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Was ist der Wilcom Connection Manager?
Wenn du schon einmal vor einer Industriestickmaschine standest und eine Fehlermeldung bekommen hast, weil du das falsche Dateiformat exportiert hast, bist du nicht allein. Das passiert fast jedem – idealerweise genau ein einziges Mal.
Im Produktionsalltag – egal ob du eine Einzelkopfmaschine im Studio betreibst oder mehrere Mehrnadelstickmaschinen in der Werkstatt laufen hast – gilt: Reibung ist der Feind. Jede Minute, die du mit „Wo liegt die Datei?“, Umbenennen, Formatwechsel oder USB-Pendeln verbringst, ist eine Minute, in der nicht gestickt wird.
Der Connection Manager in Wilcom ist die Brücke über dieses Chaos. Nicht nur als „Feature“, sondern als fest verdrahtete SOP (Standard Operating Procedure) direkt in deiner Oberfläche: Du baust dir eine definierte Export-Pipeline – mit festem Format, festem Zielordner und (wenn nötig) fester Rotation. Ist das einmal sauber eingerichtet, reduziert es die typischen Fehlerquellen: falscher Ordner, falsches Format, falsche Ausrichtung.
Für erfahrene Operator geht es um Geschwindigkeit. Für Einsteiger ist der größte Gewinn oft etwas anderes: Sicherheit im Ablauf. Wenn du auf „Send“ klickst, landet die Datei genau so im Ziel, wie deine Maschine sie braucht.
Was du in diesem Tutorial lernst
Wir gehen über „einfach exportieren“ hinaus und bauen einen workflow-tauglichen Prozess. Du richtest Protokolle für barudan Stickmaschinen ein (die Logik funktioniert genauso für andere Marken), sodass:
- Format-Sicherheit: Wilcom automatisch ins Barudan-Format (Barudan *.U??) schreibt – weniger „Datei nicht lesbar“-Fehler.
- Zielpfad-Sicherheit: Die Datei landet exakt dort, wo sie hingehört (Server, lokales Laufwerk oder USB) – und „Wo habe ich das gespeichert?“ ist aus deinem Alltag verbannt.
- Workflow-Logik: Du weißt, wann 180°-Rotation für Kappen sinnvoll ist – und wann nicht.
- Kontrolle: Du kannst die Einstellungen schnell prüfen und später per Rechtsklick anpassen.
Schritt-für-Schritt: Ein Maschinen-Verbindungsprofil anlegen
Jetzt konfigurieren wir das „Gehirn“ deines Exports. Geh die Schritte in Ruhe durch. In der Stickerei gilt: Schnell wird erst dann schnell, wenn es sauber standardisiert ist.
Schritt 1 — Connection Manager öffnen
- Icon finden: Oben in der Standard-Toolbar von Wilcom EmbroideryStudio suchst du nach dem Symbol, das wie ein Stecker/Kabel mit einem nach oben zeigenden Pfeil aussieht.
- Aktion: Einmal anklicken.
- Erster Start: Wenn noch keine Verbindung existiert, erscheint ein Dialog („There are no existing connections…“). Bestätige mit Yes, um eine neue Verbindung anzulegen.
Checkpoint: Du solltest jetzt das Fenster Connection Settings sehen. Falls nicht: Prüfe, ob es hinter anderen Fenstern liegt.
Schritt 2 — Verbindungstyp wählen, benennen und ein Icon vergeben
Hier geht es um Wiedererkennung. In der Produktion liest niemand lange Texte – man arbeitet über Farben/Icons.
- Typ setzen: Stelle sicher, dass als Connection Type Machine Folder gewählt ist.
- Name vergeben: Im Feld Name Barudan eintragen.
- Praxis-Hinweis: Wenn du mehrere Barudan-Maschinen/Setups hast, benenne eindeutig (z. B. „Barudan Flat“ und „Barudan Cap“). Das passt perfekt zur späteren Trennung der Workflows.
- Icon auswählen: Wähle ein gut unterscheidbares Symbol. Im Video wird ein hellblaues Personen-Icon genutzt.
- Warum das hilft: Später in der Toolbar ist dieses Icon dein „sicherer Knopf“ – du erkennst sofort, wohin exportiert wird.
Checkpoint: Denk kurz voraus: Wenn du mehrere Maschinenmarken nutzt, plane pro Marke eine eigene Farbe/Icon. Das reduziert Verwechslungen im Tagesgeschäft.
Vorbereitungs-Checkliste (bevor du mehrere Verbindungen anlegst)
Damit die Profile später wirklich „one click“ funktionieren, muss die Umgebung stimmen.
- Zielordner vorher anlegen: Lege die Ordnerstruktur vor der Einrichtung an (z. B. ein eigener Ordner pro Maschine/Workflow).
- Wechselmedien einplanen: Der Zielordner kann auf dem PC liegen, auf einem Server, auf einem USB-Stick, auf einer Compact-Flash-Karte oder sogar auf einem externen Floppy-Laufwerk – wichtig ist: Der Pfad muss stabil erreichbar sein.
