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Arbeitsplatz einrichten: Schwere Stoffe richtig vorbereiten
Ton-in-Ton-Stickerei auf einem schweren Mantel ist ein extrem hochwertiger Look: Nicht die Farbe „schreit“, sondern die Textur. Gleichzeitig ist Outerwear in der Praxis anspruchsvoll: viel Material, oft Flor/Struktur, mehr Reibung – und beim Einspannen kann der Stoff schnell nachgeben oder sich verschieben.
In dieser Anleitung gehst du nicht über Trial-and-Error, sondern baust in Creative DRAWings ein mehrlagiges Blumenmotiv aus einem Wingdings-Symbol auf: konzentrische Ringe, ein sauberer Mittelpunkt und zum Schluss ein strukturierter Satin mit einer kräftigen Triple-Kontur. Zusätzlich bekommst du die entscheidenden Kontrollpunkte, damit der Stickprozess auf dicken Materialien stabil bleibt.
Das lernst du hier:
- Das „Warum“: Wie die Stoffeinstellung im Programm Dichte/Verhalten beeinflusst.
- Das „Wie“: Aus einem Symbol saubere Ringe erstellen (Duplicate, Scale, Trim, Break Apart).
- Das „Gefühl“: Satin Pattern 4 + 0,9 mm Triple-Kontur für maximale Haptik und klare Definition.

Warum die Stoffeinstellung bei Mänteln entscheidend ist
Im Ablauf wird das Projekt bewusst auf Fabric Type: Embroidery Heavy gesetzt. Das ist nicht nur eine optische Voreinstellung: Die Software berücksichtigt damit u. a. Stichdichte und das Verhalten auf dickeren Materialien.
Stell dir einen schweren Mantel wie ein „nachgiebiges Volumen“ vor: Sind Stiche zu dicht/zu fein, versinken sie optisch im Material oder es entsteht eine harte, steife Fläche, die den Fall des Mantels negativ beeinflusst. Mit „Heavy“ wird die Stickanlage so ausgelegt, dass das Motiv eher auf dem Material sitzt, statt darin zu verschwinden.

Schritt 1 — Neues Dokument: Rahmen + Stoff
- Öffne Creative DRAWings und klicke auf New Document.
- Wähle New Graphic.
- Stickrahmen wählen: Generic 100 x 100. Praxisregel: Nimm den kleinsten Rahmen, in den das Motiv sicher passt – das hilft bei stabiler Spannung.
- Stoffgewicht wählen: Embroidery Heavy.
- Hintergrundfarbe: Wähle ein helles Gelb (als Simulation des Mantels), damit du den Ton-in-Ton-Effekt besser beurteilen kannst.
Checkpoint: Die Rahmenbegrenzung ist klar auf der Arbeitsfläche sichtbar.
Expected outcome: Die Datei ist für dickes Material passend vorkonfiguriert.
Praxis-Checkliste (das „unsichtbare“ Vorbereiten)
Viele Probleme entstehen, bevor die Maschine überhaupt startet. Gerade bei Mänteln lohnt sich ein kurzer Realitätscheck:
- Rahmen-/Platzierungscheck: Passt 100×100 mm wirklich an die gewünschte Stelle (z. B. Brustbereich) – ohne dass Nähte/Volumen den Rahmen blockieren?
- Einspannen ohne Gewalt: Wenn du den Mantel nur mit starkem Druck in einen Kunststoffrahmen bekommst, ist das ein Warnsignal. Zu viel Kraft erhöht das Risiko für Rahmenabdrücke und verschobene Passung.
- Stoffauflage beim Sticken: Der Mantel ist schwer. Lege das restliche Gewicht auf den Tisch, damit der Stoff nicht am Stickarm „zieht“.
- Vlies-Plan: Auch schwere Stoffe können sich unter vielen Stichen verziehen. Plane dein Stickvlies bewusst ein (siehe weiter unten).
- Workflow-Hilfe: Wenn dir beim Einspannen Hebel/Alignment fehlen, ist eine Einspannstation für Stickmaschinen in der Praxis oft die sauberste Lösung für reproduzierbare Ausrichtung.
Warning: Sicherheit & Handling. Schwere Kleidungsstücke können beim Verfahren des Stickarms hängen bleiben oder ziehen. Sorge dafür, dass der Mantel frei läuft, Kabel nicht unter dem Stoff liegen und nichts am Stickarm „mitgerissen“ wird.
Wingdings-Symbole in Stickmotive verwandeln
Viele Digitalisierer zeichnen nicht „bei Null“, wenn es nicht nötig ist. Symbole/Vektoren liefern saubere Symmetrie – ideal für florale/geometrische Motive.
Schritt 2 — Basis-Blumensymbol einfügen
- Gehe zu Tools → Insert Symbol.
- Wähle im Font-Dropdown Wingdings.
- Scrolle bis zur 5-Blütenblatt-Blume.
- Klicke auf die Blume und dann auf Insert.
- Größencheck: Ziehe am Handle, bis das Objekt ungefähr 3,5 cm groß ist.
- Rotation bleibt bei 0 (muss nicht auf das Zehntelgrad exakt sein).
- Schließe das Insert-Symbol-Fenster.


