Inhaltsverzeichnis
Design aus dem Speicher laden (Schritt A)
In einer laufenden Produktion ist das lauteste Geräusch nicht die Maschine – sondern die Stille nach einem Crash. Ergebnisqualität entsteht durch Routine. Der schnellste Weg, Zeit (und Geld) zu verlieren, ist ein Laufstart, bevor die Maschine wirklich „bereit“ ist. Diese Anleitung macht aus der Control-Panel-Demo im Video eine wiederholbare „Pre-Flight“-Routine, die du jedem Operator beibringen kannst – damit Designs korrekt geladen werden, Farbwechsel sauber laufen und das Abfahren (Trace) bestätigt, dass du keinen Stickrahmen triffst.
Wenn du neu an einer tajima Stickmaschine bist, ist die Kernidee simpel: immer dieselbe Setup-Reihenfolge – auch dann, wenn du „sicher bist, dass es passt“. Genau diese Konstanz verhindert Rahmenkollisionen, schlechte Passung und Fadennester, die oft erst nach dem Drücken von Start sichtbar werden.

Schritt 1 — In den Speicher gehen und das Design auswählen
- Speicher öffnen: Drücke A (erste Tastenreihe), um den Bereich Memory/Network input zu öffnen.
- Scrollen & auswählen: Mit Jog-Dial oder Pfeilen durch die gespeicherten Designs blättern. Suche deinen Dateinamen (im Video heißt das Design „TRUTH“).
- Auswahl bestätigen: Design markieren und SET drücken.
- Slot zuweisen: Einen Memory-Slot wählen (im Beispiel Slot #3) und erneut SET drücken.
- Sichtprüfung: Auf dem Display prüfen: Steht der Designname neben der Slot-Nummer?
Checkpoint: Auf dem Screen müssen Designname und die gewählte Slot-Nummer sichtbar sein.
Expected outcome: Das Design liegt jetzt im aktiven Speicher (RAM) und ist bereit für die Nadelreihenfolge.



Profi-Tipp aus typischen Operator-Fragen
Ein häufiger Stolperstein am Anfang ist der Unterschied zwischen „Design wählen“ und „Farben/Nadeln wählen“. Denk an Malen nach Zahlen:
- Schritt A (Memory): Du wählst das Motiv (die Vorlage).
- Schritt B (Needle Setting): Du legst fest, welche „Farbe“ (Nadel) in welchem Abschnitt gestickt wird.
Praxisregel: Geh erst in die Nadel-/Farb-Einstellung, wenn du den Designnamen im Slot visuell bestätigt hast. Genau hier passieren die Klassiker: Ein alter Job bleibt aktiv – und wird auf ein neues Teil gestickt.
Warning: Mechanische Sicherheit. Halte Finger, weite Ärmel und magnetische Werkzeuge vom Nadelbereich und Pantographen (bewegliche Einheit) fern, sobald du am Panel arbeitest. Industrieköpfe können sofort und mit hoher Kraft nach einem Signalton losfahren. Ein Einklemmen am Pantographen kann schwere Quetschverletzungen verursachen.
Automatische Farbwechsel einstellen (Nadelzuweisung)
Im Video wird die automatische Farbwechsel-Sequenz direkt am Panel programmiert. Hier entstehen die meisten „falsche Farbe gestickt“-Probleme. Die Maschine ist ein Roboter: Sie macht exakt das, was du eingibst – auch wenn es falsch ist.
Aus der Praxis kommt oft die Frage, ob das Sticken „automatisch“ ist. Bei diesen Maschinen ist das Sticken automatisch – aber die Logik ist manuell. Du musst die Farben aus deiner Datei/Arbeitsvorlage in reale Nadelnummern am Kopf übersetzen.

Schritt 2 — Nadelreihenfolge programmieren
- Navigieren: Cursor zur Nadel-Einstellzeile bewegen (im Video Zeile 2).
- Eingabe Schritt 1: Der Cursor blinkt bei Step 1 (erster Farbblock).
- Zuweisen: 4 eingeben (Nadel 4, im Beispiel roter Faden) und SET drücken.
- Eingabe Schritt 2: Der Cursor springt automatisch zu Step 2.
- Zuweisen: 11 eingeben und SET drücken.
- Wiederholen: Für alle Farbwechsel so fortfahren.
Checkpoint: Lies dir die Sequenz einmal laut vor: 1:04, 2:11. Passt das zu deinem Produktionszettel/Worksheet?
Expected outcome: Beim Lauf fährt die Maschine für den ersten Abschnitt auf Nadel 4, schneidet, und wechselt danach auf Nadel 11.