- Dateinamen-Disziplin: Entscheide dich für ein Namensschema, damit du nicht versehentlich Jobs überschreibst.
Warning: Risiko bei Wechselmedien. Wenn du direkt auf USB/CF exportierst, zieh das Medium nicht sofort nach dem Export ab. Warte kurz und wirf es sauber aus („Eject Safely“), damit keine unvollständigen/„Geister“-Dateien entstehen.
Maschinen-Dateiformate verstehen (*.U??)
Das Dateiformat ist die Sprache deiner Maschine. Ein falsches Format ist einer der häufigsten Gründe für „Datei nicht gefunden/lesbar“.
Schritt 3 — Das richtige Dateiformat auswählen
- Dropdown öffnen: In den Connection Settings die Liste File type öffnen.
- Format suchen: In der (langen) Liste nach Barudan (*.U??) suchen.
- Auswählen: Anklicken, damit es fest gesetzt ist.
Praxis-Info zur Schreibweise *.U??:
- Das
*steht für den Dateinamen. - Die
??stehen für eine zweistellige Nummerierung (z. B. U01, U02 … bis 99).
Checkpoint: Kontrolliere den Eintrag direkt im Feld: Steht dort wirklich Barudan (.U??)? Wenn dort z. B. „Tajima (.DST)“ steht, ist das der falsche Exportkanal.
Profi-Notiz „falsches Format vermeiden“ (was in gemischten Betrieben zählt)
Wenn du in einem Betrieb mit gemischtem Maschinenpark arbeitest – z. B. eine tajima Stickmaschine neben Barudan – behandle Formate und Zielordner wie getrennte Spuren.
Prinzip: „Locked Lane“
- Spur 1: Tajima-Export → Tajima-Ordner.
- Spur 2: Barudan-Export → Barudan-Ordner.
Sobald du diese Spuren kreuzt, steigt die Fehlerquote – und Fehler im Dateihandling schlagen später als Stillstand an der Maschine auf.
Workflow automatisieren: 180°-Rotation für Kappen
Hier trifft Software-Logik auf Maschinen-Realität. Kappen werden je nach Treiber/Setup häufig „gedreht“ verarbeitet.
Schritt 4 — Zielordner festlegen
- Browse: Auf Browse klicken.
- Navigieren: Im Verzeichnisbaum zum gewünschten Speicherort gehen.
- Ordner wählen: Den vorbereiteten Ordner markieren (im Video z. B.
C:Barudan). - Bestätigen: Mit OK übernehmen.
Checkpoint: Prüfe den Pfad im Feld „Folder location“ genau. Der Connection Manager ist nur so zuverlässig wie der Pfad, den du hier fest verdrahtest.
Schritt 5 (Optional) — „Rotate design by 180 degrees on output“
Diese Checkbox sorgt in der Praxis oft für Verwirrung – weil sie je nach Kappen-Workflow entweder Zeit spart oder genau das Gegenteil bewirkt.
- Digitizing-Realität: Du erstellst/prüfst das Design am Bildschirm „richtig herum“.
- Kappen-Realität: Je nach Kappentreiber kann eine 180°-Drehung beim Export nötig sein.
Im Video wird die Option für flache Ware nicht aktiviert – das ist korrekt für diesen gezeigten Barudan-Workflow.
Checkpoint: Wenn du nicht sicher bist, ob dein Kappen-Setup bereits automatisch dreht: nicht raten.
Entscheidungslogik — Brauchst du ein „Cap-Rotate“-Profil?
START: Ist dieses Profil ausschließlich für Kappen gedacht?
- NEIN (nur Flachware):
- $\rightarrow$ UNCHECKED lassen.
- JA (Kappen):
- $\rightarrow$ Prüfen: Wird die Drehung bereits durch Maschine/Kappentreiber erledigt?
- JA: $\rightarrow$ UNCHECKED lassen (sonst doppelt gedreht).
- NEIN: $\rightarrow$ CHECK aktivieren.
- UNSICHER: $\rightarrow$ Testdatei exportieren (z. B. ein Pfeil „UP“) und einen Probestick machen, um die Ausrichtung zu verifizieren.
- $\rightarrow$ Prüfen: Wird die Drehung bereits durch Maschine/Kappentreiber erledigt?
Produktionshinweis (Skalierung)
Warum trennen? Weil Erinnern kein Produktionssystem ist. Zwei klare Icons/Profiles (z. B. „Barudan FLAT“ und „Barudan CAP“) nehmen dir Denkfehler aus dem Prozess.
Brücke zur Praxis: Einspannen bleibt der Zeitfresser Ein schneller Export bringt wenig, wenn das Einspannen an der Maschine bremst. Wenn du bei dicken Teilen oder empfindlichen Stoffen mit Rahmenspuren kämpfst oder das Schraubrahmen-Anziehen Zeit kostet, ist das häufig der Punkt, an dem Betriebe auf einen Magnetrahmen umsteigen.
