Run, Satin und Fill: Die einzigen 3 Sticharten, die du brauchst, um fast alles zu digitalisieren (und sauber zu sticken)

· EmbroideryHoop
Dieser praxisnahe Leitfaden reduziert das Digitalisieren in der Maschinenstickerei auf drei Sticharten – Run (Geradstich), Satin und Tatami/Fill – und zeigt dir, wie du Stichlänge, Dichte und Auto-Split so einstellst, dass deine Designs auf echtem Material sauber laufen. Du lernst, wann Single/Double/Bean-Run sinnvoll sind, wie du Satinsäulen innerhalb sicherer Breiten-Grenzen hältst, wie Füllmuster Struktur und stabile „Basen“ erzeugen und wie du alle drei Sticharten kombinierst – z. B. für Redwork, Textur-Effekte und schattierte Details. Dazu bekommst du klare Checks für Vorbereitung und Produktion sowie Troubleshooting-Fixes gegen Hänger, Lücken und Dateien, die auf der Maschine nicht sauber durchlaufen.
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Inhaltsverzeichnis

Das Fundament aller Designs: Die 3 wichtigsten Sticharten

Wenn du schon einmal eine „Wow“-Stickdatei gesehen hast – Schattierungen, Texturen, winzige Details – und gedacht hast: „Das könnte ich nie digitalisieren“, dann ist die Realität deutlich einfacher: Die meisten Effekte in der Maschinenstickerei entstehen aus nur drei Stich-Familien.

Maschinenstickerei ist keine Magie, sondern Physik und Prozess. Am Ende ist es immer derselbe Vorgang: Die Nadel durchsticht den Stoff und verriegelt den Oberfaden mit dem Unterfaden. Wenn du zuverlässig digitalisieren willst, musst du diese drei Bausteine wirklich verstehen:

  • Run Stitch (Geradstich/Laufstich) (eine Linie; das „Skelett“ deines Designs)
  • Satin Stitch (Satinstich) (Zickzack-Säule; Konturen, Kanten, Schrift)
  • Tatami / Fill (Füllstich) (strukturierte Fläche; die Basis für große Bereiche)

Sobald du verstanden hast, wie sich jeder Stich unter realer Belastung beim schnellen Sticken verhält – und welche Einstellungen tatsächlich entscheidend sind – kannst du Designs bauen, die reproduzierbar sauber sticken, ohne dass dir Stoff verzieht oder Fäden hängen bleiben.

A close-up of a digital canvas showing a simple curved line representing a Run Stitch.
Introduction to the Run Stitch
The Properties panel is open, highlighting the 'Stitch Length' setting at 2.5 mm.
Adjusting stitch length settings

Warum das über die Software hinaus wichtig ist

Deine Digitalisier-Entscheidungen bestimmen, was an der Maschine passiert: Stichzahl, Hänger-/Snag-Risiko, Kräuseln, und wie stark der Stoff im Stickrahmen „gezogen“ wird. Wenn du dich gerade in Einspannen für Stickmaschine-Abläufe einarbeitest, ist das ein wichtiger Punkt: Häufig ist nicht das Einspannen der Hauptfehler – sondern die Stichmechanik. Bei schlechtem Pathing (Stichreihenfolge/Verlauf) kann selbst perfekt eingespannter Stoff wandern.

Software-Hinweis (aus den Kommentaren)

Mehrere Zuschauer haben gefragt, welches Programm in den Referenz-Ansichten genutzt wird. Der Creator bestätigt: Embroidery Legacy Digitizing Software. Die physikalischen Prinzipien gelten aber genauso für Wilcom, Hatch, Embrilliance und andere gängige Plattformen.

The 'Run Style' dropdown menu is selected, showing options for Run, Double Run, and Motif.
Selecting the stitch style
A diagrammatic explanation of the Bean Stitch showing the visual logic of stitch points: 1 forward, 2 back, 3 forward.
Explaining Bean Stitch mechanics

Der Run Stitch: Mehr als nur Konturen

Ein Run Stitch ist die simpelste Stichart: Du setzt Punkte, die Software verbindet sie, und die Maschine stickt eine durchgehende Linie. Stell es dir wie Zeichnen mit einem Stift vor – nur dass der „Stift“ (die Nadel) in festen Abständen ein- und aussticht.

