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Einführung in Yunfu-Industrie-Stickmaschinen
Wenn du von einer Ein-Nadel-Haushaltsmaschine auf eine Mehrnadel-Industrieanlage wie das 12-Nadel-System von Yunfu umsteigst, wirkt die Dimension anfangs einschüchternd: 12 mögliche Fadenwege, ein Pantograph, der mit Kraft und Tempo verfährt, und ein Bedienpanel, das eher an ein Cockpit als an eine Nähmaschine erinnert.
Die Realität aus der Praxis ist aber simpel: Komplexität ist nur eine Abfolge einfacher Schritte – sauber ausgeführt und konsequent in der richtigen Reihenfolge.
Für Produktionsbetriebe und ambitionierte kleine Unternehmen ist der schnellste Weg zu mehr Konstanz (und besseren Margen), den Ablauf „vom Screen bis zum Stich“ zu standardisieren. Ein falscher Tipp am DAHAO-Controller kostet Zeit, Garn – und im schlimmsten Fall das Kleidungsstück.
Dieses Tutorial bildet den Workflow aus dem Video auf einer Yunfu-Industrie-Stickmaschine nach. Du lernst, wie du den Maschinenstatus sicher zurücksetzt, digitale Farben den physischen Nadeln zuordnest, den Stickrahmen präzise positionierst und das Kreuzstich-Design sauber durchstickst.

Eine typische Frage aus den Kommentaren betrifft den Preis der Maschine. Auch wenn die Kosten je nach Region und Händler stark variieren, bleibt die operative Realität gleich: Egal ob du gerade Industrie-Stickmaschine zum Verkauf-Angebote vergleichst oder eine neue Maschine beim Händler kaufst – der DAHAO-Workflow wird erst dann von „ein Muster“ zu „wiederholbarer Produktion“, wenn die Setup-Schritte diszipliniert eingehalten werden.

Was du lernst (und was dabei schiefgehen kann)
Wir konzentrieren uns auf die „sichere Reihenfolge der Bedienung“. Diese Reihenfolge verhindert zwei der teuersten Anfängerfehler:
- „Ghost-State“-Fehler: Eine neue Datei laden wollen, während die Maschine logisch noch im vorherigen Job „verriegelt“ ist.
- „Rahmencrash“: Den Border-Trace überspringen und Nadel (oder Nähfuß) in den Stickrahmen fahren.
Zusätzlich bekommst du praxistaugliche Checkpoints für Stabilität, Fadenführung und „Maschinengefühl“ – denn bei Industriegeschwindigkeit werden kleine Setup-Fehler schnell zu sichtbaren Qualitätsproblemen.
Navigation im DAHAO Computer Control System
Das DAHAO-Panel erledigt zwei Aufgaben parallel – das verwirrt Einsteiger häufig:
- Logik-Steuerung: verwaltet den Dateistatus (gesperrt/entsperrt).
- Bewegungs-Steuerung: fährt die X/Y-Motoren und bewegt den Pantographen.

Schritt 1 — Maschinenstatus zurücksetzen (entsperren für einen neuen Job)
Im Video startet der Bediener, indem er auf das Symbol Embroidery Status tippt und Cancel Embroidery Condition auswählt.
Warum das nicht verhandelbar ist: Bei Haushaltsmaschinen gehst du oft einfach „zurück“. Bei DAHAO-Industriesystemen bleibt der Stickstatus als Schutz aktiv, damit der aktuelle Job nicht versehentlich überschrieben wird. Du musst der Maschine aktiv sagen: „Der vorherige Job ist beendet – entsperren.“
Checkpoints
- Visuell: Das Status-Icon ändert sich (je nach Firmware z. B. Farbe/gefüllt vs. Kontur).
- Funktional: Die Auswahl-/Datei-Icons, die vorher gesperrt oder ausgegraut waren, sind wieder anwählbar.
Erwartetes Ergebnis
- Der Controller ist bereit für neue Eingaben – der „Schatten“ des vorherigen Designs ist weg.
Warnung: Sicherheit zuerst. Halte Hände, Werkzeuge und lose Kleidung von Nadelbereich und beweglichem Rahmen fern, während du am Screen arbeitest. Industrieaggregate können beim Reset/Verfahren abrupt starten und mit hoher Kraft bewegen.
Warum das in der Produktion zählt
Wenn du diesen Schritt „abkürzt“, landest du oft in einem „stillen Fehler“: Du wählst scheinbar ein neues Design, aber beim Start will die Maschine den alten Job sticken. Merke dir die Reihenfolge: Unlock/Cancel → neue Datei → wieder bestätigen/locken.
Schritt-für-Schritt: Design auswählen und Farben/Nadeln zuordnen
Schritt 2 — Designdatei aus dem internen Speicher auswählen
Im Video sieht man eine Rasteransicht mit Design-Thumbnails. Der Bediener wählt die Kreuzstich-Pony-Datei aus.