Achtung: Anzeige von 10/11/12
Beim im Video gezeigten Panel werden Nadeln 1–9 als Zahlen angezeigt, während 10, 11, 12 als A, B, C erscheinen können.
- 10 = A
- 11 = B
- 12 = C
Expert Tip: Wenn du mit unterschiedlichen Tajima-Generationen arbeitest, kleb dir diese Umrechnung als kurzen Spickzettel (Malerkrepp) ans Panel. Das verhindert unnötige Stopps, weil jemand „B“ sieht und denkt, die Maschine spinnt.
Stickrahmen positionieren und zentrieren
Wenn Design geladen und Nadelplan gesetzt ist, musst du den Pantographen so positionieren, dass die Nadel genau dort startet, wo das Motiv landen soll.
Das ist die Brücke zwischen „Software“ und „Hardware“ – und hier zeigt sich auch die Qualität beim Einspannen. Ist der Stoff im Stickrahmen nicht stabil, kannst du perfekt zentrieren und bekommst trotzdem ein verzogenes, welliges Ergebnis.
Wenn du mit klassischen Stickrahmen für tajima arbeitest, gilt: „zentriert“ ist nicht nur eine optische Zielmarke, sondern auch eine Frage der Spannung/Planlage.

Schritt 3 — Pantograph in den Zielbereich fahren
- Bewegung aktiv: Nutze die vier blauen Richtungstasten.
- Grobe Positionierung: Taste gedrückt halten, um links/rechts/hoch/runter zu fahren.
- Feinpositionierung: Kurz antippen, bis die aktive Nadel exakt über deiner Markierung (Mitte/Platzierungspunkt) steht.
Checkpoint: Entlang der Nadel „anvisieren“. Die Nadelspitze sollte senkrecht über deiner Markierung stehen.
Expected outcome: Startpunkt/Platzierung ist sauber eingestellt.
Profi-Einordnung: warum gutes Einspannen auch bei Industrieanlagen zählt
Du kannst eine 20.000-$-Maschine haben – wenn das Einspannen schlecht ist, wirkt das Ergebnis billig. Stoffwanderung passiert typischerweise aus drei Gründen:
- „Trommel“-Irrtum: Schraube fest, aber Stoff nicht gleichmäßig gespannt – es entstehen „Zonen“ mit losem Material.
- Rahmenspuren: Zu stark angezogen, besonders bei empfindlichen Stoffen – Fasern werden gequetscht.
- Falsches Stickvlies: Tearaway bei stark dehnbaren Polos/Strick.
Sensorik-Check: Klopf auf den eingespannten Stoff. Er sollte eher dumpf wirken (gut) als hart „trommeln“ (zu stramm) – und niemals schlaff. Streiche mit dem Finger darüber: Wenn du vor dem Finger eine Welle „schieben“ kannst, wird es beim Sticken sehr wahrscheinlich kräuseln.
Entscheidungslogik — Stabilisierung nach Stoffverhalten wählen
Nicht raten – systematisch entscheiden, bevor du überhaupt einspannst:
- Szenario A: Stabiler Stoff? (Denim, Canvas, Twill, Caps)
- Aktion: Festes Tearaway.
- Warum: Der Stoff trägt sich selbst, das Vlies stabilisiert die Stiche.
- Szenario B: Dehnbar? (Polos, T-Shirts, Performance-Knits)
- Aktion: Immer Cutaway.
- Warum: Stiche „schneiden“ Fasern; ohne dauerhaftes Trägermaterial können sich Nadelstiche nach Wäsche zu Löchern ausweiten.
- Szenario C: Flauschige Oberfläche? (Handtücher, Fleece, Samt)
- Aktion: Oben wasserlösliches Topping (Solvy) + unten Vlies.
- Warum: Verhindert, dass Stiche im Flor versinken.
Der typische Schmerzpunkt bei Standardrahmen
Wenn du mit Rahmenspuren kämpfst (glänzende Ringe) oder dir bei dicken Jacken die Handgelenke weh tun, ist das oft ein Werkzeug- und kein Skill-Problem.
Upgrade-Pfad:
- Trigger: Serien ab ca. 20+ Teilen oder häufig dicke Nähte/Jacken.
- Option: Auf Kappenrahmen für tajima oder magnetische Flachrahmen umstellen.
- Nutzen: Magnet-Systeme klemmen schnell ohne „Auf-/Zuschrauben“ und halten dicke Lagen sicher, ohne umliegende Fasern unnötig zu quetschen.
Warning: Magnet-Sicherheit. Magnetrahmen nutzen starke Neodym-Magnete. Sie können Haut sehr schmerzhaft einklemmen. Niemals in die Nähe von Herzschrittmachern/Implantaten bringen. Von Kreditkarten und empfindlichen Displays fernhalten.
Warum und wie du die D5-Trace-Funktion nutzt
Trace ist die Versicherung, die du vor dem Crash abschließt. Die Logik aus dem Video ist entscheidend: Auf Nadel 1 fahren -> Trace.
Warum Nadel 1? Weil Nadel 1 am Mehrnadelkopf oft am Rand sitzt (je nach Modell rechts oder links) und du dadurch die beste Sicht auf Nadel/Stickfuß bekommst, ohne dass der restliche Kopf dir die Sicht verstellt.


