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Node-Modus in PE Design 10 meistern: Von Frust zu präziser Kontrolle
Wenn du schon einmal eine „fast okay“-Form am Bildschirm gesehen hast – und nach dem Probestick gedacht hast: Warum ist diese Kante so hubbelig? Warum wirkt der Glanz im Faden so „falsch“? – dann kämpfst du nicht mit der Maschine, sondern mit Geometrie-Kontrolle.
Maschinenstickerei ist nicht nur Grafik – es ist „Engineering mit Faden“. Ein Großteil von „schlechtem Stickbild“ entsteht nicht durch die Mehrnadelstickmaschine, sondern durch die zugrunde liegende Node-Struktur. In diesem Guide geht es nicht um Klickfolgen zum Auswendiglernen, sondern darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie du Formen in PE Design 10 sauber führst.
Du lernst:
- Skelett sichtbar machen: Node-Modus richtig aktivieren, damit du die „unsichtbare Struktur“ siehst.
- Elastizitäts-Regel: Bézier-Griffe nutzen, um Kurven zu formen – ohne unnötig viele Punkte.
- Glanz & Struktur steuern: Stichwinkel drehen, um Textur zu verändern und Verzug zu reduzieren.
- Geometrie-Schalter: Nodes zwischen Kurve (organisch) und Gerade (technisch) umstellen.
- Füllungen verstehen: Warum „Split at Point“ die Füllung verschwinden lässt – und warum das normal ist.

Bézier-Kurven verstehen: Das Skelett deiner Form

Was ein „Node“ ist (und was er nicht ist)
Ein typischer Anfängerfehler (auch aus der Praxis-Frage in den Kommentaren): Nodes werden mit Stichen verwechselt. Das sind zwei völlig unterschiedliche Ebenen.
- Nodes sind Kontrollpunkte der Kontur – sie sagen der Software, wo die Formgrenze verläuft.
- Stiche sind das Ergebnis der Berechnung innerhalb dieser Grenze (abhängig von Dichte, Unterlage, Stichart usw.).
Merksatz: Stell dir die Kontur wie ein Gummiband vor, das zwischen Reißzwecken gespannt ist. Die Reißzwecken sind die Nodes. Verschiebst du eine Reißzwecke, verändert sich die Form – und die Software berechnet die Füllung neu. Das Verschieben eines Nodes verändert nicht direkt die Stichlänge zwischen zwei Punkten, sondern die „Behälterform“, in die später Stiche gelegt werden.

Schritt-für-Schritt: Node-Modus aktivieren (so, dass du wirklich editierst)
Du kannst nur korrigieren, was du auch siehst.
- Auswählen: Im Ribbon auf Select (Auswahlwerkzeug) klicken.
- Treffen: Dann direkt auf die Kontur des Stickobjekts klicken (nicht nur irgendwo in die Fläche).
- Sichtkontrolle: Du solltest kleine schwarze Quadrate (Nodes) und einen Richtungspfeil für den Stichwinkel sehen.
Fehlersuche: Wenn keine schwarzen Quadrate erscheinen, ist sehr oft eine Gruppe markiert. Dann zuerst entgruppieren oder gezielt das einzelne Objekt per Doppelklick „greifen“.
Schritt-für-Schritt: Bézier-Griffe einstellen (dein „Lenkrad“ für Kurven)
Wenn du einen Node anklickst, siehst du oft „Griffe“/Handles. Das sind die Bézier-Griffe.
- Greifen: Linksklick auf die Griffspitze und gedrückt halten.
- Nach außen ziehen: Die Kurve wird „breiter“/bauchiger.
- Nach innen schieben: Die Kurve wird enger und spitzer.
- Seitlich bewegen: Der „Scheitel“ der Kurve wandert – du verschiebst die Krümmung um den Node herum.
Praxisregel „Weniger ist mehr“: Für eine saubere Kurve brauchst du oft erstaunlich wenige Nodes. Zu viele eng gesetzte Punkte machen die Kontur unruhig – und das kann sich später als „Zittern“/kantige Kante im Stickbild zeigen. Lieber über Griffe formen statt Punkte zu sammeln.

