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Einführung in Sew Art 64 und Bean Stitches
Ein Bean Stitch (oft auch als „dreifacher Geradstich“/„triple running stitch“ bezeichnet) ist ein echter Klassiker, wenn du eine kräftige, skizzenhafte Outline willst – ohne jede Linie manuell digitalisieren zu müssen. Im Unterschied zum normalen Geradstich, der nur einmal läuft, arbeitet der Bean Stitch vor–zurück–vor an jedem Einstichpunkt. Dadurch entsteht eine deutlich dickere, „handgezeichnet“ wirkende Linie, die auf Quilt-Blöcken, Geschirrtüchern oder rustikalen Patches sehr gut steht.
In dieser Anleitung gehen wir bewusst über reine Software-Theorie hinaus und orientieren uns an einem Workflow, der in der Praxis reproduzierbar ist: kontrastreiche Vorlage finden, in Sew Art 64 sauber vorbereiten, Outline Centerline korrekt wählen und die Parameter so einstellen, dass die Kontur im Stickbild ruhig und sauber läuft.

Am Ende dieses Guides beherrschst du:
- Motiv-Auswahl: Welche Lineart sich gut konvertieren lässt – und wann Linien (z. B. „Haare/Fell“) für Bean Stitch zu fein sind und ein Geradstich oft besser funktioniert.
- Optik vs. Pixel-Realität: Warum „Schwarzweiß“ aus dem Internet in der Datei trotzdem aus vielen Farbabstufungen bestehen kann – und wie du das bereinigst.
- Rahmen-Logik: Warum im Video auf 95 mm skaliert wird und wie du dir damit Reserve zum Rahmenrand schaffst.
- Die „Doppellinie“-Falle: Wie du den typischen Outline-Border-Fehler vermeidest.
- Stich-Physik: Wie Height und Length die Dichte/Optik und die Kurvenglätte beeinflussen.
Egal ob Einzelstück oder Kleinserie: Wenn du die Schritte sauber abarbeitest, bekommst du Ergebnisse, die sich wiederholen lassen.
Bild vorbereiten: Suchen, Skalieren, Farbreduktion
Schritt 1 — Eine kontrastreiche Outline-Grafik auswählen
Die Qualität des Stickfiles ist direkt durch die Qualität der Vorlage begrenzt (GIGO: „Garbage in, garbage out“). Im Video wird über Google Images nach „Horse outline“ gesucht.

Auswahlkriterien (die „90/10-Regel“): Du willst ein Motiv, das zu 90 % klar definiert ist und nur zu 10 % aus feinen Details besteht. Achte auf:
- Kräftige, markerartige Linien: Sehr dünne Bleistiftlinien brechen bei der Konvertierung schnell auf oder werden „zackig“.
- Maximaler Kontrast: Idealerweise echtes Schwarz auf echtem Weiß.
Hinweis zur kommerziellen Nutzung: Zum Üben ist eine Internetgrafik okay. Für Produkte/Verkauf ist das ein rechtliches Risiko. Nutze dann nur Motive mit klarer Lizenz (royalty-free) oder eigene/auftragsbasierte Zeichnungen.
Schritt 2 — In Sew Art 64 einfügen und Farben reduzieren
Öffne Sew Art und füge das Bild über Edit > Paste ein. Danach direkt Image Color Reduction öffnen.

Warum das wichtig ist („verstecktes Rauschen“): Was für uns wie Schwarzweiß aussieht, enthält durch Anti-Aliasing oft viele Grauwerte an den Kanten. Ohne Farbreduktion versucht die Software, diese Abstufungen mitzunehmen – das macht die Kontur unruhig.
- Aktion: Farbanzahl stark reduzieren (bei Lineart meist auf 2: Schwarz/Weiß).
- Schnellcheck: Die Kanten dürfen danach etwas „härter“/pixeliger wirken – das ist hier sogar hilfreich, weil die Kante dann eindeutig ist.
Schritt 3 — Auf Rahmenmaß skalieren und Weißraum wegschneiden
Öffne den Resize-Dialog. Lock Aspect Ratio aktiv lassen. Setze die Breite auf 95 mm. Danach mit dem Crop-Tool den unnötigen Weißraum um das Motiv entfernen.


