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Potentiometer-Tausch & Kalibrierung Master Class: Präziser Farbwechsel wie am ersten Tag
In der professionellen Maschinenstickerei gibt es kaum etwas, das schneller Stress auslöst als ein „Color Change Error“ – oder eine Maschine, die beim Farbwechsel „daneben“ stoppt und im schlimmsten Fall die Nadel gegen die Stichplatte laufen lässt.
Sehr häufig steckt dahinter das Potentiometer (umgangssprachlich oft „Farbwechsel-Sensor“ genannt). Dieses kleine Bauteil arbeitet wie das „Innenohr“ der Maschine: Es meldet dem Dahao-Panel, welche Nadelposition mechanisch gerade anliegt. Wenn der Sensor verschleißt, „driftet“ oder sich die Kupplung löst, verliert die Maschine ihre Positionssicherheit – mit unerklärlichen Stopps, falschen Nadelanzeigen und Produktionsausfall.
Diese Anleitung ist als Werkstatt-Manual gedacht: nicht nur „Schraube A raus, Schraube B rein“, sondern mit den entscheidenden Kontrollpunkten, damit du eine 12-Nadel Stickmaschine (oder vergleichbare Mehrnadel-Modelle) sauber wieder in Passung bringst – ohne das Gefühl, es beim Einstellen noch schlimmer zu machen.

Was genau wird hier behoben?
Bevor du den Schraubendreher ansetzt, lohnt sich das „Warum“:
- Symptom: Du wählst z. B. Nadel 5, aber der Kopf stoppt zwischen 5 und 6 – oder das Display zeigt „5“, mechanisch steht der Kopf jedoch bei Nadel 4.
- Ursache: Der Widerstandswert des Potentiometers passt nicht mehr zur mechanischen Realität. Das passiert durch internen Verschleiß (Signalrauschen) oder durch Schlupf/Spiel an der Kupplung.
- Lösung: Austausch – und vor allem die mechanische Indexierung (Kalibrierung).
Diese Reparatur verbindet die digitale „Logik“ (Dahao-Panel) wieder sauber mit der Mechanik (Farbwechselmotor/Nocken).
Warnung: Mechanische Sicherheit zuerst. Du arbeitest am hinteren Antrieb und an der Farbwechselmechanik. Maschine ausschalten und Netzstecker ziehen, bevor du Abdeckungen entfernst. Greife niemals in die Nähe von Nocken/Kurvenrad, solange die Maschine eingeschaltet ist – der Motor hat hohes Drehmoment und kann Finger sofort einklemmen.
Werkzeuge für den Potentiometer-Tausch
Du arbeitest am „Nervensystem“ der Maschine – sauberes Werkzeug und Kontrolle sind entscheidend.
Grundausstattung
- Metrischer Inbusschlüssel-Satz: Für die Schraube an der Kupplung (typisch 2 mm / 2,5 mm / 3 mm – je nach Ausführung). Tipp: T-Griff hilft, die kleine Schraube kontrolliert zu lösen.
- Kreuzschlitz-Schraubendreher: Am besten magnetisch, damit nichts in die Maschine fällt.
- Kleine Zange oder verstellbarer Schlüssel: Zum Anziehen der Mutter am Potentiometer.
- Marker/Lackstift: Optional, um die Lage des alten Sensors zu markieren (hilft beim Vergleich, ersetzt aber nicht die Kalibrierung).
„Unsichtbare“ Helfer (nicht ohne starten)
- Magnetische Schraubenschale: Kleine Madenschrauben verschwinden sonst schnell im Maschinenbett.
- Stirnlampe/Arbeitsleuchte: Der Motorbereich hinten ist dunkel – du musst die Kupplung und die Madenschraube klar sehen.
- Fusselfreies Tuch: Zum Reinigen der Welle vor dem Aufschieben des neuen Sensors.
Demontage: Faden-Spannungsblock & Motorabdeckung
Um an das Potentiometer zu kommen, müssen die Bauteile davor/hinten weg. Bei vielen Industrie-Maschinen sitzt der Fadenspannungsblock vorne und blockiert den Zugang.