Checkpoints
- Sichtprüfung: Passt das Thumbnail wirklich zum Auftrag (Motiv/Größe/Variante)?
- Format-Check: Stelle sicher, dass es sich um ein gängiges Industrieformat wie
.DSToder.DSBhandelt.
Erwartetes Ergebnis
- Das Design ist geladen, aber noch nicht „fürs Sticken fixiert“.
Schritt 3 — Stickbedingung bestätigen, dann Farben den Nadeln zuweisen
Hier passiert die meiste Verwechslung: Du musst Confirm Embroidery Condition ausführen (also wieder „verriegeln“), um in das Menü für die Nadel-/Farbzuordnung zu kommen.
Wichtig: Eine 12-Nadel-Einheit „weiß“ nicht, dass Nadel 1 Rot ist. Sie kennt nur „Nadel 1“, „Nadel 2“ usw. Du stellst die Verbindung zwischen Datei (Farbwechsel) und realer Garnbestückung her.

So gehst du vor (wie gezeigt)
- Embroidery Condition bestätigen/aktivieren (Datei locken).
- Ins Menü „Color Setting“/„Needle Bar“ wechseln.
- Jedem Farbwechsel im Design eine physische Nadelnummer (1–12) zuweisen.
Checkpoints
- „Faden-Zug“-Test: Wenn du z. B. Color 1 auf Nadel 3 gelegt hast, zieh kurz am Faden von Nadel 3 und prüfe, ob dort wirklich die gewünschte Farbe läuft (z. B. Gold).
- Sequenz-Logik: Screen-Zuordnung gegen deine Konen-/Spulenpositionen abgleichen.
Erwartetes Ergebnis
- Die Maschine hat eine klare Map: „Farbwechsel 1 = Nadel X, Farbwechsel 2 = Nadel Y …“
Profi-Gewohnheit aus der Werkstatt: „richtige Farbe, falsche Nadel“ vermeiden
Erfahrene Bediener verlassen sich nicht auf Erinnerung.
- Typischer Anfängerfehler: „Nadel 1 ist immer Schwarz“ – weil es letzte Woche so war.
- Pro-Check: Berühre/prüfe die Garnkone der ersten Nadelnummer, die am Screen steht. Wenn am Screen „Nadel 5“ steht, du aber gerade Neon-Grün in der Hand hast, obwohl Marineblau gebraucht wird, hast du den Fehler rechtzeitig gefunden.
Kritische Vorbereitungen: Positionieren und Border-Trace
Hier sparst du echtes Geld. Ein sauber eingespannter und korrekt positionierter Artikel bringt Gewinn – ein schlecht eingespannter Artikel wird Ausschuss.
Vorbereitung: „unsichtbare“ Verbrauchsmaterialien & Checks (bevor du X/Y verfährst)
Im Video wird der Einsatz von Rahmen und Vlies indirekt vorausgesetzt. Bevor du die Positionierpfeile antippst, muss die Basis stimmen.
Verbrauchsmaterialien & Tools, die bereitliegen sollten
- Nadeln: Wenn du nicht sicher weißt, wann sie zuletzt gewechselt wurden: jetzt wechseln.
- Öl/Wartung: Prüfen, ob der Greiferbereich regelmäßig geölt wurde (je nach Betrieb/Herstellerintervall).
- Stickvlies: Für dehnbare Ware Cutaway, für stabile Gewebe häufig Tearaway.
- Temporärer Sprühkleber: Um Vlies/Backing gegen Verrutschen zu sichern.
Der Einspann-Flaschenhals: Wenn du beim Einspannen gegen dicke Materialien kämpfst oder Rahmenabdrücke bekommst, ist oft das Werkzeug der Engpass – nicht deine Technik. Genau hier wird ein sauberer Einspannen für Stickmaschine-Workflow entscheidend.
Start-Checkliste (nach der Vorbereitung)
- Unterfaden-Check: Spulenkapsel öffnen und prüfen, ob der Unterfaden sauber läuft.
- Fadenweg: Keine Verdrehungen/„Pigtails“ an Führungen.
- Rahmensitz: Stoff/Vlies müssen plan und stabil sitzen.
- Freigängigkeit: Keine Stofflagen/Ärmel unter dem Rahmen eingeklemmt.
Schritt 4 — Design mit den DAHAO-Pfeilen positionieren
Der Bediener nutzt die manuellen Frame-Tasten, um den Start-/Mittelpunkt unter die Nadel zu bringen.


