst (damit die Nahtzugabe nicht unnötig dick wird), eine Zierfüllung „einfüllst“ und anschließend direkt an der Maschine eine zweite, kontrastierende Füllung darüberlegst.

Viele Einsteiger bekommen das einmal „irgendwie“ hin. Ziel ist hier Wiederholbarkeit: ein Ablauf, dem du bei 20 Quiltblöcken oder auch bei Serienaufträgen vertrauen kannst – damit jede Lage exakt dort landet, wo sie hingehört.

Cathy holding a finished sample notebook cover showing the layered fill technique.
Introduction

Schritt für Schritt: Grundform sauber anlegen

Was du baust (und warum die Größe entscheidend ist)

Cathy arbeitet auf einen fertigen 6-Inch-Quiltblock hin. Auf dem Bildschirm stellt sie das Quadrat jedoch auf 6.19" × 6.19".

Der technische Grund: Stoff zieht sich unter Stickspannung leicht zusammen, und du brauchst „Überstand“ für die Nahtzugabe. Die zusätzlichen 0.19" sorgen dafür, dass die Zierfüllung später im zusammengenähten Quilt optisch bis zur Kante wirkt.

Screen capture showing the resizing of the square shape to 6.19 inches.
Setting Dimensions

Schritt 1 — IQ Designer öffnen und ein Basis-Quadrat wählen

  1. IQ Designer öffnen (direkt an der Maschinenoberfläche).
  2. Form wählen: Im Menü „Shapes“ das Basis-Quadrat antippen.
  3. Maße prüfen: Im Menü Size kontrollieren, dass 6.19" × 6.19" eingestellt ist.

Checkpoint: Visuell prüfen, ob das Quadrat sauber zentriert auf der Arbeitsfläche liegt. Die Maße müssen stimmen, bevor du weitergehst.

Erwartetes Ergebnis: Eine saubere Grundbegrenzung mit Sicherheitsreserve für die Nahtzugabe.

Schritt 2 — Umrandung auf „No Stitch“ setzen (damit nichts mitgestickt wird)

Wir brauchen die Form als Begrenzung für die Füllung – aber wir wollen keine gestickte Kontur, weil sie unnötig aufträgt.

  1. Line Properties öffnen: Hier steuerst du die Umrandung der Form.
  2. „No Stitch“ wählen: Das Symbol für „No Stitch“ antippen (meist Kreis mit Schrägstrich bzw. graue/„deaktivierte“ Linie).
  3. Übernehmen: Mit dem Bucket-Tool die Quadrat-Umrandung antippen.

Checkpoint: Genau hinschauen: Die Umrandung sollte grau werden oder „verschwinden“ – das zeigt, dass sie als Nicht-Stich-Daten gesetzt ist.

Erwartetes Ergebnis: Die Begrenzung bleibt als Fläche erhalten, erzeugt aber keine Nadelstiche als Rand.

Warnung: Diesen Schritt wirklich kontrollieren. Eine versehentlich gestickte (dichte) Umrandung in einem Quiltblock erzeugt eine harte Kante in der Nahtzugabe und macht das spätere Zusammennähen unnötig „bucklig“.

Profi-Hinweis aus den Kommentaren (Handout/Anleitung)

Mehrere Zuschauer fragten, wo es das Step-by-Step-Handout gibt. Der Kanal weist darauf hin, dass der Link in der Videobeschreibung steht.

Der Schlüssel zur perfekten Passung: Formen im Memory speichern

Gela­gerte Füllungen wirken nur dann „high-end“, wenn beide Lagen exakt deckungsgleich sitzen. Ein typischer Anfängerfehler ist, die zweite Lage neu zu zeichnen oder „nach Gefühl“ zu skalieren. Das führt fast immer zu minimalem Versatz („Drift“) – und der Effekt wirkt sofort unruhig. Cathys Methode ist der präzise Standard: Form speichern und für jede Lage aus dem Memory wieder aufrufen.

Using the bucket tool to apply the decorative fill to the square shape.
Applying Fill

Schritt 3 — Erste Zierfüllung anwenden (Circles)

  1. Region Properties öffnen: Das betrifft die Fläche innerhalb der Form.
  2. Fülltyp wählen: In die Bibliothek der Zierfüllungen wechseln (Cathy erwähnt, dass die Altair 15 integrierte Füllungen hat).
  3. Muster wählen: Circles auswählen.
  4. Füllung einfüllen: Mit dem Bucket-Tool in die Fläche des Quadrats tippen.