Checkpoint: Das Blumenobjekt sitzt mittig im Rahmen.
Expected outcome: Ein sauberes, einlagiges Vektorobjekt als Ausgangsbasis.
Praxis-Hinweis (typische Anfängerfrage aus den Kommentaren)
Eine häufige Frage ist, ob die Software „nur Auto-Digitizing“ kann oder auch manuelles Digitalisieren. In diesem Workflow arbeitest du objektbasiert und manuell: Du nutzt zwar eine vorhandene Form (Symbol), aber du steuerst Aufbau, Ebenen, Aussparungen und Eigenschaften selbst – das ist deutlich kontrollierter als ein reiner Auto-Digitize-Klick.
Mit Duplicate und Trim saubere Ebenen/Ringe bauen
Jetzt kommt der „Engineering“-Teil: Wir bauen Ringe, damit sich die Flächen nicht unnötig mehrfach überlagern. Würdest du einfach mehrere Blumen übereinander stapeln, erzeugst du in der Mitte schnell zu viel Garn/Volumen – auf einem Mantel wird das hart und unkomfortabel.
Mit Trim schneidest du die Innenbereiche heraus, sodass die Ringe wie ein Puzzle sauber ineinandergreifen.
Schritt 3 — Einmal duplizieren, dann auf 75 % skalieren
- Wähle die Hauptblume aus.
- Klicke Duplicate in der Toolbar genau einmal. Wichtig: Du siehst zunächst keinen Unterschied, weil die Kopie exakt darüber liegt.
- Suche das Scale-Eingabefeld.
- Stelle sicher, dass Proportional aktiviert ist.
- Gib 75 (%) ein und bestätige mit Enter.


Checkpoint: Eine kleinere Blume liegt innerhalb der großen.
Expected outcome: Zwei konzentrische Formen (Original + 75%-Kopie).
Schritt 4 — Trim: Ring erzeugen (der „Ausstecher“-Move)
- Wähle die kleinere (innere) Blume.
- Halte Shift und klicke mit Linksklick zusätzlich die größere (äußere) Blume an.
- Klicke das Trim-Werkzeug.
- Klicke die innere Blume an und lösche sie mit Delete.


Checkpoint: Die Innenblume ist weg – die äußere Form ist jetzt ein Ring.
Expected outcome: Ein sauberer Außenring mit freier Mitte.
Schritt 5 — Break Apart: Ring bereinigen
- Wähle den neu entstandenen Ring.
- Rechtsklick → Break Apart.
- Dadurch werden Innen- und Außenkontur getrennt. Wähle das abgetrennte innere Konturstück und drücke Delete, um die Form zu „aufräumen“.