A zoomed-in view of a Satin stitch showing the zigzag 'accordion' movement from rail to rail.
Visualizing Satin Stitch structure

Schritt für Schritt: Einen Run Stitch erstellen (und die eine Einstellung kontrollieren, die wirklich zählt)

Kernaktion: Punkte setzen und anschließend die Stichlänge (Stitch Length) einstellen.

  1. Linie digitalisieren: Klicke Punkte entlang deines gewünschten Verlaufs (je nach Software meist: Linksklick für gerade Punkte, Rechtsklick für Kurven).
  2. Stichlänge finden: Öffne das Properties-/Eigenschaften-Panel.
  3. Mit einem Standard starten: Setze die Stichlänge zunächst auf 2,5 mm (Video-Standardwert).
  4. Effekt bewusst ansehen: Erhöhe die Stichlänge, um den Unterschied zu sehen (im Video wird 6,7 mm gezeigt).
    • Sicht-Check: Die Abstände zwischen den Einstichpunkten („Dots“) werden deutlich größer.
  5. Extremwerte vermeiden: Im Video wird 0,1 mm als Extrembeispiel erwähnt – das ist nur zur Veranschaulichung.
    • Warum? Sehr kurze Stiche wirken wie eine Perforation: Der Stoff wird „gestanzt“, kann reißen oder die Nadel läuft unnötig hart.

Checkpoints (was du in der Vorschau prüfen solltest):

  • Die Einstichpunkte sind gleichmäßig verteilt.
  • Kurven wirken sauber und nicht „eckig“ (enge Kurven brauchen kürzere Stichlängen).

Erwartete Ergebnisse:

  • Bei 2,5–3,0 mm erhältst du eine saubere Linie für Konturen, feine Details und viele Unterlagen.
  • Bei sehr großen Abständen (deutlich über 4 mm) wird der Run Stitch eher zum Heft-/Basting-Stich für temporäres Fixieren.
A curved Satin stitch object shaped like a snake, demonstrating how the stitch angles follow the curve.
Demonstrating stitch angles on curves

Run-Varianten: Single vs. Double vs. Bean

Im Video werden drei praxisrelevante Run-Varianten gezeigt, die die optische „Strichstärke“ verändern:

  • Single Run: Ein Durchlauf. Sehr fein. Häufig als Unterlage (unsichtbares Fundament).
  • Double Run: Die Maschine stickt vorwärts und anschließend auf dem exakt gleichen Pfad zurück. Gut zum „unsichtbaren“ Verbinden von Bereichen.
  • Bean Stitch (Triple Run): Ein kräftiger, handgestickter Look durch eine „Vor–Zurück–Vor“-Sequenz. Wirkt dekorativ und stabil.

Praxis-Hinweis (aus typischer Verwirrung in den Kommentaren): Der Kommentar mit „6 7“ bezieht sich auf die Stichlängen-Demo 6,7 mm. Das ist zum Lernen super sichtbar – für feine Konturen ist es aber zu weit, weil sich Schlaufen leichter an Kleidung/Knöpfen/Jewelry verhaken können.

Wo Run Stitches in echten Designs glänzen

Die Beispiele aus dem Tutorial zeigen, dass Run Stitch weit mehr ist als „nur verbinden“:

  • Redwork: Klassischer Look, der möglichst ohne Sprünge/Trims durchläuft. Hier wird Double Run (oder je nach Stil Bean) gezielt eingesetzt.
  • Sketch-/Line-Art-Effekte: Mehrfarbige Run Stitches übereinander erzeugen einen künstlerischen Look bei niedriger Stichzahl.
  • Textur (Feuer/Chaos): Kurze, teils „chaotisch“ gesetzte Run Stitches simulieren Intensität ohne die Masse eines Füllstichs.

