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Das Hatch Knife Tool meistern: Ein produktionsnaher Leitfaden für präzise Schnitte & Split-Lettering
Das Knife Tool in Hatch Embroidery wirkt auf den ersten Blick simpel: Es „schneidet“ Formen. Für professionelle Digitalisierer:innen ist es aber ein Schlüsselwerkzeug, um verkaufsstarke Layouts zu bauen – z. B. Split-Lettering für Name-Drops („Gap“-Look) oder moderne, geometrische Effekte.
Wichtig: Ein Schnitt in der Software ist nur so gut wie das, was später in der Stickerei passiert. Wenn du am Bildschirm ungünstig trennst, quittiert die Maschine das in der Praxis oft mit unnötigen Fadenschnitten, instabilen Kanten oder unruhigem Stichbild.
In diesem Leitfaden verbinden wir das Klicken in Hatch mit der Realität im Stickrahmen. Wir behandeln drei Kernanwendungen: Formen schneiden, „fancy Name Drops“ erstellen und komplexe EMB-Dateien trennen. Und wir sprechen über die Praxis-Checks, die dir helfen, die Datei sauber weiterzuverarbeiten.

Goldene Regel beim Digitalisieren: Jede Entscheidung am Bildschirm (Teil A) bestimmt, wie sich Material und Stiche im Stickrahmen (Teil B) verhalten. Wir behalten beides im Blick.
1. Das Prinzip hinter dem Schneiden: Gerade vs. geschwungene Schnitte
Der Kernmechanismus
Mit dem Knife Tool teilst du ein einzelnes Objekt in mehrere, unabhängige Objekte. Das ist nicht nur „optisch“ – es beeinflusst auch die Objektstruktur und damit die Reihenfolge/Handhabung.
- Linksklick = harte Punkte (Ecken/gerade Linien): Wie ein Schnitt mit der Schere – klare Kanten und Winkel.
- Rechtsklick = weiche Knoten (Kurven): Wie freies Nachzeichnen – fließende, organische Linien.
- Enter = bestätigen: Der Schnitt wird erst „wirklich“, wenn du Enter drückst.

Schritt-für-Schritt: Die „Testbank“
Bevor du ein komplexes Logo trennst, trainiere das Gefühl an einem einfachen Quadrat.
- Basis anlegen: Digitize > Rectangle/Square. Klicken und ziehen, um ein Quadrat/Rechteck zu erstellen.
- Kurz prüfen: Es sollte ein Fill-Objekt (Tatami) sein (kein reiner Umriss).
- Auswählen: Du musst das Objekt markieren, bevor du schneidest – Hatch muss wissen, was getrennt werden soll.

Ausführung: Der gerade Schnitt
- Aktivieren: Edit Objects > Knife Tool.
- Schnittlinie setzen: Linksklick auf eine Seite des Objekts, dann Linksklick auf die andere Seite. Eine Linie verbindet die Punkte.
- Ausführen: Enter drücken.

Praxis-Check: Oft sieht es auf der Arbeitsfläche so aus, als wäre „nichts passiert“, weil die Teile noch direkt aneinander liegen.
- Sicherer Anker: Schau in den Resequence Docker rechts – aus einem Objekt sollten sofort zwei Objekte werden.


Die „Click-Off“-Regel (entscheidende Gewohnheit)
Ein häufiger Grund für Frust: Direkt nach dem Schneiden versucht man zu ziehen – aber Hatch hat noch beide neuen Teile gleichzeitig ausgewählt.
- Click-Off: In die weiße Fläche klicken, um alles abzuwählen.
- Ein Teil auswählen: Nur das Teil anklicken, das du bewegen willst.
- Trennen: Wegziehen.

Hinweis aus der Praxis: Wenn du extrem kleine Splitter erzeugst, wird es schnell unübersichtlich. Zoome sauber hinein und mache Schnitte rückgängig, die nur „Mini-Teile“ erzeugen, die du später ohnehin nicht sinnvoll verarbeiten kannst.
Ausführung: Der geschwungene Schnitt
- Objekt ausgewählt lassen, Knife Tool aktiv.
- Mit Rechtsklicks über die Form arbeiten und Knoten dort setzen, wo die Kurve ihre Richtung verändert.
- Enter drücken.

So entstehen „Fenster“-Effekte oder moderne, geometrische Layer-Looks.

