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Die Entwicklung von Text-an-Pfad in PE-Design
Wenn du schon einmal versucht hast, Stickschrift einer Bahn folgen zu lassen, die nicht einfach ein mathematisch perfekter Kreis ist – zum Beispiel einem fließenden Banner, einer handgezeichneten Unterstreichung oder einer organischen Kontur in einem Logo – dann kennst du die typische Stolperfalle: In PE-Design kann „gebogener Text“ zwei technisch völlig unterschiedliche Arbeitsweisen bedeuten.
Gerade Einsteiger kämpfen hier oft gegen das Programm, weil sie versuchen, ein Werkzeug für Standardformen auf eine freie Form zu „zwingen“.
In dieser praxisorientierten Anleitung zerlegen wir den exakten Workflow, den Kathleen McKee in PE-Design 10 (und PE-Design Next) zeigt: Du zeichnest eine freie Hilfslinie, machst daraus eine „Geister“-Führung (ohne Stiche) und passt den Text so an, dass die Buchstaben sauber und organisch dem Verlauf folgen.

Außerdem stellen wir die ältere Vorgehensweise den neueren Funktionen gegenüber. Das ist nicht nur Hintergrundwissen – es entscheidet in der Praxis oft darüber, ob du in 5 Minuten fertig bist oder 30 Minuten lang frustriert klickst.

Was du danach sicher kannst
- Kurven richtig einordnen: Den Unterschied zwischen „Transform“ (Standardbögen) und echtem Text-auf-Pfad verstehen.
- Eigene Geometrie erstellen: Text an komplett unregelmäßige, handgezeichnete Vektorlinien anpassen.
- Pannen vermeiden: Die Hilfslinie konsequent auf Not Sewn setzen (damit nicht versehentlich eine Linie durch die Schrift gestickt wird).
- Ausrichtung steuern: Textposition (oberhalb/auf/unter der Linie) über die A-B-C-Symbole korrekt wählen.
- Abstände kontrollieren: Stretch gezielt einsetzen, damit Text die Pfadlänge füllt, ohne unleserlich zu werden.
Warum „Transform“ nicht immer reicht
Beim Digitalisieren gibt es „Ausstechformen“ und es gibt „Bildhauerwerkzeug“.
PE-Design 10/Next hat Standard-Kurventext (die „Ausstechform“) deutlich vereinfacht: Du markierst den Text, gehst in den Bereich Text Attribute, aktivierst Transform und wählst eine vordefinierte Form (Bogen/Kreis). Das ist schnell, sauber und geometrisch exakt – ideal für runde Patches oder Siegel.


Aber Transform hat eine klare Grenze: Es bleibt bei Standardgeometrie. Sobald ein Kunde ein Logo bringt, bei dem der Text wie eine Fahne „wellig“ läuft oder einer unregelmäßigen Kontur folgen soll, kommst du mit Transform nicht weiter. Dann brauchst du den Workflow „Fit to outline/path“.
Profi-Hinweis (Qualitätsblick)
Wenn erfahrene Digitalisierer ein Layout beurteilen, achten sie stark auf visuellen Fluss:
- Absicht/Logik: Sitzt die Schrift natürlich auf der Grundlinie – oder wirkt sie „verbogen“?
- Laufweite/Kerning: Bleibt der Text lesbar? Presets drücken Buchstaben in engen Bereichen oft zusammen. Ein eigener Pfad gibt dir mehr Kontrolle.
Schritt 1: Eigene Hilfslinie (Guide Path) zeichnen
Dieser Schritt ist dein Bauplan: Du erstellst die unsichtbare „Schiene“, auf der die Buchstaben später laufen.
Schritt für Schritt
- Werkzeug finden: Im Home-Ribbon das Shapes/Line tool öffnen.
- Typ wählen: Manual Curve auswählen (wichtig – nicht die gerade Linie).
- Verlauf zeichnen: Auf der Arbeitsfläche klicken, um Ankerpunkte zu setzen.
- Klick 1: Startpunkt.
- Klick 2: Wellenberg.
- Klick 3: Wellental.
- Doppelklick: Linie beenden.