Checkpoint: Die Fläche wird zunächst als Vollfarbe markiert (Auswahl-/Füllindikator), bevor das Muster gerendert wird.

Erwartetes Ergebnis: Die „Circles“-Füllung ist auf die 6.19"-Begrenzung eingeschränkt.

Schritt 4 — Einstellungen prüfen, Füll-Umrandung deaktivieren und Vorschau

  1. Einstellungen öffnen: Next antippen.
  2. Skalierung: Fill Size = 100% für Lage 1 bestätigen.
  3. Rand aus: Outline = Off setzen.
  4. Rendern: Preview antippen.
Preview screen showing the rendered circle fill pattern without an outline.
Previewing Design

Checkpoint: Du siehst die Kreise als Linien/Stiche in der Vorschau – und vor allem keine umlaufende „Box“-Linie.

Erwartetes Ergebnis: Eine randlose Texturfläche.

Schritt 5 — Form im Memory speichern (das ist deine Passungs-Sicherung)

Das ist der wichtigste Schritt. Bevor du diesen Bereich verlässt, speichert Cathy die exakte Quadrat-Begrenzung im internen Memory.

  1. Einen Schritt zurück: Von der Vorschau einen Schritt zurückgehen.
  2. Speichern: Memory antippen.
Pressing the Memory button to save the shape for the next layer.
Saving to Memory

Checkpoint: Auf Bestätigung achten (Signalton/kurzer Speicherdialog).

Erwartetes Ergebnis: Du hast jetzt eine digitale „Schablone“. Du kannst sie beliebig oft wieder aufrufen – immer mit identischer Größe und identischem Zentrum.

Layering-Logik: mit einer zweiten Füllung Tiefe erzeugen

Jetzt kommt die „Dimension“. Statt die zweite Lage zu schätzen, rufen wir die gespeicherte Schablone wieder auf.

Recalling the saved square shape from IQ Designer memory for the second layer.
Recalling Shape

Schritt 6 — Gespeichertes Quadrat aufrufen und Diamonds anwenden

  1. Neue Lage hinzufügen: AddIQ Designer.
  2. Schablone holen: Memory öffnen und das gespeicherte Quadrat aufrufen.
  3. Neues Muster wählen: Eine kontrastierende Zierfüllung auswählen, z. B. Diamonds.
  4. Sichtbarkeit: Die Anzeigefarbe ändern (z. B. gelb), damit du die zweite Lage klar von der ersten unterscheiden kannst.
  5. Füllung einfüllen: Mit dem Bucket-Tool die Diamonds in die Fläche „gießen“.
  6. Finalisieren: Next, Outline = Off, dann Preview.
Screen showing the diamond pattern layered over the circle pattern.
Layering Review

Checkpoint: In der Vorschau müssen Diamonds exakt über den Circles liegen – gleicher Mittelpunkt, kein „Schwimmen“.

Erwartetes Ergebnis: Eine komplex wirkende Oberfläche, die aus zwei einfachen Mustern entsteht.

Schritt 7 — In Stickdaten umwandeln und Lagen gruppieren

Im IQ-Designer sind das zunächst getrennte Objekte. Damit beim Verschieben nichts verrutscht, werden sie als Einheit gesichert.

  1. Umwandeln: Set antippen, um in den Embroidery-Edit-Bildschirm zu wechseln.
  2. Gruppieren: Die Group-Funktion nutzen (Symbol meist zwei überlappende Quadrate), um Circle- und Diamond-Lage zusammenzufassen.
Grouping the two separate design layers into one unit.
Grouping Designs

Checkpoint: Eine Lage antippen: Der rote Auswahlrahmen muss beide Muster gemeinsam umfassen.

Erwartetes Ergebnis: Das Design lässt sich verschieben/positionieren, ohne dass die Passung der Lagen zerstört wird.

Praxis-Insight: Gruppieren ist deine Versicherung. Schon 1 mm Versatz verändert die Überlagerung sichtbar und erzeugt optische Unruhe (Moiré/„Noise“).

Stickout: Garnwahl, Farbwechsel und Ergebnis

Cathy stickt zuerst den Hintergrund (Circles) und danach den Vordergrund (Diamonds).

Hinweis zur Praxis: Stoff + Stabilisierung bestimmen, wie „sauber“ Layering aussieht

Layering bedeutet: mehr Stiche auf derselben Fläche.