2. Produktions-Skill: Split-Lettering für Name-Drops
Das ist die kommerziell spannendste Anwendung: Split-Lettering erzeugt eine Lücke in einem Wort (z. B. Vereinsname), in die du eine zweite Zeile (z. B. Name/Funktion) einsetzen kannst.
Das Risiko der „Lücke“
Sobald du Text teilst, wird die Konstruktion empfindlicher: Zwischen oberem und unterem Teil kann sich das Layout leichter verschieben – und die Passung im Gap wirkt dann schnell „schief“.
Was hilft in der Praxis? Saubere Stabilisierung und ein wirklich gleichmäßiges Einspannen. Wenn du bei empfindlichen Materialien regelmäßig Rahmenspuren/Rahmenabdrücke bekommst, ist das oft der Punkt, an dem man über Werkzeug-Upgrades nachdenkt: Ein Magnetrahmen hält das Material ohne klassischen Ringdruck und kann Verzug im kritischen Gap-Bereich reduzieren.
Schritt-für-Schritt: Text vorbereiten & schneiden
- Haupttext setzen: Mit dem Lettering Tool „OML“ (oder deinen Text) schreiben.
- Größe anpassen: Größer ziehen, damit du sauber arbeiten kannst.
- Stichart passend wählen:
- Situation: Große Buchstaben.
- Aktion: Von Satin auf Tatami umstellen.
- Warum? Sehr lange Satin-Stiche wirken schnell instabil. Tatami liegt flacher und ruhiger.


- Schneiden: Text auswählen > Knife Tool > mit Linksklicks eine horizontale Linie durch die Mitte setzen > Enter.

- Gap erzeugen: Alles abwählen (Click-Off). Oberen Teil auswählen. Für kontrollierte Bewegung kannst du ihn mit der Pfeil-nach-oben-Taste schrittweise nach oben setzen (statt „frei Hand“ mit der Maus).

- Personalisierung einsetzen: Zweiten Text (z. B. „Embroidery“) in die Lücke setzen.

3. „Einbahnstraße“: Lettering vs. Objekte
Das ist einer der häufigsten Stolpersteine.
Die Regel
Text ist dynamisch; Objekte sind statisch. Sobald du das Knife Tool auf Text anwendest, macht Hatch aus dem „Lettering Object“ normale Stickobjekte.
Konsequenz:
- Rechtschreibung/Schreibweise lässt sich nicht mehr als Text korrigieren.
- Schriftart ist nicht mehr als Lettering umstellbar.
- Lettering-spezifische Einstellungen (z. B. Abstände) sind nicht mehr als Textparameter verfügbar.

Bewährter Workflow:
- Schreibweise und Schriftart vollständig finalisieren.
- Den Text duplizieren und eine Kopie „zur Seite“ legen (Sicherheitskopie im Dokument).
- Erst dann die Originalversion schneiden.
Wenn du das in Serie machst (viele Varianten), wird das schnell repetitiv. In der Praxis suchen viele Shops dann nach einer hoop master Einspannstation, damit die Platzierung nach dem Split bei jedem Teil identisch bleibt und du weniger nachjustieren musst.
4. Fortgeschritten: Komplexe Layer sicher trennen (EMB-Dateien)
Ein fertiges Design zu schneiden ist anspruchsvoller, weil es aus mehreren Ebenen bestehen kann (Details, Unterlagen, einzelne Objektteile).
Das „Layer-mit-weg“-Problem
Du schneidest optisch „durch“, verschiebst den oberen Teil – und plötzlich bleiben einzelne Elemente zurück, weil nicht alles mit ausgewählt wurde.

Schritt-für-Schritt: Der „Deep Slice“
- Alles markieren: Mit einem Auswahlrahmen (Bounding Box) das komplette Design erfassen.
- Schneiden: Im gewünschten Bereich schneiden (im Beispiel durch den Mond) und Enter.
- Verschieben – aber komplett:
- Mit einem Auswahlrahmen gezielt den oberen Bereich erfassen.
- Sichtprüfung: Bleiben kleine Teile zurück, war die Auswahl unvollständig.
- Nachfassen: Mit
Ctrlzusätzliche liegengebliebene Objekte zur Auswahl hinzufügen.
- Als Einheit bewegen: Den oberen Teil als Gruppe verschieben.