Checkpoint: Keine „Restkonturen“/Geisterlinien mehr.
Expected outcome: Ein stabiler Ring als Basis für weitere Ebenen.
Schritt 6 — Ring duplizieren und auf 55 % skalieren (Innenring)
- Wähle den bereinigten Ring.
- Klicke Duplicate einmal.
- Mit aktivem Proportional gib 55 ein und drücke Enter.

Checkpoint: Ein deutlich kleinerer Ring sitzt innen.
Expected outcome: Zwei Ringebenen (Außen + Innen).
Schritt 7 — Ring duplizieren und auf 160 % skalieren (Rahmenring)
- Wähle den ursprünglichen Ring erneut.
- Klicke Duplicate einmal.
- Gib 160 ein und drücke Enter.

Checkpoint: Ein großer Ring rahmt das Motiv.
Expected outcome: Drei klar getrennte Ringebenen.
Achtung: Die „Duplicate“-Falle
Im Video wird betont: Duplicate nur einmal klicken, weil die Kopie direkt auf dem Original liegt. Mehrfachklick = mehrere identische Ebenen übereinander. Das führt später zu unnötiger Stichzahl und „hammerndem“ Lauf.
Entscheidungslogik: Vliesplanung bei schweren Mänteln
„Schwerer Stoff“ heißt nicht automatisch „kein Vlies nötig“. Nutze diese Praxislogik:
- Szenario A: Wolle/Filz (wenig Stretch, aber florig/fusselig)
- Unterlage: mittleres Cutaway.
- Oben: wasserlösliche Folie (Solvy/Avalon), damit Stiche nicht im Flor versinken.
- Szenario B: Puffy/voluminös (Daunenjacke/Parka)
- Unterlage: schweres Cutaway.
- Einspannstrategie: Klassische Rahmen können hier rutschen oder Druckstellen machen. In der Praxis ist das ein typischer Einsatzfall für Magnetrahmen für Stickmaschine, weil das Material geklemmt wird, ohne es „totzudrücken“.
Struktur erzeugen: Satin mit Muster
Auf Mänteln wirkt eine flache Fläche schnell wie ein Patch. Ziel ist Bewegung über Lichtreflexe – dafür ist ein gemusterter Satin ideal.
Schritt 8 — Mittelteil als Ellipse ergänzen
- Öffne das Flyout-Menü beim Shapes-Tool.
- Wähle Create Ellipse.
- Ziehe eine kleine Ellipse in die optische Mitte der Blume.
- Rechtsklick, um das Tool zu beenden.

Checkpoint: Die Mitte ist geschlossen.
Expected outcome: Eine vollständige Blumen-Geometrie (Ringe + Zentrum).
Schritt 9 — Sticheigenschaften setzen (Satin + Pattern 4)
- Drücke Ctrl + A, um alles zu markieren.
- In Object Properties stelle den Fill Type auf Satin.
- Stelle das Pattern auf Pattern No. 4.
- Setze die Füllfarbe auf Yellow.


Checkpoint: In der Vorschau wirkt die Fläche nicht mehr „glatt“, sondern strukturiert.
Expected outcome: Ton-in-Ton mit sichtbarer Textur je nach Blickwinkel.
Warum Pattern 4? (Praxisnutzen)
Im Video wird der Nutzen klar benannt: Ein Muster im Satin bringt Bewegung, die ein normaler Step-Fill so nicht liefert – gerade bei kreisförmigen Satins.
Finish: Triple-Kontur für klare Definition
Auf einem Mantel muss eine Kontur „durchkommen“. Ein einfacher Laufstich kann optisch verschwinden, ein Satinstichrand kann zu wuchtig werden. Triple Stitch (Bean Stitch) ist hier oft der beste Kompromiss: klar, kräftig, ohne unnötige Dicke.
Konturfarbe und -stil setzen (Triple, 0,9 mm)
- Wähle für die Kontur ein kontrastreiches Magenta.
- Stelle den Outline Style auf Triple.
- Setze die Breite auf 0.9 mm.


