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Einführung: Mixed Chenille + Kettenstich – den „Duo“-Effekt sauber beherrschen
Mixed-Technique-Stickerei ist genau der Bereich, in dem industrielle Maschinen ihren Vorteil ausspielen: Du kombinierst die klaren, definierten Linien eines Kettenstichs mit der erhöhten, samtigen Oberfläche von Chenille (Towel-Stich) – in einer Datei und einem Ablauf, ohne ständiges Umspannen oder Rätselraten, wo der Chenille-Kopf später tatsächlich arbeitet.
Gleichzeitig wirken Kombimaschinen einschüchternd: groß, laut – und das Dahao-Bedienpanel fühlt sich schnell wie ein Cockpit an. In diesem Guide zerlegen wir den im Video gezeigten, wiederholbaren Workflow auf einer YunFu-Mehrkopfmaschine: Rahmenwahl, Moduszuordnung (Chain vs. Towel), Schlingenhöhe (der „Flausch-Faktor“) und vor allem der entscheidende Trick zur Laser-Positionierung.

Was du hier lernst (und was dich vor teuren Fehlern schützt):
- Der „Safety Shift“: Wie du den großen Schärpen-/Borderrahmen zuerst mechanisch in die richtige Zone bringst, bevor du am Bildschirm irgendetwas einstellst.
- Die „Brain“-Einstellung: Wie du Farbblöcke so zuordnest, dass die Maschine exakt weiß, wann Chain und wann Towel laufen soll.
- Die „Nadel-1-Regel“: Warum Profis die Position immer über den Normal-Kopf (Nadel 1) festlegen – selbst bei Chenille-Jobs.
- Der „Border Walk“: Wie du mit „Check a border“ Clip-Treffer, Nadelbruch und Ausschuss vermeidest.
Wenn du in Richtung Produktion denkst, ist das Ziel nicht „ein gutes Teil“, sondern 500 identische Teile. Dafür brauchst du eine konsistente Stickrahmen-Strategie, eine standardisierte Einricht-Routine und eine stabile Fixierung, damit der Stoff die hohe mechanische Belastung durch Chenille sauber mitmacht.
Teil 1: Mechanische Vorbereitung & Rahmenwahl (das „Heavy Lifting“)
Bevor du am Panel arbeitest, kommt die mechanische Realität: Ein großer Schärpen-/Borderrahmen hat Masse, Hebelwirkung und viel Verfahrweg. Startest du in der falschen Position, joggst du unnötig lange – und erhöhst das Risiko, dass der Rahmen an Arme/Anbauteile oder Clips gerät.

Schritt 1 — Rahmen mechanisch nach links schieben (Sicherheit zuerst)
Schiebe den Schärpen-/Borderrahmen manuell nach links. Damit liegt der Arbeitsbereich näher am Normal-Kopf (Flachstick-Kopf), der für das Einrichten genutzt wird.
- Fühl-/Hör-Check: Der Rahmen muss sauber und gleichmäßig auf den Schienen laufen. Wenn es kratzt, schleift oder ruckelt: Stopp. Erst prüfen, ob etwas im Fahrbereich liegt.
- Warum das wichtig ist: Du bringst die Maschine in ihre praktische „Setup-Zone“, damit die spätere Laser-Ausrichtung über Nadel 1 sinnvoll und reproduzierbar funktioniert.
Schritt 2 — Rahmen am Dahao-Panel auswählen
Wähle am Dahao-Touchscreen das Rahmen-Symbol, das zu deinem montierten Rahmen passt.

Kritischer Kontrollpunkt: Achte darauf, dass am Normal-Kopf die grüne Kontrollleuchte aktiv ist.
- Warum Profis darauf bestehen: Bei Kombi-Köpfen kann die Steuerung „logisch“ bereit sein, aber wenn du nicht auf den aktiven Referenz-Kopf schaust, stimmt deine Ausrichtung nicht – der Versatz zwischen Köpfen führt sonst zu systematischem Offset.
Warnung: Quetschgefahr
Hände, Ärmel, Werkzeuge und magnetische Gegenstände aus dem Fahrweg halten – vor jedem Jog, „Check a border“ und Start. Große Rahmen bewegen sich schnell und mit hoher Kraft. Behandle die Maschine immer als „aktiv“.
Teil 2: Stichmodi zuordnen (das „Gehirn“)
Das ist der Bereich, der über Erfolg oder Chaos entscheidet. Die Maschine „denkt“ nicht mit – sie führt exakt aus, was du pro Farbindex vorgibst. Wenn Index 2 nicht als „Towel“ definiert ist, versucht sie diesen Bereich im falschen Modus zu sticken.
Schritt 3 — Design laden & Ausrichtung
Wähle die Designdatei (im Video z. B. das „Fu“-Motiv). Danach fragt das System nach „Direction Change“. In der Demo wird das übersprungen, weil keine Drehung nötig ist.

