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Wer ist Trevor Conquergood?
Wenn du dich in der Maschinenstickerei schon länger bewegst, kennst du vermutlich das „Plateau der Frustration“: Du hast eine gute Maschine – aber die Ergebnisse sind mal top, mal enttäuschend. Die, die dieses Plateau verlassen, sind nicht zwingend die mit dem teuersten Setup, sondern die, die Stickerei als planbaren Prozess behandeln – nicht als Ratespiel.
Trevor Conquergood steht genau für diese Denkweise. Mit über 40 Jahren Erfahrung vermittelt er nicht nur „welchen Knopf man drückt“, sondern die Grundlagen dahinter: warum Stiche entstehen, warum Materialien sich verhalten wie sie sich verhalten – und wie du Fehler systematisch vermeidest. In diesem Guide schauen wir uns das Programm an, das er für „Trevor-Palooza 2.0“ bei Mulqueen Sewing in Tempe, Arizona ankündigt, und übersetzen es in eine praktische, wiederholbare Arbeitsweise (SOP) für dein eigenes Studio.

Einordnung: Von der „Event-Ankündigung“ zum Praxis-Leitfaden
Das Video ist in erster Linie eine Einladung – dieser Text ist dein Arbeitsleitfaden. Wir schließen die Lücke zwischen „ich habe davon gehört“ und „ich kann es sauber sticken, ohne Nadeln zu brechen oder Teile zu ruinieren“.
- Technik zerlegen: Was bei Garn, Mylar und 3D-Effekten physikalisch passiert.
- Praxis-Checks: Woran du während des Stickens erkennst, ob es „richtig läuft“.
- Workflow stabilisieren: Wenn du vom Hobby in Richtung Auftragsarbeit gehst, entstehen Reibungsverluste oft beim Einspannen und Positionieren. Eine Einspannstation für Stickmaschine kann hier für reproduzierbare Ausrichtung und weniger Ausschuss sorgen.

Das Programm: Trevor-Palooza 2.0 in der Praxis gedacht
Das Programm wirkt auf den ersten Blick simpel – ist es aber nicht. Viele der Techniken verunsichern, weil „fremde Materialien“ in den Stichbereich kommen oder weil du nach dem Sticken schneiden/weiterverarbeiten musst. Genannt werden:
- Garnstickerei: Struktur durch Aufnähen/Übersticken dicker Fasern.
- Mylar & Mesh: Reflektierende Folie in Kombination mit leichtem Netz.
- Freestanding Lace (FSL): Spitze, die ohne Trägerstoff stabil bleibt.
- Dimensionale Effekte: Fransen, „Thread Velvet“ und Cutwork.
- Mehrlagige Applikation: Tiefe durch mehrere Stofflagen.

Warum Specialty-Techniken „Respekt“ machen
Weil sie deine Fehlertoleranz verkleinern. Baumwolle verzeiht viel; Mylar, Garn oder Schnitttechniken verzeihen wenig. Wichtig: Die meisten Probleme sind keine „Maschinenprobleme“, sondern Vorbereitungsprobleme.
- Physik: Der Stoff wandert, weil der Stickrahmen nicht stabil genug hält.
- Materialwahl: Das Stickvlies löst sich zu schnell auf oder ist zu steif/zu weich für den Fall des Materials.
- Geometrie: Die Nadel trifft Garn/Volumen ungünstig, wird abgelenkt – es kommt zu Fehlstichen oder Fadenriss.
Entscheidungshilfe: „Material-Rezept“ (Stoff + Stickvlies)
Bevor du ein Design startest, wähle dein „Sandwich“ bewusst. Diese Logik reduziert Trial-and-Error.
START: Was ist die Haupt-Herausforderung?
- „Das Objekt soll frei stehen.“ (z. B. Spitze, Anhänger)
- Prinzip: Du brauchst ein Trägermaterial, das stabilisiert und später verschwindet.
- Rezept: Schweres wasserlösliches Vlies (vilene-ähnlich) x 2 Lagen. Heat-Away für Spitze nur verwenden, wenn es ausdrücklich so vorgesehen ist.
- „Ich schneide Löcher in den Stoff.“ (z. B. Cutwork, Reverse Applikation)
- Prinzip: Der Stoff verliert Stabilität – das Vlies muss temporär die „neue Stoffbasis“ sein.
- Rezept: Starkes Cut-Away. (Mesh/Polymesh kann hier zu schwach sein; eher klassisches Cut-Away in der genannten Stärke.)
- „Ich sticke auf einer glatten, rutschigen, reflektierenden Oberfläche.“ (z. B. Mylar)
- Prinzip: Nadelstiche wirken wie eine Perforation – die Folie kann entlang der Einstiche reißen.
- Rezept: Mittleres Cut-Away (Basis) + Mylar + leichtes wasserlösliches Topping (damit der Fuß die Folie nicht „schiebt“/einhakt).
- „Ich baue 3D-Textur auf.“ (z. B. Garn, Fransen)
- Prinzip: Mehr Reibung, mehr Zug, mehr Risiko für Fadenstress.
- Rezept: Festes Tear-Away (bei Gewebe) oder Cut-Away (bei Maschenware) + Oberfadenspannung um 10–15 % reduzieren.

