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Materialliste für ITH-Staubmasken
Eine plissierte In-The-Hoop-(ITH)-Staubmaske wirkt auf den ersten Blick simpel. In der Praxis scheitern aber gerade Einsteiger häufig an genau diesem Projekt – nicht, weil die Datei „schlecht“ ist, sondern weil du hier gegen die Physik arbeitest: Eine Maschine, die für flache Lagen optimiert ist, soll durch mehrere Lagen und manuell gefalteten, dicken Stoff sticken, ohne dass sich etwas verschiebt.
Ob du am Ende knackige, gleichmäßige Falten oder ein verdrehtes, wulstiges Teil bekommst, hängt an Kleinigkeiten: Stoffstabilität, wie sauber du einspannst, und an welchen Stellen du die Maschine gezielt anhalten lässt.
Diese Anleitung zerlegt Juliettes kompletten Ablauf auf einer Melco-Maschine in einen reproduzierbaren Workflow. Wir arbeiten mit zwei Lagen gewebter Quilt-Baumwolle, formen während des Sticklaufs drei Falten per Hand und ergänzen Bänder sowie einen Nasenbügel. Hinweis: Wenn du mit einem professionellen Setup wie der melco amaya Stickmaschine arbeitest, sind die Prinzipien identisch – auch wenn Menüs/Anzeige bei dir anders aussehen.

Was du herstellst (und was nicht)
Damit die Erwartung stimmt: Das ist eine einfache Staub-/Alltagsmaske aus zwei Stofflagen. Sie ist keine medizinische Schutzausrüstung (PPE) und nicht dafür gedacht, die Verbreitung von Viren zu verhindern. Sie dient als Stoffabdeckung bzw. leichter Staubschutz.
Im Video verwendete Materialien
- Gewebte Quiltstoffe: Zuschnitt 8 x 11 inches. (Stabil gewebt; im Video wird eine 60/30-Webart genannt).
- Bänder: Vier Stück, je 16 inches lang.
- Abreißvlies (Tearaway): 1.6 oz (es werden zwei Stück benötigt).
- Klebeband: Malerband/Stickband – entscheidend, um dicke Lagen sicher zu fixieren.
- Pfeifenreiniger: Als Nasenbügel.
„Versteckte“ Verbrauchsmaterialien (praktisch unverzichtbar)
- Frische Sticknadel: Für dicke Falten ist eine frische Nadel Pflicht. Eine stumpfe Spitze erhöht das Risiko für Fadenknäuel und unsaubere Stiche.
- Temporärer Sprühkleber: Optional – kann helfen, wenn Lagen zum „Kriechen“ neigen.
- Stiletto/Andrückwerkzeug: Zum Halten/Positionieren nahe an der Nadel. Nicht mit den Fingern arbeiten.
Im Video gezeigte Werkzeuge
- Melco-Stickmaschine (bzw. deine Mehrnadelstickmaschine oder Einnadelmaschine).
- 12-inch Tubular Hoop (am Bildschirm ca. 11.2" x 11.2").
- Stickschere (gebogene Spitze hilft beim Trimmen dicht an der Naht).
- Laptop mit Melco OS (bzw. deine Sticksoftware).

Warnung: Mechanische Verletzungsgefahr. Finger, Stiletto-Spitze, Bandenden und lose Klebebandlaschen gehören konsequent aus dem Nadelbereich. Bei diesem Projekt sind die Hände nah am Stickrahmen – halte den Stoff nahe der Nadel ausschließlich mit dem Stiletto und niemals unter dem Nähfuß/der Nadelstange.
Stickrahmen vorbereiten und Maschineneinstellungen
Dieses Projekt hat zwei klar getrennte „Einspann-Momente“:
- Phase 1: Den plissierten Block herstellen.
- Phase 2: Maske zusammensetzen (Bänder + Kanal für den Nasenbügel).
Der größte Qualitätsfaktor ist hier Stoffkontrolle. Wenn das Vlies nicht straff sitzt und der Stoff beim Falten nicht sauber flachliegt, zieht die Maschine die Falten beim Tackern schief.
Warum Einspannen und Spannung bei Falten entscheidend sind
Falten sind für die Maschine wie eine kleine „Bodenwelle“: mehr Dicke, ungleichmäßiger Transportwiderstand unter dem Fuß. Wenn die Lage nicht konstant gehalten wird, kann die Nadel beim Einstich in die Falte abgelenkt werden. Das sieht man später besonders am Abschluss-/Coverstich: Der Rand läuft dann leicht versetzt und die Maske wirkt verdreht.
Grundsätzlich gilt bei Einspannen für Stickmaschine-Arbeiten mit manuell gelegten Falten:
- Stabilität: Ein Vlies, das die aggressiven Tacklinien aushält.
- Spannung: Vlies straff wie eine Trommel, ohne den Fadenlauf des Stoffes zu verziehen.
- Bulk-Plan: Eine Strategie gegen „Flagging“/Hochschlagen (hier: Tape).
Maschineneinstellungen: „Sweet Spot“ vs. Tempo
Juliette stickt mit 1000 Stichen/Minute (SPM). Praxisempfehlung: Wenn du das zum ersten Mal machst oder deine Maschine bei dicken Stellen empfindlich ist: langsamer starten.
- Erfahren: 900–1100 SPM.
- Sicher/Einsteiger: 600–750 SPM.
- Warum: Bei dicken Falten hat der Faden mehr Reibung; weniger Tempo reduziert Fadenstress und Aussetzer.
Active Feed (Melco-spezifisch): Minimum Preset auf 2. (Bei anderen Maschinen: zunächst Standard-Einstellung nutzen und darauf achten, dass die Dicke sauber unter dem Fuß durchläuft.)