Schritt 4 — Aktiven Kopf auf Nadel 1 stellen (Sicht-/Pointer-Modus)
- Menü öffnen: D drücken (Data/Functions).
- Funktion wählen: Zu „1 M.NDL“ (Move Needle) scrollen.
- Ausführen: 1 wählen und SET drücken.
Checkpoint: Der Kopf fährt sichtbar um. Du siehst die Nadelposition jetzt deutlich im Verhältnis zur Rahmenkante.
Expected outcome: Maximale Sicht für das Abfahren ist hergestellt.

Schritt 5 — Grenzen abfahren (D5)
- Menü öffnen: D erneut drücken.
- Trace wählen: Zu „5 M.TRC“ (Machine Trace) scrollen.
- Starten: SET drücken.
- Signal beachten: Die Maschine gibt einen Warn-Piepton.
- Beobachten: Pantograph/Stickrahmen fährt eine rechteckige Bahn – das sind die äußersten Koordinaten deines Designs.
Checkpoint: Beobachte den Stickfuß/den Bereich um die Rahmenkante. Kommt es gefährlich nah an den Rahmen (ca. 2–3 mm)?
Expected outcome: Du bestätigst, dass das Design innerhalb der Rahmen-Grenzen liegt und nicht gegen Rahmen/Clips läuft.



Profi-Einordnung: wovor Trace dich wirklich schützt
Trace prüft nicht nur „passt es rein?“, sondern deckt typische, „unsichtbare“ Fehler auf:
- Platzierungsversatz: Du dachtest, das Brustlogo sitzt mittig – Trace zeigt, dass es Richtung Achsel driftet.
- Falscher Rahmen gewählt: In der Datei ist ein größerer Rahmen angenommen, aber an der Maschine ist ein kleinerer montiert. Trace zeigt das sofort.
Wenn du häufig zwischen tajima Stickrahmen Größen wechselst, mach es zur festen Regel: „Neuer Rahmen = neuer Trace.“
Tool-Upgrade (Tempo vs. Wiederholgenauigkeit)
Wenn Operator 2–3 Minuten pro Shirt verlieren, weil der Rahmen sich verdreht und sie mehrfach nachjustieren und tracen müssen, kostet das direkt Arbeitszeit.
- Diagnose: Runde Standardrahmen wollen sich leichter verdrehen.
- Upgrade: Eckige Magnetrahmen für tajima richten sich auf dem Tisch oft stabiler aus und greifen die Rahmenarme sehr rigid. Das reduziert Nachjustieren nach dem ersten Teil und macht den Trace schneller „vertrauenswürdig“.
Manuellen Fadenschnitt ausführen
Am Ende zeigt das Video einen praktischen Fix für einen typischen Produktions-Nervfaktor: lose Fadenenden/Faden „hängt im Fadenbaum“.

Schritt 6 — Manuellen Schnitt am Panel auslösen
- Symbol finden: Zur Zeile mit dem Scheren-Symbol navigieren.
- Funktion wählen: Trim-Funktion auswählen (im Video ATH – Auto Thread Hook).
- Ausführen: SET drücken.
Sensorik-Check: Du hörst ein klares mechanisches „Klack“ – das sind Messer und Wischer/Greifer, die den Faden zurückholen.
Expected outcome: Der Greifer/Puller zieht das Fadenende zurück in die Halterung hinter den Nadeln. Dadurch fliegt kein loses Ende in den nächsten Start und wird nicht „mit eingenäht“.