Checkpoints
- Sichtprüfung: Du siehst eine dünne Vektorlinie, die dem gewünschten Schriftverlauf entspricht.
- Richtung: Zeichne die Linie in Leserichtung (z. B. links nach rechts), damit der Text später logisch „mitläuft“.
Erwartetes Ergebnis
Eine saubere, bezierartige Vektorlinie als Grundlinie für deine Schrift.
Achtung (Kurvenradius)
Wenn dein Pfad harte, eckige 90°-Knicke hat, wird der Text fast immer unschön. Buchstaben sind „Blockformen“ – zu enge Ecken führen zu Überlappungen und optischer Unruhe.
- Schnelltest: Sieht dein Pfad wie Zacken aus, glätte ihn, bis er eher wie eine sanfte Hügellandschaft wirkt.
Schritt 2: Die entscheidende Einstellung „Not Sewn“
Stopp. Das ist der wichtigste Sicherheits-Schritt im ganzen Ablauf. Wenn du ihn überspringst, kann die Maschine die Hilfslinie als echte Stiche ausgeben – im schlimmsten Fall als sichtbare Linie durch deine Schrift.
- Markieren: Die neu gezeichnete Linie anklicken (du siehst die Markierungsgriffe).
- Attribut finden: Oben im Ribbon das Dropdown Line Sew suchen (steht oft standardmäßig auf „Running Stitch“ oder „Zigzag“).
- Neutralisieren: Auf Not Sewn umstellen.

Warum das wichtig ist (das „Warum“ hinter dem Klick)
In Digitalisierungssoftware können Objekte zwei Rollen haben: Ausgabe (Stiche) oder Referenz (Hilfslinien). Standardmäßig geht das Programm davon aus, dass alles, was du zeichnest, gestickt werden soll. Mit Not Sewn sagst du ausdrücklich: „Das ist nur eine Führung.“
Warnung: „Ghost“-Linie vor dem Export prüfen. Bevor du nach .PES oder .DST exportierst, kontrolliere die Vorschau/Simulation: Wenn die Hilfslinie als Stichobjekt erscheint, ist sie nicht auf „Not Sewn“ gesetzt. Dann nicht an die Maschine schicken.
Expertennotiz (Arbeitsroutine)
Behandle jedes gezeichnete Objekt wie „stichaktiv“, bis du es bewusst entschärfst. Diese Gewohnheit verhindert Ausschuss.
Schritt 3: Text und Pfad korrekt zusammenführen
Hier entsteht bei neuen Anwendern am meisten Verwirrung: Es braucht eine saubere Mehrfachauswahl – ähnlich wie in Grafikprogrammen, aber ungewohnt, wenn man eher aus Textverarbeitung kommt.

Schritt für Schritt (genaue Auswahlreihenfolge aus dem Video)
- Pfad zuerst: Zuerst die Hilfslinie anklicken.
- Mehrfachauswahl aktivieren: Strg (Ctrl) drücken und gedrückt halten.
- Text hinzufügen: Während Strg gedrückt ist, den Text anklicken.
- Sichtkontrolle: Um beide Objekte müssen Markierungsgriffe sichtbar sein.
- Befehl ausführen: Home → Bereich Group → Fit Text to Outline.

- Einstellung bestätigen: Im Dialog die Standard-Ausrichtung beibehalten (meist „Top“, erkennbar am A-B-C-Symbol oberhalb der Linie) und OK klicken.


Checkpoints
- Auswahl-Check: Ist „Fit Text to Outline“ ausgegraut, ist nicht beides markiert. Dann Schritt 1–3 wiederholen.
- Reaktion: Nach OK sollte der Text sofort dem Linienverlauf folgen.
Erwartetes Ergebnis
Dein Text ist nicht mehr gerade, sondern folgt flüssig dem frei gezeichneten Pfad.

Praxis-Klarstellung (typische Verwechslung)
Viele versuchen, den Text „auf die Linie zu ziehen“. Das funktioniert hier nicht. Du gibst dem Programm einen Befehl: „Objekt A (Text) an Objekt B (Linie) anpassen.“ Dafür ist die Strg+Klick-Logik entscheidend.
Expertennotiz (wenn das Anklicken schwerfällt)
Wenn du die dünne Linie auf der Arbeitsfläche schlecht triffst, nutze – sofern eingeblendet – die Objekt-/Reihenfolge-Liste (z. B. „Sewing Order“/„Object List“) und markiere dort per Strg+Klick die beiden Einträge.
Fehlerbehebung: Enge Kurven und Laufweite
Selbst wenn du alles korrekt klickst, kann die Geometrie das Ergebnis ruinieren. Faden hat Volumen – Bildschirm-Pixel nicht. So gehst du systematisch vor.
Symptom → Ursache → Lösung
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Diagnose & Reparatur |
|---|---|---|
| 1. Buchstaben kollidieren | Zu enge Kurven | Diagnose: Der Kurvenradius ist enger als die Buchstabenbreite.<br>Lösung: Pfad mit weicheren, längeren Bögen neu zeichnen. |
| 2. „Unruhige“ Abstände | Baseline-Geometrie | Diagnose: Innenkurven wirken gequetscht, Außenkurven zu weit.<br>Lösung: Textgröße anpassen oder Kurven weniger stark machen. |
| 3. „Ghost“-Linie wird gestickt | Einstellung vergessen | Diagnose: Unter der Schrift erscheint eine Linie als Stichobjekt.<br>Lösung: Linie markieren → Line Sew: Not Sewn. |
| 4. Button ist ausgegraut | Falsche Auswahl | Diagnose: Es ist nur ein Objekt markiert.<br>Lösung: Pfad zuerst, dann Strg halten, dann Text anklicken. |
Laufweite steuern: „Stretch“ richtig nutzen
Für einen Banner-/Rocker-Effekt kannst du die Attribute erneut öffnen und Stretch aktivieren. Dadurch wird der Text von der ersten bis zur letzten Node des Pfads „aufgezogen“.