Schritt 1 — Fadenspannungsblock abnehmen (4 Schrauben)
- Fäden sichern: Fäden an den Konen abschneiden und sauber ausfädeln oder sichern. Lose Fäden im Kopfbereich machen die Arbeit unnötig fummelig.
- Schrauben lokalisieren: Die vier Befestigungsschrauben am weißen Spannungsblock suchen.
- Gefühl beim Lösen: Beim ersten Ansetzen sollte ein klarer „Losbrechmoment“ spürbar sein. Wenn Schrauben sofort „leer“ drehen, waren sie bereits zu locker.
- Abnehmen & ablegen: Den kompletten Block abheben (er ist schwer). Am besten in eine saubere Kiste legen, damit die Spannknöpfe nicht beschädigt werden.
Checkpoint: Vorne ist der Kopf frei; du siehst den Bereich der Nadelstange/Mechanik deutlich.
Mehrkopf-Hinweis: Bei Mehrkopfmaschinen wird laut Video typischerweise der Spannungsblock am ersten Kopf (Head #1) abgenommen.

Schritt 2 — Hintere Motorabdeckung abnehmen (2 Schrauben)
- Zur Rückseite des Kopfes gehen.
- Die zwei Schrauben der weißen/hellen Schutzabdeckung lösen.
- Beim Abziehen darauf achten, ob Unterlegscheiben lose sind.
Checkpoint: Farbwechselmotor, Riemen/Antrieb, Nockenmechanik und das Potentiometer (kleiner Zylinder mit Kabel) sind sichtbar.

Profi-Tipp: „Foto vorher“
Bevor du Stecker löst: ein scharfes Foto von der Kabelführung machen. Gerade bei einer Einkopf-Stickmaschine denkt man schnell „Merke ich mir“ – und später wird ein Kabel eingeklemmt oder falsch verlegt. Das Foto spart Zeit und Ärger.
Defekten Farbwechsel-Sensor ausbauen
Hier ist Feingefühl gefragt: Das Potentiometer sitzt über eine Kupplung auf der Welle.

Schritt 3 — Welle drehen, bis die Madenschraube sichtbar ist
- Manuell drehen: Farbwechselwelle bzw. Riemenscheibe vorsichtig von Hand drehen.
- Ziel: Die kleine schwarze Madenschraube an der Kupplung finden.
- Gefühl prüfen: Die Drehung sollte gleichmäßig sein. Spürst du „Haken“ oder Schleifen, kann zusätzlich mechanischer Verschleiß an der Nocke/Mechanik vorliegen.
Checkpoint: Die Madenschraube steht so, dass du sauber mit dem Inbus ansetzen kannst.
Schritt 4 — Lösen, abstecken, abziehen
- Madenschraube lösen: Inbus vollständig einstecken (nicht verkanten). Gegen den Uhrzeigersinn lösen – meist reichen 1–2 Umdrehungen, bis die Welle frei ist.
- Mutter am Halter lösen: Das Potentiometer ist am Halter/Bracket mit einer Mutter fixiert.
- Stecker trennen: Kabelverbindung vor dem vollständigen Abziehen lösen.
- Sensor abziehen: Potentiometer von der Welle abziehen.

Neues Potentiometer montieren: die entscheidenden Punkte
Hier scheitern viele Reparaturen: Wenn der Sensor nicht gegen Verdrehen gesichert ist, verstellt sich die Kalibrierung schnell wieder.

Schritt 5 — „Iron Piece“ (Verdrehsicherung) übernehmen
Das neue Potentiometer kommt oft ohne die passende Verdrehsicherung.
- „Iron Piece“: Gemeint ist die kleine Metalllasche/der Haltewinkel, der verhindert, dass sich das Sensorgehäuse mitdreht.
- Übertragen: Mutter/Unterlegscheibe am neuen Sensor abnehmen, die Metalllasche vom alten Sensor übernehmen und am neuen Sensor wieder montieren.
- Fest anziehen: Mutter mit Zange/Schlüssel festziehen.
- Praxis-Check: Versuche die Lasche mit den Fingern zu bewegen. Sie muss spielfrei sitzen – jedes Spiel führt später zu ungenauer Passung.


Schritt 6 — Aufschieben & anschließen (noch nicht festklemmen)
- Neuen Sensor auf die Welle schieben. Darauf achten, dass die Lasche/der Halter korrekt in seine Aufnahme greift.
- Madenschraube noch nicht festziehen: Für die Kalibrierung muss die Kupplung zunächst „frei“ bleiben.
- Kabel wieder anschließen (auf spürbares Einrasten achten).
Checkpoint: Sensor sitzt montiert und ist angeschlossen, aber die Kupplung ist noch nicht verriegelt.
Kritische Kalibrierung: Ausrichtung auf Nadel 12
Jetzt wird die mechanische Realität mit der Anzeige synchronisiert.
Warum Nadel 12? Bei vielen Mehrnadel-Stickmaschine-Setups wird auf die letzte Nadel indexiert (bei 12 Nadeln also Nadel 12). Im Video wird explizit auf Nadel 12 kalibriert.