Checkpoint: Die Vorschau zeigt eine deutlich „seilartige“ Kontur.
Expected outcome: Saubere Abgrenzung zwischen gelber Blume und gelbem Mantel.
Setup-Checkliste vor dem Export
- Zentrierung: Sitzt das Motiv wirklich mittig im Rahmen?
- Objektlogik: Genau 3 Ringe + 1 Ellipse (im Object Manager prüfen).
- Stichwerte: Satin Pattern = 4; Outline = Triple (0,9 mm).
- Rahmenabgleich: Wenn du einen Magnetrahmen nutzt, stelle sicher, dass in Maschine/Software der passende Rahmen bzw. das korrekte Stickfeld gewählt ist.
Warning: Magnet-Sicherheit. Magnetrahmen haben starke Klemmkraft. Finger aus der Klemmzone halten. Personen mit Herzschrittmacher sollten Abstand halten. Lies vor dem ersten Einsatz die Hinweise in Magnetrahmen Anleitung.
Betrieb: Was du beim Sticken erwarten solltest
Beim Sticken auf Mänteln hilft „sehen und hören“:
- Geräusch: Gleichmäßiges, sauberes Tackern ist normal. Wirkt es wie schweres „Stampfen“ an einer Stelle, kann das auf zu viel Dichte oder versehentliche Mehrfachobjekte hindeuten.
- Passung: Wenn die magenta Kontur auf einer Seite „reinläuft“ und auf der anderen „raussteht“, hat sich der Stoff im Rahmen bewegt.
Wenn Verschieben in deiner Produktion regelmäßig Zeit frisst (z. B. viele Jacken), ist manuelles Einspannen oft der Engpass. In der Praxis werden Einspannstation und Magnetrahmen kombiniert, um Wiederholgenauigkeit und Rutschfestigkeit zu erhöhen.
Qualitätskontrolle (kurz & praxisnah)
- Haptiktest: Satin soll fest wirken, nicht schwammig.
- Konturtest: Triple-Kontur soll sichtbar „obenauf“ liegen.
- Unterfadenbild: Unterfaden sollte in der Mitte der Satinspalte liegen (nicht komplett nach oben gezogen).
Troubleshooting
Wenn das Ergebnis nicht passt, arbeite diese Punkte systematisch ab.
Symptom: Lücken zwischen Kontur und Füllung
- Wahrscheinliche Ursache: Stoffzug/Verzug oder unzureichende Stabilisierung.
- Fix (Level 1): Pull Compensation in den Eigenschaften erhöhen.
- Fix (Level 2): Wenn der Mantel im Kunststoffrahmen nicht stabil gehalten werden kann oder Druckstellen entstehen: Magnetrahmen kann dickeres Material sicher klemmen, ohne den Rahmen „zu überdrehen“.
Symptom: Fadenrisse / Faden wird aufgerieben
- Wahrscheinliche Ursache: Hohe Reibung/Belastung auf dickem Material.
Symptom: Motiv ist „bretthart“
- Wahrscheinliche Ursache: Zu hohe Dichte oder versehentlich mehrfach duplizierte Objekte.
Symptom: Kontur ist kaum sichtbar
- Wahrscheinliche Ursache: Stiche versinken im Flor.
Ergebnis
Mit dieser Methode „stickst“ du nicht einfach ein Motiv auf einen Mantel – du konstruierst ein Design, das mit dickem Material funktioniert.

Der gelbe Satin mit Pattern 4 liefert die lebendige, tonige Textur; die magenta Triple-Kontur (0,9 mm) gibt dem Motiv klare Architektur.
Merke: Bei Heavy-Duty-Stickerei sind Software-Setup (Stoffeinstellung/Muster) und sauberes Einspannen gleich wichtig. Eine perfekte Datei rettet keinen schlecht eingespannten Mantel – behandle die Vorbereitung mit derselben Sorgfalt wie die Digitalisierung, dann bekommst du diesen hochwertigen Ton-in-Ton-Look reproduzierbar hin.