Wann „Stretch“ sinnvoll ist
- Du brauchst Symmetrie (z. B. oberer/unterer Bogen in einem Logo).
- Der Text muss eine definierte Länge optisch füllen.
Wann „Stretch“ schadet
- Überdehnung: Ein kurzes Wort auf einem langen Pfad wird auseinandergezogen und wirkt schnell unleserlich.
Produktions-Hinweis
Lesbarkeit schlägt Effekt. Zu enge Kurven erhöhen die Stichdichte innen, was in der Praxis zu Fadenrissen und unruhigem Lauf führen kann. Für reproduzierbare Serienproduktion lieber sanfte Kurven.
Primer (Wie dieser Digitalisier-Schritt zum realen Stickbild passt)
Wir haben den digitalen Teil abgedeckt – aber die Datei ist am Ende nur eine Anweisung. In der Praxis scheitert es oft an der Umsetzung: Gebogene Schrift reagiert empfindlich auf Stoffzug und Verzug.
Wenn du auf instabilen Materialien (z. B. Taschen/Canvas) oder dehnbaren Stoffen (z. B. Polos/Performance-Wear) stickst, kann die perfekte Kurve am Bildschirm auf dem Stoff „wandern“. Das zeigt sich als Passung-Problem.
Praxisrealität im Betrieb: Sobald du von „ein Shirt“ auf „50 Shirts“ gehst, muss sich dein Workflow ändern. Klassische Schraubrahmen kosten Zeit und können Rahmenabdrücke (glänzende Ringe) hinterlassen.
Professionelle Betriebe lösen das über reproduzierbare Spannung und schnelle Handhabung. Begriffe wie Magnetrahmen sind dabei oft der Einstieg in effizientere Abläufe. Magnetische Systeme klemmen gleichmäßiger, statt punktuell über eine Schraube zu drücken – das hilft, die Passung der gebogenen Schrift stabiler zu halten.
Vorbereitung
Erfolg ist zu einem großen Teil Vorbereitung. Bevor du klickst, stelle sicher, dass dein Setup passt.
Versteckte „Verbrauchsmaterialien“ & Checks
- Passendes Stickvlies: Für Schrift ist Cutaway oft die sichere Wahl, weil es Bewegung besser kontrolliert.
- Nadel-Check: Eine frische Nadel hilft bei sauberer Kontur kleiner Buchstaben.
- Saubere Geometrie: In der Software stark hineinzoomen: Gibt es unnötige Zacken/Nodes im Pfad? Glätten/löschen – glatte Pfade ergeben glattere Stickbilder.
Wenn du bei wiederkehrenden Rahmenabdrücken nach Lösungen suchst, landet man häufig bei Magnetrahmen Anleitung. Der Grundgedanke: Magnetdruck verteilt sich gleichmäßiger als starkes Schrauben – das kann empfindliche Oberflächen schonen.
Vorbereitung-Checkliste
- Software: PE-Design 10 oder Next ist geöffnet.
- Geometrie: Brauchst du Standardbogen (Transform) oder freie Form (Manual Curve)?
- Text: Textobjekt ist angelegt.
- Pfad: Hilfslinie mit möglichst wenigen Nodes (weniger Klicks = weichere Kurve).
- Sicherheit: Hilfslinie klar als Guide erkennbar (z. B. im Objektpanel).
Setup
Hier legst du die Methode passend zum Projekt fest.
Setup-Schritte
- Standardform: Bei Kreis/Bogen → Text Attribute → Transform.
- Freie Form: Manual Curve zeichnen.
- Sicherheitshebel: Pfad sofort auf Line Sew → Not Sewn setzen.
Entscheidungshilfe: Welche Methode passt?
- Szenario A: Serienlogik
- Geht es um viele gleiche Teile?
- Ja: Reproduzierbarkeit zählt. Eine Einspannstation für Stickmaschine hilft, dass die Platzierung jedes Mal identisch ist.
- Nein: Du kannst stärker „nach Augenmaß“ platzieren.
- Szenario B: Materiallogik
- Ist das Material dick/voluminös?
- Ja: Dicke Lagen sind beim Einspannen anspruchsvoller. Ein Magnetrahmen für brother (bzw. passend zur Marke) kann das Handling erleichtern, weil die Klemmkraft sich an die Materialstärke anpasst.
- Nein: Standardrahmen funktionieren, wenn die Spannung stimmt.
- Szenario C: Schriftlogik
- Ist es filigrane Script-Schrift?