Schritt 4 — Stichmodus pro Farbindex festlegen
Im Dahao-System steuern die Farbindices den Technikwechsel. Du ordnest also jedem Index den passenden Modus zu.
- Index 1 (Weiß): Chain (Kettenstich) – für klare Konturen.
- Index 2 (Grün): Towel – Chenille-Oberfläche.
- Index 3: Towel.



- Der „Bestätigen“-Moment: Achte darauf, dass du die Auswahl wirklich bestätigst. Ein häufiger Bedienfehler ist: „Towel“ markieren, dann zurückgehen – und die Einstellung wurde nicht übernommen.
- Produktions-Check: Die Farbreihenfolge (A, B, C, D, E, F) muss zu deiner realen Fadenbelegung passen. Wenn Index 1 der weiße Kettenstich ist, muss der entsprechende Faden auch auf der richtigen Nadel/Farbposition liegen.

Teil 3: Schlingenhöhe einstellen (die „Textur“)
Die Schlingenhöhe bestimmt direkt, wie „puffy“ bzw. erhaben die Chenille wirkt – und ist damit einer der Parameter, die das haptische Ergebnis am stärksten beeinflussen.
Schritt 5 — Die „3“ eingeben
- Ablauf: Für Index 1 (Chain) sowie Index 2/3 (Towel) wird im Video der Wert 3 eingetragen.
- Praxis-Einordnung: „3“ ist ein solider, gut kontrollierbarer Standardwert.
- Niedriger (1–2): flacher, kompakter, weniger anfällig.
- Höher (4–6): deutlich mehr 3D-Effekt, aber nur mit sehr stabiler Fixierung zuverlässig.

Der Stabilitätsfaktor: Chenille belastet das Material stark. Wenn der Stoff nicht stabil liegt, wirkt selbst eine korrekt eingestellte „3“ ungleichmäßig. Genau hier macht dein Einspannsystem für Stickmaschine in der Praxis den Unterschied: Bei zu wenig Klemmkraft kann sich das Material während der Vibration minimal bewegen.
Pro-Hinweis: Wenn die Schlingen trotz korrekter Werte „unruhig“ aussehen, ändere nicht blind die Zahl. Prüfe zuerst die Fixierung: Sitzt das Material wirklich fest? Wenn es nachgibt, brauchst du bessere Stabilisierung bzw. gleichmäßigere Klemmung – in vielen Workflows hilft hier ein Magnetrahmen, weil er gleichmäßigen Druck über die gesamte Klemmfläche liefert.
Teil 4: Präzise Positionierung (der „Laser-Trick“)
Das ist der wichtigste Takeaway aus dem Video: Für die Positionierung ignorierst du den Chenille-Kopf.
Schritt 6 — Die Nadel-1-Regel
Bewege den Rahmen über die Pfeiltasten/Jog-Funktion am Dahao-Panel und richte den roten Laserpunkt von Nadel 1 (Normal-Kopf) auf deinen gewünschten Startpunkt bzw. die gewünschte Mitte auf dem Material aus.



- Warum das funktioniert: Die Maschine rechnet die Offsets intern. Wenn du versuchst, „nach Augenmaß“ über den Chenille-Kopf zu positionieren, landest du schnell neben der gewünschten Stelle.
- Erfolgskriterium: Der rote Laserpunkt sitzt exakt dort, wo die Designmitte/Referenz liegen soll.
Teil 5: „Check a border“ & Start
„Check a border“ (Trace/Randkontrolle) ist deine Versicherung. In der Produktion ist das kein optionaler Schritt.
Schritt 7 — „Check a border“ ausführen
Tippe auf das Symbol „Check a border“. Die Maschine fährt den Begrenzungsrahmen des Designs ab.

Schneller Praxis-Check während des Abfahrens:
- Sehen: Bleibt der Laser/der Abfahrweg vollständig auf Material/Vlies?
- Hören: Gibt es Klick- oder Schlaggeräusche? (Hinweis auf Clip-Kontakt) – dann sofort stoppen.
- Prüfen: Ist ausreichend Abstand zu Clips/Anbauteilen vorhanden?
Schritt 8 — Start drücken
Drücke Start. Laut Video wechselt die Maschine danach automatisch in den passenden Kopf/Modus und beginnt zu sticken.