Schritt 7 — Mechanik zuerst: die echte Nadel-12-Position herstellen
Ignoriere zunächst das Display. Zuerst muss die Maschine mechanisch exakt stehen.
- Auf Nadel 12 bringen: Farbwechselwelle/Knopf manuell drehen, bis der Kopf vollständig auf Nadel 12 steht.
- Nocken in Neutralstellung („Mitte“):
- Die Nocke muss in der mittleren/neutralen Position stehen.
- Praxis-Check aus dem Video: Wenn du die Welle minimal bewegst, darf sich der Kopf nicht sofort mitbewegen. Sobald der Kopf bei kleinster Bewegung „mitzieht“, bist du nicht in der Neutralzone.

Schritt 8 — Nadelzentrierung prüfen
Auch wenn die Nocke „gut aussieht“, zählt die Nadel.
- Nadel 12 manuell nach unten drücken (wie im Video gezeigt).
- Zentrierung: Die Nadelspitze muss mittig ins Loch der Stichplatte eintauchen.
- Wenn sie anstößt oder seitlich reibt: Mechanik weiter fein nachstellen, bis die Nadel sauber zentriert ist.

Checkpoint: Mechanisch steht die Maschine auf Nadel 12, Nocke neutral, Nadel zentriert. Ab hier nichts „verstellen“, bevor die Anzeige passt.
Schritt 9 — Anzeige angleichen: Dahao-Panel auf „12“ bringen
Jetzt sagst du dem System: „Diese Position ist 12.“
- Maschine einschalten (Hände weg von beweglichen Teilen).
- Am Dahao-Panel die Nadelanzeige beobachten.
- Hinten am Kopf den Sensor/Wellenbereich so drehen, dass sich der Potentiometerwert ändert (die Kupplung ist ja noch nicht fest).
- Langsam drehen: Die Zahlen am Display laufen mit.
- Bei 12 stoppen: Genau bei 12 anhalten (im Video wird die Übereinstimmung explizit kontrolliert).


Schritt 10 — Verriegeln & sichern
- Sensorposition stabil halten (damit die Anzeige nicht „wegrutscht“).
- Mit dem Inbus die schwarze Madenschraube an der Kupplung festziehen.
- Kontrolle: Springt die Anzeige beim Festziehen auf 11 oder 13?
- Wenn ja: lösen und erneut sauber auf 12 einstellen.
- Wenn nein: Einstellung ist korrekt.
- Danach die Schrauben am Halter/Bracket final festziehen.

Was Ungenauigkeit im Betrieb kostet
In Betrieben mit Industrie-Stickmaschinen zählt jede Sekunde: Wenn die Maschine bei jedem Farbwechsel „sucht“, summiert sich das über viele Stopps und Läufe zu spürbarer verlorener Produktionszeit.