Checkliste vor dem Start (wirklich vorher erledigen)
- Maße prüfen: Stoff exakt 8 x 11 inches zugeschnitten? Ungenaue Zuschnitte machen die Falten schief.
- Bänder: Vier Stück à 16 inches bereitgelegt.
- Vlies: 1.6 oz Tearaway bestätigt. Zu schwaches Vlies verzieht den Rahmenbereich.
- Unterfaden: Unterfadenspule voll? (Im Video gibt es später einen Hinweis auf „Bobbin low“ – das passiert hier schnell.)
- Sauberkeit: Greifer-/Spulenbereich frei von Flusen. Viele Stopps/Neustarts machen Spannungsschwächen sichtbarer.
- Werkzeuge griffbereit: Schere, Stiletto, Tape, Pfeifenreiniger – du kannst während des Laufs nicht „mal eben“ weg.
Wenn du mehrere Stücke am Stück produzierst, lohnt sich eine feste Einspannstation für Maschinenstickerei: gleiche Handgriffe, gleiche Ausrichtung, gleiches Trimmen – und weniger Belastung für Hände/Handgelenke.
Schritt-für-Schritt: Falten In-The-Hoop erzeugen
Das ist der Kern des Projekts: Die Maschine stickt Markierungen/Heftlinien, du faltest, drückst flach und lässt die Falte festtackern. Nimm dir Zeit – hier entscheidet sich die Optik.
Schritt 1 — Platzierungslinie auf dem Vlies sticken
- Tearaway in den 12-inch Rahmen einspannen (straff wie eine Trommel).
- Design starten: Die Maschine stickt eine rechteckige Platzierungskontur.
Schnellcheck: Sind die Linien sauber und ohne Wellen? Wenn das Vlies zwischen den Linien „zieht“ oder Falten wirft: neu einspannen.

Schritt 2 — Stoff richtig platzieren (Ausrichtung zählt)
Juliette nutzt zwei unterschiedliche Stoffseiten/Farben zur Orientierung:
- Schöne Seite: Die „hellere/kräftigere“ Seite soll später außen sichtbar sein.
- Position: Die obere Stoffkante an der oberen Platzierungslinie ausrichten.
Schnellcheck: Mit der Hand glattstreichen – der Stoff muss komplett plan liegen. (Bei Bedarf sehr sparsam Sprühkleber, um Blasenbildung zu reduzieren.)

Schritt 3 — Falte #1 formen (Falten, andrücken, tackern)
- Warten: Die Maschine stoppt am entsprechenden Schritt.
- Falten: Stoff nach hinten (vom Bediener weg) zurücklegen.
- Andrücken: Mit den Fingern kräftig „finger press“ – die Falte muss flach sein.
- Tackern: Die Maschine fixiert die Falte mit einer Linie ca. 0.5 inches weiter oben.
Soll-Ergebnis: Eine gerade, scharfe Falte. Wenn sich vor dem Fuß eine Welle aufbaut: anhalten, glätten, erst dann weiter.

Schritt 4 — Falte #2 und #3 wiederholen
Der Ablauf ist identisch:
- Zyklus: Zurückfalten -> flach andrücken -> mit Stiletto in Nadel-Nähe halten -> tackern lassen.
- Technik: Das Stiletto hält die dicke Kante flach, wenn der Fuß „über den Buckel“ muss. Nicht loslassen, bis der Fuß sicher drüber ist.
Schnellcheck: Mit dem Finger über alle Falten streichen – sie sollten sich gleichmäßig anfühlen.