So gehst du vor (wie gezeigt)
- Manual Frame/Positioning-Modus öffnen.
- Pfeile für Feinkorrekturen antippen (statt dauerhaft zu halten).
- Falls vorhanden: Laserpunkt („Red Dot“) oder alternativ die Nadelspitze auf deine Markierung ausrichten.
Checkpoints
- Zentrierung: Steht die Nadel physisch über deiner Markierung?
- Zug/Reserve: Ist genug Materialreserve vorhanden, damit der Pantograph den Artikel nicht ungewollt straff zieht?
Erwartetes Ergebnis
- Die logische Designposition passt zur realen Position auf dem Material.
Expertenhinweis: Platzierungsgenauigkeit ist oft ein Spannungs-/Einspann-Thema
Wenn das Motiv beim Einspannen „gerade“ wirkt, nach dem Sticken aber schief sitzt, wurde das Material beim Einspannen verzogen.
Viele Betriebe reduzieren dieses Risiko durch Magnetrahmen für Stickmaschine: Statt über Reibung und Schraubdruck zu klemmen, drücken Magnetrahmen gleichmäßig nach unten. Das kann Materialkriechen reduzieren und Rahmenabdrücke minimieren. Für Serien (z. B. viele gleiche Shirts) kann ein Magnetrahmen-System den Ablauf deutlich stabiler machen.
Schritt 5 — „Check Border“ (Trace) vor dem Sticken ausführen
Diesen Schritt nicht überspringen. Im Video wählt der Bediener Check Border, und die Maschine fährt den Umriss des Designs ab – ohne zu sticken.

So gehst du vor (wie gezeigt)
- „Border“/„Trace“ auswählen.
- Finger in der Nähe des Not-Aus halten.
- Nicht nur auf die Nadel schauen, sondern besonders auf den Nähfuß und die Rahmenkante.
Checkpoints
- Abstand: Ist an der engsten Stelle genügend Abstand zwischen Nähfuß und Rahmenkante?
- Materialkante: Läuft die Abfahrbewegung innerhalb der Stoff-/Patchfläche?
Erwartetes Ergebnis
- Du bestätigst, dass das Design sicher im Stickrahmen liegt und keine Kollision droht.
Warnung: Quetschgefahr bei Magnetrahmen. Wenn du auf einen magnetic embroidery hoop umsteigst: Magnete schnappen mit hoher Kraft zusammen. Finger aus den Kontaktflächen halten.
Entscheidungshilfe: Stickvlies/Backing passend wählen
Falsches Vlies ist ein Hauptgrund für Wellen und Verzug.
- Szenario A: Dehnbare Ware (T-Shirts, Polos, Performance Wear)
- Lösung: Cutaway-Stickvlies.
- Szenario B: Stabile Ware (z. B. Denim, Canvas)
- Lösung: Tearaway-Stickvlies.
- Szenario C: Hohe Stichzahl / sehr dichte Designs
- Lösung: Stabiler einspannen, ggf. zusätzliche Vlieslage; Border-Trace besonders sorgfältig.
Wenn du wiederholgenaue Platzierung brauchst, hilft eine Einspannstation für Stickrahmen dabei, dass jedes Logo an derselben Stelle landet – unabhängig davon, wer einspannt.
Endergebnis: Kreuzstich-Optik in Industriequalität
Schritt 6 — Sticklauf starten (grüner Start-Taster)
Der Bediener drückt den grünen Startknopf, die Maschine beschleunigt und stickt die Farbwechsel automatisch.