Vorbereitung (Pre-Flight-Checks)
Erfolg passiert, bevor du Start drückst. Chenille verzeiht schlechte Vorbereitung kaum.
Verbrauchsmaterial & Risikominimierung
- Stickvlies: Für Mixed-Technik wird im Draft ein schweres Cutaway empfohlen; Tearaway ist oft zu schwach für die Chenille-Belastung.
- Nadeln: Stelle sicher, dass die Nadeln zum Material passen und in gutem Zustand sind.
- Fixierung: Beim Vergleich von Stickrahmen für Stickmaschine gilt: Rutschen = Ausschuss. Wenn dicke Teile schwer zu halten sind, stoßen Standardrahmen schneller an Grenzen.
Checkliste Vorbereitung
- Arbeitsbereich frei: Keine losen Fäden/Werkzeuge im Fahrbereich des Schärpenrahmens.
- Nadel-Check: Nadel 1 gerade und ohne Beschädigung.
- Fadenbelegung: Reale Farben entsprechen der A–F-Reihenfolge am Bildschirm.
- Vlies/Unterlage: Vollflächig unterlegt und deckt den kompletten Trace-Bereich ab.
Setup (der digitale Abgleich)
Die „Maschinenlogik“ muss zur Realität am Kopf und am Rahmen passen.
Checkliste Setup
- Rahmenwahl am Dahao entspricht dem montierten Rahmen.
- Grüne Leuchte am Normal-Kopf ist aktiv.
- Stichmodus: Index 1 = Chain; Index 2 = Towel (geprüft).
- Schlingenhöhe = 3 (für die relevanten Lagen geprüft).
- Direction/Rotation korrekt (übersprungen oder gesetzt).
Betrieb (Routine statt Glücksspiel)
Arbeite wie ein Pilot: standardisiert, überprüfbar, wiederholbar.
Checkliste Betrieb
- Laser-Lock: Position über Nadel 1 (roter Punkt) bestätigt.
- Border Trace: Vollständig gelaufen, ohne Clip-Kontakt und ohne den Stoffbereich zu verlassen.
- Geräusch-Check: Sauberer Lauf, keine Schleif-/Schlaggeräusche beim Kopfwechsel.
- Sicht-Check: Die ersten Stiche laufen sauber an (keine Fadennester).
Troubleshooting (Diagnose & schnelle Abhilfe)
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Typische Lösung | Vorbeugung |
|---|---|---|---|
| Trace trifft Clips | Ursprung/Position falsch oder Design zu groß für den Rahmenbereich. | Neu positionieren – über den Nadel-1-Laser. | Eine hooping station hilft, Teile reproduzierbar zu zentrieren. |
| Design sitzt versetzt | Mit falschem Kopf/Referenz positioniert. | Stoppen. Zurücksetzen. Position nur über Nadel 1 festlegen. | Vor dem Jog immer prüfen, ob die grüne Leuchte am Normal-Kopf aktiv ist. |
| Falsche Textur | Bereich läuft im falschen Modus (z. B. flach statt Chenille). | Stichmodus-Zuordnung pro Index korrigieren. | „Stitch Mode“-Zuordnung in Schritt 4 konsequent gegenprüfen. |
| Ungleichmäßige Schlingen | Material bewegt sich (Bouncing/Flagging). | Fixierung zu locker oder Stabilisierung zu schwach. | Stabilisierung verbessern oder einen Magnetrahmen nutzen, um gleichmäßiger zu klemmen. |
| Fadenriss | Schlingenhöhe/Belastung passt nicht zur Geschwindigkeit oder es gibt Reibung. | Wert „3“ ist ein sicherer Start; ggf. Geschwindigkeit reduzieren und Einstellungen prüfen. | Fadenführung/Tension sauber halten – Chenille erzeugt Fussel. |
Entscheidungslogik: Wann lohnt sich ein Tool-Upgrade?
Du kannst alles korrekt einstellen – und trotzdem Zeit verlieren, wenn die Hardware im Alltag bremst.
1. Problem: Rahmenspuren („Hoop Burn“) Wenn du nach jedem Job Rahmenspuren ausdämpfen musst, kostet dich das in der Serie richtig Geld.
- Ansatz: Magnetrahmen halten gleichmäßig, ohne die typischen Druckstellen klassischer Schraubrahmen.
2. Problem: Dicke Materialien Chenille wirkt auf Hoodies/Jacken besonders stark. Wenn du einen Standardrahmen über dicke Ware „zwingen“ musst:
- Ansatz: Suche nach Magnetrahmen, die zu deiner Maschine passen. Der Magnetdruck passt sich der Materialstärke besser an.
3. Problem: Setup ist der Engpass Wenn Messen/Positionieren länger dauert als das Sticken:
- Ansatz: Eine hooping station standardisiert die Platzierung, damit du nicht jedes Teil neu „nach Augenmaß“ ausrichtest.
Warnung: Magnet-Sicherheit
Magnetrahmen haben hohe Klemmkraft. Vorsichtig handhaben, Quetschstellen vermeiden, Abstand zu Herzschrittmachern halten und niemals Finger zwischen die Magnetflächen bringen.
Wenn du die Nadel-1-Regel konsequent anwendest und die Stichmodi sauber pro Farbindex setzt, wird aus einer komplexen Kombimaschine ein zuverlässiges Produktionswerkzeug.