- Ja: Kurven besonders sanft halten.
- Nein: Blockschrift verzeiht etwas engere Radien.
Setup-Checkliste
- Sichtbarkeit: Hilfslinie entspricht dem gewünschten Verlauf.
- Sicherheit: Line Sew = Not Sewn.
- Objekte: Text und Linie sind getrennte Objekte vor dem Befehl.
- Backup: Vor dem Zusammenführen speichern.
Ausführung
Jetzt wird’s praktisch. Halte dich exakt an die Reihenfolge.
Schritt-für-Schritt
- Pfad wählen: Hilfslinie anklicken.
- Text hinzufügen: Strg halten und Text anklicken.
- Anpassen: Home → Group → Fit Text to Outline.
- Ausrichtung prüfen: A-B-C-Symbol oberhalb der Linie (Top). OK.
- Feintuning: Bei merkwürdiger Laufweite Attribute erneut öffnen und Stretch testweise an/aus.
Checkpoints
- Vor dem Befehl: Beide Objekte sind sichtbar markiert.
- Nach dem Befehl: Text folgt dem Pfad; die Hilfslinie bleibt als Guide sichtbar (und wird nicht gestickt).
Erwartete Ergebnisse
- Text folgt organisch dem Verlauf.
- Keine unerwarteten Geradstiche in der Simulation.
- Abstände bleiben lesbar.
Wenn du skalierst, zählt Wiederholgenauigkeit. Viele Betriebe kombinieren eine hoopmaster Einspannstation, damit die digitale Mitte auch physisch jedes Mal an der gleichen Stelle landet.
Ausführungs-Checkliste
- Reihenfolge: Pfad zuerst → Strg+Klick Text.
- Befehl: „Fit Text to Outline“ ausgeführt.
- Ausrichtung: Top/Bottom visuell geprüft.
- Lesbarkeit: Text wirkt nicht gequetscht/auseinandergerissen.
- Finale Sicherheit: Line Sew steht wirklich auf Not Sewn.
Warnung: Quetschgefahr bei Magnetrahmen. Magnetische Rahmen arbeiten mit starken Magneten und können Finger einklemmen. Hände aus der Kontaktzone halten.
Qualitätskontrolle
Digitalisieren ist „Design“, Sticken ist „Fertigung“. Qualitätskontrolle verbindet beides.
On-Screen-Checks
- Node-Check: Stark hineinzoomen: Wirken Buchstaben verzogen? Dann ist die Kurve zu eng.
- Abstände: Berühren sich Buchstaben am Bildschirm, werden sie im Stickbild sehr wahrscheinlich überlappen.
Praxis-Checks (Teststick)
Auf ähnlichem Material testen.
- Achte auf gleichmäßigen Lauf in Kurven.
- Prüfe die Rückseite: Unterfadenanteil sollte sichtbar sein; extreme Abweichungen deuten auf Spannungsprobleme hin.
Viele steigen langfristig auf ein Magnetrahmen-System um, um die Passung stabiler zu halten – weil gleichmäßiges Klemmen die Umsetzung näher an die digitale Vorschau bringt.
Fehlerbehebung: Enge Kurven und Laufweite
(Kurzreferenz)
- Symptom: Text wirkt innen „zerdrückt“.
KorrekturKurvenradius zu klein → Pfad glätten oder Schriftgröße anpassen.
- Symptom: „Fit Text“ macht nichts.
KorrekturMehrfachauswahl fehlt → Pfad markieren, Strg halten, Text anklicken.
- Symptom: Eine Linie wird durch den Text gestickt.
KorrekturSchritt 2 vergessen → Line Sew: Not Sewn.
- Symptom: Text wirkt „löchrig“/komisch verteilt.
KorrekturStretch deaktivieren und mit normaler Laufweite arbeiten.
Ergebnis
Mit Manual Curve + Not Sewn beherrschst du eine Technik, die in der Praxis den Unterschied macht: Du kannst Schrift sauber an freie Formen anpassen, statt dich auf Standardbögen zu beschränken.
Und wie immer gilt: Gute Digitalisierung braucht eine saubere Umsetzung am Material. Ob du klassisch einspannst oder für Tempo und Wiederholgenauigkeit auf magnetische Lösungen setzt – unnötige Reibung im Prozess kostet Zeit und Qualität.
Warnung: Halte Scheren, Nahttrenner und Metallteile vom Stickbereich fern, solange die Maschine läuft. Bei hohen Geschwindigkeiten können bewegte Teile Werkzeuge treffen und Nadeln brechen.