  • Risiko: Hohe Stichdichte drückt Fasern auseinander → Verzug, Wellen, „Schüsseln“.
  • Lösung: Behandle das wie ein dichtes Logo, nicht wie eine leichte Quiltnaht: Du brauchst Stabilität.

Schritt 8 — Einfädeln und sticken

  1. Einfädeln: Den nummerierten Fadenweg (1–7) exakt befolgen.
    • Fühl-Check: Der Oberfaden muss sauber in den Spannungsscheiben sitzen – beim Ziehen spürst du leichten Widerstand.
  2. Automatischer Nadeleinfädler verwenden.
  3. Startklar: Nähfuß senken und Start drücken.
  4. Farbwechsel: Die Maschine stickt pink (Circles) zuerst, stoppt für den Farbwechsel, dann gelb (Diamonds).
Threading the machine using the numbered guides.
Machine Setup
The machine stitching out the pink circle fill layer on black fabric.
Embroidery Process
The machine stitching the yellow diamond fill layer over the pink circles.
Embroidery Process

Checkpoint: Auf die Passung achten: Sitzt die zweite Farbe sauber zentriert? Wenn nicht, rutscht der Stoff im Stickrahmen oder die zweite Lage wurde nicht aus dem Memory geladen.

Erwartetes Ergebnis: Eine griffige, „teure“ Textur, die deutlich komplexer wirkt als die einzelnen Muster.

Warnung: Sicherheit. Dichte, gelagerte Füllungen belasten Maschine und Nadel. Hände vom bewegten Stickrahmen fernhalten. Bei Nadelbruch können Splitter fliegen; Schutzbrille ist bei schnellen, dichten Sticksequenzen sinnvoll.

Ergebnis ansehen

Cathy holding the hoop to show the finished two-color layered fill result.
Result Reveal

Finish-Hinweis: Nach dem Ausspannen kann sich der Block steif anfühlen. Dampf/Pressen von links (auf einem flauschigen Handtuch) hilft, dass sich die Stiche „setzen“.

Fortgeschritten: Hintergrundfüllung um ein Motiv (Negativfläche füllen)

Hier drehen wir das Prinzip um: Statt eine Form zu füllen, definieren wir eine Negativfläche um ein Objekt (Fisch) und füllen nur den Hintergrund.

Close up of a fish embroidery sample with a layered 'net' background fill.
Showcasing Samples

Schritt 9 — Ein integriertes Motiv laden und die Kontur extrahieren

  1. Motiv wählen: Das integrierte Fisch-Motiv auswählen.
  2. Skalieren (optional): Cathy vergrößert das Motiv (innerhalb der maschinenseitigen Grenzen).
  3. Begrenzung erzeugen: Mit dem Outline Tool (Blumen-Symbol) die Außenkontur erzeugen.
  4. Speichern: Memory antippen, um diese Kontur in den IQ Designer zu übernehmen.
Generating an outline from a built-in fish design to use as a fill boundary.
Creating Outline

Checkpoint: Du hast die „Ausstechform“ des Fisches (Kontur), ohne die Innenstickerei.

Erwartetes Ergebnis: Eine Begrenzung, die der Füllung sagt: „Hier nicht sticken.“

Schritt 10 — Stickrahmenformat wählen und die Negativfläche füllen

Cathy arbeitet im Kontext eines 9.5" × 9.5" Stickrahmens.

  1. Form laden: AddIQ Designer → gespeicherte Fisch-Kontur auswählen.
  2. Feld setzen: 9.5" × 9.5" als Stickrahmenformat wählen.
  3. Füllung wählen: Diamond-Füllung auswählen.
  4. Außen füllen: Mit dem Bucket-Tool außerhalb des Fisches tippen.
  5. Vorschau: Next, Fill Size = 100%, Outline = Off.

Checkpoint: Die Vorschau muss überall Stiche zeigen – außer innerhalb der Fisch-Silhouette.

Erwartetes Ergebnis: Das Motiv wirkt plastischer, weil es sich klar vom strukturierten Hintergrund absetzt.

Schritt 11 — Zweite Hintergrundlage mit anderer Fill Size

Für eine feinere Texturvariation wiederholt Cathy den Ablauf mit geänderter Skalierung.

  1. Erneut laden: Fisch-Kontur noch einmal holen.
  2. Gleicher Rahmen: 9.5" × 9.5" prüfen.
  3. Skalierung ändern: Wieder Diamond, aber Fill Size = 50%.
  4. Finalisieren: Outline = Off, Vorschau, Set.