Produktions-Kontext: Run-stichlastige Designs (z. B. Redwork) sind in der Fertigung oft wirtschaftlich, weil sie wenig Stiche haben und schnell laufen.

Einspannen + Run Stitch: Das spürst du an der Maschine

Run Stitches „verankern“ den Stoff nicht so flächig wie Füllstiche – sie „laufen“ über die Oberfläche. Auf weichen oder elastischen Textilien kann ein run-only Design leichter verziehen, wenn der Stoff im Stickrahmen minimal wandert.

  • Ansatz: Stabilisierung passend zum Material wählen (bei dehnbaren Stoffen typischerweise Cutaway). Wenn Start- und Endpunkt optisch nicht sauber treffen, ist das oft ein Hinweis auf Bewegung im Rahmen.

Satin Stitch meistern: Dichte- und Breitenregeln

Ein Satin Stitch ist ein Zickzack, der von einer Seite der Säule zur anderen läuft und dadurch eine glatte, glänzende „Band“-Optik erzeugt. Satins sehen hochwertig aus – sind aber auch anfällig für Probleme wie Kräuseln und Hänger, wenn Breite/Dichte nicht passen.

Comparison of Satin Stitch density, showing a column with wide gaps set to 1.5mm density.
Adjusting density properties

Schritt für Schritt: Eine Satinsäule bauen, die sauber stickt

Kernaktion: Säulenbreite definieren und anschließend die Dichte (Density) für saubere Deckung einstellen.

  1. Säule erstellen: Mit dem Classic Satin-Werkzeug eine Säule digitalisieren (Punkte für Rail A und Gegenpunkte für Rail B).
  2. Winkel prüfen: Drehen/krümmen nach Bedarf – der Stichwinkel steuert den Glanz und die Optik auf Kurven.
  3. Dichte setzen: Starte mit dem Basiswert aus dem Video: 0,40 mm.
    • Übersetzung: Das ist der Abstand zwischen den Zickzack-Läufen.
    • Sicht-Check: Die Fläche wirkt geschlossen. Wenn du in der Vorschau „durch“ siehst, ist es zu offen.
  4. Variationen testen: Im Video wird 1,5 mm gezeigt – dadurch entstehen sichtbare Lücken. Das kann als „offene“ Schattierung gewollt sein.

Checkpoints:

  • Reinzoomen: Du erkennst das „Akkordeon“-Zickzack von Rail zu Rail.
  • Qualitätsgefühl (gedanklicher Check): Ein guter Satin wirkt leicht erhaben und glatt wie ein Band.

Erwartete Ergebnisse:

  • Saubere Kanten (ideal für Schrift und Konturen)
  • Hoher Glanz (durch längere, sichtbare Fadenstrecken)

Die zwei Satin-Regeln aus dem Tutorial (und warum sie existieren)

Das Video gibt klare Breiten-Grenzen – die solltest du dir merken:

  • Minimale Satinbreite: 1 mm (absolutes Minimum)
  • Maximale Satinbreite: 12 mm (absolutes Maximum)

Warum das zählt:

  • Zu schmal: Kann hart/starr wirken und ist fehleranfälliger.
  • Zu breit: Lange, lose Fadenstrecken erhöhen das Risiko, dass der Stich hängen bleibt (Snagging) oder sich beim Tragen/Waschen beschädigt.

Auto Split: Sicherheitsnetz für breite Satins

Wenn du eine Form brauchst, die breiter als 12 mm ist, solltest du keinen „langen“ Satin erzwingen. Nutze stattdessen Auto Split.

