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Kurven & Objekt-Konvertierungen in Embird meistern: Von der digitalen Form zum sauberen Stick-Ergebnis
Wenn du in Embird Studio schon einmal versucht hast, einen sauberen Kreis zu zeichnen – und am Ende sah das Ergebnis eher wie ein kantiges Stoppschild aus –, kennst du den Frust. Am Bildschirm wirkt es „okay“, aber die Stickmaschine setzt jede Ecke gnadenlos um. Dieser Bruch entsteht oft nicht, weil du „falsch klickst“, sondern weil die Software-Einstellung (und damit die Geometrie) nicht zu deiner Absicht passt.
Digitalisieren heißt nicht nur Linien zeichnen – du konstruierst eine Bewegungsbahn für eine Nadel, die mit hoher Geschwindigkeit arbeitet. In diesem Guide zerlegen wir einen konkreten Workflow: Form erstellen, Öffnung schneiden und über Convert mehrere Sticharten aus einem Basisobjekt ableiten (Outline, Satin/Column, Fill aus Öffnung, Appliqué).
Wichtig: In diesem Tutorial geht es um das, was im Video tatsächlich gezeigt wird – vor allem um die Convert-Funktionen und typische Stolpersteine (Kurven-Einstellung, Auswahl/Selektion). Alles, was darüber hinausgeht, musst du wie immer an Material, Garn und Maschine testen.

Kurzüberblick: Der „Donut“-Workflow
Wir bauen einen „Donut“ (eine Füllfläche mit Loch) und wandeln ihn anschließend in vier unterschiedliche, sofort nutzbare Elemente um – ohne die Form neu zu zeichnen. Genau das macht Convert in Embird so stark: Du bekommst Konturen und Ableitungen, die geometrisch exakt aufeinander liegen.
Du erzeugst:
- Die Basis: Eine Füllfläche mit Öffnung.
- Die Kontur: Outline aus der Füllfläche (ideal als Platzierungs-/Hilfslinie).
- Den Rand: Satin/Column aus der Füllfläche (für einen kräftigen, deckenden Abschluss).
- Das Zentrum: Eine neue Füllfläche aus der negativen Öffnung.
Die „Curves“-Einstellung: Der Unterschied zwischen Kanten und echten Bögen
Ein typischer Fehler beim Zeichnen mit Punkten: Die Form besteht aus geraden Segmenten statt aus Kurven. Das sieht nicht nur kantig aus – es beeinflusst auch, wie „ruhig“ die Maschine laufen kann, weil sie an jeder Ecke stärker abbremsen und wieder beschleunigen muss.
Die Lösung ist im Video ganz klar: Curves aktivieren.


Praxis-Check aus dem Video: Wenn deine Linien beim Setzen der Punkte plötzlich nur gerade sind, ist sehr wahrscheinlich die Curves-Option nicht aktiv.
Warnhinweis: Arbeite beim Testen neuer Dateien immer mit sicherem Abstand zur Nadelstange und greife nie in das Stickfeld, solange die Maschine läuft.
Grundformen und Ausschnitte erstellen
Schritt 1 — Basisform zeichnen (mit Kurven)
Wir starten mit dem Point Tool und zeichnen eine einfache, „kreisähnliche“ Form. Im Video wird ausdrücklich gezeigt: Es muss kein perfekter Kreis sein – es geht darum, eine saubere Ausgangsform für die Convert-Funktionen zu haben.
Vorgehen:
- Point Tool auswählen.
- Oben sicherstellen, dass Curves aktiviert ist.
- Punkte setzen, bis die Form geschlossen werden kann.
- Per Rechtsklick Finish Object wählen, um das Objekt zu schließen.
- Generate Stitches ausführen, damit die Füllstiche sichtbar/aktuell sind.