Technischer Deep Dive: Garn, Mylar und Thread Velvet
Trevor hebt diese Bereiche besonders hervor. So setzt du sie mit „Industrie-Brille“ um.

Garn & Couching: Den „Thump“ kontrollieren
Bei Garnstickerei wird im Prinzip über ein dickes Material genäht.
- Risiko: Ist der Nähfuß zu niedrig, schiebt/zieht er das Garn – das Motiv verzieht sich.
- Abhilfe: Falls deine Maschine es zulässt, Nähfußhöhe um 1–2 mm erhöhen.
- Geschwindigkeit: Solche Designs nicht mit 1000 SPM durchjagen. Der praxisnahe Bereich liegt bei 400–600 SPM.
- Praxis-Check: Ein gleichmäßiges thump-thump kann normal sein. Ein hartes Knacken oder „Schleifen“ deutet darauf hin, dass Garn/Fadenführung hängen bleibt.
Wenn du das in Serie machen willst (z. B. 20+ Hoodies), wird manuelles Einspannen schnell zum Engpass. Eine standardisierte Positionierung über Einspannstation hilft, dass das Motiv jedes Mal an der gleichen Stelle landet – statt „nach Augenmaß“.
Mylar & Mesh: Das „Drift“-Problem
Mylar ist rutschig. Legst du es nur auf, kann es sich schon beim Unterleger verschieben („Crinkle Drift“).
- Abhilfe: Eine Heftnaht/„Basting Box“ (lockerer Geradstich-Rahmen um die Fläche) vor dem Hauptdesign.
- Fixierung: Temporärer Sprühkleber (505) oder Papier-/Medical-Tape an den Ecken – idealerweise so, dass Mylar am Vlies fixiert ist und nicht „im Rahmen schwimmt“.
Dimensionale Effekte: Fransen und „Velvet“
Bei „Thread Velvet“ werden Satinspalten gestickt und anschließend werden die Schlaufen durch Aufschneiden gelöst.
- Kritischer Fehler: Zu früh schneiden.
- Praxis-Tipp: Einen Tropfen Nahtversiegler (Fray Check) auf der Rückseite an die Verriegelungsstiche/Anker geben, bevor du vorne die Schlaufen schneidest. Das reduziert das Risiko, dass sich das Motiv beim Waschen aufzieht.

Bonus-Designs: Digitale Dateien sinnvoll managen
Teilnehmende erhalten eine Stitchitize-Designsammlung sowie Arizona-inspirierte Designs.

Die Falle „Dateien sammeln, nie nutzen“
Lass die Dateien nicht einfach im Download-Ordner liegen.
- Sichten: In deiner Software öffnen. Stichzahl und Dichte prüfen.
- Testen: Ein „Stichproben-Buch“ ist Gold wert. Sticke auf Filz- oder Denim-Resten. Notiere hinten mit Permanentmarker Datum, verwendete Nadel und Stickvlies. So baust du dir eine echte Referenzbibliothek auf.
Event-Logistik & Anmeldung
Trevor nennt zwei Optionen:
- 13. November (1 Tag): „Sampler“ – gut, wenn du Inspiration willst und einen Überblick.
- 14.–15. November (2 Tage): „Deep Dive“ – sinnvoll, wenn du die Techniken wirklich beherrschen und reproduzierbar umsetzen willst.



Einschätzung für Gewerbe & Nebenproduktion
Wenn dich die 2-Tage-Option reizt, stößt du vermutlich gerade an Workflow-Grenzen. Stell dir ehrlich diese Fragen:
- „Verbringe ich mehr Zeit mit Einspannen als mit Sticken?“
- „Schiebe ich mehrfarbige Designs vor mir her, weil die Fadenwechsel nerven?“
Wenn ja, ist das ein Signal: Specialty-Techniken laufen am besten, wenn du nicht permanent gegen dein Setup arbeitest. Im Text wird als Beispiel eine SEWTECH multi-needle machine genannt, um Fadenwechsel zu entschärfen – und eine ergonomische Einspannstation für Stickrahmen gegen Ausrichtungsstress und Ermüdung.