  • Im Video wird ein Auto Split-Wert von 7,0 mm gezeigt.
  • Das bedeutet: „Wenn ein Stich länger als 7 mm wäre, setze einen zusätzlichen Einstichpunkt in der Mitte, um den Faden zu sichern.“ Optisch bleibt es satinartig, technisch wird es deutlich robuster.
Overview of the three main stitch types represented by shapes: a swirl (Run), a triangle (Satin), and a 'T' shape (Fill).
Summary of the three stitch types
The Fill Pattern dropdown list is open, displaying various pattern options like 'Smooth' and numbered patterns.
Selecting a Tatami fill pattern
A Redwork Horse design displayed in red outlines, showcasing a continuous single-color path.
Reviewing a Redwork example

Praxis-Hinweis (aus den Kommentaren): Automatik hilft, ersetzt aber nicht die Kontrolle. Auto-Splitting ist besonders bei breiter Schrift/Logos sinnvoll, weil es Satins von „Hänger-Fallen“ zu alltagstauglichen Flächen macht.

Warning: Mechanisches Risiko. Satins, die ohne Split über die praktische Breite hinausgehen (typisch >12 mm), können zu Problemen führen – von Hängern bis hin zu Kollisionen/Belastung im Stickbereich. Immer Vorschau/Simulator prüfen.

Einspannen + Satin: Wo Kräuseln und Rahmenspuren entstehen

Satins ziehen den Stoff sichtbar zusammen (Pull). Wenn der Stoff im Stickrahmen nicht stabil sitzt, entstehen Falten/Kräusel rund um die Satinsäule.

Das Rahmenspuren-Problem: Viele ziehen Schraubrahmen so fest, dass Fasern gequetscht werden – es bleiben Rahmenabdrücke.

Lösungsweg:

  1. Technik: Stoff straff wie „Trommelfell“ einspannen – straff, aber nicht gedehnt.
  2. Tool-Upgrade: Wenn du bei empfindlichen Stoffen mit Abdrücken kämpfst, sind Magnetrahmen für Stickmaschine eine professionelle Option: gleichmäßiger Halt durch Magnetkraft statt Reibung.
  3. Serienfähigkeit: Für wiederkehrende Jobs hilft die Kombination mit einer Magnetische Einspannstation, damit du jedes Teil an derselben Position einspannst und weniger Nacharbeit durch schiefe Platzierung hast.

Tatami/Fill: Textur und stabile Basen

Ein Tatami-/Fill-Stich ist im Kern ein Run Stitch, der in Reihen gelegt wird, um Flächen zu schließen. Im Tutorial werden Füllstiche als „Bassist der Band“ beschrieben: unauffällig, aber entscheidend, weil sie die Basis liefern, auf der Satins und Details sauber wirken.

An abstract Horseman design composed entirely of multi-colored running stitches.
Analyzing artistic use of Run Stitches

Schritt für Schritt: Füllstiche für Deckung und Textur nutzen

Kernaktion: Fill anwenden und anschließend Muster und Winkel bewusst wählen.

  1. Form wählen: Einer geschlossenen Fläche den Tatami/Fill-Stich zuweisen.
  2. Musterbibliothek nutzen: In der Fill Pattern-Library Muster auswählen (z. B. „Brick Wall“, „Snake Skin“ etc., wie im Video gezeigt).
  3. Dichte einstellen: Gleiche Logik wie beim Satin; als Standard wird im Tutorial 0,40 mm genutzt.
  4. Stichlänge variieren: Verändert die Textur/Optik des Fills (im Video wird erklärt, dass Stichlänge neben Dichte ein zentraler Hebel ist).

Checkpoints:

  • Stichwinkel: Fill-Winkel bewusst gegen Satin/Schrift darüber setzen, damit sich die obere Lage optisch abhebt.
  • Deckung: Bei starkem Farbkontrast kann eine etwas dichtere Einstellung nötig sein – immer in der Vorschau prüfen.