Troubleshooting: Symptom → Ursache → Fix
Symptom: Fadenenden sind unordentlich oder der Start hat einen „Schwanz“, der in die Stiche gezogen wird.
- Wahrscheinliche Ursache: Der Faden ist nach dem letzten Schnitt aus der Halterung gerutscht.
Prep
Ein sauberer Lauf ist zu 90% Vorbereitung und zu 10% Bedienung. Das Video zeigt die Tasten – aber die „unsichtbaren Verbrauchsmaterialien“ retten dir den Tag.
Wenn du viel Einspannen für Stickmaschine machst, führt Ermüdung zu Fehlern. Richte deinen Arbeitsplatz so ein, dass diese Dinge griffbereit sind.
Hidden consumables & Prep-Checks (das „Seitentisch“-Kit)
- Sprühkleber (temporär): Um Vlies beim Einspannen am Stoff zu fixieren (sparsam einsetzen!).
- Malerkrepp/Masking Tape: Um Kordeln, Gurte oder Riemen wegzutapen, damit sie nicht mitgestickt werden.
- Druckluft: Fussel aus dem Greifer-/Spulenbereich pusten (täglich).
- Frische Nadeln: Wenn du ein „Plopp“-Geräusch beim Einstich hörst, ist die Nadel oft stumpf – wechseln.
Prep-Checkliste (vor dem Einspannen)
- Design: Datei in Slot #X geladen.
- Rahmen: Richtige Größe gewählt (kleinster Rahmen, der passt = beste Qualität).
- Stickvlies: Cutaway für Strick, Tearaway für Webware. Größe passend zum Rahmen.
- Unterfaden: Spulenvorrat prüfen – reicht es für den Lauf?
- Nadeln: Gerade? Richtige Stärke (z. B. 75/11 Standard, 90/14 Denim)?
Setup
Dieser Abschnitt verbindet die Panel-Schritte aus dem Video zu einem „No-Surprises“-Ablauf.
Wenn du klassische Rahmen mit Magnetrahmen für Stickmaschine vergleichst, bleibt das Setup-Ziel identisch: absolute Stabilität. Stoff und Maschine müssen sich wie eine Einheit verhalten.
Setup-Checkliste (an der Maschine)
- Slot-Check: Display zeigt den gewünschten Designnamen.
- Farbplan: Sequenz programmiert (z. B. 1:04, 2:11).
- Montage: Rahmen sitzt sauber eingerastet. Leicht drücken – er darf nicht wackeln.
- Position: Nadel über der Platzierungsmarke.
- Sicht: Nadel 1 für bessere Sicht gewählt.
- Sicherheit: D5 Trace ohne Kontakt erfolgreich gefahren.
Operation
Du hast getraced. Du bist sicher. Jetzt wird gestickt.
In der Produktion ist das „erste Teil“ das riskanteste. Geh beim ersten Lauf eines neuen Designs nicht weg.
Operations-Checkliste (erster Lauf)
- Start: Den allerersten Stich beobachten – hat er den Unterfaden sauber gefasst?
- Geräusch: Rhythmisches „tack-tack“ ist gut. Hartes „klack/knirschen“ = sofort stoppen.
- Passung: Nach dem ersten Farbwechsel prüfen: Liegt Kontur exakt auf der Fläche?
- Finish: Rückseite checken: Unterfadenspannung ausgewogen (oft als Richtwert: ca. 1/3 Unterfaden in der Mitte sichtbar).
Troubleshooting
Hier ist ein strukturierter Leitfaden für typische „Panikmomente“ – von „am wenigsten eingreifend“ bis „am stärksten eingreifend“.
Level 1: „Es stickt das falsche Design.“
- Symptom: Du drückst Start und ein altes Logo läuft los.
- Diagnose: Design im Memory markiert, aber nicht mit SET in den aktiven Slot übernommen.
Level 2: „Die Maschine stoppt und piept, aber kein Faden ist gerissen.“
- Symptom: Fehlalarm am Fadenwächter.
- Diagnose: Fadenweg ist locker oder springt aus den Spannungsscheiben.
Level 3: „Fadennester (Fadenklumpen unter der Stichplatte).“
- Symptom: Maschine blockiert, Stoff hängt fest.
- Diagnose: Oberfadenspannung zu locker oder Rahmen war nicht stabil (Flagging).
Results
Wenn du diese Reihenfolge konsequent fährst – Laden -> Sequenz -> Position -> Trace -> Schnitt – behandelst du die Stickmaschine als das, was sie ist: ein industrielles Werkzeug.
Wenn du den Workflow beherrschst, verschiebt sich der Engpass: Dann wartet die Maschine auf dich, bis das nächste Teil eingespannt ist.
Wenn du täglich Zeit verlierst, weil du mit Rahmen kämpfst oder Rahmenspuren nacharbeiten musst, ist die Investition in Magnetrahmen für tajima nicht „ein Gadget“, sondern zurückgewonnene Rüstzeit.
Abnahmestandard für einen professionellen Lauf:
- Platzierung: Abweichung unter 3 mm vom Ziel.
- Ohne Kräuseln: Stoff liegt plan um die Stickerei.
- Saubere Rückseite: ca. 1/3 Unterfaden sichtbar, keine Schlaufen.
- Effizienz: Rüstzeit (von Laden bis Nähen) unter 2 Minuten.