Profi-Hinweis: Das „dicke Falte“-Problem
Wenn Falten ungleichmäßig oder „wulstig“ werden, liegt es selten an der Datei.
- Ursache: Der Nähfuß wirkt wie ein Schneepflug und schiebt eine Stoffwelle vor sich her.
- Lösung: Die Falte über die gesamte Breite sauber flachdrücken – nicht nur direkt an der Nadel. Das Stiletto ist besonders auf den letzten Zentimetern entscheidend.
Zeitbedarf
Juliette ist nach 4 Minuten 54 Sekunden fertig. Wenn du 8 Minuten brauchst, ist das völlig okay – Präzision schlägt Tempo.
„Holds“ in der Sticksoftware programmieren
ITH funktioniert nur zuverlässig, wenn die Maschine genau dann stoppt, wenn du eingreifen musst (Stoff platzieren, Bänder einlegen, trimmen). Juliette bearbeitet dafür die Farbsequenz und setzt „Hold“/„Stop“-Befehle.

Was in der Farbsequenz festgelegt wird
Sie erzwingt mechanische Pausen an den entscheidenden Stellen:
- Stopp 1: Nach der Kontur/Platzierung (Zeit zum Auflegen/Ausrichten).
- Stopp 2: Nach den Falt-Markierungen (Zeit zum Falten).
- Stopp 3: Nach dem Band-Tackern (Zeit zum Trimmen der Überstände).

Warum „Holds“ teure Fehler verhindern
Ohne erzwungenen Stopp fährt die Maschine sofort zur nächsten Position. Wenn das Band noch nicht liegt, wird „ins Leere“ gestickt. Wenn du nicht getrimmt hast, wird über dicke Laschen drübergestickt – und die sieht man später am Rand. Gerade bei ITH ist das Setzen von Stopps der größte Hebel für reproduzierbare Ergebnisse.
Typische Praxisfrage: Dateiformate und Rahmengrößen
Ein häufiger Frustpunkt aus der Praxis: „Meine Maschine sagt, das Design ist zu groß!“
- Beobachtung: Es gibt Rückmeldungen, dass eine
.JEF-Datei mit dem Hinweis scheitert, sie überschreite 5.5 x 7.8. - Einordnung: Solche ITH-Masken benötigen oft größere Rahmen (z. B. 6x10 oder 8x12). Im Video wird mit einem 12-inch Rahmen gearbeitet.
- Workaround aus der Praxis: Beim Konvertieren (z. B.
.PESnach.JEF) kann es helfen, die Ausrichtung im Rahmen zu ändern (horizontal/vertikal bzw. 90° drehen) und eine größere rechteckige Rahmengröße zu wählen.
Maske zusammensetzen und Bänder anbringen
Das ist die „Bulk-Management“-Phase: Der dicke, plissierte Block wird auf frisches Vlies gesetzt und fixiert. Hier passieren die meisten Fehlschläge durch Verrutschen.
Schritt 1 — Frisches Vlies einspannen
- Plissierten Block aus dem Rahmen nehmen und beiseitelegen.
- Neues Tearaway sauber einspannen.
Schritt 2 — Plissierten Block ausrichten (die 1/4"-Regel)
- Platzierungsnaht auf dem frischen Vlies sticken.
- Ausrichtung: Den Block so auflegen, dass die Unterkante ca. 1/4 inch außerhalb der Platzierungslinie liegt.
- Sichtkontrolle: Einmal umklappen/prüfen, ob die Falten mittig und nicht schief zur Platzierung stehen.

Schritt 3 — Volumen konsequent festkleben
Juliette betont das Fixieren mit Tape.
- Warum: „It’s a lot of bulk.“ Die Masse will sich bei schnellen Rahmenbewegungen verschieben.
- Aktion: Ecken und Mitte flach abkleben – keine hochstehenden Tape-Enden.
Schritt 4 — Dicht an der Naht trimmen
Nachdem der Block festgetackert ist:
- Tape abziehen (im Video wird es für die Bänder aufbewahrt).
- Trimmen: Überstände sehr dicht an der Nahtlinie schneiden (ca. 1–2 mm).
- Achtung: Nicht in die Naht/Stiche und nicht unnötig ins Vlies schneiden.
Schritt 5 — Bänder positionieren und fixieren
- Bandenden an die vier Ecken legen.
- Überlappung: Band ca. 0.5 inch auf den Maskenkörper überlappen lassen.
- Sichern: Lange Bandenden nach innen legen und mit Tape sichern, damit sie nicht in die Randnaht geraten.