Praxis-Physik: Bildschirm vs. Stoff
Am Bildschirm ist eine Linie perfekt. Auf Textil wirken aber Zug- und Verdrängungseffekte („Push & Pull“).
- Pull-Kompensation: Fadenspannung und Stichzug ziehen Material tendenziell nach innen. Wenn deine Kontur exakt auf der Kante liegt, können optische Lücken entstehen. In der Node-Bearbeitung kann es sinnvoll sein, die Form minimal nach außen zu schieben (im Draft genannt: ca. ~0.2mm – 0.4mm Überlappung), damit die Kante nach dem Sticken „passt“.
Kurz-Check vor dem Editieren (Pre-Flight)
- Zoom: Bist du weit genug drin (mindestens 400%)? Kleine Knicke sieht man sonst nicht.
- Auswahl: Ist wirklich nur ein Objekt aktiv?
- Undo:
Ctrl+Zgriffbereit – Node-Arbeit ist iterativ. - Bedienbarkeit: Ein verschmierter Bildschirm macht das Greifen von Nodes unnötig schwer (ja, das ist in der Praxis ein echter Zeitfresser).
Stichwinkel ändern: Für Textur und Stabilität
Warum der Winkel mehr ist als „Optik“
Der Stichwinkel ist nicht nur Design – er ist auch Statik. Der Stichwinkel-Pfeil bestimmt, in welcher Richtung die Füllstiche laufen.
- Optik: Garn reflektiert. Ein anderer Winkel verändert den Glanz und damit die wahrgenommene Farbe.
- Stabilität: Große Füllflächen können je nach Richtung stärker verziehen. Im Draft wird z. B. ein 45°-Winkel als oft „ruhiger“ beschrieben als 90° – entscheidend ist aber, dass du den Winkel bewusst zur Form und zum Material wählst.
Schritt-für-Schritt: Stichwinkel drehen
- Finden: Den langen Pfeil über dem Objekt suchen.
- Anfassen: Pfeilspitze oder -ende mit Linksklick greifen.
- Ziehen: In die gewünschte Richtung drehen.
Sofort-Kontrolle: Die „Textur“-Linien in der gefüllten (pink dargestellten) Form richten sich direkt neu aus.

„Einspann-Realität“-Check
Wenn deine Winkel digital perfekt sind, das Stickbild aber trotzdem wellt oder verzieht, ist die Ursache oft physisch (Einspannen/Stabilisierung) – nicht die Datei.
Gerade bei Serien (z. B. 50+ Shirts) verlassen sich viele Betriebe nicht nur auf manuelles Schraub-Rahmen-Anziehen, weil das je nach Bediener schwankt. Häufig kommt dann Hardware ins Spiel, z. B. Stickrahmen für Stickmaschine mit Magnetkraft, um reproduzierbarer zu spannen. Wenn der Stoff nur 1 mm rutscht, ist die beste Node-Arbeit wertlos.
Warnung: Magnet-Sicherheit. Starke Magnetrahmen können Finger einklemmen und sind problematisch bei Herzschrittmachern. Von Kreditkarten und medizinischen Geräten fernhalten. Magnete nicht „aufhebeln“, sondern seitlich abgleiten lassen.
Zwischen Kurve und Gerade umschalten
Schritt-für-Schritt: In „Straight“ umwandeln (für harte Kanten)
Manchmal brauchst du eine bewusst technische Ecke (z. B. Sternspitze, Quadrat, Badge-Kante).
- Node wählen: Rechtsklick direkt auf einen schwarzen Node.
- Befehl: To Straight auswählen.
Erfolgskriterium: Die Griffe verschwinden, und die Kante wird zur geraden Verbindung zum nächsten Node.


Schritt-für-Schritt: Node hinzufügen (sparsam einsetzen)
- Ziel: Auf die Kontur klicken, wo noch kein Node sitzt.
- Aktion: Ein neuer Node wird eingefügt.
- Feinjustage: Direkt per Rechtsklick festlegen, ob er Kurve oder Gerade sein soll – und dann positionieren.
Achtung „Micro-Kink“: Ein zusätzlicher Node kann einen winzigen Knick erzeugen, der erst im Sticklauf auffällt. Deshalb: stark reinzoomen (im Draft: 600%) und prüfen, ob die Linie wirklich sauber „durchläuft“.