Praxis-Check zur Rahmengröße: Im Kommentarbereich kam die Frage auf: „Welche Rahmengröße ist 95×95?“ – in der Praxis entspricht das typischerweise dem Arbeitsbereich eines 4x4-Rahmens (ca. 100×100 mm). 95 mm sind bewusst etwas kleiner, damit du nicht „auf Kante“ digitalisierst.
Warum Reserve zählt: Wenn du exakt auf Maximalmaß digitalisierst, kann die Maschine die Datei ablehnen – oder du riskierst, dass der Fuß sehr nah an den Rahmenrand kommt. Mit 95 mm bleibt Luft.
Der Einspann-Flaschenhals: Wenn du das Motiv mehrfach stickst (z. B. viele Quilt-Squares), wird das Einspannen schnell zum Zeitfresser. Klassische Schraubrahmen können Stoff verziehen oder Rahmenabdrücke hinterlassen.
- Trigger: Du brauchst lange fürs Einspannen oder bekommst in der Serie unterschiedliche Spannung.
- Lösung Level 1: Eine Einspannhilfe/Station nutzen.
- Lösung Level 2: Viele Profis wechseln bei Serien auf Stickrahmen für Stickmaschine mit Magnetklemmung. Magnetrahmen spannen schnell und gleichmäßig – besonders hilfreich bei geometrischen Teilen wie Quilt-Blöcken.
Prep-Checkliste (Verbrauchsmaterial & Vorab-Checks)
Bevor du aus Pixeln Stiche machst, einmal kurz „Pre-Flight“:
- Vorlage: Auf 2 Farben reduziert (Schwarz/Weiß).
- Rahmen-Mathe: Design ist spürbar kleiner als das Maximalfeld (z. B. 95 mm statt 100 mm).
- Stickvlies: Passt es zum Material? (Bei Bean Stitch lieber eine Stufe stabiler wählen, weil die Kontur viel Faden einbringt.)
- Nadel: Frische Nadel eingesetzt? (Für Baumwolle oft 75/11 Sharp; für Strickware eher Ballpoint.)
- Fixierung: Bei Bedarf Sprühzeitkleber oder Klebestift zum „Floating“.
- Sicherheit: Schere bereit für Sprungstiche.
Warnung: Einen Schraubrahmen nie „mit Gewalt“ schließen. Wenn es zu dick ist, riskierst du beschädigte Rahmen/Schrauben. Genau deshalb sind Magnet-Klemmsysteme in vielen Betrieben Standard.
In Stiche umwandeln: Outline Centerline richtig nutzen
Schritt 4 — In den Stitch Mode wechseln und die richtige Outline-Methode wählen
Klicke auf das Nähmaschinen-Symbol. Im Stitch-Mode-Bereich (Sew-Tab) wähle Outline Centerline.

Der entscheidende Unterschied:
- Outline Centerline: legt eine einzelne Stichlinie „mittig“ auf die gezeichnete Linie (wie mit einem Stift nachziehen).
- Outline Border: sticht die Außenkanten nach – du bekommst zwei Linien (wie Schablone umranden).

Häufiger Fehler: „Doppelte Spur“
Wenn du aus Versehen Outline Border wählst, wirkt die Kontur schnell wie ein „Schlauch“ statt wie eine Skizze.

Warum das in der Praxis problematisch sein kann: Gerade bei kleinen Motiven (hier ~95 mm) liegen die beiden Linien sehr dicht. Das erhöht die Perforation in einem schmalen Bereich und kann das Material unnötig stressen. Für den skizzenhaften Look ist Outline Centerline meist die stabilere Wahl.
Bean Stitch einstellen: Height vs. Length
Schritt 5 — Bean auswählen und Height/Length setzen
Wähle in der oberen Leiste Bean. Jetzt übersetzen wir Sew-Art-Begriffe in Stickpraxis.