Erwartete Ergebnisse:

  • Eine stabile, gleichmäßige Fläche
  • Eine „Basis“, die den Stoff beruhigt, bevor Details darüber kommen
A detailed 'Tarnished Soldier' design highlighting the use of chaotic run stitches to create a fire texture.
Creating texture with stitches

Entscheidungsbaum: Stichart wählen + Stabilisierung mitdenken

Nutze diesen Ablauf, bevor du digitalisierst oder an der Maschine startest:

  1. Ist es eine dünne Linie oder ein Detail?
    • Ja → Run Stitch
      • Soll es kräftiger wirken? → Bean Stitch
      • Vintage/Redwork-Look? → Double Run
  2. Ist es eine Kante, Schrift oder ein sauberer Rand (< 10 mm breit)?
    • Ja → Satin Stitch
      • Wird es breiter als ~7 mm? → Auto Split aktivieren (im Video: 7 mm), um Hänger zu reduzieren.
  3. Ist es eine große Fläche oder Hintergrund?
    • Ja → Tatami/Fill
      • Soll es Textur/Fell imitieren? → Muster und Richtung gezielt wählen.
  4. Verzieht sich der Stoff leicht (z. B. dehnbare Shirts)?
    • Wichtig: Nutze Fills als Basis und lege Details darüber. Stabilisierung passend wählen. Beim Einspannen darauf achten, den Stoff nicht zu überdehnen.

Kommentar-getriebenes „Achtung“: natürliches Fell

Ein Zuschauer fragte, welcher Stich für natürlich wirkendes Hundefell am besten ist. Der Ansatz liegt im gezielten Einsatz von Tatami/Fills.

  • Methode: Fill mit strukturierter/„unruhiger“ Kante und passendem Muster.
  • Richtung: Mehrere Fill-Objekte mit unterschiedlichen Winkeln kombinieren, um Wuchsrichtung zu imitieren.
  • Details: Run Stitches darüber für feine Akzente (z. B. einzelne Härchen/Whiskers).

Stiche kombinieren: So entstehen komplexe Ergebnisse

Professionelles Digitalisieren bedeutet nicht, „komplizierte Tools“ zu nutzen – sondern diese drei Grundstiche sauber zu schichten.

The 'Auto Split' settings menu showing the 'Max Stitch Length' set to 7mm.
Preventing long loose stitches

Beispiel 1: Redwork-Pferd (Effizienz)

Das Redwork-Beispiel ist ein Lehrstück in Pathing: Double Run so geplant, dass die Maschine fast ohne Trims/Sprünge durchläuft.

  • Warum das wichtig ist: Geschwindigkeit. Eine Datei mit niedriger Stichzahl (im Video: 2.000 Stiche) läuft sehr schnell.
  • Checkpoint: Im Simulator sollte die Linie wie Handschrift fließen – nicht ständig springen.

Beispiel 2: Künstlerisches Run-Stitch-Layering (Ausdruck)

Das abstrakte Horseman-Beispiel nutzt ausschließlich Run Stitches in mehreren Farben. Hohe Wirkung bei niedriger Stichzahl (3.600 Stiche).

Beispiel 3: Satin-Schattierung + Run-Details (Anime-Auge)

Hier siehst du die „Layering-Regel“:

  1. Basis: Tatami (z. B. Weißflächen/Iris-Basis)
  2. Schattierung: Satins mit offenerer Dichte für Übergänge
  3. Details: Run Stitches für scharfe Konturen (Wimpern/Pupille)
A heart shape composed of various embroidered roses using complex satin shading.
Demonstrating Satin stitch shading
A close-up of a purple anime eye design, illustrating the combination of Satin shading and Run stitch detailing.
Final complex design breakdown

Produktions-Workflow: Hobby-Modus vs. Shop-Modus

Für Einzelstücke ist Effizienz weniger kritisch. Bei 50 Shirts summieren sich Sekunden.

Die Effizienz-Leiter:

  1. Skill-Level: Stichpfade optimieren, um Trims zu reduzieren.
  2. Tool-Level: Wenn das Einspannen dein Engpass ist, standardisiert eine Einspannstation für Stickmaschinen die Platzierung und reduziert „Neu-Einspannen“.
  3. System-Level: Für Standardlogos (z. B. linke Brust) spart ein Template-Workflow mit hoop master Einspannstation Mess- und Ausrichtzeit.
  4. Maschinen-Level: Wenn du an die Grenzen einer Einnadelmaschine kommst, steigert eine Mehrnadelstickmaschine den Output, weil Farbwechsel ohne manuelles Umfädeln laufen.