Fortgeschritten: Auftrennen und Nodes löschen
Schritt-für-Schritt: Formen auftrennen (warum die Füllung verschwindet)
Das verwirrt fast jeden am Anfang.
- Aktion: Rechtsklick auf einen Node einer geschlossenen Form.
- Befehl: Split at Point.
- Ergebnis: Die Form ist offen. Die Füllung verschwindet.
Warum das so ist: Eine Füllung braucht eine geschlossene Kontur. Ist die Kontur offen, kann die Software keine Fläche „berechnen“ – das Verhalten ist normal.


Schritt-für-Schritt: Nodes löschen (Kurven glätten)
- Problemstelle finden: Den Node identifizieren, der eine Beule/Unruhe erzeugt.
- Löschen: Anklicken und Delete drücken (oder per Rechtsklick „Delete“).
- Ergebnis: PE Design berechnet den Verlauf zwischen den Nachbar-Nodes neu – oft deutlich glatter.


Qualitätskontrolle beim Editieren (Operator-Check)
- Fluss: Wirkt die Kontur „wie aus einem Guss“ oder zackig?
- Node-Anzahl: Kannst du mehrere Nodes entfernen und die Form trotzdem über Griffe sauber halten?
- Geschlossenheit: Ist die Form geschlossen, wenn du eine Füllung willst?
- Winkel: Unterstützt der Stichwinkel die Form (z. B. entlang eines Buchstabenstrichs statt quer dagegen)?
Vorbereitung: Das physische Fundament (was OFF-Screen passiert)
Du kannst die beste Datei der Welt haben – wenn Einspannen und Stabilisierung schwach sind, wird das Ergebnis schwach. Hier ist die Brücke zwischen Digitalisierung und Produktion.
„Versteckte“ Basics & Checks
Vor dem Probestick diese Punkte prüfen:
- Nadeln: Passt die Nadel zum Material (z. B. 75/11 Ballpoint für Maschenware vs. Sharp für Webware)? Eine beschädigte Nadel ruiniert auch perfekte Konturen.
- Fadenlauf: Ist der Oberfaden sauber eingefädelt? (In der Praxis: neu einfädeln, wenn etwas „komisch“ klingt.)
- Stabilisierung: Das ist die Basis.
- Elastische Stoffe (Polos/Tees): Cutaway ist oft Pflicht.
- Stabile Stoffe (Frottee/Denim): Tearaway kann ausreichen.
Einspann-Entscheidungsbaum
Der größte Feind einer guten Datei ist „Flagging“ (Stoff hebt/schlägt beim Sticken).
- Ist dein Material rutschig oder dick (Jacken/Taschen)?
- Risiko: Standardrahmen können aufspringen oder Rahmenspuren/Rahmenabdrücke hinterlassen.
- Option: Magnetrahmen für Stickmaschine – klemmt über Magnetkraft und passt sich Materialstärken an, ohne dass du „nach Gefühl“ schraubst.
- Kämpfst du mit gerader Platzierung?
- Risiko: Schiefe Logos = Ausschuss.
- Option: Ein Einspannen für Stickmaschine-Hilfsmittel (Station/Schablone/Raster) bringt Wiederholgenauigkeit.
- Machst du viel Stückzahl?
- Risiko: Belastung durch ständiges Schrauben.
- Option: Eine Magnetische Einspannstation reduziert Aufwand und erhöht die Platzierungskonstanz.
Setup: Von der Datei zur Maschine
Praktisches „Screen-to-Stitch“-Denken
Wenn du die Datei an die Maschine gibst, müssen deine Nodes eine Nadel führen, die mit hoher Geschwindigkeit arbeitet.
- Sicherheitsreserve: Bei komplexen Node-Clustern kann es helfen, die Geschwindigkeit zu reduzieren (im Draft als Beispiel: 600 SPM statt 800), damit die Mechanik sauber folgen kann.
- Reihenfolge: Unterlagestiche sollten in der Konturführung oft minimal „kleiner“ sein als die Deckstiche, damit nichts ungewollt herausblitzt.
Setup-Checkliste