So gehst du vor (wie gezeigt)
- Start drücken.
- Die ersten Stiche aktiv beobachten. In dieser Phase treten Fadenrisse oder Fadenknäuel unten am häufigsten auf.
Checkpoints (kurzer „Sensorik-Check“)
- Geräusch: Gleichmäßiger Lauf ist gut; harte, unregelmäßige Schlaggeräusche sind ein Warnsignal.
- Fadenspannung: Rückseite prüfen: Unterfaden sollte sauber eingebunden sein, ohne große Oberfadenschlaufen.
Erwartetes Ergebnis
- Die Maschine stickt die Sequenz, schneidet zwischen Farbwechseln (so programmiert) und stoppt am Ende automatisch.
Ablauf-Checkliste (nach dem Sticklauf)
- Erste Lage sitzt: Greift die erste Stichlage sauber, ohne dass der Stoff hochgezogen wird?
- Laufkultur: Läuft die Maschine ruhig und konstant?
- Stoppverhalten: Stoppt die Maschine bei Problemen (z. B. Fadenriss) wie erwartet?
Qualitätscheck: So sieht „gut“ auf schwarzem Stoff aus
Schwarzer Stoff verzeiht nichts – er zeigt Lücken sofort.
- Deckung: Scheint der schwarze Untergrund durch? Dann ist Dichte/Unterlage/Vlies nicht passend.
- Passung: Liegen Konturen sauber auf der Füllung?
- Verzug: Liegt der Stoff flach oder wellt er sich um die Stickerei?
Für reproduzierbare Ergebnisse lohnt es sich, den Prozess über eine Einspannstation für Maschinenstickerei zu standardisieren – damit die Spannung von Teil 1 bis Teil 50 gleich bleibt.
Troubleshooting (Symptom → wahrscheinliche Ursache → Fix)
Arbeite nach dem Prinzip: Erst Physik, dann Einstellungen.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache (physisch) | Wahrscheinliche Ursache (digital/Einstellungen) | Fix |
|---|---|---|---|
| Fadenriss | Nadel falsch eingesetzt, verbogen oder stumpf. | Spannung zu hoch. | Nadel wechseln (Flachseite korrekt). Fadenweg prüfen. |
| Fadenknäuel unten (Bird Nesting) | Falsch eingefädelt (Faden nicht korrekt durch Hebel/Führungen). | Spannung zu niedrig. | Komplett neu einfädeln. Prüfen, ob die Spannungsscheiben greifen. |
| Nadel trifft Rahmen | Rahmen/Material bei Setup verrutscht. | Designposition nicht korrekt. | Sofort Not-Aus. Border-Trace erneut, Position neu setzen. |
| Wellen/Puckern | Falsch/zu wenig Vlies oder ungleichmäßig eingespannt. | Dichte zu hoch. | Vlies anpassen, gleichmäßiger einspannen; ggf. Magnetrahmen nutzen. |
| Falsche Farbe gestickt | Fadenweg/Bestückung verwechselt. | Nadelzuordnung falsch. | Color-/Needle-Zuordnung am Screen erneut prüfen. |
| Maschine startet nicht | Rahmen fährt in Endlagen/Limit. | Stickstatus ist „Unlocked“. | Freigängigkeit prüfen, Stickstatus korrekt bestätigen. |
Ergebnis: Was am Ende vor dir liegen sollte
Nach Abschluss sollte ein sauberes, kräftiges Kreuzstich-Pony auf flach eingespanntem schwarzem Material zu sehen sein.

Wenn du diesen Ablauf sauber durchlaufen hast, beherrschst du die Basislogik einer 12-Nadel-Industrieanlage.
Wie geht’s weiter?
- Level 1: Effizienz. Gute Garne und passendes Stickvlies reduzieren Stopps.
- Level 2: Durchsatz. Reduziere den Einspann-Zeitverlust: Eine Einspannstation für Stickmaschinen plus Magnetrahmen kann den Output erhöhen, weil du den nächsten Artikel einspannen kannst, während die Maschine stickt.
- Level 3: Skalierung. Wenn ein Kopf nicht reicht, bist du bereit für Mehrkopf-Setups – und das Bedienprinzip bleibt ähnlich, sobald du DAHAO sicher beherrschst.
Beherrsche die Maschine, respektiere das Setup – und lass die Physik des Rahmens für dich arbeiten.