Warning: Magnet-Sicherheit. Starke Magnetrahmen sind in der Produktion extrem hilfreich, können aber kräftig einklemmen. Finger aus der „Schnappzone“ halten. Magnete von Herzschrittmachern, Kreditkarten und empfindlicher Elektronik fernhalten.

Prep

Digitalisieren ist „Software-Arbeit“, aber saubere Ergebnisse hängen an der physischen Vorbereitung.

Versteckte Verbrauchsmaterialien & Prep-Checks (die Einsteiger oft vergessen)

  • Nadeln: Sind sie frisch? Eine stumpfe Nadel drückt Material weg und begünstigt Fehlstiche.
  • Fixierung: Temporärer Sprühkleber kann helfen, Stoff und Stickvlies zu koppeln.
  • Wartung: Ist die Maschine korrekt gepflegt? Trockene/verschmutzte Bereiche führen zu Geräuschen und Spannungsproblemen.
  • Garn: Im Video wird 40 wt als Kontext genannt; saubere Unterfadenspannung ist Grundvoraussetzung.

Kommentar-getriebener Pro-Tipp: Dateiformate & Maschinen-Kompatibilität

Zuschauer fragten nach Formaten wie .JEF und .PES. In den Kommentaren wird bestätigt, dass die Embroidery Legacy Digitizing Software u. a. .pes für Brother erstellen kann.

  • Hinweis für die Praxis: Wenn du als Brother-Nutzer über Zubehör wie Magnetrahmen für brother nachdenkst, prüfe immer die Rahmenaufnahme/Bracket-Ausführung deines konkreten Modells.

Prep-Checkliste (nicht überspringen)

  • Nadel-Check: Neu und passend zum Material?
  • Unterfaden-Check: Reicht die Unterfadenspule für das komplette Motiv?
  • Stickvlies-Wahl: Cutaway für dehnbar, Tearaway für stabile Webware.
  • Rahmen-Check: Passt der Stickrahmen zur Motivgröße (mit 10–20 mm Rand)?
  • Freigang: Hat der Maschinenarm genug Platz, ohne anzustoßen?

Setup

Schritt-für-Schritt-Setup in der Software

  1. Sticharten zuweisen: Motivbereiche auf Run, Satin oder Fill abbilden.
  2. Run Stitch konfigurieren:
    • Stichlänge auf 2,5 mm.
    • Stil wählen (Single für Unterlage, Bean/Triple für sichtbare Konturen).
  3. Satin konfigurieren:
    • Dichte auf 0,40 mm.
    • Breiten prüfen (Regeln aus dem Video: nicht unter 1 mm, nicht über 12 mm).
    • Auto Split aktivieren, wenn nötig (im Video: 7,0 mm).
  4. Fill konfigurieren:
    • Muster auswählen.
    • Winkel/Dichte/Stichlänge passend zur Optik einstellen.

Setup-Checkliste (Software bis Maschine)

  • Dichte: Keine Objekte mit „zu offen“ (z. B. Satin bei 1,5 mm nur, wenn bewusst als Effekt).
  • Breiten-Regeln: Satins innerhalb 1–12 mm bzw. mit Auto Split abgesichert.
  • Pathing: Simulator/Slow Redraw geprüft, um Sprünge/Trims zu minimieren.
  • Export: Datei im richtigen Format (.DST, .PES etc.) gespeichert.

Operation

Hier entscheidet sich alles. Gerade am Anfang nicht weggehen.

Schritt für Schritt: Test-Sticklauf

  1. Materialtest: Erst auf einem Reststück mit ähnlichem Material sticken.
  2. Startphase beobachten: Die ersten Stiche genau ansehen.
  3. Spannung prüfen: Rückseite checken (saubere Verriegelung, keine Nester).
  4. Zwischenkontrolle: Nach der Basisfläche prüfen: Kräuselt es? Dann Stabilisierung/Einspannen korrigieren.