Vorbereitungsphase: Der „Flight Check“
Amateure hoffen – Profis prüfen. Bevor du komplexe Techniken (Spitze, Garn, Cutwork) startest, mach die Startbahn frei.
Versteckte Verbrauchsmaterialien & das „unsichtbare“ Werkzeug
Du hast wahrscheinlich Garn und Stoff. Aber hast du auch das?
- Medical Paper Tape: Zum Fixieren von Mylar/Applikation ohne Klebereste.
- Gebogene Applikationsschere: Für Cutwork praktisch Pflicht. Gerade Scheren erhöhen das Risiko, in den Stoff zu schneiden.
- Isopropylalkohol: Um Kleber-/Ablagerungen von der Nadel zu entfernen.
- Neue Nadeln: Die Größe macht einen Unterschied.
- Standard: 75/11 Sharp.
- Garn/Metallic: 90/14 Topstitch (Correction: Größeres Öhr reduziert Reibung).
Warnung: Mechanik- & Personensicherheit
Bei Cutwork oder Fransen arbeitest du beim Trimmen oft nah an der Nadel. Immer einen „Hard Stop“ machen (Pedal weg / Stop drücken), bevor Schere oder Finger in die Nähe der Nadelstange kommen. Ein unbeabsichtigter Start kann zu schweren Verletzungen oder zu einer zerplatzenden Nadel auf Augenhöhe führen.
Prep-Checkliste
- Nadel-Check: Ist die Nadel frisch? (Wenn sie >8 Stunden gelaufen ist: wechseln.) Ist die Größe passend (90/14 für Garn, 75/11 für Mylar)?
- Unterfaden-Check: Ist die Unterfadenspule mindestens zu 50 % voll? (Bei Spitze mitten im Lauf leer werden ist fatal.)
- Stichplatte: Platte abnehmen und Flusen ausblasen. Fransen-Designs produzieren extrem viel Fussel, die Sensoren zusetzen können.
- Verbrauchsmaterial: Ist dein wasserlösliches Vlies „knackig“ (gut) oder „labberig/feucht“ (schwer sauber einzuspannen)? Bei Bedarf vorsichtig mit Föhn trocknen.
Setup-Phase: Die Physik des Einspannens
Im Programm wird Einspannen explizit erwähnt – und es ist in der Praxis die Variable Nr. 1 für Qualität.
Der Irrtum „trommelfest“
Viele Anfänger hören: „So fest wie eine Trommel einspannen.“ Das ist riskant.
- Realität: Wenn du Maschenware (T-Shirt) beim Einspannen überdehnst, entspannen sich die Fasern nach dem Ausspannen wieder – die Stiche aber nicht. Ergebnis: Kräuseln/Puckering.
- Richtiges Gefühl: „Neutral straff“: keine Falten, aber auch keine verzogene Fadenlage/Grainline.
Problem klassischer Schraubrahmen (und was hilft)
Klassische Schraub-Stickrahmen hängen stark von Handkraft und Reibung ab. Typische Folgen:
- Rahmenabdrücke: Besonders bei Flor/Velours oft dauerhaft.
- Handgelenkbelastung: Limitiert Stückzahlen.
- Inkonstanz: Schraube lockert sich bei hoher Geschwindigkeit.
Upgrade-Pfad: Wenn du diese Punkte kennst, lohnt sich der Blick auf Magnetrahmen.
- Für Haushaltsmaschinen: Schonender für empfindliche Materialien (weniger Rahmenabdrücke).
- Für Produktion: Schnelles „auflegen und einrasten“ steigert Durchsatz.
Suchbegriffe wie hoop master Einspannstation oder hochwertige magnetische Rahmen passend zu deiner Maschine helfen dir, den Unterschied zwischen „schrauben und hoffen“ und „snap-and-go“ einzuordnen.
Warnung: Sicherheit bei Magnetkraft
Industrie-Magnetrahmen sind sehr stark.
* Quetschgefahr: Finger können beim Schließen sofort eingeklemmt werden.
* Medizinische Geräte: Starke Magnete mindestens 6 inches von Herzschrittmachern oder Insulinpumpen fernhalten.
* Elektronik: Abstand zu Karten/Displays halten.
Setup-Checkliste
- Ausrichtung: Markierungen am Material treffen die Rahmenmittelmarken.
- Spannung: Material liegt glatt, aber nicht gedehnt (Fadenlauf/Grainline auf Verzerrung prüfen).
- Freigängigkeit: Prüfen, ob der Stickrahmen am Maschinenarm frei läuft und nirgends anschlägt.
- Upgrade-Check: Bei Magnetrahmen sicherstellen, dass die Magnete vollständig sitzen und keine überschüssige Materialdicke eingeklemmt wird.