Parameter verständlich erklärt:
- Height = 3 (Separation): Im Video wird erklärt, dass „Height“ in Sew Art hier die Separation (Abstand/„Dichtegefühl“ der Bean-Pässe) beschreibt. Ein Wert von 3 funktioniert als praxisnaher Ausgangspunkt.
- Length = 25: Das ist die Stichlänge, die im Video für detailreichere Motive empfohlen wird. Für viel Detail: 25 oder weniger.
Wichtiger Praxis-Hinweis (zurückspringende Werte): Im Video wird gezeigt, dass Sew Art Werte nach dem Verlassen/Wechseln des Screens wieder auf Default setzen kann. Darum: Height/Length immer direkt vor dem finalen Speichern nochmals prüfen und ggf. neu eintippen.
Werte wählen: So „fühlt“ sich die Kontur an

Im Vergleich zeigt das Video: Bei Length = 35 werden Kurven sichtbar kantiger („connect-the-dots“).
- Faustregel: Enge Kurven = kürzere Stichlänge (Length 20–25). Gerade Strecken vertragen eher längere Werte.



Profi-Check: Bean Stitch ist „Fadenlast“
Ein Bean Stitch bringt sehr viel Faden in kurzer Strecke unter – entsprechend steigt das Risiko für Wellen/Puckern, wenn Material und Stabilisierung nicht passen.
- Risiko: Stoff zieht sich zusammen.
- Gegenmaßnahme: Sauberes Einspannen + passendes Stickvlies.
Entscheidungshilfe: Material → Stickvlies
| Material | Risiko | Empfehlung |
|---|---|---|
| Patchwork-/Quilt-Baumwolle | Niedrig | Mittleres Tearaway (ggf. 2 Lagen) oder Cutaway. |
| T-Shirt/Strick | Hoch | Cutaway (sonst verzieht sich die Outline schnell). |
| Canvas/Denim | Niedrig | Tearaway ist oft effizient. |
Wenn du merkst, dass sich der Stoff während der schweren Outline bewegt („wandert“), ist das fast immer ein Einspann-/Stabilisierungs-Thema. Genau hier hilft es, sich mit Begriffen wie Magnetrahmen Anleitung zu beschäftigen: Ein Magnetrahmen klemmt rundum gleichmäßig und kann das Risiko von Wellenbildung bei schweren Konturen reduzieren.
Warnung (Magnet-Sicherheit): Starke Magnetrahmen können mit hoher Kraft zuschnappen. Finger nur an den Griff-/Laschen führen, nie zwischen die Ringe. Nicht in die Nähe von Herzschrittmachern oder magnetempfindlichen Datenträgern bringen.
Betriebs-Checkliste (bevor du die finale Datei speicherst)
- Stichart: Bean.
- Geometrie: Outline Centerline.
- Height (Separation): 3.
- Length: 25.
- Reality-Check: Warst du zwischenzeitlich in anderen Menüs? Wenn ja: Werte erneut setzen.
- Vorschau: Wirkt die Linie durchgehend und ruhig?
PES speichern und auf die Maschine übertragen
Schritt 6 — Als Brother PES speichern und nach Settings benennen
Gehe zu File > Save As und wähle Brother (*.pes). Pro-Tipp: Benenne die Datei so, dass die Parameter drinstehen, z. B. Horse_Bean_H3_L25.pes.

Warum? Weil du später sonst nicht mehr weißt, welche Kombination wirklich gut lief.
Rahmen-/Größen-Organisation: Im Kommentarbereich kam auch die Frage auf, wie man Größen sauber zuordnet (z. B. 4x4 vs. 5x7). Eine einfache Hilfe ist eine Übersicht zu brother Stickrahmen Größen neben dem Rechner – und konsequentes Labeln: 95 mm = „4x4“, größere Designs entsprechend „5x7“ usw. So lädst du nicht versehentlich eine zu große Datei.
Schritt 7 — PES-Datei auf USB-Stick kopieren
Kopiere die Datei auf deinen USB-Stick.