Checkpoint: Du siehst ein dichteres Diamantgitter über dem größeren Gitter.

Erwartetes Ergebnis: Durch 100% vs. 50% entsteht eine „Schatten“-Struktur im Hintergrund, ohne das Hauptmotiv zu überladen.


Vorbereitung

Gela­gerte Füllungen sind optisch tolerant, aber mechanisch anspruchsvoll. Die hohe Stichzahl belastet Material und Maschine.

Versteckte Verbrauchsteile & Checks (die man gern vergisst)

  • Nadel: Frische Nadel einsetzen (Cathy zeigt dichte Füllungen; eine stumpfe Nadel erhöht Fadenriss-Risiko).
  • Fixierung: Darauf achten, dass Stoff und Stickvlies nicht gegeneinander wandern (sonst leidet die Passung zwischen Lage 1 und Lage 2).
  • Schere: Eine feine Stickschere hilft, Sprungstiche sauber zu entfernen.

Wenn du viele Blöcke hintereinander machst, wird das reproduzierbare Einspannen zum Engpass. Viele nutzen dafür eine Einspannstation, um jeden Block im gleichen Winkel und mit gleicher Spannung einzuspannen – das reduziert Fehler und spart Kraft.

Prep-Checkliste (vor dem Tippen am Bildschirm)

  • Stoff: Ist er vorgewaschen/vorgeschrumpft? (bei Quiltblöcken wichtig).
  • Nadel: Neu bzw. in gutem Zustand? (dichte Füllungen = hohe Reibung).
  • Unterfaden: Spule voll? (Unterbrechungen in Füllflächen fallen sofort auf).
  • Oberfaden: Reicht die Menge für alle Blöcke in der Hintergrundfarbe?
  • Maschine: Greifer-/Spulenbereich sauber (Flusen beeinflussen Fadenspannung bei Füllstichen).
  • Geschwindigkeit: Dichte Layer nicht „am Limit“ sticken; lieber kontrolliert laufen lassen.

Setup

Einspannen-Grundlagen für gelagerte Füllungen (praxisorientiert)

Hier scheitern die meisten Projekte: Layering zieht den Stoff nach innen.

  • Zu locker: Lagen wandern; Diamonds sitzen nicht mehr mittig auf Circles.
  • Zu stramm: Stoff wird im Stickrahmen überdehnt und zieht sich nach dem Ausspannen zurück → Wellen/Puckering.

Ziel: „Neutral flach“. Das Stickvlies straff, der Stoff stabil fixiert – aber nicht auf Trommelspannung überdehnt.

Wenn du dickere Lagen schwer in den Stickrahmen bekommst oder du Rahmenspuren auf dem Stoff siehst, sind Magnetrahmen für babylock Stickmaschinen in der Praxis oft die angenehmere Lösung: Sie klemmen von oben/unten, statt einen Innenrahmen mit Kraft einzudrücken – das schont Material und Hände.

Warnung: Magnet-Sicherheit. Starke Magnetrahmen sind kraftvoll. Abstand zu Herzschrittmachern, Karten mit Magnetstreifen und empfindlicher Elektronik halten. Finger nicht zwischen die Magnetflächen bringen – sie schnappen schnell zu.

Entscheidungshilfe: Stickvlies passend zu gelagerten Zierfüllungen

Gelagerte Füllungen brauchen Unterstützung. Nutze diese Logik, um „wellige Blöcke“ zu vermeiden.

  1. Ist der Grundstoff stabil (Patchwork-/Quilt-Baumwolle)?
    • Ja: Ein mittleres bis kräftiges Stickvlies ist sinnvoll (je nach Dichte).
    • Nein (Strick/lockere Webware): Weiter zu 2.
  2. Ist der Stoff dehnbar oder sehr weich fallend?
    • Ja: Ein stabileres, gut tragendes Stickvlies ist erforderlich, damit nicht der Stoff die Stichlast trägt.
  3. Stickst du durch Volumenvlies (Quilt-Sandwich)?
    • Ja: Das Volumen hilft als „Puffer“. Trotzdem darauf achten, dass nichts rutscht, sonst stimmt die Passung zwischen den Lagen nicht.