Kontrollpunkte:
- Optik: Die Außenkante wirkt rund/gleichmäßig statt polygonal.
- Wenn es kantig bleibt: Abbrechen, Curves prüfen, neu zeichnen (genau so wird es im Video demonstriert).
Schritt 2 — Öffnung schneiden („Donut“)
Jetzt wird aus der Füllfläche eine Füllfläche mit Loch. Dafür nutzt du das Hole Cutting Tool: Du definierst innerhalb der bestehenden Füllfläche eine Negativform und bestätigst.
Vorgehen:
- Füllobjekt auswählen.
- Hole Cutting Tool aktivieren.
- Punkte innerhalb der Füllfläche setzen, um die Öffnung zu definieren.
- Mit Enter abschließen.
- Falls nötig: Generate Stitches.


Kontrollpunkte:
- Optik: In der Mitte entsteht eine „leere“ Fläche (du siehst den Hintergrund/„Grid“).
Methode 1: Füllfläche in eine Laufstich-Kontur umwandeln
Schritt 3 — Outline aus der Füllfläche erzeugen (perfekt als Platzierungslinie)
Statt eine Kontur von Hand nachzuzeichnen, nutzt du die Convert-Funktion. Im Video wird gezeigt, dass es zunächst so wirken kann, als wäre „nichts passiert“ – tatsächlich liegt das neue Objekt oft direkt über dem alten und erscheint zusätzlich in der Objektliste.
Menüpfad: Convert > Create Outline from Fill


Danach die neue Kontur zur Kontrolle zur Seite schieben.

Wofür das in der Praxis besonders nützlich ist (aus den Kommentaren abgeleitet):
- Als Platzierungsstich für Applikationen (erst Position markieren, dann Stoff auflegen).
Typische Frage aus der Praxis: „Kann ich die Outline etwas nach außen versetzen (Offset)?“ – Das ist ein häufiger Wunsch für Platzierungs-/Schneidelinien. Ob und wie du das machst, hängt von den verfügbaren Werkzeugen/Parametern in deiner Embird-Konfiguration ab; die hier gezeigte Convert-Funktion erzeugt zunächst die Kontur direkt aus der vorhandenen Form.
Methode 2: Füllfläche in Satin/Column umwandeln
Schritt 4 — Satinrand aus der Füllfläche erstellen
Als Nächstes wird aus der Füllfläche eine Column/Satin-Variante erzeugt. Im Video ist wichtig: Embird erstellt dabei eine neue Kopie – das Original bleibt erhalten. Außerdem musst du anschließend Generate Stitches ausführen, damit die Satin-Stiche sichtbar werden.
Vorgehen:
- Original-Donut auswählen.
- Convert > Create Column from Fill.
- Generate Stitches klicken.

Kontrollpunkte:
- Objekt-Management: Prüfe in der Objektliste, dass du wirklich das neue Column-Objekt ausgewählt hast.
- Wenn du „nichts siehst“: Sehr oft fehlt schlicht Generate Stitches (oder das neue Objekt liegt exakt über dem alten).
Methode 3: Öffnungen automatisch füllen
Schritt 5 — Aus der Öffnung eine neue Füllfläche erzeugen
Wenn du die Negativform (das Loch) als eigenes Objekt brauchst, musst du sie nicht neu zeichnen. Im Video wird genau dafür Convert > Create Fill from Opening gezeigt: Embird erzeugt eine neue Füllfläche, die exakt der Öffnung entspricht.


Praxisnutzen:
- Ideal, wenn du z. B. den äußeren Bereich und das Zentrum in unterschiedlichen Farben sticken willst und die Kanten exakt zueinander passen sollen.
Advanced Tip: In Applikation konvertieren
Schritt 6 — Appliqué per Convert erstellen
Sobald du ein Satin/Column-Objekt hast, stehen im Convert-Menü mehr Optionen zur Verfügung. Im Video wird gezeigt, dass du Column/Satin in Applique umwandeln kannst – optisch wirkt es zunächst kaum anders, aber die Objekt-Eigenschaften ändern sich und enthalten dann Applikations-Schritte.
Vorgehen:
- Das Column/Satin-Objekt aus Schritt 4 auswählen.
- Convert > Applique.
- In den Eigenschaften prüfen, dass Appliqué-Parameter aktiv sind.

Hinweis aus der Praxis: Für Applikation brauchst du in der Regel eine Platzierungs-/Fixierlogik (Placement/Tackdown/Cover). Genau deshalb ist die Outline aus Schritt 3 so wertvoll.