Entscheidungslogik: Vlies & Einspann-Strategie
Wie verhinderst du, dass dieses dicke „Sandwich“ wandert? Nutze diese Logik:
- Szenario A: Standard-Baumwolle (kleine Stückzahl)
- Methode: Standardrahmen + Tearaway + Malerband.
- Risiko: Mittel – wenn Tape nachgibt, wird die Kontur schief.
- Szenario B: Sehr weicher/„rutschiger“ Stoff
- Methode: Mehr Stabilität (z. B. stärkeres Vlies) + optional Sprühkleber.
- Anpassung: Tempo reduzieren, um Zug/Schub zu minimieren.
- Szenario C: Serienfertigung (Bulk als Engpass)
- Schmerzpunkt: Wiederholtes Abkleben dicker Lagen und Bänder kostet Zeit und belastet die Finger.
- Option in der Praxis: Umrüsten auf Magnetrahmen für Stickmaschine.
- Warum: Magnetrahmen klemmen dicke Lagen schnell und gleichmäßig und erleichtern Korrekturen bei der Ausrichtung.
- Workflow: In Kombination mit einer Magnetische Einspannstation lässt sich die Einspann-/Fixierzeit deutlich reduzieren.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Industrielle Magnetrahmen haben sehr hohe Haltekraft und können Finger einklemmen. Abstand zu Herzschrittmachern/Implantaten sowie zu magnetempfindlichen Medien (z. B. Karten, Festplatten) halten.
Finish: Nasenbügel einziehen
Schritt 1 — Ausspannen und reinigen
Maske aus dem Rahmen nehmen. Tape entfernen und das Tearaway vorsichtig abreißen. Seitlich abziehen, nicht nach oben, damit die Naht nicht verzogen wird.

Schritt 2 — Öffnung für den Kanal setzen
Die Datei erzeugt den Kanal, aber du brauchst eine Einführöffnung.
- Aktion: Mit Nahttrenner oder kleiner Schere ein kleines Loch nur durch die Rücklage nahe am oberen Kanal schneiden.
Schritt 3 — „Spitze umbiegen“-Technik
- Pfeifenreiniger nehmen.
- Wichtig: Drahtenden umbiegen/„einrollen“, damit nichts hakt.
- Einziehen: Mit der eingerollten Spitze in den Kanal schieben – ohne Einrollen bleibt der Draht gern am Stoff hängen.

Professioneller Qualitätsstandard
Woran erkennt man „sauber produziert“?
- Keine Laschen sichtbar: Bandenden sind unter dem Abschlussstich verschwunden.
- Kante sauber: Keine ausgefransten Überstände unter dem Satinstich.
- Planlage: Die Maske liegt flach und verdreht sich nicht (Hinweis auf gute Kontrolle/Spannung).
- Draht sicher: Enden sind umgebogen und pieksen nicht.
Troubleshooting
Wenn etwas schiefgeht: erst die Physik/Handhabung prüfen, dann Einstellungen.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Ungleichmäßige Falten | Falte nicht flach genug angedrückt; „Schneepflug“-Effekt. | Falte über die ganze Breite flachdrücken und mit Stiletto halten, bis der Fuß drüber ist. |
| Maske „wandert“/verzieht sich | Tape hält nicht; zu viel Masse für die Fixierung. | Tape konsequenter/flächenbündig setzen oder auf stärkere Klemmung umstellen (z. B. Stickrahmen für Stickmaschine mit Magnetprinzip bei dicken Lagen). |
| Fadenknäuel (Birdnesting) | Nadel stumpf oder Stoff/Vlies schlägt hoch („Flagging“). | Nadel wechseln und Vlies straff einspannen; Falten vor dem Tackern flach halten. |
| Unterfaden-Warnung | Hoher Fadenverbrauch bei dichten Randnähten. | Normal. Warnung bestätigen; idealerweise vor dem letzten dichten Abschlussstich Unterfaden prüfen. |
| Rahmen-/Größenfehler | Design größer als verfügbarer Rahmenbereich. | In der Software 90° drehen und die korrekte Rahmendefinition/Orientierung prüfen. |
Ergebnis
Du hast jetzt einen vollständigen, wiederholbaren Workflow für ITH-Staubmasken. Die kritischen Punkte in Kurzform:
- Vorbereitung: Stoff exakt 8x11 zuschneiden, Unterfaden/Nadel prüfen.
- Falten: Platzierungslinien nutzen, Falten konsequent flachdrücken und mit Stiletto kontrollieren; Tacklinie ca. 0.5 inches versetzt.
- Stopps: „Hold“-Befehle so setzen, dass die Maschine wirklich auf dich wartet.
- Montage: Volumen managen – Tape sauber setzen oder bei Serienfertigung über Magnetklemmen nachdenken.
- Finish: Drahtenden einrollen, damit nichts hakt oder durchsticht.
Wenn du diese Masken in Serie machst, stoppe deine Zeiten: Wenn Einspannen/Abkleben länger dauert als das Sticken, ist das dein Engpass. Genau dort bringen Hilfsmittel wie Magnetrahmen oder eine Einspannstation in der Praxis den größten Effekt – nicht als „Luxus“, sondern als Workflow-Optimierung bei viel Volumen.