Betriebsphase: Ausführen & „mit den Sinnen“ überwachen
Jetzt wird gestickt.
Schritt-für-Schritt: Der Ausführungs-Loop
Schritt 1: „Trace“ (Vorflug)
Immer „Trace“/„Design Outline“ laufen lassen. Beobachte die Nadelposition im Verhältnis zur Rahmenkante.
- Warum: Damit du keine Nadel an der Rahmenkante abbrichst.
Schritt 2: Die ersten 500 Stiche (Gefahrenzone)
Nicht weggehen. Die meisten Fehler (Fadennest, Vlies-Verschiebung) passieren am Anfang.
- Visuell: Der Faden muss sauber von der Garnrolle laufen – ohne Ruckeln.
- Akustisch: Ein gleichmäßiges „Surren“ ist gut. „Klappern“ = sofort stoppen.
Schritt 3: Zwischenstopps (Trimmen & Reinigen)
Für Applikation oder Cutwork:
- Maschine stoppt.
- Stoff trimmen. Schere flach führen. Spitzen leicht nach oben anstellen, damit du nicht ins Vlies schneidest.
- Maschine starten.
Schritt 4: Endkontrolle vor dem Ausspannen
Bevor du ausspannst:
- Passung prüfen (trifft Kontur auf Füllung?).
- Fehlstiche prüfen.
- Merksatz: Wenn du ausspannst, ist Korrigieren kaum noch möglich. Zweimal prüfen, einmal ausspannen.
Wenn du klein-gewerblich arbeitest, ist Konsistenz deine Währung. Ein dediziertes Stickrahmen für Stickmaschine Setup (gemeint: Mehrnadelstickmaschine mit Zylinderrahmen) kann Stillstand reduzieren, weil du ein Teil im Rahmen lassen kannst, während du das nächste vorbereitest.
Betriebs-Checkliste
- Speed-Check: Läuft die Maschine auf „sicherer“ Geschwindigkeit (z. B. 600 SPM) statt Maximum?
- Sound-Check: Klingt es rhythmisch und gleichmäßig?
- Tension-Check: Siehst du hinten ca. 1/3 Unterfaden (weiß) auf der Rückseite der Satinspalte? (Das ist gute Spannung.)
- Sicherheit: Hände weg von der Nadelstange während des Laufs.
Troubleshooting: Systematisch statt hektisch
Wenn etwas schiefgeht: nicht raten, sondern strukturiert prüfen.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache (Low Cost) | Wahrscheinliche Ursache (High Cost) | Lösung |
|---|---|---|---|
| Faden reißt / franst auf | Alte Nadel / minderwertiges Garn | Grat an der Stichplatte | Nadel auf Topstitch 90/14 wechseln. Hochwertiges Polyester-Garn verwenden. |
| Fadennest (Unterfaden-Knäuel) | Spannung wird „gebaut“: Oberfaden hat den Fadenhebel verpasst. | Greifer-/Spulenkapsel-Timing verstellt. | Oberfaden komplett neu einfädeln. Beim Einfädeln muss der Nähfuß OBEN sein. |
| Passung (Lücken / Kontur versetzt) | Material im Rahmen gerutscht. | X/Y-Riemen der Maschine locker. | Festeres Vlies (Cut-Away) nutzen. Für enge/geschlossene Teile Zylinderrahmen für Ärmel einsetzen, um Zug/Drag zu reduzieren. |
| Kräuseln/Puckering | Material beim Einspannen gedehnt. | Dichte im Design zu hoch. | „Neutral straff“ einspannen. Magnetrahmen verteilen Druck gleichmäßiger. |
Ergebnisse & nächster Entwicklungsschritt
Events wie Trevor-Palooza sind stark, um die Möglichkeiten der Maschinenstickerei zu sehen. Die Realität beherrschst du aber im Studio: durch saubere Wiederholung, passende Materialien und ein Setup, das dich nicht ausbremst.
Wenn dir das Ergebnis gefällt, aber der Prozess nervt (ständiges Neu-Einfädeln, Handschmerzen vom Einspannen, ruinierte Teile), nimm diese Reibung ernst. Sie zeigt oft, wo Infrastruktur fehlt:
- Problem: Rahmenabdrücke / Handgelenkschmerz. -> Lösung: Magnetrahmen.
- Problem: Positionierfehler / schiefe Logos. -> Lösung: Stickrahmen für Stickmaschine kombiniert mit einer Station wie HoopMaster.
- Problem: Fadenwechsel / geringe Stückzahl. -> Lösung: SEWTECH Layout / Mehrnadelstickmaschine.
Beherrsche die Variablen – Stickvlies, Stickrahmen, Nadel – und die Maschine liefert reproduzierbar.