Digitale Hygiene:
- USB in Windows immer über „Auswerfen/Eject“ entfernen. Beschädigte Stickdateien können dazu führen, dass Maschinen Dateien nicht lesen oder sich aufhängen.
Stickbild-Vergleich: Was unterschiedliche Settings bewirken
Hier zeigt sich, ob die digitale Planung zur Realität passt.
Worauf du beim eigenen Probestick achten solltest (Schnelldiagnose)
- Hören: Bean Stitch klingt rhythmisch und gleichmäßig. Unregelmäßiges „Klacken“ kann auf stumpfe Nadel oder zu viel Material/zu hohe Dichte hindeuten.
- Fühlen: Die Linie soll leicht erhaben und „seilartig“ wirken – nicht hart/kratzig (Hinweis auf zu straffe Spannung oder zu dichte Einstellungen).
- Sehen (Rückseite): Prüfe, ob die Fadenbalance plausibel wirkt und keine extremen Schlingen entstehen.
Der echte Zeitfresser in Serien: Wenn du das Motiv auf viele Teile stickst, merkst du schnell: Ein großer Teil der Zeit geht fürs Einspannen drauf. Dann lohnt sich eine Einspannstation für Stickmaschinen, damit jedes Teil reproduzierbar an der gleichen Stelle sitzt. In Kombination mit Magnetrahmen für brother kann das den Workflow deutlich beschleunigen, weil das Schrauben/Nachjustieren wegfällt.
Troubleshooting (Symptome → Ursachen → Fix)
Nutze diese Tabelle, um Fehler systematisch zu finden – statt zu raten.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Prüf-Reihenfolge (günstig → aufwendig) |
|---|---|---|
| Doppelte sichtbare Kontur | Falsches Tool | 1. Software prüfen: „Outline Border“ statt „Outline Centerline“ gewählt? |
| Kantige/„gestufte“ Kurven | Stichlänge zu lang | 1. Length reduzieren (z. B. 20–25). <br>2. Auflösung/Qualität der Vorlage prüfen. |
| Wellen/Puckern im Stoff | Stabilisierung/Einspannen | 1. Neu einspannen (gleichmäßige Trommelspannung). <br>2. Stabileres Stickvlies (z. B. Cutaway) testen. <br>3. Fadenspannung prüfen. |
| Werte springen zurück | Software-Verhalten | 1. Height/Length direkt vor dem Speichern erneut eingeben. |
| Maschine liest Datei nicht | Größe/Stickfeld | 1. Breite > 100 mm? <br>2. Zu knapp am Maximum? Auf sicheren Bereich schrumpfen (95 mm als Stickrahmen 4x4 für brother-Reserve). |
| Starke Rahmenabdrücke | Druck/Reibung | 1. Schraubrahmen minimal weniger fest. <br>2. Nach dem Sticken dämpfen/ausbügeln (materialabhängig). <br>3. Wechsel auf Magnetrahmen für Stickmaschine, um Reibung/Quetschung zu reduzieren. |
| Nadelbruch | Zu hohe Dichte/Belastung | 1. Height zu niedrig? (zu „bulletproof“ dicht). <br>2. Nadelstärke anpassen (z. B. #14/90). |
Setup-Checkliste (damit das Stickbild zur Vorschau passt)
Bevor du Start drückst:
- Datei-Check: Wird das komplette Motiv innerhalb der Grenzen angezeigt?
- Rahmen-Freigang: „Trace/Trial“ laufen lassen, damit der Fuß nicht am Rahmen anschlägt (oder an den Magneten deines Magnetrahmen 5x7 für brother).
- Fadenweg: Sitzt der Faden korrekt in den Spannungsscheiben? (Kurzer Zugtest: spürbarer Widerstand.)
- Unterfaden: Genug Unterfaden für Bean Stitch? (Verbrauch ist deutlich höher als bei normalem Geradstich.)
- Umgebung: Nichts darf den Rahmenweg blockieren oder am Stoff ziehen.
Ergebnis (was du nach diesem Workflow zuverlässig liefern kannst)
Wenn du diesen Ablauf konsequent einhältst, arbeitest du weniger nach Gefühl und mehr wie in einer kleinen Produktion:
- Saubere Vorlage: Kontrastreich, auf 95 mm skaliert, sauber beschnitten.
- Stabile Geometrie: Centerline-Outline statt unnötiger Doppellinien.
- Bewährte Basiswerte: Height 3, Length 25 als Startpunkt.
- Nachvollziehbare Dateiablage: Dateiname dokumentiert die Settings.
Maschinenstickerei ist zu einem großen Teil Physik: Einspannen, Stabilisierung und saubere Parameter entscheiden, ob die Kontur „wie gezeichnet“ aussieht – oder ob sie wellt und ausfranst. Jetzt kannst du das Pferd sauber aussticken.