Prep
Starte mit „Clean-Room“-Denke: Reparaturen scheitern oft nicht am Können, sondern an verlorenen Schrauben oder schlechter Sicht.
Prep-Checkliste (Pre-Flight)
- Sicherheit: Maschine stromlos (Stecker gezogen).
- Licht: Arbeitsleuchte leuchtet den Motorbereich hinten aus.
- Schrauben-Management: Magnet-Schale liegt griffbereit.
- Zugang: Maschine ggf. von der Wand abrücken, damit du sicher hinter dem Kopf arbeiten kannst.
- Foto: Kabelführung vor dem Abstecken dokumentiert.
Setup
Diese Phase verhindert „Schein-Kalibrierungen“, bei denen die Anzeige zwar stimmt, die Mechanik aber nicht.
Entscheidungsbaum: Ist die Maschine bereit zur Kalibrierung?
- Steht der Kopf mechanisch auf Nadel 12?
- Ja: Weiter.
- Nein: Welle manuell drehen, bis Nadel 12 anliegt.
- Ist die Nadel im Stichplattenloch zentriert?
- Ja: Weiter.
- Nein: Nocken/Welle nachstellen, bis die Zentrierung stimmt. Nicht kalibrieren, bevor das mechanisch passt.
- Sitzt die Verdrehsicherung („Iron Piece“) fest?
- Ja: Weiter.
- Nein: Nachziehen. Spiel führt zu Drift.
Setup-Checkliste (bereit zur Montage)
- Altes Potentiometer entfernt.
- Neues Potentiometer mit Verdrehsicherung montiert.
- Madenschraube an der Kupplung ist noch lose (für die Kalibrierung).
- Kabel/Stecker auf Quetschstellen oder Beschädigung geprüft.
Operation
Abarbeitung in dieser Reihenfolge – ohne Abkürzungen.
- Demontieren: Spannungsblock (4 Schrauben) und hintere Abdeckung (2 Schrauben) abnehmen.
- Altteil raus: Welle drehen -> Madenschraube lösen -> Stecker ab -> Sensor abziehen.
- Neuteil vorbereiten: Verdrehsicherung („Iron Piece“) übernehmen und fest anziehen.
- Montieren: Auf Welle schieben -> Stecker an -> Madenschraube noch nicht festziehen.
- Mechanisch indexieren: Auf Nadel 12 stellen + Nocke neutral + Nadel zentriert.
- Digital indexieren: Sensor drehen, bis Dahao „12“ anzeigt.
- Verriegeln: Madenschraube festziehen, ohne dass die Anzeige von 12 weg springt. Halter final festziehen.
- Test: Am Panel manuell Nadeln anwählen (z. B. 1 bis 12 und zurück) und auf sauberes Stoppen achten.
- Zusammenbauen: Hintere Abdeckung montieren -> Spannungsblock montieren -> korrekt einfädeln.
Operation-Checkliste (nach der Reparatur)
- Anzeige stimmt mit der mechanischen Position bei Nadel 1 und Nadel 12 überein.
- Farbwechsel läuft ohne „Rucken“/ungewöhnliche Geräusche.
- Alle Schrauben sind wieder drin und fest.
- Spannungsblock sitzt plan; Fäden sind korrekt neu eingefädelt.
Wartung als Business-Entscheidung: Reparatur vs. Skalierung
Wenn solche Eingriffe häufiger werden, ist das oft ein Hinweis auf die Belastung im Betrieb.
Der Auslöser: „Warum repariere ich das ständig?“
Bauteilermüdung kann bedeuten, dass das Produktionsvolumen die Maschine dauerhaft an die Grenze bringt.
Kriterium: Wann lohnt sich ein Upgrade?
Wenn Stillstand und Fehlersuche regelmäßig Umsatz kosten, kann es sinnvoll sein, sich nach Mehrnadel-Stickmaschinen kaufen umzusehen.
Zwischenlösung: Effizienz im Alltag
Wenn eine neue Maschine gerade nicht drin ist, zählt jede Minute, die du im Prozess zurückgewinnst. Ein typischer Zeitfresser ist das erneute Einspannen nach Fehlstopps.
- Problem: Standardrahmen brauchen Kraft und können Abdrücke hinterlassen.
- Upgrade: Magnetrahmen beschleunigen das Einspannen und reduzieren Rahmenspuren.
Warnung: Sicherheit bei Magnetrahmen. Starke Neodym-Magnete können Finger einklemmen. Abstand zu Herzschrittmachern, Kreditkarten und empfindlichen Datenträgern halten.
Troubleshooting
Wenn die Maschine nach dem Tausch „komisch“ reagiert, hilft diese Matrix.
Symptom: Anzeige „flattert“ zwischen Zahlen (z. B. 11…12…11)
- Wahrscheinliche Ursache: Wackelkontakt/Stecker nicht sauber eingerastet oder Kabel gequetscht.
- Schnelltest: Stecker abziehen und sauber wieder einstecken. Kabelführung prüfen (nicht am Motorgehäuse einklemmen).
Symptom: Bei Nadel 12 passt alles, aber bei Nadel 1 ist Versatz
- Wahrscheinliche Ursache: Sensor/Mechanik läuft nicht linear (Bauteilproblem oder mechanischer Verschleiß).
- Praxis-Ansatz: Wenn die Enden nicht zusammenpassen, ist die Ursache oft nicht „nur“ die Einstellung.
Symptom: Kopf bewegt sich während der Einstellung
- Wahrscheinliche Ursache: Nocke nicht in Neutralstellung.
- Lösung: Welle manuell so drehen, dass der Kopf „ruhig“ steht (Neutralzone), erst dann kalibrieren.
Results
Ein sauber getauschtes und korrekt kalibriertes Potentiometer macht sich sofort bemerkbar: Die Nadelnummern am Display passen wieder zur realen Position, und der Farbwechsel stoppt präzise und reproduzierbar.
Egal ob du eine Industrie-Stickmaschine barudan-Klasse Maschine betreibst oder eine andere Plattform: Wenn du diese Kalibrierung beherrschst, kontrollierst du deine Uptime – und bist schneller wieder in der Produktion, statt auf den nächsten Service-Termin zu warten.