Setup-Checkliste (bevor du Start drückst)

  • Stickrahmenformat am Bildschirm korrekt (z. B. 9.5" × 9.5").
  • Stickvlies im Stickrahmen straff und glatt.
  • Stoff liegt ohne Verzug (nicht überdehnt).
  • Magnetrahmen Größen für babylock gegen die Designgröße geprüft (genug Rand/Reserve).
  • Design-Lagen sind GROUPED.

Betrieb

Workflow-Kurzfassung

  1. Design: Outline aus → Fill 1 → Memory speichern → Fill 2 (aus Memory) → Group.
  2. Stabilisieren: Stickvlies zur Dichte passend wählen.
  3. Einspannen: Sicher fixieren, ohne zu dehnen.
  4. Sticken: Farbe 1 → Farbe 2.

Checkpoints während des Stickens (sehen/hören/fühlen)

  • Hören: Gleichmäßiger Lauf ist gut. Unregelmäßiges „Klicken“ kann auf falschen Fadenweg oder stumpfe Nadel hindeuten.
  • Sehen: Unterfadenbild kontrollieren (wenn sichtbar): keine großen Schlaufen.
  • Fühlen: Nach Lage 1 kurz prüfen: Sitzt der Stoff noch stabil im Stickrahmen? Wenn er nachgibt, leidet die Passung der zweiten Lage.

Für Serienarbeit ist eine Einspannstation für Maschinenstickerei praktisch, weil du den nächsten Stickrahmen vorbereiten kannst, während die Maschine stickt.

Betriebs-Checkliste (Qualitätssicherung)

  • Lage 1: Ohne Lücken fertig?
  • Passung: Lage 2 sauber zentriert?
  • Fadenspannung: Keine Unterfadenschlaufen oben sichtbar?
  • Finish: Sprungstiche möglichst vor dem Ausspannen sauber schneiden.

Wenn du auf dunklen Stoffen regelmäßig Rahmenspuren hast, kann der Wechsel auf babylock Magnetrahmen das Nacharbeiten (Dampf/Pressen) deutlich reduzieren.


Troubleshooting

Problem: Lagen versetzt ("Ghosting")

Symptom: Die Diamonds-Lage sitzt ca. 2 mm links neben den Circles. Wahrscheinliche Ursache: Zweite Lage wurde manuell neu erstellt statt aus dem Memory geladen – oder der Stoff ist im Stickrahmen gerutscht. Lösung:

  1. Software: Immer „Save to Memory“ + Memory-Recall nutzen.
  2. Hardware: Stickrahmen-Grip prüfen. Bei rutschigen/voluminösen Materialien kann ein Magnetrahmen für baby lock Stickmaschinen mehr Halt geben.

Problem: Wellen/Puckering im Block

Symptom: Der Block liegt nicht flach, Ecken ziehen hoch. Wahrscheinliche Ursache: Zu wenig Stabilisierung für die Dichte von zwei Fülllagen. Lösung: Stabilisierung verstärken und nach dem Sticken mit Dampf von links „setzen“.

Problem: Fadennest / „Birdnest“

Symptom: Maschine blockiert, Fadenknäuel unter der Stichplatte. Wahrscheinliche Ursache: Oberfaden nicht korrekt im Fadenhebel oder mit gesenktem Nähfuß eingefädelt (Spannungsscheiben geschlossen). Lösung: Nähfuß heben, komplett neu einfädeln und den Fadenweg kontrollieren.

Problem: Umrandung wird doch gestickt

Symptom: Eine deutliche Randlinie macht die Nahtzugabe dick. Wahrscheinliche Ursache: „Line Properties“ wurde nicht auf „No Stitch“ gesetzt (Schritt 2). Lösung: In IQ Designer zurück, „No Stitch“ wählen und die Umrandung erneut mit dem Bucket-Tool antippen.


Ergebnis

Mit diesem Workflow wechselst du von „Muster platzieren“ zu echter Textilgestaltung. Du hast jetzt zwei professionelle Techniken im Werkzeugkasten:

  1. Texturaufbau: Gespeicherte Geometrien stapeln (Circles + Diamonds).
  2. Negativflächen-Design: Konturen extrahieren (Fisch) und Hintergründe sticken, während das Motiv frei bleibt.

Der Kern ist Memory Recall für Präzision und Grouping als Sicherheitsnetz. Kombinierst du diese Disziplin an der Maschine mit stabiler Unterlage und einem Einspann-Setup, das Rutschen verhindert, wirken deine Stickereien deutlich „produktionsreif“ statt zufällig.