Vorbereitung: Mini-Check vor dem Konvertieren (damit Convert nicht „spinnt“)
Ein Großteil der Probleme ist kein „Bug“, sondern Auswahl- oder Anzeige-Logik.
Sofort-Checks
- Ist wirklich ein Objekt markiert? Wenn nichts ausgewählt ist, sind Convert-Optionen im Video sichtbar ausgegraut.
- Liegt das neue Objekt direkt über dem alten? Dann wirkt es, als wäre nichts passiert. Schau in die Objektliste und verschiebe das neue Objekt kurz zur Seite.
- Hast du nach dem Konvertieren „Generate Stitches“ ausgeführt? Besonders bei Column/Satin ist das im Video der entscheidende Schritt.
Organisation: So behältst du nach Convert die Kontrolle
Die „Sandbox“-Regel
Im Video wird deutlich: Convert erzeugt neue Objekte, die oft exakt über dem Original liegen.
Empfehlung: Nach jeder Convert-Aktion das neue Objekt sofort:
- kurz verschieben (zur Sichtkontrolle) oder
- eine andere Farbe geben (damit du es im Objektstapel sofort erkennst).
Entscheidungshilfe: Welche Convert-Funktion wofür?
- Du brauchst eine Platzierungs-/Hilfslinie?
- Nutze Convert > Create Outline from Fill.
- Du willst eine kräftige Satin-/Randlösung?
- Nutze Convert > Create Column from Fill (danach Generate Stitches).
- Du willst das Loch als eigenes Füllobjekt?
- Nutze Convert > Create Fill from Opening.
- Du willst aus Satin/Column eine Applikation machen?
- Nutze Convert > Applique.
Ablauf: Schritt-für-Schritt wie im Video
- Basis zeichnen: Point Tool, Curves aktivieren, Objekt schließen.
- Loch schneiden: Hole Cutting Tool, Punkte setzen, Enter.
- Outline erzeugen: Donut auswählen → Convert → Create Outline from Fill.
- Column erzeugen: Donut auswählen → Convert → Create Column from Fill → Generate Stitches.
- Öffnung füllen: Donut auswählen → Convert → Create Fill from Opening.
- Appliqué: Column/Satin auswählen → Convert → Applique.
Troubleshooting (kurz & praxisnah)
| Problem | Wahrscheinliche Ursache (wie im Video gezeigt) | Schnelllösung |
|---|---|---|
| Linien werden beim Zeichnen nicht rund, sondern gerade/kantig | Curves ist nicht aktiviert | Curves oben aktivieren und die Form neu zeichnen |
| Convert ist ausgegraut | Es ist kein Objekt ausgewählt | Mit dem Auswahlwerkzeug ein Objekt anklicken/markieren |
| „Es ist nichts passiert“ nach Convert | Neues Objekt liegt über dem alten / nur in der Objektliste sichtbar | Objektliste prüfen und das neue Objekt zur Seite schieben |
| Column/Satin ist nicht sichtbar | Stiche wurden nicht neu berechnet | Generate Stitches ausführen |
Fazit
Das Convert-Menü in Embird Studio ist ein echter Zeitgewinn: Aus einer einzigen Basisform kannst du Konturen, Satin/Column-Varianten, Füllungen aus Öffnungen und sogar Applikations-Objekte ableiten – ohne neu zu digitalisieren. Wenn du dabei zwei Dinge sauber im Griff hast, läuft es rund: Curves beim Zeichnen und korrekte Auswahl (sonst ist Convert ausgegraut).
Und wenn du dich fragst, warum Convert manchmal „nichts macht“: In den meisten Fällen hat Embird das neue Objekt bereits erzeugt – es liegt nur direkt über dem Original oder wartet auf Generate Stitches.
Hinweis: Begriffe wie Magnetrahmen oder Magnetrahmen tauchen oft im Produktionskontext auf – dieses Tutorial selbst zeigt jedoch die Software-Seite (Convert-Workflow) und die typischen Bedien-Stolpersteine. Wenn du später Applikationen sauber in Serie sticken willst, ist eine stabile, reproduzierbare Einspannung trotzdem ein entscheidender Teil des Workflows.