Checkpoints & erwartete Ergebnisse

  • Run Stitch: Keine lockeren Schlaufen oben.
  • Satin Stitch: Kanten sauber, keine sichtbaren Lücken (außer bewusst als Effekt).
  • Fill Stitch: Flach und gleichmäßig, ohne „Wellen“ durch Stoffbewegung.

Operations-Checkliste (beim Start)

  • Fadenweg: Oberfaden korrekt in den Spannungsscheiben.
  • Rahmensitz: Stickrahmen sicher in der Aufnahme verriegelt.
  • Freie Lage: Kein Stoff unter dem Rahmen eingeklemmt (sonst „Shirt zugenäht“).

Quality Checks

Wie „gut“ aussieht (taktile Kontrolle)

  • Haptik: Flexibel, nicht unnötig steif.
  • Kanten: Satin-Konturen passen sauber zur Fläche, keine ungewollten Spalten.
  • Rückseite: Keine „Bird’s Nests“/Fadennester.

Effizienz-Check (für Betriebe)

Beim Kalkulieren ist die Stichzahl nur die halbe Wahrheit – die andere Hälfte ist Arbeitszeit. Wenn du 5 Minuten einspannst und 5 Minuten stickst, halbierst du deine Marge.

  • Ansatz: Systeme wie hoopmaster oder Magnetrahmen können die Einspannzeit drastisch reduzieren.

Troubleshooting

Nutze diese Matrix, wenn etwas schiefgeht. Starte immer physisch (Maschine/Garn/Einspannen), bevor du digital nachjustierst.

Symptom Likely Physical Cause Likely Software Cause Quick Fix
Fadenriss / Aufscheuern Stumpfe Nadel, Grat, Fadenweg blockiert. - Nadel wechseln. Maschine komplett neu einfädeln.
Lücken im Satin (Stoff scheint durch) - Dichte zu offen (z. B. 1,5 mm als „Normalwert“) oder falsche Basis. Dichte Richtung 0,40 mm setzen.
Hänger / lose Schlaufen Oberfadenspannung zu locker. Satin zu breit (ohne Split). Spannung prüfen. Auto Split aktivieren (im Video: 7 mm).
Kräuseln (Stoff wellt sich) Einspannen zu locker, falsches Stickvlies. Zu hohe Dichte/zu viel Überlappung. Stabilisierung/Einspannen korrigieren.
„Brett“-Gefühl - Zu hohe Dichte, zu viele Lagen. Dichte reduzieren, Überlappungen entschärfen.
Passungsfehler (Kanten treffen nicht) Stoff im Rahmen gewandert. Pull Compensation zu gering. Fixierung verbessern. Pull Comp in der Software erhöhen.

Spezifischer Hinweis zu Kräuseln

Wenn es in der Software perfekt aussieht, aber auf Stoff kräuselt, liegt es fast immer an Stabilisierung oder Einspannen.

Korrektur
Stoff sauber mit Stickvlies koppeln (ggf. temporär fixieren) und gleichmäßigen Halt im Stickrahmen sicherstellen.

Results

Fast jedes Digitalisier-Problem lässt sich vereinfachen, wenn du eine Frage stellst: „Zeichne ich eine Linie, baue ich eine Kante – oder decke ich eine Fläche?“

  • Run Stitch: Der Bleistift. Für Linien/Details. Stichlänge praxisnah halten (z. B. um 2,5 mm).
  • Satin Stitch: Der Marker. Für Kanten/Schrift. Breite im Rahmen der Regeln (min. 1 mm, max. 12 mm) und Dichte um 0,40 mm.
  • Tatami/Fill: Die Farbrolle. Für Flächen und Stabilität.

Wenn du diese Bausteine bewusst kombinierst – und die physischen Grenzen von Material und Maschine respektierst – hörst du auf, gegen die Maschine zu kämpfen, und bekommst reproduzierbar professionelle Ergebnisse.

Wenn du bei einem konkreten Problem festhängst (z. B. „Meine Satin-Schrift versinkt im Frottier“), prüfe zuerst Vorschau/Dichte und ob dein Einspannen den Flor nicht plattdrückt. Viel Erfolg beim Testen und Optimieren!