Für Kappen lohnt sich zusätzlich ein sauber passender Kappenrahmen für Stickmaschine, damit Passung und Wiederholgenauigkeit im Kappenlauf stabil bleiben.
Mehrere Stickmaschinen in einer Oberfläche sauber verwalten
Du hast das Profil gebaut – jetzt nutzen wir es im Alltag.
Schritt 6 — Speichern und Design senden
- Speichern: In den Connection Settings auf OK klicken.
- Dialog: Es erscheint „Send to Connection Manager“.
- Profil wählen: Barudan markieren.
- Senden: Send klicken.
Praxis-Check: Wenn die Datei bereits existiert, kommt ggf. eine Überschreiben-Abfrage. Das ist normal – entscheide bewusst, ob du ersetzen willst.
Schritt 7 — Toolbar-Icon prüfen und Einstellungen später bearbeiten
- Icon sichtbar: In der Toolbar ist jetzt dein neues (hellblaues) Icon.
- Tooltip: Mit der Maus darüberfahren – es sollte „Send to Barudan“ anzeigen.
- Einstellungen prüfen: Rechtsklick auf das Icon öffnet die Connection Settings wieder. So kontrollierst du Format und Pfad schnell, ohne lange Menüs zu suchen.
Setup-Checkliste (damit Multi-Maschinen-Exports sauber bleiben)
- Eine Marke = ein Profil: Barudan und Tajima nicht in denselben Zielordner mischen.
- Icons konsequent nutzen: Unterschiedliche Icons/Farben für unterschiedliche Maschinen/Workflows.
- Pfad-Disziplin: Wenn du den Ordner später verschiebst/umbenennst, muss das Profil angepasst werden – sonst „sendet“ Wilcom ins Leere.
Tool-Upgrade (wenn Software-Workflow auf Produktionsrealität trifft)
Wir haben den digitalen Übergabepunkt optimiert. Der nächste Hebel ist der physische.
- Problem: Standardrahmen kosten Zeit, rutschen bei schwierigen Materialien und können Rahmenspuren hinterlassen.
- Konsequenz: Das ist selten „Bedienfehler“, sondern oft schlicht das falsche Werkzeug für Serienfertigung.
- Ansatz: Für Produktion lohnt es sich, Stickrahmen für Stickmaschine zu prüfen, die mit Magnetkraft arbeiten. Ein Magnetrahmen passt sich schneller an Materialdicken an – ohne Schrauben nachzustellen.
Gerade bei barudan Stickmaschinen kann ein kompatibler Magnetrahmen für barudan den Durchsatz deutlich verbessern, weil dicke Teile schneller und reproduzierbarer eingespannt werden.
Warning: Magnet-Sicherheit. Neodym-Magnete sind sehr stark.
1. Quetschgefahr: Finger aus der „Snap-Zone“ halten.
2. Medizinische Implantate: Bei Herzschrittmachern/Implantaten Sicherheitsabstand einhalten bzw. Herstellerhinweise beachten.
Betriebs-Checkliste (Qualitätssicherung für den „One-Klick-Export“)
- Design geöffnet in Wilcom.
- Farbfolge geprüft (damit keine unnötigen Farbwechsel entstehen).
- Tooltip geprüft: Maus über dem Icon → richtige Maschine/Profil.
- Send geklickt.
- Datei sichtbar: Optional den Zielordner öffnen und prüfen, ob die Datei dort liegt.
- Maschinen-Vorbereitung parallel: Während der Export läuft, Einspannen vorbereiten und passendes Stickvlies wählen.
Extra-Notiz (bei wachsendem Maschinenpark)
Wenn dein Betrieb später z. B. melco Stickmaschinen oder eine swf Stickmaschine ergänzt: Lege sofort ein eigenes Profil an. Ziel des Connection Managers ist, dass Export „langweilig“ wird. Langweilig heißt: keine Überraschungen – und das ist profitabel.
Ergebnis
Wenn du die Schritte umgesetzt hast, ist aus einem fehleranfälligen Export ein standardisierter Prozess geworden. Du solltest jetzt haben:
- Einen festen Button: Ein „Barudan“-Icon, das Format und Zielordner in einem Klick erledigt.
- Format-Sicherheit: Export im
*.U??-Format, passend für deine Hardware. - Ordner-Hygiene: Saubere Trennung der Jobs – idealerweise sogar getrennt nach Flachware/Kappen.
- Skalierbarkeit: Ein System, das du auf jede weitere Maschine übertragen kannst.
In der Stickerei können wir nicht jede Sekunde perfekte Fadenspannung garantieren – aber wir können unseren Datei-Workflow kontrollieren. Wenn der sitzt, bleibt mehr Kopf frei für das, was wirklich zählt: Stichqualität, Passung und ein effizienter Ablauf am Stickrahmen.