Praxis-Hinweis: Im Video wird explizit erwähnt, dass das besonders bei Designs mit vielen Layern schnell „unordentlich“ werden kann – der Schlüssel ist, beim Verschieben wirklich alle Ebenen des gesplitteten Bereichs mitzunehmen.
Prep: „Pre-Flight“-Check vor dem Schneiden
Bevor du schneidest, mach dir die Arbeit leichter: Split-Designs sind empfindlicher als geschlossene Flächen.
Kurz-Checkliste
- Objekt wirklich ausgewählt? (sonst schneidest du ins Leere)
- Text final? (nach dem Knife Tool ist es kein editierbarer Text mehr)
- Stichart passend? (bei großen Buchstaben ggf. Satin → Tatami)
- Sicherheitskopie im Dokument/Datei? (Duplikat als „Rettungsleine“)
Setup: Sichtbarkeit & Kontrolle
Gerade beim Knife Tool entscheidet Kontrolle über Geschwindigkeit.
Setup-Checkliste
- Resequence Docker geöffnet (damit du sofort siehst, ob aus 1 Objekt wirklich 2 wurden)
- Zoom ausreichend hoch (damit Schnittpunkte sauber sitzen)
- Design passt in den Rahmenbereich (damit du nach dem Split nicht unbemerkt außerhalb landest)
Operation: Drei typische Workflows
1. Schneiden für Geometrie
Gerade Schnitte für klare Formen, Kurven für organische Fenster/Negativflächen.
2. Schneiden für Name-Drops
Beim Aufbau der Datei ist wichtig, dass du den Gap kontrolliert öffnest und danach den Mitteltext sauber platzierst.
3. Schneiden in EMB-Dateien
Hier ist die Auswahl-Disziplin entscheidend: Nach dem Schnitt immer prüfen, ob beim Verschieben wirklich alle Teile des gesplitteten Bereichs mitgehen.
Operation-Checkliste
- Objektanzahl geprüft: Siehst du im Resequence Docker 2 Objekte statt 1?
- Click-Off gemacht: Erst abwählen, dann gezielt ein Teil bewegen.
- Layer-Check (EMB): Ist beim Verschieben etwas „stehen geblieben“?
- Gap ausreichend: Passt der Mitteltext optisch sauber in die Lücke?
Warnung: Magnet-Sicherheit
Wenn du auf Magnetrahmen umsteigst, behandle sie mit Respekt – das sind starke Magnete.
* Quetschgefahr: Finger nicht zwischen die Magnetflächen bringen.
* Elektronik/Medizin: Abstand zu empfindlicher Elektronik und medizinischen Implantaten halten.
* Abnehmen: Magnete eher seitlich abschieben statt gerade abzuheben.
Troubleshooting Guide
| Symptom | Nachvollziehbare Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| „Nichts passiert“ | Punkte gesetzt, aber nicht bestätigt. | Enter drücken; im Resequence Docker prüfen. |
| „Ich kann das Teil nicht bewegen“ | Beide Teile sind noch gemeinsam ausgewählt. | In die Fläche klicken (abwählen), dann nur das gewünschte Teil anklicken und bewegen. |
| „Text ist nach dem Split nicht mehr editierbar“ | Knife Tool wandelt Lettering in normale Objekte um. | Schreibweise/Font vorher finalisieren und eine Sicherheitskopie duplizieren. |
| „Beim EMB bleiben Teile zurück“ | Auswahl hat nicht alle Layer/Objekte erfasst. | Rückgängig; mit Auswahlrahmen arbeiten und fehlende Objekte mit Ctrl ergänzen. |
Fazit & nächster Schritt
Du kannst das Hatch Knife Tool jetzt in drei klaren Szenarien produktiv einsetzen:
- Custom Shapes: Aus einfachen Grundformen saubere, neue Formen schneiden.
- Split-Lettering: Name-Drops schnell und kontrolliert aufbauen.
- Layer-Änderungen: EMB-Designs trennen, um Platz für Personalisierung zu schaffen.
Wenn du von Einzelstücken in Serien gehst, verschiebt sich der Engpass oft von „Software“ zu „Workflow“.
- Wenn Einspannen/Platzierung dich ausbremst: Magnetrahmen für Stickmaschine.
- Wenn du reproduzierbare Positionierung brauchst: Eine Einspannhilfe/Station.
Software sauber beherrschen – und dann die Werkzeuge so wählen, dass sie zu deinem Produktionsalltag passen.