- Unterfaden-Check: Ist die Spule voll? Passt die Spannung? (Im Draft: „Yo-Yo Test“ – Spulenkapsel am Faden halten, sie sollte leicht ablaufen und stoppen.)
- Nadel-Freiraum: Für die ersten Stiche Handrad drehen, damit die Nadel nicht am Rahmen anschlägt.
- Rahmenspannung: Stoff antippen – er sollte eher „dumpf“ gespannt sein. Zu locker = neu einspannen.
Warnung: Mechanische Sicherheit. Hände nie im Rahmenbereich, wenn die Maschine „live“ läuft. Nadelbruch kann Splitter schleudern – bei Arbeiten nah am Kopf Schutzbrille erwägen.
Betrieb: Ein wiederholbarer Workflow
Wenn du editierst, hilft eine feste Reihenfolge gegen „Digitizer-Blockade“.
Schritt-für-Schritt Workflow
- Reinzoomen: Nicht bei 100% editieren – lieber 600%.
- Struktur prüfen: Node-Modus aktivieren. Sind da 50 Nodes, wo 5 reichen? Aufräumen.
- Kurven formen: Bézier-Griffe nutzen, bis der Verlauf ruhig ist.
- Ecken setzen: Geplante Kanten per Rechtsklick auf „Straight“.
- Richtung setzen: Stichwinkel so drehen, dass er zur Form und zum Material passt.
- Simulation: In PE Design den Simulator/„Slow Redraw“ laufen lassen und beobachten, wie die Maschine fahren würde. Wenn der Cursor „springt“, ist die Node-Struktur oft zu unruhig.
Produktions-Check (bereit zum Sticken?)
- Keine offenen Füllungen: Alles, was Fläche sein soll, ist wirklich geschlossen.
- Keine Selbstkreuzungen: Konturen kreuzen sich nicht (kann zu Chaos im Stichlauf führen).
- Dateiformat: Richtig exportiert (PES/DST).
- Platzierung: Du hast eine Strategie (z. B. hoopmaster Einspannstation oder Markierungen), damit das Motiv dort landet, wo es soll.
Troubleshooting: „Warum passiert das?“
Symptom: „Kontur passt nicht zur Füllung (Gapping).“
- Wahrscheinliche Ursache: Pull-Effekt – die Füllung zieht Material nach innen.
- Schnelltest: In Node Mode die Füllkontur minimal über die Kontur hinaus schieben (Überlappung).
- Pro-Ansatz: Stabilisierung und Einspannen verbessern bzw. die hooping station for embroidery machine-Routine prüfen, damit der Stoff wirklich stabil sitzt.
Symptom: „Die Maschine hämmert in Kurven.“
- Wahrscheinliche Ursache: Zu viele Nodes zu dicht beieinander.
Symptom: „Meine Füllung ist plötzlich ein Laufstich.“
- Wahrscheinliche Ursache: Form versehentlich geöffnet (Split at Point).
Symptom: „Rahmenspuren/Rahmenabdrücke um das Motiv.“
- Wahrscheinliche Ursache: Zu stark angezogener Standardrahmen (Reibung/Quetschung).
Symptom: „Fadennester (Bird’s Nests) unten.“
- Wahrscheinliche Ursache: Oberfaden nicht korrekt in der Spannung (z. B. aus dem Fadenhebel gesprungen) oder Stoff flaggt.
Ergebnis
Wenn du den Node-Modus beherrschst, bist du nicht mehr nur „Datei-Nutzer“, sondern arbeitest wie ein Digitizer.
Nach diesem Guide solltest du:
- Diagnostizieren können, warum eine Form unruhig wirkt – allein über die Node-Map.
- Reparieren können, indem du Griffe nutzt statt immer mehr Punkte zu setzen.
- Steuern können, wie Textur und Glanz über den Stichwinkel wirken.
Und: Die Software ist nur die halbe Miete. Saubere Geometrie (Software) + stabiles Einspannen (Hardware) ist die Kombination für professionelle Ergebnisse. Egal ob Standardrahmen oder effizienter magnetic embroidery hoop – das Ziel bleibt gleich: maximale Stabilität, damit deine perfekt gesetzten Nodes im Stickbild auch wirklich „sauber“ ankommen.
